Die politischen und medialen Äußerungen zur Iran-Krise zeigen sehr beispielhaft auf, wie schöne Worte verwendet werden, die in Wahrheit das Gegenteil bedeuten. Man will die Bevölkerung mit Floskeln einlullen, wie dieses aktuelle Beispiel zeigt.

In Sachen Iran hat sich seit meinem letzten Iran-Update nicht viel getan. Nachdem zuerst Großbritannien und danach der Iran jeweils völkerrechtswidrig je einen Tanker des anderen Landes gekapert haben, wird gepokert. Iran schlägt einen Austausch der Tanker vor, Großbritannien lehnt das ab. Gleichzeitig versuchen die USA eine neuen „Koalition der Willigen“ zu schmieden und andere Länder zu überreden, Kriegsschiffe in den Persischen Golf zu schicken. Die Briten fahren zweigleisig: Einerseits wollen sie sich den USA anschließen, andererseits versuchen sie mit einer „europäischen Mission zur Sicherung des Seewege“ die europäischen Länder ins Boot zu holen, die sich nicht bereitwillig den USA anschließen wollen. Das sind in erster Linie Deutschland und Frankreich, die ebenfalls mit einer eigenen „europäischen Mission“ liebäugeln.

Bisher verlaufen diese Versuche jedoch eher schleppend, lediglich Südkorea hat sich bisher bereit erklärt, sich den USA anzuschließen und in Europa sind noch keine Entscheidungen gefallen.

Absurd wird es wie üblich, wenn ein Grüner sich äußert. Die Grünen sind ja bekannt dafür, dass sie mehr als jede andere Partei ihre Prinzipien verraten und auch das Gegenteil von dem tun, was sie sagen. Im Fall Iran klingt das im Spiegel so:

„Der außenpolitische Sprecher der Grünen, Omid Nouripour, hatte sich ebenfalls positiv zu einem möglichen Einsatz geäußert. Die Bundeswehr könne unter dem Dach einer EU-Mission zur Deeskalation beitragen.“

Das klingt für die Wähler der Grünen, die anscheinend überhaupt nicht darüber nachdenken, was die Floskeln ihrer Idole eigentlich bedeuten, wahrscheinlich positiv. Die wohlklingenden Worte „unter dem Dach der EU“ und vor allem „Deeskalation“ kommen in einem Satz vor. Da ist jeder Grünen-Wähler reflexartig glücklich.

Aber was ist eigentlich aus den Grünen geworden, die sich früher mal für „Frieden ohne Waffen“ eingesetzt haben? Das war mal, neben dem Umweltschutz, das Hauptthema der Grünen. Und wer kann mir ein Beispiel aus der Geschichte nennen, in dem mehr Waffen, zusätzliche Schiffe und Truppen für eine „Deeskalation“ gesorgt haben? Das hat es schlicht nie gegeben.

Wenn irgendwo Truppen versammelt werden, dann wächst die Gefahr eines bewaffneten Zusammenstoßes und das ist das Gegenteil von „Deeskalation„. Nur scheinen Menschen wie Nouripour das nicht zu wissen. Das lässt tief blicken auf seine Qualifikation für die Position des „außenpolitischen Sprechers“.

Und wie würde wohl der Grüne Außenpolitik-Profi reagieren, wenn der Iran, Russland oder China Kriegsschiffe in die Ostsee schicken würden, um vor Rostock für eine „Deeskalation“ zu sorgen?

So ist es wenig überraschend, dass der Iran die Idee der „europäischen Mission“ folgendermaßen kommentiert:

„Wir haben gehört, sie planen die Entsendung einer europäischen Flotte in den Persischen Golf. Das beinhaltet natürlich eine feindselige Botschaft, ist provokativ und wird die Spannungen verstärken.“

Darauf hätte jedes Schulkind kommen können, denn schon auf dem Schulhof lernt man, dass es beim Streit zwischen zwei Jungs nicht zur „Deeskalation“ beiträgt, wenn ihnen ihre Freunde zu Hilfe eilen. Das erhöht höchstens das Risiko, dass aus einem Wortgefecht eine Schlägerei wird. Und leider gilt das auch im Großen: Wenn sich zwei hochgerüstete Armeen gegenüber stehen, dann steigert das die Kriegsgefahr und sei es auch durch ein ungewolltes Missverständnis. „Deeskalation„, Herr Nouripour, sieht anders aus!

Und die deutschen Medien spielen das Spiel mit und veröffentlichen solche unsinnigen Wortmeldungen unkommentiert und nicht hinterfragt. Ist das Dummheit in den Redaktionen oder will man dort einen neuen Krieg, „am besten“ mit deutscher Beteiligung?