Die Sicherheitsvorkehrungen für die anstehende Pressetour in das Konfliktgebiet im Donbass sind so hoch, wie nie zuvor. Das russische Verteidigungsministerium, das die Reisen organisiert und für die Sicherheit der Journalisten verantwortlich ist, macht aus der Tour ein großes Geheimnis. Das Datum der Abreise wurde erst sehr kurzfristig bekannt gegeben und bisher wissen wir nichts darüber, wohin die Reise gehen wird oder wie lange sie dauert.

Bei den vorherigen Reisen war die Sicherheitslage für uns gut. Donezk wurde noch vor einem Monat nicht so heftig beschossen. Man hat, wenn man vor dem Hotel gestanden hat, zwar dann und wann Explosionen gehört, aber das war alles. Derzeit, so erzählen mir Bekannte vor Ort (und berichten die Medien) wird Donezk im gesamten Stadtgebiet täglich von hunderten Granaten und Raketen getroffen. Bilder aus Donezk zeigen, wie der Himmel über der Stadt teilweise komplett vom Rauch der Feuer und Explosionen verdunkelt wird. Einschläge gibt es in der ganzen Stadt, Vorwarnungen gibt es keine.

Warum Donezk noch immer so intensiv beschossen werden kann, können Sie hier nachlesen. Der Artikel ist zwar schon einen Monat alt, aber die Lage vor Donezk ist immer noch so, wie in dem Artikel beschrieben.

Da ich nun wieder dort hinfahre, habe ich einen Bericht des russischen Fernsehens aus Donezk übersetzt, der am Sonntagabend im wöchentlichen Nachrichtenrückblick des russischen Fernsehens gezeigt wurde. Ich empfehle Ihnen, wenn Sie über VPN verfügen, den Beitrag auch anzuschauen, denn mit meiner Übersetzung ist er auch ohne Russischkenntnisse verständlich. Ohne die Bilder hat der reine Text der Übersetzung hingegen kaum Aussagekraft.

Beginn der Übersetzung:

Donezk ist zu einer Frontstadt geworden

In den letzten Tagen wurden Donezk und seine Vororte von den ukrainischen Streitkräften besonders stark beschossen. In ihrer Verzweiflung schießen die ukrainischen Soldaten wahllos auf Wohngebiete. Allein am Montag wurden dort drei Menschen getötet, darunter ein 10-jähriges Mädchen. 27 Menschen wurden verletzt. Innerhalb weniger Stunden wurden mehr als 100 Granaten des NATO-Kalibers 155 Millimeter sowie Grad- und Uragan-Raketen auf den Donezker Stadtteil Kuibyschew abgefeuert. Zwei weitere Kinder wurden in Makejewka durch den Beschuss der ukrainischen Armee getötet. Nun schießen Artilleristen der DNR-Armee auf ukrainische Stellungen mit Granaten, die mit der Aufschrift „(Als Rache) Für die Kinder des Donbass“, „Für eine strahlende Zukunft für die Kinder des Donbass“ und „(Als Rache) Für die Kinder von Makejewka“ versehen sind. Ein Bericht aus Donezk.

Hunderte von Geschossen schlagen täglich ein. Die Zahl der Todesopfer und Verletzten steigt fast stündlich. Das zehnjährige Mädchen, das im Hof seines Hauses im Zentrum von Donezk starb, und die Tragödie in Makejevka. Das ukrainische Militär bombardierten einem Kinderspielplatz. Drei Kinder starben. Vier weitere befinden sich im Krankenhaus.

Dieser Junge antwortete im Krankenhaus auf die Frage, wer da noch mit ihm gewesen ist: „Alle, da waren sehr viele.“

Die städtischen Krankenhäuser nehmen einen endlosen Strom von Verwundeten auf. Zur Unterstützung der republikanischen Ärzte kamen Mediziner des russischen Verteidigungsministeriums.

Diese Mutter, die mit ihrem verletzten Sohn im Krankenhaus ist, sagt: „Gebe Gott, dass niemand das auch nur den Bruchteil einer Sekunde erleben muss. Ich wünsche allen Glück und Frieden, dass alle Kinder unter einem friedlichen blauen Himmel leben.“

Beim Pfeifen von Minen und dem Grollen von Explosionen gehen die Einwohner von Donezk in Deckung. Eine Granate schlug fünfzig Meter entfernt von einem Filmenden ein und ein Feuer brach aus. Nicht alle schaffen es, die Schutzräume rechtzeitig zu erreichen.

Eine Anwohnerin berichtet unter Tränen: „Die Frau mit einem Kind… Eine Frau wurde ins Krankenhaus gebracht, aber die Frau lag hier auf der Straße…“

Den Treffern nach zu urteilen, feuert das ukrainische Militär chaotisch.

Dies ist einer der größten Lebensmittelmärkte in Donezk, und das ist das, was nach einem ukrainischen Artillerieangriff davon übrig ist. Der Markt befindet sich in der Nähe des Bahnhofs. Gemüseläden, Lebensmittelgeschäfte – alles zerstört.

Donezk ist heute faktisch eine Frontlinie. Aber im Hinterland ist es auch nicht besser. Das ist Khartsyzsk, 40 Kilometer von der Frontlinie entfernt. Dieser Junge erzählt mir: „Mama ist gelaufen, als es runterkam, sie hat sich auf dem Boden geworfen, dann flogen die Splitter herum. Sie kam ins Haus und alles hat ganz schlimm gebebt.“

Das ukrainische Militär hat mit amerikanischen HIMARS einen ganzen Block zerstört. Diese Frau sagt: „Was haben wir denen getan? Wir haben unsere Wahl getroffen. Warum quälen uns die Ukrainer so? Ich wende mich an die Welt: Stoppt Amerika und den kollektiven Westen. Jetzt liefern sie Raketen und bitte schön…“

Diese alten Frauen sagen: „Schämen die sich nicht, Krieg gegen alte Weiber und Kinder zu führen? Soll Selensky sich noch im Grabe umdrehen!“

Am Feiertag der Familie, der Liebe und der Treue gab es einen Volltreffer einem NATO-Geschoss vom Kaliber 155 auf das Slawische Kulturzentrum in Donezk. Hier hat die Granate eingeschlagen, ein Teil der Wand fehlt, die vordere Treppe ist mit Trümmern übersät. Und Sie können sich vorstellen, wie stark die Druckwelle war.

Kampfhubschrauber sind auf dem Weg nach Ugledar. Die Aufgabe der verbündeten Streitkräfte besteht darin, die ukrainische Gruppierung einzukesseln und den Nachschub abzuschneiden. In der Nähe von Donezk werden neue Kräfte an die Frontlinie gebracht. Einheiten, die ihre Aufgaben in Lisitschansk abgeschlossen haben, bereiten sich nun darauf vor, den Feind aus der Hauptstadt der Republik zu vertreiben. Ein Panzerwagen ist auf dem Vormarsch. Ein Gebäude wird gerade geräumt. So nehmen die Kämpfer in kurzen Abständen, vor allem in den offenen Gebieten, Positionen ein. Sie haben Asowstal gestürmt, jetzt bereiten sie sich auf neue Aufgaben vor. Die Kämpfer des Wostok-Bataillons sind eine Art Elite der DNR-Streitkräfte.

Verstärkung der Positionen auch in Richtung Avdejewka. Der Feind in diesem Gebiet wird visuell und mit Hilfe von Drohnen überwacht. Falls erforderlich, wird Artillerieunterstützung angefordert. In den wenigen freien Minuten senden sie Grüße an ihre Familien. Der Feind hat sich fest verschanzt und Verteidigungsanlagen vorbereitet, so dass noch nicht bekannt ist, wann der Angriff stattfinden wird. Aber niemand hier bezweifelt, dass es erfolgreich sein wird.

Ende der Übersetzung