Das russische Fernsehen über Cancel Culture und Geschichtsfälschungen im Westen
Dass man in Russland mit Unglauben und Entsetzen auf die Tendenzen von Cancel Culture, Gender und Political Correctness im Westen blickt, habe ich schon oft berichtet, Beispiele finden Sie hier, hier und hier. Am Sonntag hat das russische Fernsehen das Thema in seinem wöchentlichen Nachrichtenrückblick wieder in zwei Beiträgen behandelt, die ich hier nacheinander übersetzt […]
Dass man in Russland mit Unglauben und Entsetzen auf die Tendenzen von Cancel Culture, Gender und Political Correctness im Westen blickt, habe ich schon oft berichtet, Beispiele finden Sie hier, hier und hier.
Am Sonntag hat das russische Fernsehen das Thema in seinem wöchentlichen Nachrichtenrückblick wieder in zwei Beiträgen behandelt, die ich hier nacheinander übersetzt habe. In dem ersten Beitrag ging es um Geschichtsfälschungen in den USA am Beispiel der Geschichte der Raumfahrt und im zweiten Beitrag ging es um die Abschaffung der Siegesfeiern und Gedenktage zum Ende des Zweiten Weltkrieges in vielen westlichen Ländern.
Beginnen wir mit dem Beitrag über die Geschichts(um)schreibung in den USA.
Beginn der Übersetzung:
Wir wundern uns, wie die einen Fake nach dem anderen verbreiten und eine Lüge nach der anderen konstruieren. Dann weisen sie unsere Diplomaten auf der Grundlage dieser Lügen aus, dann denken sie sich Sanktionen aus und verhängen sie, dann wollen sie Russland vor ihr eigenes Fake-Gericht stellen. Und in der Tat scheint es, dass Lügen über Russland eine gewisse kulturelle Konstante im Westen sind, eine Bedingung für seine Existenz, etwas, ohne das sie dort nicht leben können.
Und so war es bei denen immer. Selbst in der Zeit der scheinbar romantischen Beziehungen zwischen Russland und dem Westen an der Wende zum 21 Jahrhundert. Wir sprechen jetzt nicht von aggressiven militärischen Fakes während der laufenden Operation in der Ukraine – darüber reden wir die ganze Zeit -, sondern von den Routinearbeiten zur Schaffung eines falschen Weltbildes, die von Tag zu Tag, von Jahr zu Jahr, von Jahrzehnt zu Jahrzehnt durchgeführt werden. Nehmen wir zum Beispiel die Geschichte der Weltraumforschung. (Anm. d. Übers.: Der Moderator zeigt ein amerikanisches Lehrbuch für Kinder)
In meinen Händen halte ich ein in Amerika veröffentlichtes Kinderbuch. Es geht um den Weltraum. Wie der Mensch dorthin kam und den erdnahen Raum und andere Planeten erforscht hat. Es ist ein schönes Buch aus der beliebten Eye-Wonder-Reihe. Die Reihe erscheint unter dem Motto – es steht direkt auf dem Cover – „Öffne deine Augen für die Welt der Entdeckungen.“ Und auf der Rückseite heißt es, dass die Serie „ein hervorragender pädagogischer Einstieg für kleine Kinder“ ist. Es stammt aus dem Jahr 2001. Das war genau die Zeit unserer sehr romantische Beziehung zu den USA. In dieser amerikanischen Version der Geschichte der Weltraumforschung gibt es keinen Gagarin. Überhaupt nicht. Der Weltraum für Kinder ist ohne Gagarin.
Hier ist das Inhaltsverzeichnis: „Blick ins Universum“ über den Sternenhimmel. „Unser Platz im Universum“ über die Atmosphäre und warum ist der Himmel blau? In „Schauen wir uns das mal genauer an“ geht es um Teleskope. Und dann sofort – ohne den Start des ersten sowjetischen Satelliten im Jahr 1957 und ohne den ersten Menschen im Weltraum, unseren Juri Gagarin – „Die Reise zum Mond“ und die amerikanische Mission im Jahr 1969. „Apollo 11“ – die Astronauten Armstrong und Aldrin – die ersten Menschen auf dem Mond. Als Nächstes geht es um den Mond selbst. Und – danke dafür – im Kleingedruckten steht „Die russische Raumsonde Luna-3, die als erste Bilder von der Rückseite des Mondes übertrug…“ Aber kein Gagarin. Ruhig bleiben, keine Aufregung. Der russische Gagarin wurde eben gecancelt. Es gibt ihn nicht. Als hätte er nie existiert.
Und es gibt keinen Jewgeni Leonow, der als erster Mensch einen Weltraumraumspaziergang gemacht hat. Auch die erste Kosmonautin der Welt, Walentina Tereschkowa, gibt es trotz ihres demonstrativen Feminismus nicht. Es gibt sie nicht, weil sie Russen sind.
Es gibt ein eigenes Kapitel über die Venus. Hier geht es aber nur um die amerikanische Sonde „Magellan“. Obwohl es unser Raumschiff war, das zuerst in die Venusatmosphäre eintrat. Das war 1967. Wir haben die erste weiche Landung auf der Venus bei einem atmosphärischem Druck, wie in einem Schnellkochtopf, bei Temperaturen über 500 Grad Celsius durchgeführt. Das war 1970. Wir waren die ersten, die Fotos von der Venusoberfläche zur Erde gesendet haben. Das war 1975. Und das erste Farbpanorama der Venus erhielten wir bereits 1982. In der Venusatmosphäre flogen wir bereits 1983 mit Stratostaten. Aber im amerikanischen Kinderbuch gibt es all das nicht. Da gibt es nur Bilder des Magellan-Orbiters, die er 1990 per Radar aufgenommen hat.
Und hier ist die Internationale Raumstation. Sie ist wunderschön. Es geht darum, wie das Leben im Weltraum aussieht. Über Russland findet sich kein Wort. Obwohl das allererste Modul der Station – das Zarya-Modul – aus dem die gesamte Station hervorging, in Russland hergestellt und von Baikonur aus mit einer russischen Proton-K-Rakete gestartet wurde. Das Zarya-Modul wiegt über 20 Tonnen. Als Rückgrat der gesamten Station leistet es fast ein Vierteljahrhundert lang treue Dienste.
Aber die Amerikaner müssen das alles nicht wissen. Das ist doch Russland… Über Russland kann man so viel lügen, wie man will, oder gar nicht reden. Wissen Sie, das ist zivilisatorische Degeneration. Das ist Hilflosigkeit. Das ist die Unfähigkeit, mit der Realität fertig zu werden und manche Dinge einfach so zu akzeptieren, wie sie sind. Aber das klappt nicht. Dann muss man Dinge verschweigen, so wie sie Gagarin in diesem Buch verschweigen. Sie müssen Tschaikowski und Dostojewski canceln, denn sie brauchen weder Tschaikowski noch Dostojewski. Sie kommen nicht an die Bedeutung und die Größe von Tschaikowski und Dostojewski heran. Sie müssen Fakes zusammenschustern, um den eigene Raubbau an der Geschichte zu rechtfertigen.
All dies bedeutet einen kulturellen und moralischen Rückschritt, einen Rückzug in das dunkle Zeitalter Europas – kulturelle Degeneration.
Ende der Übersetzung
Nun der zweite Beitrag, in dem es darum geht, wie das Gedenken an das Ende des Zweiten Weltkrieges in vielen westlichen Ländern abgeschafft werden soll.
Beginn der Übersetzung:
Eine seltsame neue Epidemie macht sich in Ländern rund um Russland bemerkbar. Die westliche Cancel Culture arbeitet bereits gegen die Feier des 9. Mai, den Tag des Sieges über Nazi-Deutschland. Es begann in der Ukraine. Dort wurde der 9. Mai als wichtiger Tag im Kalender schon vor langer Zeit abgeschafft. Die Gedenkveranstaltungen wurden auf den 8. Mai verlegt, aber auch an diesem Tag gibt es keinen Tag des Sieges, sondern einen düsteren Tag des Gedenkens und der Versöhnung, der zur Verherrlichung des ukrainischen Nationalsozialismus genutzt wird. Bis hin zur Ehrung von Veteranen der SS-Division Galizien.
Das ist so ein Zeichen der Nazifizierung des Landes. Kiew handelt so rücksichtslos, dass der ukrainische Botschafter in Israel, Jewgeny Kornijtschuk, keine bessere Idee hatte, als den israelischen Premierminister Naftali Bennett zu bitten, den Tag des Sieges über den Nationalsozialismus vom 9. Mai auf einen anderen Tag zu verlegen. Ihm zufolge ist die Feier des Sieges an dem von Russland gewählten Tag „ein bisschen problematisch.“
„Den absoluten Gipfel der Unverschämtheit und den absoluten Tiefpunkt in den Beziehungen zu Israel“ nannte Solomon Mann, ein bekannter israelischer Politikwissenschaftler und übrigens ein gebürtiger Ukrainer aus der Sowjetunion, diese Forderung des ukrainischen Botschafters: „Stellen Sie sich vor, der Botschafter eines Landes, dessen Bürger mehr als eine Million Juden ermordet haben, verlangt, dass die Juden das Datum der Feierlichkeiten zum Tag des Sieges ändern! Und dann fragt man mich, warum ich sage, dass die Ukraine in Wirklichkeit ein Feind Israels und nicht sein Freund ist. Offenbar wird die Ukraine als Nächstes fordern, Hitlers oder Banderas Geburtstag anstelle des Tages des Sieges zu feiern“, empörte sich Solomon Mann.
Nach der Ukraine ist nun auch Lettland ein Opfer der schleichenden Nazifizierung geworden. Im April erklärte das lettische Parlament den 9. Mai zum Tag der Erinnerung an die Toten in der Ukraine und um zu verhindern, dass der Tag des Sieges trotzdem gefeiert wird, wurde in Lettland ein Verbot von Massenveranstaltungen in einer Entfernung von weniger als 200 Metern von den Denkmälern der sowjetischen Armee erlassen. Ist das nicht jesuitisch?!
In Litauen hat Außenminister Landsbergis dazu aufgerufen, die Denkmäler der Roten Armee am 9. Mai mit Decken zu verhüllen.
In Moldawien ist der 9. Mai noch nicht verboten worden. Offenbar denken sie dabei an Transnistrien. Kürzlich wurde jedoch ein Gesetz verabschiedet, das „sowjetische Musik“ – zum Beispiel das Lied „Katjuscha“ – während der Feierlichkeiten zum Tag des Sieges verbietet.
Es ist traurig einzugestehen, aber Kasachstan, das nach Silvester gerettet wurde, hat über das Verteidigungsministerium angekündigt, dass es am 9. Mai keine Militärparade geben wird. Das ist das vierte Jahr ohne Parade. Aber wenn sie vorher die Pandemie dafür verantwortlich gemacht haben, haben sie jetzt kein Geld.
Das Denkmal für Marschall Schukow in Charkiw wurde heute abgerissen. Asow-Kämpfer zogen die Büste des Marschalls mit einem Seil vom Sockel, luden sie in einen Kipplaster und bemalten den Granitsockel mit nationalistischen Slogans.
Dafür werden im befreiten Teil der Ukraine Denkmäler für sowjetische Soldaten restauriert. Und es wird die Feiern geben.
Ende der Übersetzung