Meine Artikel über den Bombenanschlag auf die Organisatoren der Corona-Demos in Stuttgart scheinen in ein Wespennest gestochen zu haben. Die dpa beschuldigt mich der Verbreitung von Falschmeldungen, Facebook droht mit Einschränkung der Reichweite und die Polizei löscht ihre eigenen Tweets, wenn ich ihr dazu Fragen stelle. Also der Reihe nach.

Zuerst, wie immer bei mir, kurz die Vorgeschichte für alle, die sie nicht kennen: Am Samstag fand in Stuttgart eine friedliche Demo gegen die Corona-Einschränkungen statt. In der Nacht zuvor haben Unbekannte zwei LKW der Veranstalter gesprengt, in denen Soundtechnik für die Demo war. Schaden (nicht versichert): über 200.000 Euro. Zeugen berichteten von drei lauten Explosionen, die kilometerweit zu hören gewesen seien.

Soweit die Fakten.

In meinem ersten Artikel habe ich am Sonntag darüber berichtet und kritisiert, dass die bundesweiten Medien nicht darüber berichtet haben. Da die Reaktionen in sozialen Netzwerken auf den Artikel mich ehrlich schockiert haben, habe ich zum ersten Mal überhaupt mit einem zweiten Artikel darauf reagiert, bin auf die Vorwürfe gegen meinen Artikel eingegangen und habe sie (so meine ich) widerlegt.

Das Thema ist mir wichtig, weil es in einer Demokratie, in der angeblich Meinungs- und Demonstrationsfreiheit herrscht, nicht sein darf, dass auf Veranstalter von Demos, die die Maßnahmen der Regierung kritisieren, Anschläge verübt werden und die Presse (die angeblich die Meinungsfreiheit schützt) das verheimlicht. Da genau das gerade geschieht, mache ich mir wirklich Sorgen darum, was derzeit in Deutschland abläuft.

Ich dachte, mit diesen beiden Artikeln wäre die Sache vom Tisch. Aber Pustekuchen, heute ging es in eine neue Runde.

Zuerst rief mich heute ein Freund an und wies mich auf einen Tweet hin. Robert Stein von NuoViso, mit dem ich auch die Tacheles-Sendungen mache, hatte meine beiden Artikel als Podcast eingesprochen und eine Twitter-Userin hatte den Podcast getweetet und die Polizei Stuttgart gefragt:

„Warum wird hierzu nicht richtig informiert???“

Die Polizei hat geantwortet. Nachdem ich der Polizei auf ihren Tweet geantwortet habe, verschwand der Tweet jedoch aus dem Netz (hier der Vollständigkeit halber der Link). Ich kenne mich mit Twitter nicht gut aus, aber anscheinend hat die Polizei es vorgezogen, ihren Tweet zu löschen, anstatt mir zu antworten. Gott sei Dank hat mein Freund noch einen Screenshot machen können, sonst könnte ich diesen Vorgang nicht dokumentieren.

Ich hatte der Polizei noch in einem zweiten Tweet geantwortet (der leider nicht auf dem Screenshot zu sehen ist), in dem ich sie fragte, wie es sein kann, dass die Zeugen auf Videos in den Medien über Explosionen sprechen, die Polizei aber behauptet, dazu gebe es keine Zeugenaussagen.

Und dabei handelt es sich nicht etwa um Berichte aus „bösen“ alternativen Medien. In der ARD-Sendung brisant haben Zeugen von Druckwellen berichtet, die sie noch im Keller gespürt haben, wo sie sich zu dem Zeitpunkt aufgehalten haben, hier geht es zu dem brisant-Bericht, der allerdings nur bis zum 23. Mai auf der Seite der ARD verfügbar sein wird.

In einem weiteren Bericht, den ich auch in meinem ersten Artikel verlinkt habe, berichtete der Youtube-Kanal der Bild-Zeitung über den Anschlag und Zeugen sprachen von Explosionen, die kilometerweit zu hören gewesen seien. Und er Kommentator der Bild-Zeitung sagt in dem Beitrag:

„Gegen drei Uhr hallten drei heftige Detonationen durch die Nacht“

Aber die Polizei ging meiner Frage aus dem Weg und löschte ihren Tweet.

Damit aber nicht genug.

Facebook teilte mir heute mit (ich habe eine Anti-Spiegel-Facebook-Seite):

„Anti-Spiegel hat Inhalte geteilt, die von dpa-Faktencheck überprüft wurden. (…) Um gegen Falschmeldungen vorzugehen, dämmt Facebook die Verbreitung von irreführenden Inhalten ein. Nutzern stehen zusätzliche Meldefunktionen für alle Inhalte zur Verfügung, die als potentiell falsch gekennzeichnet sind.
Seiten und Websites, die wiederholt irreführende Inhalte posten oder teilen, werden nur noch eingeschränkt verbreitet. Darüber hinaus wird die Monetarisierung eingestellt und sie können sich nicht mehr als Nachrichtenseite registrieren. Besucher der Seite können außerdem sehen, wenn eine Seite bereits in der Vergangenheit Falschmeldungen geteilt hat.“

Die Nachricht bekam ich zwei Mal, bei der einen war mein Beitrag „teilweise falsch“, bei der anderen „falsch“ und beide beriefen sich auf den „dpa-Faktencheck“. Und zwar auf ein und denselben Faktencheck.

Das Presseportal der dpa hat meinen Artikel also einem Faktencheck unterzogen, den ich Ihnen nicht vorenthalten will. Dort kann man unter anderem lesen:

„BEWERTUNG: Für einen Bombenanschlag gibt es bislang keinen Beleg. Über die mutmaßliche Brandstiftung haben die Polizei und viele Medien berichtet.“

Und was ist mit den Zeugen, die von drei Explosionen sprachen?

Die dpa listet dann Medien auf, die über einen „Brandanschlag“ berichtet haben. Als letztes in der Liste kann man lesen:

„Die „Bild“-Zeitung berichtete – wie im geprüften Artikel erwähnt – unter anderem mit einem Video „

Stimmt, aber dass die Bild in dem Video selbst von drei heftigen Detonationen spricht? Wie passen Explosionen zu einem Brandanschlag? Feuer detoniert nicht, schon gar nicht kilometerweit hörbar…

Weiter steht im dpa-Faktencheck:

„Im Artikel ist von einem „Bombenanschlag gegen die Organisatoren der Demonstrationen“ die Rede. „Nur durch Glück“ habe es keine Toten gegeben, „denn die Organisatoren hatten in der Nacht Ausrüstung in die LKW verladen und den Ort des Geschehens erst kurz vor den Explosionen verlassen.“ Die Quelle für diese Schilderung ist nicht näher benannt. Die Mitteilung der Polizei erwähnt einen solchen Ablauf nicht.“

„Die Quelle ist nicht näher benannt„, das stimmt. Vollständig lautet der Absatz in meinem Artikel:

„Meine Quelle hat bestätigt, was in dem Beitrag der Bild-Zeitung gesagt wurde: Nur durch Glück ist es nicht Toten gekommen, denn die Organisatoren hatten in der Nacht Ausrüstung in die LKW verladen und den Ort des Geschehens erst kurz vor den Explosionen verlassen.“

Daher hier ein kurzer offener Brief an die dpa-Faktenchecker:

Liebe dpa!
Habt Ihr mal was vom Quellenschutz gehört, der im deutschen Presserecht festgeschrieben ist? Ich muss meine Quelle nicht nennen. Als Journalist darf ich das sogar vor Gericht verweigern. Die Medien, denen Ihr, liebe dpa, ständig bescheinigt, die Wahrheit und nichts als die Wahrheit zu sagen (und Ihr selbst übrigens auch), berufen sich laufend auf „nicht genannte Quellen“ bei Geheimdiensten, in Ministerien und so weiter. Wo ist also das Problem?
Übrigens hätte ich Euch, liebe dpa, die Quelle genannt, wenn Ihr denn bei mir angefragt hättet. Sie ist grundsätzlich kein Geheimnis, aber da ich nicht um Erlaubnis gefragt habe, ob ich den Namen im Artikel nennen darf, habe ich es nicht getan.
Euer Anti-Spiegel

Im übrigen bleibe ich nicht nur bei meinen drei Thesen, sie werden durch solche Vorgänge sogar bestätigt.

Diese Thesen sind:

Erstens: Es wurde nicht bundesweit berichtet.

Auch die dpa konnte in ihrem „Faktencheck“ diesen Vorwurf, den ich den „Qualitätsmedien“ mache, nicht wiederlegen, wie deren angegebene Quellen zeigen. Es sind fast alles regionale Quellen.

Zweitens: Die Medien haben den Vorfall verharmlost.

„Drei heftige Explosionen“ in einem Wohngebiet als „Brandanschlag“ zu bezeichnen, ist in meinen Augen Verharmlosung. Die dpa sieht das anders und bezeichnet stattdessen meinen Bericht wegen des Wortes „Bombenanschlag“ als Falschmeldung.

Drittens: Unter den Suchbegriffen „Explosion“, „Bombe“ oder „Anschlag“, unter denen ich gesucht habe, findet sich praktisch keine Meldung.

Das ist so, das kann jeder überprüfen. Man muss schon unter „Brandanschlag“ oder „brennender LKW“ suchen (siehe These 2 „Verharmlosung“)

Wenn das die heutige Realität in Deutschland, dann frage ich: Deutschland, quo vadis?

PS: Was „Faktenchecker“ bei Facebook sind und wie sie sich rekrutieren, habe ich schon vor einiger Zeit aufgezeigt, lesen Sie es gerne hier nach. Wie Sie sehen werden, bescheinigen sich die Mainstream-Medien (darunter die dpa) bei Facebook selbst, nur die Wahrheit zu berichten und entscheiden gleichzeitig, wer Falschmeldungen bringt. Dass jemand wie ich, der die Mainstream-Medien kritisiert, nach dieser Logik nicht die Wahrheit berichtet, versteht sich von selbst.