Die Internetkonzerne ziehen die Daumenschrauben an, heute wurde KenFM erneut verwarnt und vorübergehend gesperrt. Der Kanal Mainz free TV wurde von YouTube komplett gesperrt. Auch andere Kanäle hat es bereit erwischt. Die Zensurmaßnahmen werden massiv verschärft.

Letztes Jahr hat es NuoViso auch schon mal mit einer Sperre erwischt, die YouTube dann aber kurz darauf ohne Angabe von Gründen zurückgenommen hat. Aber so wie YouTube in diesen Tagen durchgreift, ist es fraglich, ob NuoViso noch lange auf Sendung bleiben kann. Wie Frank Höfer, der Chef von NuoViso, in der letzten Homeoffice-Sendung sagte: „YouTube scheint alphabetisch vorzugehen. Nach M wie Mainz free TV kommt demnächst vielleicht N wie NuoViso.“

Eine mögliche YouTube-Alterative

Ich möchte an dieser Stelle aus dem Nähkastchen plaudern, denn ich bin intensiv dran, für die alternativen Medien eine alternative Videoplattform zu organisieren, leider bisher ohne Erfolg. Dabei geht es nicht darum, das Rad neu zu erfinden, es gibt eine geeignete Plattform, bei der keine Gefahr besteht, dass sie morgen von einem US-Konzern gekauft wird. Leider gibt es sie nur auf Russisch, es handelt sich um RuTube.ru.

Diese Videoplattform gehört dem Gazprom-Konzern, der aber offenbar nicht weiß, was er damit anfangen soll. In meinen Augen könnte Gazprom damit viel Geld verdienen, denn ähnlich wie die russische Facebook-Alterative vKontakte.ru könnte RuTube zur Alternative zu YouTube werden. Der Vorteil der russischen sozialen Netzwerke liegt auf der Hand: Dort wird nicht zensiert, wie Millionen deutscher User bestätigen können, die in den letzten Jahren von Facebook zu vKontakte gewechselt sind.

Es mag für den „normalen“ Deutschen, der von den „Qualitätsmedien“ ständig hört, in Russland herrsche Zensur, ungewohnt sein, das zu lesen, aber es stimmt tatsächlich. In Russland gibt es keine Zensur und schon gar nicht im Internet. In Russland gibt es einen Paragrafen gegen Extremismus (in Deutschland würde man Volksverhetzung sagen), in dem geregelt ist, was man nicht sagen darf, egal ob im Netz, in einer Zeitung, im Fernsehen oder in der Öffentlichkeit. Die Bestimmungen des Paragrafen sind weitgehend ähnlich, wie die Bestimmungen des entsprechenden Paragrafen in Deutschland.

Außerdem darf man in Russland, wie in Deutschland auch, niemanden bewusst verleumden.

Darüber hinaus ist die Meinungsfreiheit in Russland aber unbegrenzt. Es gibt keine Regeln über „Hate Speech“ oder Political Correctness, es gibt keine Anwälte, die sich auf Abmahnungen spezialisiert haben und damit kleine Blogger ruinieren können. All das gibt es in Russland nicht.

Die gefürchtete russische Propaganda-Maschinerie

Im letzten Dezember war ich bei Putins Jahrespressekonferenz und bei der Gelegenheit habe ich in Moskau einige interessante Menschen kennengelernt, von denen ich gehofft habe, sie könnten einen Kontakt zu Gazprom oder RuTube herstellen, damit RuTube sein Interface, das es bisher nur auf Russisch gibt, auch in anderen Sprachen zur Verfügung stellt und damit eine echte Alterative zu den immer aggressiver zensierenden US-Internetkonzernen geschaffen wird. Leider habe ich bisher keinen Erfolg gehabt.

Wie sich herausstellt, gibt es die angebliche russische Propaganda gar nicht. In Gesprächen mit Leuten bei den staatlichen Medien habe ich zu meiner großen Überraschung erfahren, dass die Arbeit der staatlichen russischen Medienkonzerne nicht koordiniert wird und sie sich sogar als Konkurrenten ansehen. Gäbe es in Russland eine Stelle, die die angebliche russische Propaganda koordiniert, dann hätte ich einen Ansprechpartner für die RuTube-Frage, zumal RuTube ja in staatlichem Besitz ist, Gazprom ist ein staatlicher Konzern.

Der russische Staat hat also ein Instrument, mit dem er morgen in Konkurrenz zu YouTube treten könnte, aber leider wird das nicht genutzt. So unglaublich gut und durchorganisiert ist die im Westen so gefürchtete Propaganda-Maschinerie in Wahrheit.

Ich schreibe das hier nun so offen, weil ich weiß, dass meine Seite auch von verschiedenen staatlichen Stellen in verschiedenen Ländern aufmerksam gelesen wird. Vielleicht liest das ja jemand an verantwortlicher Stelle in Russland, der das RuTube-Thema an geeigneter Stelle auf die Tagesordnung setzen kann.

Sollte das nicht geschehen, sollte es keine sichere Alternative zu YouTube geben, ist es nur eine Frage der Zeit, bis freie Internet-TV-Sender – und damit der kritische Diskurs – im Westen sterben.

Es kann nicht sein, dass US-Internetkonzerne weltweit Zensur ausüben können, dagegen muss ein Gegengewicht geschaffen werden und Russland hätte so ein Gegengewicht. Und wenn RuTube die einzige Plattform ist, auf der Meinungsfreiheit herrscht und neben den Mainstream-Meinungen auch kritische und alternative Standpunkte verbreitet und zur Diskussion gestellt werden können, dann können wahrscheinlich all jene, denen YouTube gerade den Saft abdreht, gut damit leben, als „russische Propagandisten“ bezeichnet zu werden, wenn ihnen als Ausweichmöglichkeit nur eine russische Plattform bleibt.

Was wir bis dahin tun können

Momentan bleibt uns allen nur, die Seiten von KenFM, NuoViso.tv und so weiter direkt zu besuchen, deren Newsletter zu abonnieren und dort aktiv nach neuen Videos zu suchen, wenn YouTube sie sperrt oder durch Shadow-Banning unsichtbar macht, wie YouTube es etwa mit Wikihausen tut.

Übrigens macht YouTube das auch mit unseren Tacheles-Sendungen. Als wir damit vor anderthalb Jahren angefangen haben, konnte man die Sendungen durch Eingabe von „Tacheles“ in die Suchleiste von YouTube finden. Man fand an erster Stelle die Playlist mit unseren Tacheles-Sendungen, heute hingegen werden unsere Sendungen beim Suchbegriff „Tacheles“ von YouTube nicht mehr angezeigt.

Am Donnerstag nehmen wir die nächste Tacheles-Sendung auf und wie gewohnt soll sie am Freitag online gehen. Sollte YouTube in seinem Marsch durch das Alphabet bis dahin bei N angekommen sein, finden Sie unsere Sendung auf der Seite von NuoViso.tv.