Frage an die Anti-Spiegel-Leser: Empfinden Sie diese Überschrift im Spiegel als irreführend?
Dieses Mal habe ich eine Frage an die Anti-Spiegel-Leser, denn vielleicht bin ich schon paranoid. Es geht um einen Spiegel-Artikel, der vor einigen Tagen erschienen ist. Vielleicht haben Sie den Artikel vom 24. April auch gesehen. Die Überschrift lautet: „Nepp aus China – „Elf Millionen Masken, alle Schrott“„, wobei die Überschrift im Nachhinein verändert wurde, […]
Dieses Mal habe ich eine Frage an die Anti-Spiegel-Leser, denn vielleicht bin ich schon paranoid. Es geht um einen Spiegel-Artikel, der vor einigen Tagen erschienen ist.
Vielleicht haben Sie den Artikel vom 24. April auch gesehen. Die Überschrift lautet: „Nepp aus China – „Elf Millionen Masken, alle Schrott“„, wobei die Überschrift im Nachhinein verändert wurde, denn zunächst lautete sie „Andreas Scheuer und der Cornona-Nepp aus China – „Elf Millionen Masken, alle Schrott““. Warum der Spiegel den Namen des Bundesverkehrsministers aus der Überschrift gestrichen hat, hat der Spiegel nicht mitgeteilt.
Nun meine Frage an alle, die den Artikel noch nicht gelesen haben: Was assoziiert diese Überschrift bei Ihnen? Was erwarten Sie, in dem Artikel zu lesen?
Ich habe – vor dem Hintergrund der massiven derzeitigen anti-chinesischen Medienkampagne in Sachen Corona – erwartet, dass wir einen Artikel darüber finden, dass aus China minderwertige Masken geliefert wurden. Die Einleitung ging in die gleiche Richtung:
„Deutschland hat es bei der Beschaffung von Corona-Schutzmasken schwer – auch CSU-Politiker Andreas Scheuer fiel bei einer Lieferung aus China auf die Nase. „
Auch nach dem ersten Absatz des Artikels, in dem berichtet wurde, wie deutsche Politiker Masken aus China am Flughafen in Empfang genommen haben, fühlte ich mich in meiner Vermutung bestätigt:
„Auf die Frachtmaschine der Lufthansa, die am 7. April um kurz vor 18 Uhr auf dem Münchner Flughafen aufsetzte, wartete eine prominente Menschengruppe. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder, Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (beide CSU) und Lufthansa-Chef Carsten Spohr standen auf dem Rollfeld, als Paletten voller Schutzmasken aus dem Bauch der Boeing 777F geladen wurden. „Das ist gute Logistik“, jubelte Scheuer: „Auftrag, Entscheidung, Verlässlichkeit – das passt.““
Wie ist das bei Ihnen? Geht das nur mir so? Oder haben Sie nach der Überschrift, der Einleitung und dem ersten Absatz auch die Erwartung, einen Artikel darüber zu lesen, dass China „Schrott“ nach Deutschland geschickt hat? Noch dazu Schrott, für den Deutschland bezahlt hat.
Der Artikel erschien bei Spiegel-Plus, man muss also bezahlen, wenn man mehr lesen will, als die Überschrift, die Einleitung und einen oder zwei Absätze. Da ich den Spiegel nicht finanziell unterstützen will, um seine Artikel zu lesen (finanzielle Unterstützung habe ich wahrscheinlich nötiger, als der Spiegel), bin ich auf freundliche Menschen angewiesen, die Spiegel-Plus abonniert haben und mir die Texte solcher Artikel schicken.
Als ich den Artikel heute erhalten und gelesen habe, war ich einigermaßen überrascht. Es geht gar nicht darum, dass China „Schrott“ nach Deutschland geschickt hätte. Mit der Lieferung, die Scheuer medienwirksam auf dem Flughafen in Empfang genommen hat, war alles in Ordnung. In dem Artikel ging es um etwas anderes: Derzeit ist die weltweite Nachfrage nach Schutzmasken bekanntermaßen hoch und wenn etwas sehr begehrt ist, finden sich immer auch Betrüger, die versuchen, damit schnelles Geld zu machen, indem sie zum Beispiel minderwertige Ware liefern.
Das aber war erst in dem Absatz zu lesen, der bei Spiegel-Plus bereits ausgeblendet wird:
„In der Coronakrise sind Masken so begehrt und so rar geworden, dass sich auch fragwürdige Anbieter auf den Weltmärkten tummeln. „Der Markt gleicht inzwischen dem Drogenhandel: Verpackungen sind irreführend, angeblich angebotene Produkte existieren gar nicht“, sagt der Beschaffungsexperte einer Kassenärztlichen Vereinigung. Die europäische Polizeibehörde Europol warnt seit Wochen vor gefälschten Produkten.“
Und es gibt auch Betrüger, die gar keine Ware haben, aber Geld für angeblich bereit stehende Lieferungen als Vorkasse verlangen, wie man weiter unten im Artikel erfährt:
„Im Gesundheitsministerium erinnert man sich noch gut an jenen Freitag im März, als Bundesbeamte ein Unternehmen in Nordrhein-Westfalen kontaktierten, um 50 Millionen FFP2-Masken zu sichten. Sie stünden zur Abholung bereit, so hatte es jedenfalls ein australischer Zwischenhändler versprochen. Die vereinbarten 267 Millionen Euro hatte das Ministerium vorübergehend auf ein Treuhandkonto überwiesen. Doch der angebliche Hersteller war überrascht – weder wusste er von einem Vertrag mit dem Bund noch von 50 Millionen Masken.“
All das ist sicher interessant, aber es geht in dem Artikel um Betrugsversuche beim Kauf von Schutzmasken und nicht um „Schrott aus China“.
Daher meine Frage: Bin ich – der ich die Medien meistens mit sehr „sensiblen Antennen“ lesen muss, um ihre Manipulationen zu entdecken – bereits leicht paranoid? Empfinde nur ich die Überschrift des Spiegel als irreführend? Habe nur ich das Gefühl, dass die Überschrift das derzeitige negative China-Narrativ fördern soll, während der Artikel ein ganz anderes Thema hat? Vielleicht brauche ich ja einen Monat Auszeit…
Immerhin hat ja „Newsguard“ dem Spiegel bescheinigt, seine Überschriften seien garantiert nicht irreführend.
Schreiben Sie mir gerne in die Kommentare, ob ich dringend eine Auszeit brauche, oder ob Sie die Überschrift auch als irreführend empfinden.