Ich habe in Tacheles-Sendungen und auch Artikeln immer wieder berichtet, dass es den Verdacht gibt, dass zumindest ein Teil der angeblich ukrainischen Drohnen, die das russische St. Petersburg und den Nordosten Russlands angreifen, nicht etwa in der Ukraine, sondern in den baltischen Staaten gestartet werden.

Dafür gibt es mehrere Gründe. Zum einen habe ich aus informierten Kreisen gehört, dass zumindest ein Teil der Drohnen im Baltikum gestartet werden, aber das können natürlich auch unwahre Gerüchte sein. Wichtiger ist hingegen das Argument, dass die Reichweite zumindest eines Teils der dafür eingesetzten ukrainischen Drohnen gar nicht ausreicht, um die Strecke von der Ukraine bis nach Petersburg mit dem zusätzlichen Gewicht eines scharfen Sprengkopfes zurückzulegen.

Beim letzten Großangriff auf St. Petersburg vor einer Woche ist mindestens eine dieser Drohnen, die angeblich aus der Ukraine kommen, in Litauen abgestürzt. Solche Abstürze hat es auch früher schon gegeben, weshalb das auf den ersten Blick nichts Neues zu sein scheint.

Aber offensichtlich war bei diesem Absturz irgendetwas anders als bei früheren Vorfällen, denn obwohl ukrainische Drohnen zuerst Polen überfliegen müssen, bevor sie ins Baltikum kommen, hat sich Polen nie zu den im Baltikum oder Finnland abgestürzten Drohnen geäußert – ganz im Gegensatz zu diesen Ländern, die sich bei diesen Gelegenheiten dazu äußern mussten und daher pflichtschuldig erklärten, sie hätten die Nutzung ihres Luftraums für Angriffe auf Russland nicht genehmigt.

Das ist natürlich unwahr, denn wenn sie wirklich etwas dagegen hätten, dass Kiew ihre Lufträume für Angriffe auf Russland nutzt, dann würden sie die Drohnen auch bekämpfen. Immerhin wird ausgerechnet in diesen Ländern mit viel Tam-Tam die “Drohnenmauer” der EU gegen Russland aufgebaut, aber gegen ukrainische Drohnen wird sie nicht eingesetzt, was die Beteiligung dieser Staaten am Krieg gegen Russland bestätigt.

Ich habe letzte Woche sowohl in einem Artikel als auch in der letzten Tacheles-Sendung berichtet, dass der polnische Ministerpräsident Tusk sich dieses Mal genötigt gefühlt hat, bei Kiew pflichtschuldig wegen der in Litauen vom Himmel gefallenen Drohne zu protestieren, womit Tusk nun zum ersten Mal zugegeben hat, was ich schon lange berichte, nämlich dass die ukrainischen Drohnen den polnischen Luftraum nutzen.

Der Punkt ist, dass diese Drohne offenbar in Litauen gestartet wurde, und Russland hat schon vor einiger Zeit gewarnt, dass solche Starts aus dem Baltikum zu einer russischen Antwort führen würden. Daher war Tusk beim Besuch des litauischen Präsidenten gezwungen, zu behaupten, diese Drohne sei über Polen geflogen, um davon abzulenken, dass sie in Litauen gestartet wurde. Dass sie in Wahrheit in Litauen gestartet wurde, haben regierungstreuen polnischen Medien übrigens in ihrem Übereifer selbst gemeldet.

Da ich die entsprechenden Meldungen nicht selbst entdeckt habe, will ich mich nicht mit fremden Federn schmücken und übersetze den Artikel des Analysten, der mich auf diese Spur gebracht hat.

Beginn der Übersetzung:

Möglicherweise ist bei dem jüngsten Vorfall mit Drohnen in Litauen Vertuschung im Spiel

Ein renommiertes polnisches Medium berief sich auf inoffizielle Erkenntnisse des Verteidigungsministeriums und berichtete, dass die mit Sprengstoff beladene ukrainische Drohne, die am selben Tag, an dem der schwere Angriff auf Sankt Petersburg verübt wurde, dort abgestürzt war, tatsächlich aus Litauen selbst gestartet worden sei und nicht, wie von Vilnius behauptet, aus Polen in Russland eingedrungen sei.

von Andrew Korybko

Litauen behauptete, dass eine mit Sprengstoff beladene ukrainische Drohne, die genau an dem Tag, an dem der groß angelegte ukrainische Angriff auf Sankt Petersburg stattfand, auf seinem Staatsgebiet abgestürzt ist, aus Polen in das Land eingedrungen sei, während Polen erklärte, es werde die Ukraine nach Bekanntwerden dieser Nachricht um eine Erklärung bitten. In Russland hegen einige seit langem den Verdacht, dass die Ukraine Drohnen über den Luftraum der NATO fliegen lässt, um Angriffe auf die zweitgrößte Stadt des Landes zu ermöglichen. Dieser jüngste Vorfall untermauert diese Vermutung.

Das ist zwar schon beunruhigend genug, da ein mögliches Abschießen ukrainischer Drohnen durch Russland über dem baltischen Luftraum aus Selbstverteidigung einen unkontrollierbaren Eskalationszyklus mit der NATO auslösen könnte, doch laut polnischen Medien könnte noch mehr hinter der Geschichte stecken, was die Lage noch verschlimmert. Polsat News zitierte „inoffizielle Erkenntnisse aus dem Verteidigungsministerium, wonach die Drohne von litauischem Gebiet, etwa 30 Kilometer von der polnischen Grenze entfernt, gestartet und tief in das Land hineingeflogen sei.“

Zwar hat das Verteidigungsministerium den Bericht dementiert, doch könnte er dennoch der Wahrheit entsprechen, was die jüngsten gegenseitigen Schuldzuweisungen als ein Manöver der Vertuschung nach dem Absturz der ukrainischen Drohne in Litauen erscheinen lassen würde. Der russische Auslandsgeheimdienst hatte Anfang des Jahres gewarnt, Russland sei bereit, Vergeltungsmaßnahmen gegen Lettland zu ergreifen, nachdem Berichte aufgetaucht waren, wonach die Ukraine plane, von dort aus Drohnen gegen Russland zu starten. Zu solchen Vergeltungsmaßnahmen kam es jedoch nie, was darauf hindeutet, dass Lettland diese Pläne verworfen hat – doch Litauen könnte nun an seine Stelle getreten sein.

Es gibt drei Gründe für die Vermutung, dass dies der Fall ist. Erstens sind die polnisch-ukrainischen Beziehungen nach wie vor angespannt, nachdem Selensky im späten Frühjahr die Verantwortlichen der OUN-UPA für den Völkermord im polnischen Wolhynien mit staatlichen Zeremonien bedacht hatte. Daher könnte es sein, dass Polen es nicht riskieren möchte, wegen ukrainischer Drohnen, die seinen Luftraum überfliegen, einen schwerwiegenden Sicherheitsvorfall mit Russland zu provozieren – selbst wenn es ihnen den Überflug zuvor erlaubt hat.

Zweitens: Auch wenn ich hier argumentiert habe, dass ukrainische Drohnen gelegentlich den Luftraum des neutralen Weißrusslands überfliegen, können sie dennoch von Russland verfolgt und später abgefangen werden.

Und schließlich umgeht die Ukraine durch die Nutzung Litauens als Startplatz für Drohnen gegen Russland die oben genannten Hindernisse für ihre Pläne, und dank der geografischen Lage können alle Beteiligten, falls etwas schiefgeht und das aufgedeckt wird, wie es gerade geschehen ist, entspannt bleiben und so tun, als wären die ukrainischen Drohnen über Polen nach Litauen geflogen. Wie dem auch sei, diese mögliche Vereinbarung ist für Litauen dennoch unglaublich riskant, wenn man bedenkt, dass das Land sowohl an die russische Exklave Kaliningrad als auch an den Verbündeten Weißrussland grenzt und somit sehr anfällig für Vergeltungsmaßnahmen ist.

Diese Beobachtung wird im Zusammenhang mit Litauens Bemühungen verständlicher, seine Gesetzgebung so zu ändern, dass das Land eines Tages US-Atomwaffen beherbergen könnte – sollte Washington jemals zustimmen, diese dort zu stationieren –, und mit seinen parallelen Bemühungen, einen ständigen US-Militärstützpunkt zu beherbergen. Vilnius mag glauben, dass solche Äußerungen Moskau davon abhalten könnten, eines Tages Vergeltungsmaßnahmen zu ergreifen, wie es dies gegenüber Lettland angedroht hat, doch in Wirklichkeit könnten sie Washington davon abhalten, diesen Vorschlägen zuzustimmen, um wegen Litauen keinen großen Krieg mit Russland zu riskieren.

Polsat News, die Quelle der Spekulationen, dass es im Zusammenhang mit dem jüngsten litauischen Vorfall mit Drohnen möglicherweise zu einer Vertuschung gekommen sein könnte, gilt allgemein als zuverlässig. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Redaktion eine erfundene Behauptung veröffentlicht, wonach die betreffende Drohne aus Litauen selbst gestartet worden sei, und diese dann dem Verteidigungsministerium zuschreibt, ist äußerst gering. Unabhängig davon, ob dies tatsächlich der Fall war oder nicht, wurde ihnen diese Geschichte mit ziemlicher Sicherheit von einigen Vertretern des polnischen Verteidigungsministeriums aus Gründen erzählt, die nach wie vor unklar sind.

Ende der Übersetzung