Die Lage in Venezuela entspannt sich nicht, im Gegenteil. Möchtegern-Präsident Guaido bringt nun einen US-Einmarsch ins Spiel.

Nachdem vor wenigen Tagen (der wievielte?) Anlauf Guaidos fehlgeschlagen ist, die Macht zu übernehmen, konnte man gespannt abwarten, was als nächstes kommt.

Guaido bekommt weder im Volk, noch in der Armee die nötige Unterstützung für seinen Putsch. Seit mehr als drei Monaten versucht er nun die Macht zu ergreifen und wenn es für das Land nicht so tragisch wäre, was dort vor sich geht, müsste man einfach nur über den Pseudo-Präsidenten lachen.

Letzte Woche hat er großspurig angekündigt, der Großteil der Armee sei zu ihm übergelaufen und schon Stunden später wurde klar, dass es nur ein paar versprengte Soldaten waren. Nun wiederholt Guaido die Show. Am Samstag meldete der Spiegel erneut in einer Überschrift: „Machtkampf in Venezuela – Juan Guaidó kündigt Seitenwechsel von Offizieren an„. Aber so ganz sicher scheint sich selbst der Spiegel nicht mehr zu sein, denn im ersten Absatz des Artikels konnte man lesen:

„In Venezuela zeigt sich der selbsternannte Interimspräsident Juan Guaidó zuversichtlich, dass hochrangige Offiziere zu ihm überlaufen werden – ohne Belege zu liefern.“

Die USA jedoch bleiben hartnäckig und erdrosseln das Land wirtschaftlich, frieren seine Konten ein, sanktionieren den Import von Lebensmitteln und Medikamenten und den Export von Öl. Zynisch beschuldigen sie gleichzeitig die Regierung von Präsident Maduro, er würde keine Hilfslieferungen ins Land lassen. Erstens ist das Unsinn, zweitens bräuchte Venezuela gar keine Hilfe, wenn die USA das Land nicht wirtschaftlich isolieren würden und jedem mit Sanktionen drohen, der Öl aus Venezuela kauft.

In den USA scheint es einen Machtkampf um die Frage einer militärischen Intervention in Venezuela zu geben. Man hört davon, dass Sicherheistberater Bolton und Außenminister Pompeo Trump dazu drängen wollen, der Präsident dem aber bisher zurückhaltend gegenüber steht. Da die Armee in Venezuela durchaus nicht klein ist, würde ein solcher Einmarsch der USA wohl viele Opfer auf beiden Seiten fordern, zumal US-Invasionen in der Region nicht populär sind und die Menschen wahrscheinlich hinter Maduro versammeln würde. Auch die Nachbarländer, die zwar die US-Politik unterstützen, sind gegen einen solchen Einmarsch, sie fürchten die Reaktionen der Menschen in ihren eigenen Ländern.

Guaido scheint das anders zu sehen. Einen US-Einmarsch fand er nie schlecht, aber er kann ihn erst offiziell fordern, wenn er dazu aus Washington grünes Licht hat. Wie sähe das aus, wenn er um einen US-Einmarsch bittet und Washington ablehnt? Das wäre das definitive Ende seines Putschversuches. Nun liegt es an den Hardlinern um Bolton und Pompeo, den Präsidenten und das Volk der USA dazu zu bringen, einen Einmarsch zu unterstützen.

In einem Interview wurde Guaido nun gefragt, wie er auf einen Anruf von Bolton reagieren würde, in dem eine US-Invasion angeboten wird. Guaido antwortete:

„Danke für diese Variante, wir schätzen das Angebot und möglicherweise, beraten wir es im Parlament, um die Krise zu lösen. Sollte es notwendig werden, ist es möglich, dass wir das gut heißen würden.“

Parallel dazu bombardieren Bolton und Pompeo das amerikanische und venezolanische Volk mit Tweets, um die Akzeptanz für ein solches Szenario zu erhöhen, bisher mit mäßigem Erfolg.

Aber was kann man eigentlich von einem Möchtegern-Präsidenten denken, der einen Krieg der USA gegen das eigene Land, die eigenen Bürger und Soldaten in Erwägung zieht, um an die Macht zu kommen? Ist das wirklich jemand, dem es um das Wohl seines Landes geht?