Am 31. Mai habe ich einen Artikel veröffentlicht, der im Detail zeigt, welchen Medien, Medienorganisationen und Medienprojekten Bill Gates Millionen zukommen lässt, um deren Berichterstattung in die von ihm gewollte Richtung zu beeinflussen. In einer Artikelserie werde ich auf einige konkrete Beispiele eingehen.

Investigativer Journalismus

Investigativer Journalismus ist unentbehrlich, denn er deckt Missstände auf. Diese Missstände betreffen in der Regel die Reichen und Mächtigen, wenn zum Beispiel Arbeitsbedingungen hinter den gesetzlichen Anforderungen zurückbleiben, weil ein Unternehmer dadurch mehr Geld verdient, und wenn die zuständigen Leiter von Behörden wegschauen, weil sie mit dem Unternehmer eng verbandelt sind.

Das ist ein willkürliches Beispiel, aber die Missstände haben in aller Regel eines gemeinsam: Sie kommen zustande, wenn jemand seinen Reichtum und seine Macht mit unlauteren oder gar illegalen Mitteln anhäufen möchte und das ungestört tun kann, weil Regierung und/oder Behörden wegschauen, weil sie ebenfalls davon profitieren, zum Beispiel durch Bestechung.

Daher sind investigative Journalisten so wichtig: Die sind es, die diese Missstände aufdecken und öffentlich machen. Deshalb sind echte investigative Journalisten sowohl den Reichen als auch der Regierung ein Dorn im Auge.

Was liegt da näher für eben diese mächtigen Menschen, als zu versuchen, investigative Journalisten unter ihre Kontrolle zu bekommen und den investigativen Journalismus auf diese Weise zu beenden? Oder zumindest dafür zu sorgen, dass investigative Journalisten bei bestimmten Themen nicht mehr so genau hinschauen, sondern sich lieber anderen Themen zuwenden?

Es gibt Netzwerke, Organisationen und NGOs, die nach offizieller Lesart den investigativen Journalismus fördern und unterstützen. In diesen Netzwerken organisierte Journalisten könnten – wenn sie wirklich investigativ und kritisch arbeiten würden – ein riesiges Ärgernis für all jene sein, die über Seilschaften, Vetternwirtschaft, Korruption, Machtmissbrauch und so weiter Macht und Geld anhäufen wollen. Was liegt aus Sicht der Reichen und Mächtigen daher näher, als diese Netzwerke investigativer Journalisten unter ihre Kontrolle zu bringen?

Das International Center for Journalists

Bill Gates fördert ein breites Netzwerk von Zentren für investigativen Journalismus mit insgesamt 38 Millionen Dollar. Mehr als die Hälfte dieses Geldes ist an das International Center for Journalists mit Sitz in Washington D.C. gegangen. Dieses Center wurde 1984 gegründet, um den (investigativen) Journalismus weltweit zu fördern.

Das Center wirbt für Transparenz, ist bei seinen eigenen Finanzen aber ausgesprochen intransparent. Es rühmt sich im Gegenteil, die Privatsphäre seiner Spender streng zu schützen. Daher findet man auf der Seite des Center keine Angaben darüber, wer ihm wie viel gespendet hat. In seinem Finanzabschluss findet man lediglich die Information, dass es 2020 14,5 Millionen Dollar von „Stiftungen und US-Regierungsbehörden“ bekommen hat. Das ist der Löwenanteil seiner Gesamteinnahmen in Höhe von 16,5 Millionen Dollar.

Allerdings findet am im Jahresbericht 2021 eine Liste der Spender. Die umfasst die „üblichen Verdächtigen“ (lesen Sie Details in den verlinkten Artikeln nach, das hier auszuführen, würde zu weit führen), wie diese Beispiele aufzeigen: National Endowment for Democracy, Luminate, alle großen US-Internetkonzerne, das US-Verteidigungsministerium, USAID und natürlich die Bill and Melinda Gates Foundation.

Bei den Finanziers des Center handelt es sich also um Regierungsbehörden und Milliardäre, die kein Interesse an investigativem Journalismus haben, weil der ihnen auf die Finger schauen würde. Ganz offensichtlich soll genau das verhindert werden, weshalb die „üblichen Verdächtigen“ die größten finanziellen Förderer des International Center for Journalists sind. Damit stellen sie sicher, dass sich dieses Netzwerk nicht gegen sie wendet und bei ihnen nicht allzu genau hinschaut, denn dann würde über 80 Prozent seiner Einnahmen verlieren.

Oder einfacher ausgedrückt: Das International Center for Journalists lässt sich ausgerechnet von denen bezahlen, denen kritische Journalisten eigentlich auf die Finger schauen sollen.

Die Förderung von Bill Gates

Bill Gates zahlt dem Center seine Zuschüsse in Höhe von bisher knapp 20 Millionen Dollar für Projekte, die mit Afrika zu tun haben. Da die Projektbeschreibungen, die die Bill and Melinda Gates Foundation veröffentlicht, nur aus einem oder zwei allgemein formulierten Sätzen bestehen und die Details der dem zugrunde liegenden Verträge nicht öffentlich sind, können wir nur grob einschätzen, worum es Bill Gates dabei geht.

Wenn wir in die Programme schauen, finden wir zum Beispiel heraus, dass die Gates Foundation das International Center for Journalists derzeit dafür bezahlt dass führende Medien in Afrika verstärkt über die Themen Gesundheit und Entwicklung berichten sollen. Die Förderung läuft von November 2016 bis November 2022.

Und wie es der Zufall will, sind das die zentralen Themen der Bill and Melinda Gates Foundation, denn die setzt sich laut eigenen Angaben vor allem für drei Themen ein: Globale Gesundheit, Globale Entwicklung und Bildungsprogramme in den USA. Um zu verstehen, was das bedeutet und warum Gates diese Themen fördert, müssen wir uns anschauen, was die sogenannte „Philanthropie“ in Wirklichkeit ist.

Philanthropie als Geschäftsmodell

Wer glaubt, dass die sogenannten „Philanthropen“ ihr Geld selbstlos mit vollen Händen zur Rettung der Welt verschenken, liegt falsch. Die Stiftungen der „Philanthropen“ sind in Wirklichkeit ein Geschäftsmodell, und das funktioniert wie folgt: Ein Milliardär überführt sein Vermögen in eine Stiftung, danach muss er darauf praktisch keine Steuern mehr bezahlen. Dann ruft er ein Projekt mit einem wohlklingenden Namen ins Leben und spendet öffentlichkeitswirksam zum Beispiel 100 Millionen Dollar dafür. Die Medien berichten begeistert und die westlichen Staaten unterstützen das Projekt mit riesigen Summen, zum Beispiel mit insgesamt 20 Milliarden.

Dieses Geld fließt in das von dem „Wohltäter“ kontrollierte Projekt und er entscheidet, wofür das Geld ausgegeben wird. Wie es der Zufall will, wird das Geld dann verwendet, um bei Firmen einzukaufen, an denen der „wohltätige Philanthrop“ beteiligt ist. Er hat sich mit 100 Millionen Zugriff auf 20.000 Millionen gesichert. Das habe ich mir nicht ausgedacht, das ist ein Beispiel aus der Praxis, Details können Sie hier nachlesen.

Das ist der banale Grund, warum „Philanthropen“ noch schneller noch reicher werden, während sie – laut Angaben der Medien – ihr Vermögen selbstlos zur Rettung der Welt verschenken. Dass die Medien diesen Skandal nicht thematisieren, hat zwei Gründe: Erstens werden die Medien von den „Philanthropen“ großzügig beschenkt (dazu kommen wir in weiteren Artikeln dieser Serie noch im Detail) und zweitens gehören die westlichen „Qualitätsmedien“ selbst Stiftungen (Bertelsmann Stiftung, Axel-Springer-Stiftung. Brost-Stiftung, Spiegel-Stiftung, etc). Die Medien haben also kein Interesse daran, das System, von dem sie selbst profitieren, zu kritisieren.

Bill Gates und Afrika

Bill Gates ist in Afrika sehr aktiv und verdient dort viel Geld, daher fördert er dort auch sehr intensiv Journalismus-Projekte, die seinen Projekten in die Hände spielen. Wie das funktioniert, zeige ich anhand einer kurzen Leseprobe aus meinem Buch „Inside Corona“ auf:

„2006 hat die Bill and Melinda Gates Foundation zusammen mit der Rockefeller Foundation die Alliance for a Green Revolution in Africa (AGRA; deutsch: „Allianz für eine Grüne Revolution in Afrika“) gegründet, die sich folgende Ziel gesetzt hatte: bis 2020 die Ernährungsunsicherheit in 20 Ländern um 50 % zu reduzieren, die Einkommen von 20 Millionen Kleinbauern zu verdoppeln und 15 Ländern eine Grüne Revolution zu ermöglichen, die Kleinbauern unterstützt, die Umwelt schützt, und die Anpassung an den Klimawandel erleichtert. Alleine Bill Gates hat AGRA über 600 Millionen Dollar zukommen lassen.

2016 hat eine Studie von GlobalJusticeNow herausgearbeitet, worum es bei dem Projekt tatsächlich geht. Das Projekt von Gates und Rockefeller konzentriert sich nicht etwa auf die schwachen Regionen Afrikas, sondern auf die landwirtschaftlich erfolgreichsten Regionen, in denen das Saatgut noch zwischen den örtlichen Bauern getauscht wurde, sprich: die Millionen Kleinbauern züchten und tauschen untereinander das wertvolle Saatgut ihrer Pflanzen.

Da Gates und Rockefeller aber an Konzernen wie Monsanto, Dow Chemical, BASF, Bayer und anderen beteiligt waren, hatte deren „Hilfsprogramm“ zwei Ziele: Erstens sollten die Bauern auf Hybridsaatgut, also genetisch verändertes Saatgut, umsteigen. Zweitens sollten sie mehr chemische Düngemittel einsetzen. All das diente offiziell natürlich dem Ziel, die lokale Landwirtschaft effektiver zu machen und so den Hunger zu bekämpfen.
Die von Gates und Rockefeller gegründete AGRA setzte sich dafür ein, dass nur noch zertifiziertes Saatgut gehandelt werden sollte, wodurch der Handel mit bäuerlichem Saatgut illegal geworden wäre. Das „geistige Eigentum“ der Patente von genmanipulierten Hybridsaatgut sollte gesetzlich geschützt werden, was den Agrarkonzernen neue Märkte und Monopole erschließen würde
.“

Dass man so ein Programm, bei dem man Milliarden verdienen will, medial flankieren und unterstützen muss, liegt auf der Hand. Und wie es der Zufall wollte, hat die Gates Foundation im Oktober 2007, ein Jahr nach der Gründung von AGRA, angefangen, die Afrika-Projekte des International Center for Journalists mit Millionen Dollar zu fördern. Das erste große Förderprogramm hatte den Titel:

„Unterstützung von Stipendien mit großer Wirkung zur Verbesserung der Berichterstattung über armuts- und entwicklungsbezogene Themen in afrikanischen Zielmärkten, um politische Entscheidungen zu untermauern und Gesundheitsergebnisse zu fördern“

Es ging also nicht nur darum, das von AGRA gewünschte Thema in den Fokus afrikanischer Medien zu rücken, es ging auch darum, das in „Zielmärkten“ zu tun und dort die nötigen politischen Entscheidungen zu beeinflussen, um AGRA umzusetzen. Kann man es offener ausdrücken?

Das war nur eines von vielen Beispielen dafür, wie Bill Gates über „Förderprogramme für Journalismus“ die Berichterstattung und damit die öffentliche Meinung in die von ihm gewollte Richtung lenkt.

Im nächsten Teil dieser Serie werde ich zeigen, wie Bill Gates nicht nur die Berichterstattung in Afrika, sondern die Berichterstattung weltweit mit einem geschickt aufgebauten Projekt in die von ihm gewollte Richtung lenkt.