Flugzeugabsturz: Iran räumt versehentlichen Abschuss ein – Die merkwürdige Reaktion der Medien
Der Iran räumt ein, die ukrainische Boeing versehentlich abgeschossen zu haben. Interessant ist das Verhalten der Medien. Für mich ist es keine Überraschung, dass der Iran das ukrainische Flugzeug nach dem Start in Teheran abgeschossen hat. Ich hatte von Anfang an den Verdacht, dass es sich um einen Abschuss gehandelt hat und habe ich dann […]
Der Iran räumt ein, die ukrainische Boeing versehentlich abgeschossen zu haben. Interessant ist das Verhalten der Medien.
Für mich ist es keine Überraschung, dass der Iran das ukrainische Flugzeug nach dem Start in Teheran abgeschossen hat. Ich hatte von Anfang an den Verdacht, dass es sich um einen Abschuss gehandelt hat und habe ich dann in einem weiteren Artikel auch darauf festgelegt, die Gründe finden Sie hier.
Daher war ich nicht überrascht, dass der Iran schließlich den versehentlichen Abschuss zugegeben. Das war unvermeidbar, denn die internationalen Experten, die zur Untersuchung angereist waren, hätten das schnell selbst festgestellt. Selbst wenn die Iran die Raketenteile noch hätte verschwinden lassen können, die Beschädigungen am Flugzeugrumpf hätten die wahre Ursache zu Tage gefördert.
Man kann nur spekulieren, warum der Iran einige Tage gebraucht hat, um den versehentlichen Abschuss einzugestehen. Vielleicht gab es im Iran zunächst Vertuschungsversuche, vielleicht hat die Regierung auch einfach nur dumm gehandelt.
Interessanter ist, wie die Medien mit dem Unglück umgehen, was bei einem Vergleich mit MH17, dem 2014 über der Ukraine abgeschossenen Flugzeug, deutlich wird.
Bei MH17 war für die Medien von Anfang an Russland verantwortlich. Erwiesen ist das trotz anders lautender Medienberichte im Westen jedoch bis heute nicht. Die Details zu MH17 finden Sie hier.
Trotzdem haben die Medien Russland schon beschuldigt, als die Trümmerteile von MH17 noch geraucht haben und noch niemand etwas wissen konnte. Es fand eine unglaubliche Medienkampagne gegen Russland statt. Das überrascht nicht, denn die deutschen Medien tun alles, um die von der Nato gewollten Feindbilder aufzubauen.
Überraschend ist eher, dass eine Medienkampagne im Fall des im Iran abgeschossenen Flugzeugs ausgeblieben ist. Als ich mich auf einen Abschuss festgelegt habe, hatte der Iran das noch nicht eingestanden. Aber es war offensichtlich, denn es ist kein Szenario vorstellbar, bei dem ohne Fremdeinwirkung bei einem normalen Flugverlauf plötzlich zeitgleich Funk und Transponder ausfallen und das Flugzeug unmittelbar danach in einem Feuerball abstürzt. Aber genau das war in Teheran geschehen.
Die Medien hätten also – im Gegensatz zu MH17 – einen Grund gehabt, den Iran der Lüge zu beschuldigen. Trotzdem waren die Medienberichte in Deutschland erstaunlich zurückhaltend und sie haben nur von den Verdachtsmomenten berichtet, ohne sich festzulegen. Und erst recht gab es keine Medienkampagne gegen den Iran, obwohl auch er in den Medien sonst immer zum Feindbild aufgebaut wird.
Und auch nachdem der Iran seine Schuld eingestanden hat, bleibt jede Medienkampagne gegen den Iran bislang aus. Und das obwohl der Iran den USA eine Mitschuld gibt, denn in seinen Mitteilungen heißt es auch, dass es nicht dazu gekommen wäre, wenn die iranische Flugabwehr nicht wegen der Aggression der USA in erhöhter Alarmbereitschaft gewesen wäre. Der Iran lenkt dabei nicht von seiner Schuld ab, aber er erklärt, warum es zu diesem „unverzeihlichen Fehler“ kommen konnte.
Der Iran hat von einem „unverzeihlichen“ Fehler gesprochen, sich entschuldigt, seine Schuld in vollem Umfang eingestanden, eine transparente Untersuchung und die Entschädigung der Hinterbliebenen versprochen. Das wird genauso auch berichtet, keine Häme, keine Hetze in den Medien, wie wir es vom ersten Tag bei MH17 beobachten konnten.
Die Frage ist: Warum verzichten die Medien in diesem Fall darauf, obwohl sie sonst nicht mit anti-iranischen Artikeln geizen?
Hier wird es natürlich spekulativ, aber während die Medien bei allen Gelegenheiten die Politik der USA unterstützen und gegen Russland hetzen, scheinen sie in diesem Fall auf Deeskalation zu setzen. Und auch das deckt sich erstaunlicherweise mit der Politik der USA, die nach dem Mord an dem iranischen General ebenfalls auf Deeskalation setzen.
Sie haben dem Iran ja sogar erlaubt, zwei US-Stützpunkte im Irak zu beschießen. Das ist ein einmaliger Vorgang. Noch nie in den letzten 150 Jahren haben die USA es hingenommen, dass jemand ungestraft einen US-Stützpunkt beschießt. Ein deutlicheres Zeichen, dass die USA derzeit auf Deeskalation setzen kann man sich nicht vorstellen.
Zu dem abgeschossenen Flugzeug sei noch ergänzend erwähnt, dass der Iran nun auch eine Erklärung dafür abgegeben hat, warum das Flugzeug mit über einer Stunde Verspätung gestartet ist, obwohl es pünktlich in Teheran gelandet war. Das wurde am Freitag damit begründet, dass das Flugzeug überladen war und die Piloten die Anweisung gegeben hatten, einen Teil der Ladung wieder auszuladen. Das habe zu dem um eine Stunde verspäteten Abflug geführt. Damit fällt als Begründung auch weg, was manche zuvor spekuliert hatten, das Flugzeug sei überladen gewesen.
Aber das sei nur der Vollständigkeit erwähnt, denn nachdem der Iran am Samstagmorgen den versehentlichen Abschuss eingestanden hat, dürften sich die Spekulationen sowieso erledigt haben.