Der ukrainische Präsident Selensky hat es sich mit US-Präsident Biden schon lange verscherzt. Das wurde spätestens im Mai beim Besuch von US-Außenminister Blinken in Kiew deutlich. Warum das so war und was dabei vorgefallen ist, führt jetzt zu weit. Bei Interesse können Sie es hier nachlesen.

Als dann im Juni das Gipfeltreffen von Biden und Putin in Genf anstand, hat Selensky auf allen Kanälen darum gebettelt, vorher mit Biden zusammentreffen zu dürfen, der sich zu dem Zeitpunkt auf seiner Europareise befand und an Nato- und EU-Gipfeln teilgenommen hat. Biden hat Selensky jedoch die kalte Schulter gezeigt und ihm eine Audienz in Washington im Juli angeboten. Auch darüber habe ich ausführlich berichtet, die Hintergründe und Details finden Sie hier.

Das Treffen von Biden und Selensky wurde danach von der Amerikanern noch mehrmals verschoben und sollte endlich Ende August stattfinden. Offiziell wegen der Ereignisse in Afghanistan wurde es noch einmal verschoben und fand nun endlich am 2. September statt.

Die Ukraine steht auf Tagesordnung der US-Politik derzeit ziemlich weit unten, wie man schon daran sehen konnte, dass US-Medien Präsident Selensky sogar als „Präsident Lewinsky“ bezeichnet haben. Dazu kommen wir am Ende dieses Artikels noch.

Dass man in deutschen Medien von Selenskys USA-Besuch praktisch nichts gehört hat, hat einen Grund: Selensky hat es sich, wie gesagt mit Biden verscherzt und über solche Dissonanzen berichten die deutschen Medien nicht gerne. Hinzu kommt, dass es keine Ergebnisse zu vermelden gibt, denn Selensky ist zwar mit einem gigantischen Forderungskatalog nach Washington gekommen, hat aber nichts davon bekommen. Das persönliche Gespräch zwischen den beiden Präsidenten dauerte zwar länger als geplant, aber es ist trotzdem nichts Greifbares dabei herausgekommen.

Neben den üblichen Forderungen der Ukraine, endlich einen verbindlichen Termin für die Aufnahme in die Nato zu bekommen und mehr Geld und Waffen aus den USA zu erhalten, hatte Selensky noch etwas Neues im Gepäck. Er wollte Biden einen „Plan zur Transformation der Ukraine“ präsentieren. Kostenpunkt: 277 Milliarden Dollar bis 2030.

Da die Ukraine bankrott ist, ist nicht schwer zu erraten, wer das nach Meinung Selenskys bezahlen sollte. Das Ergebnis war vorhersehbar: Selensky konnte seinen Plan direkt im Weißen Haus in den Reißwolf schieben.

In Deutschland wurde zwar nicht über Selenskys USA-Besuch berichtet, aber in Russland schon. Daher habe ich den Bericht des russischen Fernsehens darüber übersetzt.

Beginn der Übersetzung:

Joe Biden und Wladimir Selensky haben Gespräche in Washington geführt. Der ukrainische Präsident hatte vor dem Treffen angedeutet, dass ein Durchbruch in den Beziehungen zwischen den beiden Ländern unmittelbar bevorstehe. Tatsächlich war das einzige, was die Vertreter Kiews erreichen konnten, finanzielle Unterstützung.

Den größten Teil des Pressetermins mit seinem ukrainischen Amtskollegen verbrachte Biden naserümpfend: Entweder war das Gespräch langweilig, oder er hatte bereits genug vom Kiewer Amtskollegen. Auf jeden Fall wurden keine sensationellen Erklärungen abgegeben. Die Parteien wiederholten lediglich, was sie zuvor gesagt hatten. Selensky sagte, er erwarte viel von Amerika. Biden sagte, dass er generell bereit sei, die Ukraine zu unterstützen.

„Heute habe ich eine sehr volle Tagesordnung für unsere Beziehungen. Vielleicht schaffe ich es nicht, Ihnen alles zu erzählen, aber unsere Gespräche sind für unsere Länder von großer Bedeutung“, sagte Selensky.

„Die Ukraine und die USA haben ähnliche Wertesysteme und bekennen sich zu der Hoffnung, dass wir vorankommen werden. Und wir bekennen uns zu Europa – vereint, frei und in Frieden“, so Biden.

Auf den öffentlichen Teil folgten die eigentlichen Gespräche, die etwa zwei Stunden dauerten. Schließlich verließen Selensky und seine Helfer das Weiße Haus. Und die beiden Präsidialverwaltungen in Washington und Kiew veröffentlichten zeitgleich eine Erklärung über die Ergebnisse der Verhandlungen.

Darin gab es nicht viel Konkretes, und wenn man die Absichtserklärungen und Memoranden über diese Absichtserklärungen ausklammert, sieht das Endergebnis wie folgt aus: Die USA erklärten erneut, dass sie Nord-Stream-2 nicht behindern würden; sie machten jedoch deutlich, dass sie nichts dagegen haben, wenn Kiew Gas aus Amerika und nicht aus Russland kauft.

Außerdem versprach Washington, Geld zu geben, etwa hundert Millionen Dollar, von denen 55 Millionen für die Bekämpfung von Covid und 45 Millionen Dollar für humanitäre Hilfe sein sollen. Die Lieferung von militärischer Ausrüstung für weitere 60 Millionen hatte das Pentagon am Vortag versprochen. Alles in allem, nicht schlecht. Vor allem, wenn man vergisst, was sich Selensky von seiner Reise nach Washington versprochen hat.

„Es ist ganz klar, dass Selensky nicht alles bekommen hat, was er gefordert hat. Er kam mit der traditionellen Forderung, Biden solle den Bau von Nord Stream 2, der Pipeline zwischen Russland und Deutschland, verhindern, aber die US-Regierung stellte klar, dass dieses Projekt bereits abgeschlossen ist. Das andere Thema war, dass Selensky sagte, die Ukraine wolle Mitglied der NATO werden. Biden sagte jedoch auf Nachfrage, dass die Ukraine noch viele Schritte von einer Mitgliedschaft im Bündnis entfernt sei. Ich habe Jen Psaki (die Sprecherin des Weißen Hauses, Anm. d. Übers.) heute danach gefragt, und sie sagte, dass sich Bidens Meinung nicht geändert hat“, so Ashley Parker, Büroleiterin der Washington Post in Washington.

Man könnte sich auch daran erinnern, dass Selensky mit einer Art „Plan zur Transformation der Ukraine“ für die grandiose Summe von 277 Milliarden Dollar in die USA gekommen ist.

Außerdem wollte er, wie ukrainische Quellen berichten, amerikanische Militärstützpunkte in der Ukraine errichten. Nun, oder zumindest Patriot-Luftabwehrbatterien aufstellen. Soweit man das beurteilen kann, haben die Amerikaner alle diese Projekte gestrichen.

Auf der abschließenden Pressekonferenz versuchte Selensky, gute Miene zum schlechten Spiel zu machen. Er räumte ein, dass die USA keineswegs gewillt seien, zur Verteidigung ukrainischer Interessen gegen Russland zu kämpfen. Aber er sagte, dass Kiew auch so hervorragend klar komme.

„Wenn die Rechte der Ukrainer und die Energiesicherheit der Ukraine verletzt werden, sind die Vereinigten Staaten in diesem Fall bereit, eine Sanktionspolitik zu verfolgen. Aber ich habe dem Präsidenten noch einmal ganz offen gesagt, dass wir uns auf nichts verlassen, die Ukraine kann alleine kämpfen“, so Selensky abschließend.

Es gibt wirklich nicht viel, worauf er sich verlassen könnte. Dass dieses Treffen für die USA nicht allzu wichtig ist, zeigte sich daran, dass die Journalisten bei dem Treffen der beiden Präsidenten nur Biden Fragen stellten und zwar nur zu Afghanistan.

Und dass Selensky auf der Website von C-SPAN, die die Gespräche zwischen den Ukrainern und ihren amerikanischen Partnern im Pentagon übertrug, als „Präsident Lewinsky“ bezeichnet wurde, war eine Art Freudscher Versprecher. Der wurde übrigens nicht korrigiert.

Ende der Übersetzung

Das stimmt, während ich diesen Artikel am 2. September spät abends und Stunden nach dem Erscheinen des russischen Beitrages schreibe, ist bei C-SPAN immer noch zu sehen, dass über das Treffen von Selensky im Pentagon am 31. August geschrieben steht, man habe sich im Pentagon mit Präsident Lewinsky getroffen.