Die westlichen Medien berichten von Mariupol immer noch als einer „von der russischen Armee belagerten Stadt.“ Das ist definitiv gelogen, denn seit meinem letzten Besuch in der Stadt, als dort in einigen Stadtteilen noch Kämpfe tobten und alle paar Sekunden laute Explosionen zu hören waren, hat sich das Bild nun sehr verändert. Explosionen sind keine mehr zu hören. Zwar ist die Stadt weitgehend zerstört, aber die Aufräumarbeiten haben begonnen, es fahren wieder Autos und Busse, und auch Tankstellen arbeiten wieder. In einigen Stadtteilen gibt es bereits wieder Strom und fließendes Wasser. Das Leben ist in die Stadt, in der nach Schätzungen 200.000 Menschen geblieben sind, zurückgekehrt.

Der nun folgende Text ist Teil meines Reiseberichts nach Mariupol, den ich heute etwas später veröffentlichen werde. Wegen des großen Interesses an Mariupol habe ich diesen Teil des Reiseberichts schon vorzeitig veröffentlicht.

Die Zukunft von Mariupol

Denis Puschilin, der Chef der Donezker Volksrepublik hat uns in Mariupol eine Pressekonferenz gegeben, in der er über die Zukunft von Mariupol befragt wurde. Dabei sagte er über den Zustand der Stadt und ihrer Infrastruktur:

„Nach einer groben Schätzung müssen mehr als 60 Prozent der Häuser abgerissen und neu gebaut werden. Was die Infrastruktur betrifft, so ist die Lage nicht so düster. Die Fachleute, die jetzt die Wasserversorgung und andere Bereiche wiederherstellen, sind nicht mehr so pessimistisch, wie es schien, als wir die Stadt zum ersten Mal frei betreten konnten.“

Die Arbeiten zur Wiederherstellung der Versorgung mit Strom und Wasser werden unter anderem dadurch behindert, dass viele Einrichtungen vermint wurden. Aber die Infrastruktur selbst sei in einem besseren Zustand als erwartet und nach der Räumung der Minen werde die Wiederherstellung schneller gehen, als zunächst erwartet wurde.

Über die Zukunft der Stadt sagte er außerdem, dass es nicht geplant sei, Asowstahl wieder zu reparieren und in Betrieb zu nehmen, denn die Anlage habe die Stadt sehr verschmutzt:

„Was die Unternehmen betrifft, so ist geplant: Alles, was lebt, muss wiederhergestellt werden. Das Iljitsch-Werk betrifft, so wurde fast einstimmig beschlossen, dass es repariert werden sollte. Was Asowstal betrifft, so wurde die Meinung der Einwohner von Mariupol berücksichtigt, dass das Werk seit seinem Bestehen die Umwelt stark verschmutzt hat. Anstelle von Asowstal sind andere Projekte geplant. Bisher kann ich nur die Vorschläge nennen, die diskutiert werden. Dort kann sein Technopark, ein Wohngebiet oder eine Parkzone entstehen.“

Was den Aufbau nicht nur der Stadt Mariupol, sondern auch des Donbass angeht, ist Puschilin sehr zuversichtlich, denn in Russland hat jede russische Region eine Art Patenschaft für eine Stadt im Donbass übernommen und wird beim Wiederaufbau helfen. Für Mariupol gibt es mehrere solcher Patenschaften, weil die Stadt so groß ist, dass eine russische Region alleine damit überfordert wäre. Auf diese Weise werden die Kosten für den Wiederaufbau auf ganz Russland verteilt und bezahlbar.