Am 8. Juni 2021 ist beim Anti-Spiegel ein Artikel mit der Überschrift „Corona-Pandemie – Die amerikanische Spur zu Covid-19“ erschienen, in dem ich einen Artikel aus der russischen Nachrichtenagentur TASS übersetzt habe. In dem Artikel der TASS hat der Autor über Erkenntnisse aus den USA berichtet, die der renommierte Journalist Nicholas Wade in einem Essay zusammengetragen hat und hat sie durch eigene Recherchen noch etwas ergänzt.

Die amerikanische Spur zu Covid-19

Kurz zusammengefasst besagte der Artikel der TASS, dass die von Dr. Fauci geleitete US-Gesundheitsbehörde Forschungen unterstützt hat, die die in New York ansässige NGO EcoHealth Alliance in Wuhan durchgeführt hat. Die NGO wird von einem gewissen Dr. Peter Daszak geleitet, der die Forschungen in Wuhan zusammen mit der Chinesin Dr. Shi betrieben hat. Erforscht wurden dabei Corona-Viren von Fledermäusen und es wurde erforscht, ob und wie diese Viren auf den Menschen überspringen und eine Epidemie auslösen können. Insgesamt sind demnach über drei Millionen Dollar von der US-Regierung für diese Forschungen nach Wuhan gegangen.

Der Grund dafür, die Forschungen in Wuhan zu betreiben, war, dass das Weiße Haus unter Obama ein Verbot der Untersuchung von „Monsterkeimen“ verhängt hatte. Die US-Bundesregierung hat im Oktober 2014 ein Moratorium für die GOF-Forschung an Influenza-, MERS- und SARS-Viren als Waffen ausgesprochen. GOF bedeutet Gain of Function und ist in der Wissenschaft die Bezeichnung für die erhöhte Ansteckungsgefahr von Krankheitserregern. Es ging also bei der von der US-Regierung finanzierten Forschung in Wuhan um die Frage, wie Corona-Viren für den Menschen ansteckender werden können. Bei solchen Forschungen werden Viren entsprechend verändert und erforscht. Weil diese Forschungen nach dem Moratorium von Obama in den USA nicht mehr erlaubt waren, wurde die Forschung an das Wuhan Institute of Virology in China verlegt und von Faucis Behörde über die NGO von Peter Daszak finanziert.

Es wurden auch Ergebnisse der Arbeiten veröffentlicht, an denen die Doktoren Shi und Daszak zusammen mit dem renommierten US-Forscher Dr. Baric geforscht haben. Daszak war ganz stolz auf die Zusammenarbeit mit dem Labor und Wuhan und hat vor dem Ausbruch von Covid-19 in Interviews darüber gesprochen.

Die Vertuschung der amerikanischen Spur

Nachdem Covid-19 dann in Wuhan ausgebrochen ist, war Daszak an allen Arbeiten beteiligt, die bestritten haben, dass das Virus aus dem Labor in Wuhan sein könnte. Er war einer der Unterzeichner eines offenen Briefes im Lancet, in dem Labor-These als unmöglich bezeichnet wurde und er war auch Mitglied der WHO-Experten, die das Labor in Wuhan inspiziert haben und zu dem Schluss gekommen sind, das Virus könnte nicht aus dem Labor stammen. Auf seinen offensichtlichen Interessenkonflikt – immerhin war er an den Forschungen persönlich beteiligt und hat das Geld für die Finanzierung von Dr. Fauci über seine NGO nach Wuhan geleitet – hat er dabei natürlich nie hingewiesen. Wenn das Virus bei seinen Forschungen erschaffen wurde und aus dem Labor entwichen ist, müsste Daszak einige unangenehme Fragen beantworten.

Übrigens gibt es inzwischen deutliche Hinweise darauf, dass das Virus im Labor entstanden ist. Aber es sind nur Hinweise, keine Beweise. In dem Genom des Virus wurde eine Sequenz entdeckt, die laut Experten nur schwer mit natürlicher Evolution zu erklären ist und die für die Ansteckung von Menschen sorgt.

All die Informationen über die US-Finanzierung der Corona-Forschung in Wuhan sind nicht geheim, die Höhe der Förderungen ist öffentlich einsehbar und die Forschungszwecke auch. Trotzdem wird in den USA danach nicht gefragt und Nicholas Wade musste seinen Essay auf einer relativ kleinen Internetplattform veröffentlichen, weil die New York Times und andere US-Medien, für die Wade seit Jahrzehnten schreibt, das nicht veröffentlichen wollten.

Stattdessen beschuldigen die USA China, an Covid-19 schuld zu sein und US-Präsident Joe Biden hat vor einiger Zeit die US-Geheimdienste angewiesen, innerhalb von 90 Tagen den Ursprung von Covid-19 zu klären. Dabei bräuchte man die US-Geheimdienste dafür gar nicht, man müsste nur Fauci fragen, was er da finanziert hat und man könnte auch Daszak und Baric fragen, woran sie in Wuhan geforscht haben. Außerdem liegen den US-Behörden darüber schriftliche Berichte vor, denn wer Förderungen einer Regierung erhält, muss natürlich auch über die Verwendung der Mittel Bericht erstatten.

Aber das erfährt man in den deutschen und amerikanischen „Qualitätsmedien“ nicht.

Die Spiegel-Titelstory über das „Rätsel von Wuhan“

Daher war ich sehr neugierig, als der Spiegel nun die Titelstory mit der Überschrift „Geheimdienste und Wissenschaftler erforschen den Ursprung des Coronavirus – Das Rätsel von Wuhan“ gebracht hat. Die Titelstory ist – das muss ich neidlos anerkennen – eine der besten, die ich je gelesen habe. Allerdings nicht eine der besten, wenn es um journalistische Arbeit oder das Zusammenstellen von Fakten geht, sondern es ist einer der besten Desinformations-Artikel, die ich je gelesen habe.

Die Titelstory beginnt im Relotius-Stil, wenn der Spiegel dramatisch berichtet, wie er versucht, einen Termin bei Dr. Shi in Wuhan zu bekommen, aber abgewimmelt wird. Über mehrere Absätze liest man, wie die Spiegel-Reporter durch Wuhan fahren, um Dr. Shi zum Gespräch zu stellen.

Der Artikel ist – wie es sich für eine Titelstory gehört – sehr lang. Dabei verliert er sich in unwichtigen Einzelheiten, wie dem „Reisebericht“ in Wuhan auf der Suche nach Dr. Shi. Wer sich aber in der Materie auskennt und meinen Artikel vom 8. Juni aufmerksam gelesen hat, der findet alles bestätigt, was dort geschrieben stand. Man kann beim Spiegel sogar lesen, dass die USA früher mal die Arbeit in Wuhan finanziert haben, allerdings lässt er die Details weg und verschweigt, dass diese Finanzierung bis 2019, also bis zum Ausbruch von Covid-19 angedauert haben. Man findet in der Spiegel-Titelstory auch alle Namen (Shi, Daszak, Baric), die Wade erwähnt hat, und sogar die merkwürdige Rolle von Dr. Daszak bei den WHO-Untersuchungen zur Herkunft des Virus im Labor in Wuhan wird vom Spiegel erwähnt.

Aber der Spiegel erwähnt diese Dinge nur am Rande, der Fokus des Artikels ist auf China gerichtet und es wird der Eindruck erweckt, China vertusche etwas. Das ist natürlich möglich, aber es ist unwichtig, denn alle notwendigen Informationen zur Klärung des „Rätsels von Wuhan“ über den Ursprung von Covid-19 liegen Fauci, Daszak und Baric vor. Man müsste sie nur danach fragen.

Das aber erwähnt der Spiegel nicht, sondern lenkt den Fokus immer wieder auf China und hofft darauf, dass die US-Geheimdienste das „Rätsel von Wuhan“ lösen und der Welt mitteilen, ob das Virus aus dem Labor kommt oder nicht.

Die Spiegel-Titelstory ist ein Meisterstück der Desinformation, denn mit vielen Worten und Nebenkriegsschauplätzen, mit unwichtigen Details und Meinungen von (chinesisch-stämmigen) Mitarbeitern der US-Regierung gelingt es dem Spiegel, die entscheidenden Informationen praktisch unsichtbar zu machen, obwohl er sogar über sie berichtet. Der Spiegel-Leser ist nach der Lektüre des Artikels ziemlich sicher, dass die chinesische Regierung etwas zu vertuschen versucht (was ja sein kann), wird aber vollkommen davon abgelenkt, dass die US-Regierung ganz sicher etwas vertuscht: Sie vertuscht die von ihr finanzierten Forschungen an Fledermaus-Coronaviren in Wuhan.

Man braucht für die Suche nach der Herkunft des Corona-Virus also keine US-Geheimdienste, wie der Spiegel uns – ganz im Interesse der US-Regierung – weismachen will, sondern man müsste nur die Rechenschaftsberichte über die Verwendung der US-Fördergelder aus dem Schrank holen und dann die Doktoren Daszak, Baric und Fauci befragen. Aber davon will die US-Regierung – warum auch immer – ablenken und wie immer ist der Spiegel ihr ein williger Erfüllungsgehilfe.

Zusammenfassend kann man sagen, dass der Spiegel die Fakten, die Nicholas Wade vor zwei Monaten zusammengetragen hat und die beim Anti-Spiegel schon vor vier Wochen zu lesen waren, seinen Lesern jetzt als Titelstory – also das journalistische Highlight der Woche – auftischt. Dabei jedoch versteckt er die Fakten geschickt einem wortreichen Wust von Anschuldigungen und Verdächtigungen gegen China, anstatt die Frage zu stellen, welche Forschung und welche Forschungsergebnisse die US-Regierung in Wuhan finanziert hat.

Das zeigt einmal mehr:

Spiegel-Leser wissen weniger!


Wenn Sie sich für mehr Beispiele für freche Verfälschungen der Wahrheit in den „Qualitätsmedien“ interessieren, sollten Sie Beschreibung meines neuen „Spiegleins“ lesen. Das Buch ist eine Sammlung der dreistesten „Ausrutscher“ der „Qualitätsmedien“ im Jahre 2020 und zeigt in komprimierter Form, wie und mit welchen Mitteln die Medien die Öffentlichkeit in Deutschland beeinflussen wollen. Von „Berichterstattung“ kann man da nur schwer sprechen. Über den Link kommen Sie zur Buchbeschreibung.

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