Die Firma Maxar ist ein sehr enger Partner des Pentagon und sie ist Teil der von Trump geschaffenen Teilstreitmacht Space Force. Mit dieser 2020 geschaffenen Teilstreitkraft wollen die USA den Weltraum militarisieren, was bei der Verkündung auf scharfe internationale Kritik gestoßen ist.

Maxar ist an insgesamt mindestens vier Programmen des Pentagon beteiligt, die Firma ist also sehr eng mit dem US-Militär verbunden. Die Satellitenbilder, die nun beweisen sollen, dass russische Soldaten schon Mitte März das Massaker in Butscha verübt haben, kommen von Maxar.

Daher ist es umso merkwürdiger, dass die Bilder, die angeblich vom 19. und 21. März stammen, nicht schon vorher veröffentlicht wurden, sondern erst nach den Meldungen aus Kiew über das angebliche Massaker. Auch die Aussage von Pentagon-Sprecher Kilby, das Pentagon habe keine eigenen Erkenntnisse über das angebliche Massaker, bekommen ein „Geschmäckle“. Hat das Pentagon keine eigenen Satelliten? Warum zeigt man Bilder von Maxar? Und wenn Maxar so eng mit dem Pentagon zusammenarbeitet, warum hat das Pentagon keine eigenen Erkenntnisse?

Cui bono?

Bei jedem Verbrechen muss man sich fragen, wer davon profitiert, wer ein Motiv hat. Selbst wenn wir annehmen, dass die Russen in Butscha auf wehrlose Zivilisten geschossen haben, haben sie ganz sicher kein Motiv dafür, die Leichen bei ihrem Abzug auf den Straßen liegen zu lassen, damit der Westen eine weitere Propaganda-Kampagne lostreten kann. Die Russen hätten die Leichen mitgenommen, oder zumindest verscharrt, aber sie nicht auf der Straße liegen gelassen.

Kiew hingegen ist jede anti-russische Meldung recht. Und eine weitere anti-russische Medienkampagne ist genau das, was Kiew sich wünscht. Dass die Opfer fast alle weiße Armbinden tragen, die sie als Sympathisanten der Russen identifizieren, ist ein weiterer Hinweis auf die Täterschaft Kiews, denn warum sollte Russland Leute erschießen, die ihm wohlgesonnen sind?

Auch die USA haben ein Interesse an dem Massaker, denn sie sind ebenfalls an allem interessiert, was sich medial gegen Russland ausschlachten lässt. Außerdem sind die USA daran interessiert, dass die Kampfhandlungen in der Ukraine möglichst lange andauern, damit Russland geschwächt wird. Aus diesem Grund liefern die USA der Ukraine derzeit auch so viele Waffen, wie nie zuvor.

Und es kommt noch etwas hinzu. Bei den Verhandlungen in Istanbul hatte es am 30. März eine erste zaghafte Annäherung zwischen Russland und der Ukraine gegeben. Der Weg zum Frieden hätte demnach darin bestehen können, dass die Ukraine ein blockfreier und atomwaffenfreier Staat wird, der auch keine ausländischen Truppen in seinem Land stationiert, dafür aber Sicherheitsgarantien von allen Mitgliedern des UNO-Sicherheitsrates und einigen weiteren Staaten bekommt, die sich verpflichten sollten, der Ukraine im Falle eines Angriffs durch ein anderes Land militärisch beizustehen.

Darauf haben die USA sehr zurückhaltend reagiert, denn das war gar nicht in ihrem Interesse. Die USA wollen die Ukraine in die NATO aufnehmen, um Russland weiter unter Druck zu setzen. Noch schlimmer wäre es für die USA, wenn ein solches Beispiel übergreifender Sicherheitsgarantien, wie die Ukraine sie bekommen sollte, Schule machen würde. Das würde nämlich im Grunde ein Ende der NATO-Erweiterungen und damit ein Ende der Ausdehnung des US-Einflusses bedeuten.

Wozu sollten Länder der NATO beitreten wollen, was immer eine Abgabe von Souveräntät bedeutet, wenn man derartigen militärischen Schutz auch ohne einen NATO-Beitritt mit all seinen Nachteilen, wie höheren Rüstungsausgaben, bekommen kann? Schlimmer noch: Würde das Beispiel Schule machen und auch andere Staaten einander derartige Sicherheitsgarantien geben, wären die US-Kriege, die das Pentagon weltweit führt, kaum mehr möglich.

Was wäre denn, wenn der Iran plötzlich Sicherheitsgarantien von Russland und China bekäme? Ein Angriff auf den Iran, wie ihn Hardliner in Washington und vor allem Israel fordern, wäre dann undenkbar. Daher war die in Istanbul als möglicher Weg zum Frieden in der Ukraine gefundene Lösung für die USA inakzeptabel und daher haben die USA darauf auch nicht reagiert.

Das Timing passt

Andere Staaten waren nicht so zurückhaltend, wie die USA und haben ihre grundsätzliche Bereitschaft erklärt, nach einem Friedensschluss als Garantiemächte für die Ukraine zu fungieren und ihr die Sicherheitsgarantien zu geben. Das ist nun vorbei, denn nach den Bildern aus Butscha will kaum noch jemand etwas von Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine wissen. Die westlichen Medien schreiben unisono, dass es mit Putin keinen mehr Frieden geben kann. Und der ukrainische Außenminister hat nun sogar verkündet:

„Ich muss zugeben, dass die Diplomatie unter diesen Umständen nicht der zentrale Pfeiler einer Friedensregelung, eines Friedensprozesses ist. Wir müssen den Frieden auf dem Schlachtfeld gewinnen“

Und tatsächlich ist derzeit keine neue Runde von Friedensgesprächen angekündigt, was exakt dem Kalkül der USA in die Hände spielt, die den Konflikt in die Länge ziehen und für Russland so teuer wie nur möglich machen wollen.

Und in dieser Situation sind die Satellitenbilder von Maxar der vielleicht wichtigste „Beweis“ für die russische Täterschaft an dem Massaker in Butscha, denn sie belegen angeblich, dass die Toten schon Mitte März auf den Straßen gelegen haben. Dass die Bilder erst zwei Wochen später veröffentlicht wurden, stört niemanden. Die Bilder können genauso gut manipuliert sein, denn niemand kann überprüfen, wann sie entstanden sind. Fakt ist aber: Die Bilder von Maxar zeigen exakt das, was das Pentagon sich wünscht und sie kommen genau zum richtigen Zeitpunkt, um die Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine zum Scheitern zu bringen.

Ironisch könnte man sagen: Es ist wirklich nett von der russischen Armee, dass sie das Massaker zum richtigen Zeitpunkt veranstaltet und die Leichen an Ort und Stelle liegengelassen hat. Und die russische Armee muss sehr streng vorgegangen sein, denn alle Leichen liegen – den Satellitenbildern zufolge – angeblich seit zwei Wochen unberührt an ihren Plätzen, sodass man nun die Leichenfunde vor Ort mit den Satellitenbildern abgleichen kann.

In Butscha haben in der zweiten Märzhälfte Temperaturen von bis zu plus 16 Grad geherrscht und die Leichen müssten in den zwei Wochen auf offener Straße schon fast vollständig verwest sein. Das sind sie jedoch nicht, aber in den angeblich so kritischen westlichen Medien interessiert das niemanden.