Das Navalny-Video, das derzeit Schlagzeilen macht, scheint Desinformation aus den USA zu sein. Die Hinweise darauf, dass es sich dabei nicht um Recherchen von Navalny und seinem Team handelt, sondern dass das Skript aus den USA gekommen ist, verdichten sich.

In meinem ersten Artikel über das Navalny-Video habe ich einen Fehler gemacht. Ich habe geschrieben, das Video wäre zum Zeitpunkt von Navalnys angeblicher Vergiftung schon fertig gewesen und Navalny habe sich im Krankenhaus mit seinen Leuten darüber beraten, wann das Video veröffentlicht werden soll. Das Ergebnis war das perfekte Timing, das wir beobachten konnten.

Zu meinen Schlussfolgerungen über das perfekte Timing stehe ich vor dem Hintergrund der neuen Informationen mehr denn je. Alles war generalstabsmäßig geplant: Navanly hat mit seiner Rückkehr nach Russland gewartet, bis seine Verstöße gegen die Bewährungsauflagen zu einem Haftbefehl führen, er bei der Rückkehr nach Russland kamerawirksam verhaftet wird und wenn der Fokus der Medien wieder voll auf ihm steht, dann veröffentlicht er das Video. Aus PR-Sicht war das perfekt geplant.

Das Video war aber zu dem Zeitpunkt gar nicht fertig, es wurde erst nach seiner angeblichen Vergiftung hergestellt. Das sagt Navalny auch gleich im zweiten Satz des Videos, wie ich in meinem Artikel schon zitiert habe:

„Hallo, hier ist Navalny. Diese Ermittlung haben wir uns ausgedacht, als ich noch auf der Intensivstation lag, aber veröffentlichen werden wir sie erst, wenn ich nach Hause komme“

Ich konnte mir nicht vorstellen, dass er sich das ganze Video innerhalb so kurzer Zeit ausgedacht, geschrieben und produziert hat. Das war für mich unvorstellbar. Daher habe ich die Aussage so interpretiert, dass das Video (zumindest weitgehend) fertig gewesen sein muss und es bei den Überlegungen nur um den Zeitpunkt der Veröffentlichung ging.

Aber falsch: Er hat sich das Video tatsächlich in so kurzer Zeit „ausgedacht“ und hergestellt, wie wir gleich sehen werden.

Woher kommen die Informationen in dem Video?

Das Video ist hochprofessionell gemacht. Dass dabei wohl Hilfe von westlichen Geheimdiensten im Spiel war, hat Russland sofort mitgeteilt, und auch dass Navalny in Deutschland mit der CIA in Kontakt stand, hörte man aus Moskau lange vor Navalnys Rückkehr nach Russland. Das führte bei den „Qualitätsmedien“ zu Schnappatmung und Empörung, wenn sie denn überhaupt darüber berichtet haben.

Aber nun mehren sich die Hinweise darauf, dass Moskau recht haben dürfte. Schon letzten Sonntag hat das russische Fernsehen Hinweise darauf gezeigt, dass das Skript des Videos (oder zumindest der angebliche Bauplan von „Putins Palast“) ursprünglich auf Englisch verfasst worden ist. Das kann jeder überprüfen, der sich das Video anschaut. Aber wieso sollte der Bauplan von Putins geheimen Palast auf Englisch verfasst worden sein, wenn er doch von Russen gebaut wird? Hier zeige ich noch einmal, was das russische Fernsehen darüber berichtet hat:

„Offenbar wurde Navalny dort, in der Berghütte, der Text für seine angebliche Untersuchung über den angeblichen “Putinpalast” in der Nähe von Gelendschik gegeben. Ursprünglich war der Text offensichtlich auf Englisch geschrieben und er wurde so schräg ins Russische übersetzt, dass einige Fehler nur lautes Lachen provozieren. Hier haben die NATO-Geheimdienste eine Schwäche. Zum Beispiel der “Mudroom”, was aus dem Englischen übersetzt ein “Eingangsbereich” ist, bei Navalny war es aus irgendeinem Grund ein “Raum für Schmutz.” Einfach deshalb, weil die Worte auf Englisch getrennt “Mud” – “Schmutz” – und Room – “Raum” – bedeuten. So kam in das Gebäude also der seltsame “Raum für Schmutz” mit seinen 18 Quadratmetern.“

Ich habe das Navalny-Video angesehen und tatsächlich spricht Navalny darin über den “Raum für Schmutz” und er macht sich darüber lustig, wozu Putin einen 18-Quadratmeter-Raum für Schmutz braucht. Wenn man das Wort “mudroom” beim Google-Übersetzer eingibt, dann spuckt der übrigens auch auf Deutsch die Übersetzung “Schlammraum” aus, wer aber “mudroom” googelt, der findet eine ganze Liste von Seiten auf Englisch mit Design-Ideen für Eingangsbereiche.

Offenbar ist Navalny da also wirklich ein Übersetzungsfehler unterlaufen und zumindest der Bauplan, den er in seinem Video dramatisch vorzeigt, scheint ihm auf Englisch aus dem Westen zugesteckt worden zu sein. Ob der echt ist, ist dann noch die nächste Frage.

Der Rest der Informationen in dem Film ist über zehn Jahre alt. Navalnys Kronzeuge ist ein Mann, der sich 2010 in einem offenen Brief über angebliche Korruption beim Bau der Anlage beklagt hat. Dieser Brief und immer wieder in das Video geschnittene Fragmente von Interviews mit dem Mann sind es, woran Navalny sich in seinem Film zwei Stunden lang entlanghangelt. In dem Film wird also eine sehr alte Geschichte neu aufgekocht und mit aktuellen Bildern ergänzt, die Navalnys Team angeblich mit einer Drohne von dem Gelände gemacht hat.

Dazu kommen – wie Navalny selbst erklärt – selbst erstellte Computergrafiken aus dem Inneren des „Palastes“. Die sind allerdings so realistisch gemacht, dass der Zuschauer den Eindruck bekommt, es handle sich um echte Bilder von einem Rundgang durch das Gebäude.

Ebenfalls auffällig: Navalny erzählt in dem Film zuerst, dass die Bauarbeiter zum Schweigen verpflichtet sind, keine Aufnahmen von den Gelände machen dürfen und alle Handys und so weiter am Eingang abgeben müssen. Aber etwas später beruft er sich in dem Video dann auf Informationen, die die Bauarbeiter seinen Leuten angeblich erzählt haben und zeigt Fotos davon, wie Bauarbeiter sich angeblich auf Putins Edelsofas lümmeln. Wie wurden die Fotos gemacht, wenn denen alle Handys etc. abgenommen werden?

Hinter dem Video steckt eine US-Firma

Inzwischen haben regionale Zeitungen aus dem Schwarzwald, wo Navalny sich nach dem Aufenthalt in der Charité erholt hat, gemeldet, dass das Video in den Blackforest Studios gemacht wurde, einem professionellen Studio in der Region. Sowohl der Schwarzwälder Bote, als auch die Badischen Neuesten Nachrichten haben ausführlich darüber berichtet und mit den Eigentümern des Studios gesprochen. Sogar ein Foto von Navalny in dem Studio wird im Schwarzwälder Boten gezeigt und man sieht an dem Hintergrund, dass dort Teile des Videos gedreht wurden.

Die Besitzer des Studios werden dabei in den Badischen Neuesten Nachrichten so zitiert:

„Anfang Dezember kam eine Anfrage per Mail aus Los Angeles von einer amerikanischen Produktionsfirma. Die Rede war von einer Dokumentation. (…) Gesucht wurden für ein paar Drehtage geeignete Räumlichkeiten, Personal und Equipment in Süddeutschland.“

Was hat eine amerikanische Produktionsfirma damit zu tun? Und warum kann Navalny nicht ohne die Amerikaner ein Studio mieten, das sich gleich um die Ecke von seinem Urlaubsort befindet? Zumal er massive Unterstützung des deutschen Staates in Form von massivem Personenschutz und was nicht sonst noch alles hatte.

Weiter steht in dem Artikel:

„Eigentlich war das Studio nur für eine knappe Woche gemietet, aber den Filmemachern habe der Ort mit seiner Atmosphäre und den filmischen Möglichkeiten so gut gefallen, dass der Dreh auf insgesamt zwei Wochen verlängert wurde und Teile der 20-köpfigen internationalen Crew aus Berlin, wo eigentlich ein letzter Shoot vor dem Abflug nach Moskau geplant war, nach Kirchzarten kamen.“

Mich würde interessieren, was die spontane Miete eines professionellen Filmstudios, die Außendreharbeiten und die vielen internationalen Mitarbeiter gekostet haben und wer das alles bezahlt hat. Schließlich ist Navalny, darauf bestehen er und seine westlichen Helfer in den Medien, ein einfacher Mann, der keine Reichtümer besitzt Aber wovon wurde die Miete dieser kompletten Anlage bezahlt?

Laut Angaben der Studiobesitzer war absolute Geheimhaltung vereinbart, sogar die Jalousien mussten geschlossen werden. Die Anlage stand also nur Navalny und seinem Team zur Verfügung. Wer hat das bezahlt? Vielleicht die gleichen Leute, die auch die Baupläne auf Englisch mit dem eingezeichneten Mudroom mitgebracht haben? Aber wer sind die?

Darauf haben wir keine Antworten, Navalny sagt dazu nichts, das Studio wird sich auf Vertraulichkeit berufen (aber vielleicht fragt ja ein deutscher Journalistenkollege mal bei denen nach?) und die „Qualitätsmedien“ stellen solche Fragen nicht, sie verschweigen ihren Lesern bekanntlich alles, was das gewollte Narrativ stört.

Jedenfalls ergibt eine Suchanfrage auf der Seite des Spiegel unter Suchbegriff „Blackforest“ Null Treffer.

Spiegel-Leser wissen eben weniger…