Normalerweise berichten die Medien in großen Schlagzeilen, wenn westliche Staaten russische Diplomaten ausweisen und Russland als Antwort die gleiche Zahl westlicher Diplomaten ausweist. Und normalerweise denken sich die westlichen Staaten wenigsten vorgeschobene Begründungen für ihre Aktionen aus. Dieses Mal hingegen gibt es keine Begründungen und in deutschen Medien keine Berichte darüber, mit welchen Mitteln die USA bis Ende Juni 2022 insgesamt fast 60 russische Diplomaten zur Ausreise zwingen.

USA entziehen Visa

Der russische Botschafter in Washington hat in einem Interview berichtet, dass die USA den Frauen russischer Diplomaten Visa und Akkreditierungen entziehen und dass sie den Kindern russischer Diplomaten die nötigen Visa verweigern. Daher würden am 30. Januar 2022 27 russische Diplomaten die USA verlassen und am 30. Juni würde es noch einmal eine genauso große Zahl treffen. Er berichtete davon, dass die russische Botschaft in Washington mittlerweile unter massivem Personalmangel leidet.

Diplomaten haben einen interessanten Beruf, denn sie kommen viel herum in der Welt. In der Regel werden Diplomaten immer nur einige Jahre an einem Ort eingesetzt, dann müssen sie das Land wechseln. Für das Privatleben ist das jedoch schwierig, weshalb es international üblich ist, dass auch die Ehepartner und Kinder von Diplomaten entsprechende Visa bekommen und die Familie so gemeinsam in der Welt herumkommt.

Dass die USA nun darauf setzen, die Familien der Diplomaten des Landes zu verweisen, ist eine neue Art der Schikane, die sich die USA gegen russische Diplomaten ausgedacht haben. Dass die russischen Diplomaten zusammen mit ihren Familien ausreisen, kann nicht überraschen. Die USA werden damit die Zahl der russischen Diplomaten in den USA weiter verringern, ohne offiziell weitere Diplomaten ausgewiesen zu haben.

Was die USA damit bezwecken, erschließt sich nicht wirklich. Die Aufgabe von Diplomaten ist es, die Kontakte zwischen den Regierungen ihrer Staaten aufrecht zu erhalten. Das ist gerade in Krisenzeiten besonders wichtig, und dass die Beziehungen zwischen den USA und Russland in einer Krise stecken, kann niemand bestreiten. Die USA haben es offensichtlich darauf abgesehen, weitere Gesprächskanäle nach Russland zu kappen, was ihre offiziellen Erklärungen, man sei an einem Dialog mit Russland interessiert, aber Russland sei nicht gesprächsbereit, ein weiteres Mal ad absurdum führt.

Die russische Reaktion

Ob die USA „nur“ den Familienmitgliedern oder auch einigen Diplomaten die Visa und Akkreditierungen nicht verlängert beziehungsweise verweigert haben, ist aus den Meldungen nicht ersichtlich. Der russische Botschafter sprach in dem Interview von Visaproblemen der Familienmitglieder, aber in russischen Medien findet sich auch die Formulierung, „die russischen Diplomaten müssen die USA verlassen„.

So steht es zum Beispiel in einem Artikel des russischen Fernsehens zu dem Thema, in dem der stellvertretende russische Außenminister Rjabkow mit folgenden Worten zitiert wird: https://www.vesti.ru/article/2645944

„Wir haben die Amerikaner gewarnt, dass sie, um weitere Kürzungen ihres Personals hier zu vermeiden – wir wollen das nicht, aber wir können nicht anders, als in diesem Sinne zu reagieren -, dass sie damit aufhören sollten.“

Damit ist schon absehbar, dass Russland spätestens Ende Januar 2022 ebenfalls 27 US-Diplomaten des Landes verweisen wird, wenn die USA ihr Verhalten nicht ändern und den russischen Diplomaten und ihren Familien die Visa erteilen.

Derzeit berichten die deutschen „Qualitätsmedien“ nicht darüber, dass die USA russische Diplomaten aus ihrem Land drängen, aber sie werden ganz sicher berichten, wenn Russland genauso reagiert. Dann wird der deutsche Leser erfahren, dass die bösen Russen vollkommen grundlos 27 amerikanische Diplomaten des Landes verwiesen haben.