Das russische Außenministerium zu dem Vorwurf, Russland habe einen italienischen Journalisten bedroht
Man kann in westlichen Medien lesen, Russland habe einen Journalisten der italienischen Zeitung „La Stampa“ bedroht. Was steckt hinter diesen Meldungen? Ich habe schon am Rande darüber berichtet, nun will ich etwas ausführlicher werden. Die italienische Zeitung „La Stampa“ hat einen Artikel veröffentlicht, in dem behauptet wird, die russische Hilfe für Italien sei „zu 80 […]
Man kann in westlichen Medien lesen, Russland habe einen Journalisten der italienischen Zeitung „La Stampa“ bedroht. Was steckt hinter diesen Meldungen?
Ich habe schon am Rande darüber berichtet, nun will ich etwas ausführlicher werden. Die italienische Zeitung „La Stampa“ hat einen Artikel veröffentlicht, in dem behauptet wird, die russische Hilfe für Italien sei „zu 80 Prozent“ unnütz. Das ist objektiv unwahr, denn die italienische Regierung selbst hat dem vehement widersprochen. Ein Vertreter des russischen Verteidigungsministeriums soll den Verfasser des Artikel auf Facebook bedroht haben, indem er ein lateinisches Sprichwort verwendet hat. Klingt abstrus? Ist es auch.
Die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharova, hat sich am Freitag auf ihrer Pressekonferenz zu dem Thema geäußert und jeder kann den Wahrheitsgehalt ihrer Ausführungen leicht überprüfen, Englischkenntnisse und ein wenig Geschick bei der Google-Suche sind dafür ausreichend. Ich habe daher die offizielle russische Erklärung zu dem Thema übersetzt.
Beginn der Übersetzung:
Am 15. April dieses Jahres hat die Plattform für Sicherheit von Journalisten unter der Ägide des Europarates auf ihrer Seite eine „Bedrohungsmitteilung“ veröffentlicht, weil der offizielle Vertreter des russischen Verteidigungsministeriums Konaschenkow dem Journalisten der italienischen Zeitung „La Stampa“ Jacoboni gedroht haben soll. Die Verfasser dieser Mitteilung – die britische NGO Article 19 und der belgische Verband europäischer Journalisten – sahen als Bedrohung nicht russische Waffen oder Nachrichten über Militärmanöver, die Konaschenkow erwähnt haben könnte, nein, als „Akt der Aggression“ wird ihm die Verwendung des lateinischen Sprichworts „Qui fodit foveam, incidet in eam“, „Wer anderen eine Grube gräbt, fällt selbst hinein“, vorgeworfen, das Konaschenkov am 2. April in einem Kommentar in Bezug auf eine Veröffentlichung der oben genannten Zeitung über die russische Hilfe für die Lombardei gegen das Coronavirus verwendet hat.
Man kann sich hierzu eine Menge ausdenken, kann linguistische Debatten über das Verständnis der Bedeutung dieses Sprichworts in der modernen Welt führen, aber natürlich hat das nichts mit „Einschüchterung“ zu tun. Etwas anderes ist es, dass Wissen und Bildung das Leben viel gefährlicher machen, weil man neue Dinge erfahren kann, wenn man zum Beispiel kein Latein versteht.
Ich möchte etwas über die Strukturen sagen, die dem Vertreter des russischen Verteidigungsministeriums eine „aggressive Rhetorik“ vorwerfen. Seit der Einrichtung der Plattform im November 2014 hat Russland ernsthafte Zweifel an der Fähigkeit der Struktur zu Objektivität und Unparteilichkeit geäußert. Ich möchte daran erinnern, dass sie von 14 westlichen NGOs gegründet wurde, die wiederum direkt von den Regierungen der entsprechenden Länder finanziert werden. Wir antworten unseren Partnern immer gerne mit Fakten. So stammt mehr als die Hälfte des Budgets der britischen NGO „Article 19“, die Konaschenkov so erschreckt hat, von Regierungen, einschließlich des britischen und des US-Außenministeriums. Darüber hinaus wurden ihre Veröffentlichungen vom Sekretariat des Europarates nicht überprüft. Aus diesem Grund hat Russland es der Plattform verweigert, ihre Aktivitäten auf sein Territorium auszudehnen. Leider konnten wir uns im Laufe der Jahre von der Voreingenommenheit und der Einseitigkeit der von ihr veröffentlichten Informationen überzeugen. Der neue anti-russische Angriff hat die Richtigkeit unserer Weigerung, mit der Plattform zusammenzuarbeiten, nur bestätigt.
Wir bedauern, dass die Seite dieser Struktur auf der Website des Europarates zu finden ist und ihr Emblem verwendet. Wir hoffen, dass dieses Beispiel ihrer anti-russischen Arbeit die Führung des Europarates dazu bringen wird zu verstehen, dass die Plattform in ihrer jetzigen Form nicht nur nicht zur Verwirklichung des wichtigsten Ziels der Straßburger Organisation beiträgt – die Einheit der Mitgliedsstaaten stärken – sondern dieses Ziel tatsächlich sogar diskreditiert.
Was den Inhalt des politisierten Artikels des erwähnten italienischen Journalisten betrifft, so ist zu diesem Thema genug gesagt worden. Zur Erinnerung: Die russische Hilfe für Italien im Kampf gegen das Coronavirus erfolgt auf direkte Anfrage des Premierministers dieses Landes, ist ausschließlich humanitärer Natur und hat von den Behörden und der Bevölkerung der Lombardei Bestnoten erhalten.
Ende der Übersetzung