Ukraine: Abhörskandal und Verschärfung der Zensur
Nachdem ein Abhörskandal in der Ukraine bekannt wurde, gab es am Freitag eine Show um einen möglichen Rücktritt des Premierministers, nur einen Rücktritt gab es trotz Ankündigung nicht. Die neue politische Krise in der Ukraine wirft eine Menge Fragen auf. Am Donnerstag habe ich darüber berichtet, dass in der Ukraine Gesprächsmitschnitte aufgetaucht sind, in denen […]
Nachdem ein Abhörskandal in der Ukraine bekannt wurde, gab es am Freitag eine Show um einen möglichen Rücktritt des Premierministers, nur einen Rücktritt gab es trotz Ankündigung nicht.
Die neue politische Krise in der Ukraine wirft eine Menge Fragen auf. Am Donnerstag habe ich darüber berichtet, dass in der Ukraine Gesprächsmitschnitte aufgetaucht sind, in denen sich der Premierminister mit einigen Ministern abfällig über Präsident Selensky äußert, ihm Inkompetenz in wirtschaftlichen Fragen vorwirft und auch selbst eingesteht, dass er von Wirtschaft nicht viel versteht.
Am Freitag hat der Premierminister dann auf Facebook mitgeteilt, er habe bei Selensky sein Rücktrittsgesuch eingereicht und der Präsident könne es dem Parlament zur Abstimmung vorlegen.
In der Ukraine ist aber formal für die Ernennung und die Freistellung des Premierministers nicht der Präsident, sondern das Parlament zuständig. Entsprechend kritisierten Abgeordnete das Manöver dann auch als PR-Aktion. Wenn er zurücktreten wolle, solle er das Gesuch gefälligst beim Parlament einreichen.
Und sie sollten Recht behalten. Bei einem Treffen mit dem Premier sagte Selensky dann:
„Wissen Sie, ich gebe Ihnen und Ihrer Regierung noch eine Chance.“
Nun soll aufgeklärt werden, wer die Gespräche mit geschnitten und veröffentlicht hat, aber die Regierung hat in dem von seiner politischen Klasse ohnehin frustrierten Land einen schweren Imageschaden davon getragen.
Über das Rücktrittsgesuch hat auch der Spiegel am Freitagmorgen berichtet. Was aber nirgends in den deutschen Medien zu lesen war, ist, dass in der Ukraine die Zensur weiter verschärft wird.
Die ukrainische Regierung hat ein Gesetz vorbereitet, dass die Verbreitung von „Falschinformationen“ mit bis zu zwei Millionen Dollar Strafe und bis zu sieben Jahren Gefängnis bestrafen soll. Die Frage ist nun, was man dort als „Falschinformation“ definiert, aber die bisherige Praxis in der Ukraine lässt nichts Gutes erwarten.
Wenn Sie sich für die Ukraine nach dem Maidan und für die Ereignisse des Jahres 2014 interessieren, als der Maidan stattfand, als die Krim zu Russland wechselte und als der Bürgerkrieg losgetreten wurde, sollten Sie sich die Beschreibung zu meinem Buch einmal ansehen, in dem ich diese Ereignisse detailliert auf ca. 670 Seiten genau beschreibe. In diesen Ereignissen liegt der Grund, warum wir heute wieder von einem neuen Kalten Krieg sprechen. Obwohl es um das Jahr 2014 geht, sind diese Ereignisse als Grund für die heutige politische Situation also hochaktuell, denn wer die heutige Situation verstehen will, muss ihre Ursachen kennen.