„Jemenitische Warnung an Saudi-Arabien“? Was der iranische Präsident wirklich gesagt hat
Der Spiegel zitiert eine Erklärung des iranischen Präsidenten über die Angriffe auf die saudische Raffinerie. Leider zitiert er sie nicht vollständig, sodass sie einen völlig anderen Eindruck erweckt. Bei Spiegel-Online kann man über die Erklärung des Iran lesen: „Irans Präsident Hassan Rohani hat die jüngsten Angriffe auf Ölanlagen in Saudi-Arabien als eine „Warnung“ an die […]
Der Spiegel zitiert eine Erklärung des iranischen Präsidenten über die Angriffe auf die saudische Raffinerie. Leider zitiert er sie nicht vollständig, sodass sie einen völlig anderen Eindruck erweckt.
Bei Spiegel-Online kann man über die Erklärung des Iran lesen:
„Irans Präsident Hassan Rohani hat die jüngsten Angriffe auf Ölanlagen in Saudi-Arabien als eine „Warnung“ an die Regierung in Riad bezeichnet. Saudi-Arabien solle daraus „Lehren“ ziehen. Die Jemeniten hätten das legitime Recht, sich gegen die Vernichtung ihres Landes zu wehren – und als Warnung auch industrielle Ziele anzugreifen, sagte Rohani in Teheran. „Diese Warnungen sollten ernst genommen und das Kriegsfeuer in Jemen sollte ein für allemal gelöscht werden.““
Tatsächlich lautete diese Passage aus der Erklärung des iranischen Präsidenten folgendermaßen:
„Der Jemen hat seine Reaktion gezeigt und einen Schlag gegen ein konkretes Ziel ausgeführt, nicht gegen Krankenhäuser. Sie haben keine Schule und keinen Markt in Sanaa angegriffen, sondern ein Industrieobjekt, um Euch zu warnen.“
Es verwundert kaum, dass der Spiegel die Erklärung nicht komplett zitiert hat, denn dass Saudi-Arabien mit Unterstützung der USA immer wieder zivile Ziele in der jemenitischen Stadt Sanaa bombardiert, ist zwar kein Geheimnis, wird von den deutschen Medien aber nur ungern gemeldet. Hätte der Spiegel die Erklärung des iranischen Präsidenten Rohani komplett zitiert, hätte der eine oder andere Leser denken können „so unrecht hat er auch wieder nicht“.
Denn es ist objektiv wahr: Saudi-Arabien führt einen Angriffskrieg gegen den Jemen, der viele Zivilisten fordert, nicht umgekehrt. Dabei werden immer wieder Märkte, Schulen, Krankenhäuser und ähnliches im Jemen von den Saudis bombardiert. Und in der Tat hat der Jemen gemäß Völkerrecht sogar das Recht, sich dagegen mit Angriffen gegen Saudi-Arabien zu wehren, wenn er keine zivilen Ziele bombardiert. Und die Raffinerie ist nach dieser Definition kein ziviles Ziel, sie ist ein industrielles Ziel. Zivile Ziele sind Märkte, Schulen, Kindergärten, Wohngebiete, Krankenhäuser und so weiter. Alles Ziele, die Saudi-Arabien immer wieder in Sanaa bombardiert.
Aber der Spiegel enthält seinen Lesern mal wieder die vollständige Wahrheit vor und hat aus der Erklärung von Rohani nur das veröffentlicht, was böse klingt. Was geht wohl in den Köpfen von Redakteuren vor, die bewusst Dinge so aus dem Zusammenhang reißen, um ihre Leser bewusst unvollständig zu informieren?