Wie in Russland über die Ukraine berichtet wird: „Die Nazifizierung der Ukraine“
Das russische Fernsehen hat am Sonntag in der Sendung „Nachrichten der Woche“ natürlich als Schwerpunkt die Lage in der Ukraine gehabt. Ich habe alle Beiträge aus der Sendung übersetzt, damit sich deutsche Leser einen Eindruck davon machen können, wie in Russland berichtet wird. In diesem zweiten Beitrag ging es um die Nazifizierung, die in den […]
Das russische Fernsehen hat am Sonntag in der Sendung „Nachrichten der Woche“ natürlich als Schwerpunkt die Lage in der Ukraine gehabt. Ich habe alle Beiträge aus der Sendung übersetzt, damit sich deutsche Leser einen Eindruck davon machen können, wie in Russland berichtet wird.
In diesem zweiten Beitrag ging es um die Nazifizierung, die in den letzten Jahren in der Ukraine erfolgt ist. Ich empfehle, den Beitrag auch anzuschauen, denn zusammen mit meiner Übersetzung ist er auch ohne Russischkenntnisse verständlich und die Bilder aus der Ukraine strafen jeden Lügen, der behauptet, es wären keine Nazis in dem Land an der Macht. Am Ende der Übersetzung finden Sie Link zum nächsten Beitrag des russischen Fernsehens.
Beginn der Übersetzung:
Diese ganze neue ukrainische Geschichte hat einen kulturellen Aspekt. Ich spreche von Kultur als einem System von Kulten, als einem System von Vorstellungen über Gut und Böse, Schön und Schrecklich. Wenn das Schlüsselelement der Kultur die Vorstellung von der Überlegenheit der eigenen Nation wird und der Kult der Gewalt in der Gesellschaft geschätzt wird und dahinter ein heißer Wunsch zum Kampf entsteht, dann entsteht das, was man Nazismus nennt. All dies ist jetzt in der Ukraine offensichtlich. Die Parallelen zum Hitler-Nationalsozialismus sind offen sichtbar.
Die Nazi-Flagge wurde unmittelbar nach dem Besuch des Präsidenten und Oberbefehlshabers über den Schützengräben der Streitkräfte gehisst. Und auch andere Beispiele sind erschreckend. Es ist an der Zeit, dass alle Nachbarn der Ukraine auf dem Kontinent, sowohl im Westen als auch im Osten, verstehen, dass die Ukraine früher oder später eine Denazifizierung erwartet.
Da uns die historische Erfahrung zeigt, dass die Denazifizierung nicht freiwillig geschieht, erwartet die Ukraine eine zwangsweise Denazifizierung. Und das wird am Ende schmerzhaft. Und Europa müsste sich diesem Prozess eigentlich anschließen. Wie denn sonst? Schließlich hat die Nazifizierung der Ukraine in den letzten Jahren und Jahrzehnten mit Zustimmung und sogar Unterstützung des so genannten zivilisierten Teils der Menschheit stattgefunden, und Berlin und Paris, Brüssel und London haben diesen Prozess garantiert.
Es ist klar, dass der Denazifizierung eines Landes in der Regel sein Zusammenbruch vorausgeht, wirtschaftlich und militärisch. Genau so geschah es zum Beispiel 1945 mit Hitlers Deutschland. Dort wurde die Denazifizierung auf Entscheidung der Potsdamer Alliiertenkonferenz der Anti-Hitler-Koalition durchgeführt, die in ihren Besatzungszonen zunächst Kriegsverbrecher und Unterstützer des Naziregimes in Sondertribunalen ausgesiebt und für die Mehrheit der Bevölkerung in Kinos Filme über die Gräueltaten des Dritten Reiches gezeigt haben. Der Besuch solcher Vorführungen, war, wie man sagt, freiwillige Pflicht. Für eine Verweigerung konnte man die Essensmarken verlieren.
Darüber hinaus hatten die Siegerländer entschieden, die Bildungsprogramme entsprechend zu verändern und Nazi-Symbole und -Strukturen streng zu verbieten. Die Denazifizierung Deutschlands hat viele Jahre gedauert und das Thema ist im Land immer noch aktuell.
Wenn wir über die moderne Ukraine sprechen, bewegt sich das Land irgendwann in der Zukunft in diese Richtung. Schließlich hat die Nazifizierung, wenn auch mit ihren eigenen Besonderheiten, schon stattgefunden. Das Land wird von innen von einer ganzen „Girlande“ besonderer Organisationen, Bataillonen und Korps regiert. Der „Rechte Sektor“, „S-14“, „Azov“ und „Nationalcorps“ sind bereits Symbole von Verbrechen.
Sie verwüsten und verbrennen TV-Sender und Zeitungsredaktionen, terrorisieren Gerichte und Abgeordnete aller Ebenen. Sie töten ungestraft die berühmtesten Journalisten und stürmen fast das Büro des Präsidenten. Sie gehen rücksichtslos gegen politische Gegner vor, sie schlagen sie zusammen, verbrennen sie, sprengen sie in die Luft, erschießen sie, erstellen schwarze Listen und halten so die ganze Ukraine in Angst. (Anm. d. Übers.: Von all dem werden in dem Beitrag Bilder gezeigt, denn viele dieser Vorfälle sind von Überwachungskameras gefilmt worden, ohne dass die Täter bestraft worden wären. Darüber berichtet das UNHCR in jedem seiner Berichte über die Ukraine, ohne dass es die westlichen Medien interessiert, hier finden Sie einen Artikel über den letzten Bericht inklusive Link zu UNHCR-Bericht selbst. Auch über den Beschuss eines regierungskritischen TV-Senders mitten in Kiew 2019 habe ich seinerzeit berichtet (den Artikel finden Sie hier) und hier finden Sie einen Artikel, in dem ich über 13 politische Morde an Regierungskritikern in der Ukraine berichtet habe.)
Es wurde eine strenge Zensur eingeführt. Nazi-Kriegsverbrecher des Zweiten Weltkriegs werden heroisiert und sowjetische Veteranen des Großen Vaterländischen Krieges – also die, die den faschistischen Angriff abgewehrt haben – werden schikaniert und gedemütigt. Es ist gefährlich, am 9. Mai Blumen niederzulegen.
Im Land sind echte „Todesschwadronen“ aktiv und Fackelzüge unter dem Motto „Bandera ist unser Held!“ sind zur Visitenkarte der Ukraine geworden. Es ist dieser Nazi-Kern, der das Land von innen in den Bruderkrieg gegen den Donbass treibt. Genau diesen Nazis wollten sich die Krim und der Donbass nach dem Nazi-Putsch im Februar 2014 nicht unterwerfen. Die Krim hat als Folge der Wiedervereinigung mit Russland einen Krieg vermieden. Aber gegen den Donbass begann eine groß angelegte Strafaktion, bei der alle möglichen Freiwilligenbataillone der Nazis massenhaft Kriegsverbrechen verübt haben. Ein erheblicher Teil davon ist ausführlich dokumentiert, auch vom Untersuchungskomitee Russlands. Die Tonnen von Akten mit diesen Dokumente werden während der Denazifizierung nützlich sein.
Auf jeden Fall sollte sich Europa im Jahr des 75. Jahrestages von Nürnberg an seine eigene Erfahrung erinnern, sich aufraffen und sehen, was da jetzt in Kiew gewachsen ist. Es reicht nicht mehr, beschämt wegzuschauen. Wie gefällt Ihnen dieses Stadion in Lwow? (Anm. d. Übers.: In dem Beitrag wird gezeigt, wie ein ganzes Fußballstadion zu nazistischen Parolen immer wieder den rechten Arm hebt.)
Und jetzt, da das Gefühl des bevorstehenden Krieges im Donbass über die Stränge schlägt, muss man verstehen – wenn die ukrainischen Nazis den Krieg auslösen -, welchen Charakter er haben wird und wer und für was in ihm kämpfen wird.
Ende der Übersetzung
Den ersten Teil der russischen Berichterstattung über die Ukraine finden Sie hier, den dritten Teil finden Sie hier.
Wenn Sie sich für die Ukraine nach dem Maidan und für die Ereignisse des Jahres 2014 interessieren, als der Maidan stattfand, als die Krim zu Russland wechselte und als der Bürgerkrieg losgetreten wurde, sollten Sie sich die Beschreibung zu meinem Buch einmal ansehen, in dem ich diese Ereignisse detailliert auf ca. 670 Seiten genau beschreibe. In diesen Ereignissen liegt der Grund, warum wir heute wieder von einem neuen Kalten Krieg sprechen. Obwohl es um das Jahr 2014 geht, sind diese Ereignisse als Grund für die heutige politische Situation also hochaktuell, denn wer die heutige Situation verstehen will, muss ihre Ursachen kennen.