Corona – Gefährlich oder Fake? Warum die bekannten Daten noch keine Antwort geben
Ein Spiegel-Artikel hat mich heute auf ein Thema gebracht, über das ich schon lange mal schreiben wollte: Wie belastbar sind eigentlich all die Statistiken über Corona und was sagen sie aus? Beim Anti-Spiegel gab es in den letzten Wochen praktisch nichts über Corona. Und das hat einen einfachen Grund: Ich halte mich an belegbare Fakten […]
Ein Spiegel-Artikel hat mich heute auf ein Thema gebracht, über das ich schon lange mal schreiben wollte: Wie belastbar sind eigentlich all die Statistiken über Corona und was sagen sie aus?
Beim Anti-Spiegel gab es in den letzten Wochen praktisch nichts über Corona. Und das hat einen einfachen Grund: Ich halte mich an belegbare Fakten und vermeide Spekulationen so gut es geht. Die Zahlen und Statistiken über Corona sind jedoch nicht aussagekräftig und letztlich kann man alle Einschätzungen mit ihnen begründen: Man kann aus den offiziellen Zahlen herleiten, dass Corona gefährlich ist und man kann daraus genauso herleiten, dass Corona völlig ungefährlich ist. Wie das geht, hat der Spiegel heute unfreiwillig in einem Artikel über die russischen Corona-Zahlen gezeigt.
Wer die Gefährlichkeit einer Pandemie untersuchen will, braucht Antworten auf folgende Fragen:
Erstens: Wie schnell verbreitet sich ein Krankheitserreger?
Zweitens: Wie hoch ist die Zahl derer, die daran sterben (in Prozent)?
Drittens (und bei Corona sehr wichtig): Wie viele der Infizierten (auch in Prozent) brauchen (vorübergehend) Intensivpflege?
Auf all diese Fragen haben wir keine eindeutigen Antworten. Die Corona-Tests sind ungenau und manch ein Infizierter wird als nicht infiziert gemeldet und umgekehrt. Außerdem brauchen wir Zahlen nicht nur aus einem Land, wir brauchen internationale Zahlen, aber wenn einige Länder viel testen und entsprechend viele Infizierte melden, während andere Länder nur die testen, die mit Symptomen ins Krankenhaus kommen, kommen wir auf nicht vergleichbare Ergebnisse.
Gleiches gilt bei den Sterberaten. Wo nur Menschen mit Symptomen getestet werden, gibt es eine entsprechend hohe prozentuale Sterberate, während dort, wo sehr viel getestet wird, die Sterberate natürlich niedriger ist. Und es gibt auch noch die Frage der Definition: Wer ist Corona-Opfer? Der, der daran gestorben ist, oder der, bei dem Corona eine bestehende Erkrankung verstärkt hat, an der er dann gestorben ist? Jedes Land meldet hier nach eigenem Gutdünken seine Zahlen, vergleichbar (und damit aussagekräftig) sind sie aber nicht.
Jeder kann nun diese Zahlen interpretieren. Wer Corona für gefährlich hält, verweist auf New York, Madrid oder Norditalien. Wer es für ungefährlich hält, verweist auf Deutschland oder Schweden (wobei auch Schweden keine eindeutigen Antworten gibt, dazu später mehr). Tatsächlich belastbare Zahlen werden wir erst haben, wenn flächendeckend Antikörper-Tests durchgeführt wurden, die aufzeigen, wie viele Menschen tatsächlich infiziert waren, ohne es bemerkt zu haben. Aber diese Zahlen werden erst in Monaten oder Jahren vorliegen.
Überflüssig zu sagen, dass Meldungen aus deutschen Krankenhäusern, alles sei in Deutschland nicht schlimm, nicht weiterhelfen. Schließlich behauptet ja auch niemand, in Deutschland sei es schlimm. Deutschland ist nicht der Nabel der Welt und die Frage ist nicht, ob es in deutschen Krankenhäusern schlimm ist oder nicht.
Die Frage ist, warum ist es in Deutschland nicht schlimm? Liegt es daran, dass Einschränkungen und ein im internationalen Vergleich gutes Gesundheitssystem dafür gesorgt haben, dass in Deutschland die Katastrophe ausgeblieben ist? Oder liegt es daran, dass das Virus in Wirklichkeit ungefährlich ist? Auch darauf haben wir heute wegen der schlechten Datenlage keine endgültige Antwort.
In den wenigen Artikeln, die ich zu Corona geschrieben habe, findet sich daher auch immer wieder die Aussage, dass wir auf viele Fragen heute noch keine Antwort haben. Manchmal braucht es Zeit, bis wir Antworten bekommen, das ist nun einmal so. In meinen Augen kann aus den vorliegenden Daten niemand von sich behaupten, die Antworten schon zu kennen.
Der Spiegel hat das Dilemma ungewollt aufgezeigt, als er in einem Artikel mal wieder das gewohnte Russland-Bashing betrieben hat, wie schon die Überschrift gezeigt hat: „Feststellung von Todesursachen – Russlands fragwürdige Covid-19-Statistik„. Die Kernaussage war also, dass Russland bei den Corona-Zahlen die Statistiken fälscht. Man konnte dort lesen:
„Kritiker verweisen hingegen auf die fragwürdige Feststellung von Todesursachen bei den Opfern. „Wenn jemand an einem Herzinfarkt stirbt, aber auch Covid-19 diagnostiziert wurde, dann ist die offizielle Todesursache der Herzinfarkt“, sagt Sergej Timonin vom Internationalen Laboratorium für Bevölkerung und Gesundheit an der Moskauer Higher School of Economics (HSE). „Mit anderen Worten: Nicht alle Todesfälle von Personen mit Corona werden als Todesfälle durch Corona gelistet.““
Übrigens ganz am Rande: Der Infosperber liefert immer wieder gute Berichte mit Quellenangaben zu Corona, auch zu den Problemen mit den Zahlen, auf die sich alle berufen, gab es dort einen guten Artikel. Ich habe beim Infosperber und in anderen Medien immer wieder Meldungen gelesen, dass Corona unter anderem anderem zu Blutgerinseln führt, die dann bei Risikopatienten zu tödlichen Embolien oder Herzinfarkten führen. Aber ist ein Risikopatient, der an einer Embolie stirbt, an Corona gestorben? Oder hätte er das tödliche Blutgerinsel sowieso bekommen? Das lässt sich selbst mit einer Autopsie nicht zweifelsfrei feststellen. Da helfen nur Statistiken, die zeigen, ob in der Corona-Zeit die Zahl der tödliche Embolien zugenommen hat. Aber auch diese Statistiken werden wir erst mit Verspätung bekommen.
Der Spiegel wirft Russland vor, im Zweifel lieber eine andere Todesursache anzugeben, als Corona. Das mag sein. Fairerweise fügt der Spiegel hinzu:
„Das Problem ist bekannt, nur wird es in anderen Ländern oft andersherum gehandhabt, so auch in Deutschland. In Hamburg etwa werden alle Menschen, die zum Todeszeitpunkt eine Sars-CoV-2-Infektion hatten, als „Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19-Erkrankungen“ erfasst. Das könnte die Statistik hierzulande dahingehend verfälschen, dass wir die Zahl der Todesfälle noch überschätzen.“
Und wer hat nun Recht? Der, der vorsichtig ist und im Zweifelsfall eine andere Todesursache angibt? Oder der, der jeden Corona-Infizierten, der auf der Treppe stürzt und sich das Genick bricht (ich überspitze ein wenig), als Corona-Opfer meldet?
Man kann dabei die Frage stellen, was mit den Zahlen ausgedrückt werden soll. Will Deutschland möglichst viele Corona-Opfer melden? Will Russland möglichst wenige Corona-Opfer melden? Und warum will Deutschland mehr Opfer melden, als wohl gab und Russland weniger Opfer?
Wie man sieht, kommen wir hier bereits tief in den Bereich der Spekulation und bekanntlich mag ich Spekulationen nicht. Daher soll darüber zum jetzigen Zeitpunkt nachdenken, wer will. Ich warte lieber ab, bis es belastbare Informationen gibt.
Im weiteren Verlauf des Spiegel-Artikels werden die Fragen nach den deutschen Zahlen aber nicht gestellt, stattdessen wird Zweifel an den russischen Zahlen gestreut. Russland gehört zu den Ländern, die früh Grenzen geschlossen und daher den Ausbruch der Pandemie verzögert haben. Das hat schon damals in den „Qualitätsmedien“ zu der Behauptung geführt, Russland hätte im März seine Zahlen gefälscht, was heute aber niemand mehr behauptet. Russland hat auch sehr früh strengen „Hausarrest“ für ältere Menschen und Risikopatienten angeordnet, was nun in Russland als Grund für die niedrigen Sterbezahlen genannt wird. Und das wird auch dadurch bestätigt, dass in russischen Krankenhäusern wenig Ältere, aber sehr viel mehr jüngere Menschen behandelt werden.
Aber auch das lässt sich zu jetzigen Zeitpunkt nur vermuten, auch hier gilt: Die Zahlen sind noch nicht belastbar.
Und wie gefährlich ist Corona nun? Ich weiß es nicht.
Die endgültige Antwort könnte eine Analyse der sogenannten „Übersterblichkeit“ geben. Wir wissen aus den Statistiken, dass über die Jahre in Deutschland in den Monaten März und April ca. 2.800 Menschen pro Tag sterben. Solche Zahlen gibt es für fast jedes Land. Wenn wir nun sehen, dass 2020 im März und April plötzlich sehr viel mehr Menschen gestorben sind, dann ist das ein Hinweis darauf, dass Corona keineswegs ungefährlich ist. Und diese Übersterblichkeit gibt es tatsächlich, dazu gleich mehr.
Corona wird gerne mit einer normalen Grippe verglichen, bei der ja auch eine Übersterblichkeit zu beobachten ist, wie zuletzt in 2017/2018.
Ob Corona aber so ungefährlich ist, wie eine normale Grippewelle, wissen wir nicht, denn bei einer Grippewelle wird die Bevölkerung nicht zu Hause eingesperrt. Wir wissen also nicht, wie hoch die Übersterblichkeit 2020 gewesen wäre, wenn es keinen Lockdown gegeben hätte. Damit sind wir wieder im Bereich der Spekulationen. Und jeder kann es nach seinem Weltbild interpretieren: Der eine sagt, Corona wäre ungefährlich, weil sich die Übersterblichkeit in vielen Ländern im „normalen“ Rahmen hält. Der andere sagt, die Übersterblichkeit sei nur deshalb im Rahmen geblieben, weil es den Lockdown gegeben hat, ergo: Corona ist gefährlich.
Wer hat nun Recht? Keine Ahnung.
Für die Übersterblichkeit gibt es bereits Zahlen. Und die bestätigen, dass es in Italien, Spanien, Belgien. Großbritannien, Frankreich und Schweden derzeit eine sehr hohe Übersterblichkeit gibt. Auf dieser Seite sind die Zahlen nach EU-Ländern und Altersgruppen selektierbar und jeder „Zahlenfreak“ (wie ich auch einer bin), kann die Zahlen zur Übersterblichkeit sortieren, selektieren und analysieren. Ergebnis: Es gibt in den eben genannten Ländern eine sehr hohe Übersterblichkeit, und zwar vor allem unter den über 65-jährigen.
In Deutschland ist die Übersterblichkeit kaum messbar, sie ist sehr gering und daher statistisch „nicht auffällig“, wie man das nennt. Aber: Sie bestätigt die offiziellen Zahlen über Corona-Opfer in Deutschland zumindest einigermaßen gut. Wir müssen uns daran erinnern, dass die Angaben über Corona-Opfer in Deutschland wahrscheinlich überhöht sind. Und wenn man das im Hinterkopf hat, dann scheinen die deutschen Opferzahlen ziemlich genau die nur sehr leicht erhöhte Übersterblichkeit in Deutschland zu erklären. Der Spiegel hat – auch das kommt vor – dazu einen guten Artikel geschrieben.
Aber das sind statistische Angaben, die zwar Rückschlüsse zulassen, aber keine endgültigen Ergebnisse liefern Dazu müsste man jeden Toten obduzieren, um seine tatsächliche Todesursache festzustellen. Das ist natürlich unrealistisch.
Umso interessanter sind die Berichte, die es über Obduktionsbefunde gibt. Ende April wurden einige bekannt und alle kamen zu dem gleichen Schluss: Die Toten hatten Vorerkrankungen und Corona hat „nur“ ein ohnehin bevorstehendes Ableben etwas beschleunigt. So kam zum Beispiel ein Hamburger Pathologe Ende April nach der Obduktion von 133 der zu dem Zeitpunkt 142 Corona-Opfer in Hamburg zu diesem Ergebnis.
Ich nenne seinen Bericht als Beispiel, weil er wiederum auch das Problem der Übersterblichkeit anschaulich aufzeigt: In Hamburg sterben täglich zwischen 40 und 60 Menschen. Wenn wir nun davon ausgehen, dass in Hamburg in etwa sechs Wochen, als 42 Tagen, 142 Menschen an Corona gestorben sind, dann sind das zwischen drei und vier Toten am Tag. Aber die Todeszahlen schwanken in Hamburg zwischen 40 und 60, da fallen vier Tote mehr oder weniger nicht ins Gewicht. (Detaillierte Zahlen zu der täglichen Sterblichkeit nach Bundesländern finden Sie hier.)
Anders war es in Süddeutschland, wo es mehr Corona-Fälle gegeben hat, als im Norden. Dort kann man eine Übersterblichkeit bei den Menschen über 65 deutlich in den Statistiken sehen. Aber deutschlandweit ist sie schon kaum mehr nachweisbar.
Übrigens: Wenn tatsächlich (fast) alle Corona-Opfer ohnehin demnächst gestorben wären, dann müsste man das in den nächsten Monaten in den Daten der Übersterblichkeit von Italien, Spanien, Großbritannien und so weiter sehen können. Wenn die Corona-Opfer tatsächlich „nur etwas früher“ gestorben sind, als es normalerweise der Fall gewesen wäre, müsste man in den nächsten Wochen und Monaten im Vergleich zu den Vorjahren eine niedrigere Übersterblichkeit (also eine „Untersterblichkeit“) sehen.
Noch ein Wort zu Schweden, das immer als Beispiel herangezogen wird, weil es dort keinen Lockdown gegeben hat, sondern nur Verbote von Massenveranstaltungen und so weiter. Schweden hat vergleichsweise wenig Infizierte und Tote, so wird behauptet.
Auch dazu geben die Zahlen durchaus andere Daten her, wie ein Vergleich mit den Nachbarn Dänemark und Norwegen zeigt. Schweden hat etwa doppelt so viele Einwohner, wie seine Nachbarn, aber deutlich mehr Infizierte. Schweden hat ca. 26.000 Infizierte, die beiden Nachbarn haben zusammen nur etwa 18.000. Und man muss im Hinterkopf haben, dass in Schweden nur sehr wenig getestet wird (es wurden dort nur ca. 150.000 Tests gemacht, in Deutschland hingegen mehrere Millionen). Es dürfte also in Schweden weit mehr Infizierte geben, als bekannt ist.
Noch deutlicher wird es bei den Toten: Norwegen und Dänemark haben zusammen weniger als 800 Corona-Tote, Schweden hat über 3.200. Zwar ist das Gesundheitssystem in Schweden nicht, wie prophezeit, zusammengebrochen, aber es hat eine hohe Übersterblichkeit und gemessen an der Bevölkerung eine viel höhere Sterblichkeit, wie ein Vergleich mit Deutschland aufzeigt: Deutschland hat acht Mal so viele Einwohner wie Schweden, aber nur etwa doppelt so viele Tote. Hätte Deutschland eine so hohe Sterblichkeit, wie Schweden, dann hätte Deutschland aktuell nicht 7.500, sondern etwa 25.000 Tote.
Und wie soll man die schwedischen Zahlen nun interpretieren? Ja, es gibt mehr Tote, als in Deutschland. Und nein, obwohl die Schweden nicht zu Hause eingesperrt worden sind, ist das Gesundheitssystem in Schweden nicht kollabiert. In Madrid und Norditalien aber schon. Und was sagt uns das? Ist Corona nun gefährlich oder nicht? Oder ist es nur dort gefährlich, wo das Gesundheitssystem schlechter ist, als in Schweden oder Deutschland? Darüber kann sich wieder jeder seine eigene Meinung bilden.
Fazit: Wie Sie sehen, sehen Sie nix. Die vorhandenen Daten sind ungenau, nicht miteinander vergleichbar und die Datenlage ist außerdem noch verworren. Jeder kann sie in die gewünschte Richtung interpretieren und findet in den Daten eine Bestätigung für seine Meinung. Ich lege mich bei dem Thema jedenfalls noch nicht fest.
Bislang tendiere ich dazu zu sagen, dass die Gefahr real ist (zumindest für viele Länder), aber ich kann auch falsch liegen. Sicher wissen wir es erst, wenn verlässliche Daten vorliegen.
Und an alle, die hinter Corona die „große Weltverschwörung“ vermuten, habe ich eine Frage, auf die mir noch kein Vertreter dieser These eine Antwort geben konnte: Warum sollten China und Russland dabei mitspielen? Oder wenn es eine chinesische Verschwörung ist, warum spielt dann der Westen mit?
Ich halte mich an Fakten, daher wird es bis auf weiteres beim Anti-Spiegel nicht viel über Corona geben, denn Fakten sind derzeit noch Mangelware. Dafür gibt es eine Menge Emotionen. Das ist verständlich, aber bei der Wahrheitssuche nicht hilfreich.