Von den Aussagen von Kramp-Karrenbauer, die Nato und die Bundeswehr sollten Russland im Baltikum und Schwarzen Meer mit Waffen drohen, haben die meisten wohl gehört. Daher komme ich ohne weitere Vorrede zu dem Kommentar des russischen Fernsehens von Sonntagabend zum Thema Russlands rote Linien.

Beginn der Übersetzung:

Bei seinem Besuch in Kiew äußerte sich US-Verteidigungsminister Lloyd Austin unverschämt unverblümt: „Wir unterstützen die Verteidigungsreform der Ukraine und ihre Bestrebungen, Mitglied der NATO zu werden.

Mit den Worten, dass „die Tür der NATO für die Ukraine offen ist“, setzte Austin die vom Pentagon vor seinem Besuch verkündete Linie fort: „Wir unterstützen und stärken die Souveränität der Länder, die an der Frontlinie gegen die russische Aggression stehen.“

Neben der Ukraine waren auch Rumänien und Georgien gemeint. Eigentlich genügt ein Blick auf Lloyd Austin selbst und die Geschichte seiner Karriere, um zu verstehen, dass sowohl die Ukraine als auch das Ukrainische ihm fern sind. Er hat sich in der Vergangenheit noch nie mit der Ukraine beschäftigt. Seine Aufgabe ist es lediglich, die Ukraine technisch gegen Russland auszuspielen.

Ein ähnlicher Plan der Amerikanische hat übrigens schon einmal funktioniert: mit Georgien unter Präsident Saakaschwili. US-Senator McCain hat bekanntlich Georgien gegen Russland ausgespielt und Unterstützung für die Souveränität des Landes versprochen. Er hat die Lage vergiftet.

Im August 2008 feuerte Saakaschwili mit Raketenwerfern auf russische Friedenstruppen. Wir erinnern uns sehr gut an diesen nächtlichen Angriff. Infolgedessen hat Georgien seinen Krieg bekommen, das Land ist in drei Teile zerfallen, es wird nie wieder dasselbe sein, und die Amerikaner behaupten immer noch, dass sie die Souveränität Georgiens unterstützen. Sie haben sich in dem kritischen Moment einfach nicht bewegt. Aber ansonsten ist alles gut.

Saakaschwili sitzt bereits in Tiflis im Gefängnis und es ist, als ob die USA ihn vergessen hätten. Sie taten das, um ihn gegen Russland auszuspielen, aber sie hielten sich raus. Jetzt spielen sie ein ähnliches Spiel mit der Ukraine. Aber bei der Ukraine ist das Spiel viel größer und riskanter. Russland wird unter keinen Umständen die Mitgliedschaft der Ukraine in der NATO zulassen, ganz gleich, was General Austin oder sogar Präsident Biden sagen. Aber es ist nicht an ihnen, hier zu entscheiden. Und es ist nicht ihrs Sache. Zu sagen, dass das Thema für Russland heikel ist, ist stark untertrieben.

Es gibt dabei es zwei Aspekte. Der eine ist der militärisch-technische. Der andere ist der ethnisch-kulturelle. In beiden Fällen gibt es rote Linien, deren Überschreitung Russland nicht zulassen kann. Die Flugzeiten der Raketen sind entscheidend.

„Stellen wir uns vor, die Ukraine wird Mitglied der NATO. Die Flugzeit von Charkow oder von Dnepropetrowsk nach Zentralrussland, nach Moskau, würde sich auf 7 Minuten verkürzen. Ist das eine rote Linie für uns oder nicht? Um die Flugzeit auf 7 bis 10 Minuten zu reduzieren, müssten wir unsere Raketen an der Südgrenze Kanadas oder an der Nordgrenze Mexikos aufstellen. Ist das eine rote Linie für die USA oder nicht? Und für uns? Muss man darüber überhaupt nachdenken?“, erklärte Wladimir Putin.

Offenbar ist Putin sehr beunruhigt. Und das ist verständlich, denn eine solch kritische Verkürzung der Flugzeit kann einen denkenden Menschen nur beunruhigen. Putin ist ehrlich und legt in aller Offenheit dar, was er als eine kategorisch inakzeptable Bedrohung für Russland ansieht. Er hofft, dass Russland gehört wird.

Und um ganz sicher zu gehen, wiederholte er das auf der Sitzung der Valdai-Konferenz noch einmal: „Wie ich bereits gesagt habe, öffentlich gesagt habe, was sollen wir tun, wenn morgen Raketen in der Nähe von Charkow stehen werden? Wir gehen doch nicht mit unseren Raketen zu ihnen, sie schieben uns ihre unter die Nase. Das ist natürlich ein Problem.“

Da das nicht hinnehmbar ist, muss das Problem gelöst werden. Wie? Das ist eine andere Frage. Aber es kann für die Ukraine sehr schmerzhaft werden. Unvorhersehbar schmerzhaft. Die Amerikaner werden diesen Schmerz nicht spüren, daher fühlen sie auch nicht mit der Ukraine. Sie bemühen sich zunehmend um die militärische Beherrschung des Schwarzen Meeres. Es gibt Aufklärungsflüge und Flüge von strategischen Bombern entlang unserer Grenzen in dieser Region. Das ist auch der Grund für die häufigen Besuche amerikanischer Kriegsschiffe im Schwarzen Meer. Man denke nur an den häufigen Besuch des Zerstörers „Donald Cook“, der knapp hundert „Tomahawks“ an Bord hat. Jeder Besuch der „Donald Cook“ bedeutet auch eine Verkürzung der Flugzeit, zum Beispiel auf die Krim. Es gibt nun mal Grenzen des Zumutbaren.

Wenn wir über ethnisch-kulturelle rote Linien in der Ukraine sprechen, könnten diese sogar noch wichtiger sein als die militärisch-technischen Fragen mit all der militärischen Infrastruktur, die sich auf uns zubewegt. Das Wesentliche ist, dass die Ukraine historisch auf dem Territorium Russlands als Teil unseres Volkes entstanden ist. Begnügte sich der Westen früher mit der These „Die Ukraine ist nicht Russland“, so formt er aus der Ukraine jetzt ein „Anti-Russland“. Und da reicht es!

„Es gibt keinen Platz für eine souveräne Ukraine im Projekt „Anti-Russland“, betonte Wladimir Putin. Der Zeitpunkt, an dem die Ukraine endgültig ihre Souveränität verliert, wird also genau mit der Ankunft der NATO zusammenfallen. Wenn das so kommt, soll niemand sagen, dass sie nicht niemand gewarnt wurden. Putin äußerte sich im Sommer in seinem Artikel über die Ukraine folgendermaßen: „Alle Tricks, die mit dem anti-russischen Projekt verbunden sind, sind uns bekannt. Und wir werden niemals zulassen, dass unsere historischen Territorien und die Menschen, die dort leben und uns nahe stehen, gegen Russland eingesetzt werden. Und denjenigen, die einen solchen Versuch unternehmen werden, möchte ich sagen, dass sie auf diese Weise das Land zerstören werden.“ Kann man es noch deutlicher sagen? (Anm. d. Übers.: Ich habe Putins Artikel im Sommer übersetzt, Sie finden ihn hier)

Kurz gesagt, das Projekt einer weiteren Annäherung an die NATO bringt der Ukraine nichts Gutes. Für Russland stellt das eine direkte und vitale Bedrohung dar. Der Ukraine droht nicht nur der Verlust der Souveränität, sondern auch die Gefahr der Zerstörung. Die Amerikaner interessieren sich nicht für die Ukraine und ihre Menschen. Putin ist offensichtlich an der Situation interessiert. Viele Ukrainer übrigens auch.

Am 21. Oktober wies der ukrainische Politologe Michail Pogrebinski bei der Podiumsdiskussion der Valdai-Konferenz darauf hin, dass sich die militärische Infrastruktur der NATO auf dem Territorium der Ukraine auf Russland zubewegt, was auch ohne formale Mitgliedschaft in der Allianz möglich ist: „Sie haben in Ihrem Artikel geschrieben, dass dieser Prozess, wenn er voranschreitet, eine ernsthafte Bedrohung für den russischen Staat darstellt und den Verlust der ukrainischen Staatlichkeit zur Folge haben kann. Menschen, die sich dieser Bewegung widersetzen, werden unterdrückt. Sie kennen Viktor Medwetdchuk, den man versucht, wegen verrückter Anschuldigungen ins Gefängnis zu werfen. Wie könnte dieser Prozess in dieser Situation gestoppt werden?“

Die Frage ist brisant. Putin entgegnete daraufhin, dass es natürlich wäre, wenn die Ukrainer selbst einen Regierungswechsel herbeiführen würden, er aber keine legalen Möglichkeiten mehr sehe, da die aggressive nationalistische Minderheit Andersdenkende regelrecht terrorisiere.

„Es ist besorgniserregend, dass diese Menschen ihren Kopf nicht erheben dürfen. Einige werden einfach direkt auf der Straße getötet, andere werden isoliert. Das heißt, es entsteht der Eindruck, dass das ukrainische Volk auf legalem Wege keine Regierung bilden kann und darf, die direkt den Interessen des ukrainischen Volkes dient“, sagte Putin.

In der Zwischenzeit wendet der Generalsekretär der Allianz, Jens Stoltenberg, eine verbale Anästhesie an. Nach einem Treffen der NATO-Verteidigungsminister in Brüssel bezeichnete er die Ukraine als unabhängigen und souveränen Staat, der „das Recht hat, seinen eigenen Weg zu wählen“.

Stoltenberg lacht nur. Er ist eine formale Figur mit glasigen, ausdruckslosen Augen. Aber die Selbständigkeit der Ukraine wird durch den Willen der USA eingeschränkt. Russland gefällt diese Situation nicht. So könnte man es in Worte fassen.

Die deutsche Annegret Kramp-Karrenbauer, die jetzt als deutsche Verteidigungsministerin eine „lahme Ente“ ist, hat offenbar die Spannung gespürt, ihr nicht standgehalten und erklärt, die NATO müsse Russland wissen lassen, dass sie im Falle eines Angriffs auf die Partner in den baltischen Staaten und am Schwarzen Meer bereit sei, Waffen einzusetzen. Die Chefin der Bundeswehr scheint überhaupt nicht zu wissen, wovon sie spricht.

Der Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Rolf Mützenich, hat an die Bundesverteidigungsministerin appelliert, die neue Bundesregierung nicht mit unverantwortlichen Aussagen zu belasten. Der SPD-Fraktionsvorsitzende warf Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer vor, eine „Eskalationsspirale“ in Gang zu setzen. Seiner Meinung nach ist unklar, ob sich die Ministerin auf die immer noch in Deutschland befindlichen Atomwaffen bezog.

Unterdessen reagierte der russische Verteidigungsminister, Armeegeneral Sergej Schoigu, auf die Forderungen nach der Bundeswehr wie folgt: „Vor dem Hintergrund der Forderungen nach militärischer Abschreckung Russlands zieht die NATO ihre Streitkräfte konsequent an unsere Grenzen heran. Die deutsche Verteidigungsministerin muss genau wissen, wie das für Deutschland und Europa früher geendet hat. Sicherheit in Europa kann es nur gemeinsam geben, ohne russische Interessen zu verletzen. Aber es ist die NATO, die heute nicht zu einem gleichberechtigten Dialog über dieses Thema bereit ist. Darüber hinaus endete die Umsetzung des NATO-Plans in Afghanistan in einer Katastrophe, die jetzt ganze Welt betrifft.

Ende der Übersetzung