Ich will hier jetzt nicht wieder über die Gründe für die Energie- und Gaskrise in der EU berichten, das habe ich schon so oft getan. Auch will ich hier nicht darüber philosophieren und spekulieren, was das Aus von Nord Stream 2 oder die Abkoppelung einiger russischer Banken für die Gasimporte aus Russland bedeuten könnten. Ich weise einzig darauf hin, dass Russland jährlich etwa 200 Milliarden Kubikmeter Gas in die EU gepumpt hat und dass die vorhandenen Flüssiggasterminals, die laut EU-Kommission die Rettung sein sollen, wenn die EU sich entscheiden sollte, auf russisches Gas zu verzichten, um Russland zu bestrafen, nur 150 Milliarden Kubikmeter pro Jahr abfertigen können.

Da die EU in 2022 so viel Gas brauchen wird, wie nie zuvor in der Geschichte, wenn sie die Gasspeicher zum Beginn der nächsten Heizperiode wieder füllen will, steht ein sehr spannender Sommer bevor. Die Bundesregierung hat gerade beschlossen, die Betreiber von Gasspeichern zu verpflichten, dass die Speicher zukünftig Anfang Dezember zu 90 Prozent gefüllt sein müssen. Wenn in diesem Jahr die Energiezusammenarbeit mit Russland eingeschränkt oder gar abgebrochen wird, kann man dazu nur sagen: Na dann viel Glück!

Das russische Fernsehen hat berichtet, dass die gesamten im letzten Sommer für diesen Winter eingelagerten Gasreserven aufgebraucht sind. Ich habe die Meldung des russischen Fernsehens vom 28. Februar übersetzt.

Beginn der Übersetzung:

Europa hat seine im Sommer eingelagerten Gasreserven vollständig aufgebraucht

Die europäischen Länder haben alle Gasreserven des Sommers aufgebraucht, so Gazprom unter Berufung auf die europäische Gasplattform Gas Infrastructure Europe, gemäß Angaben vom 26. Februar. Der Gaspreis in Europa ist heute bei Handelseröffnung zum zweiten Mal in dieser Woche um 40 Prozent auf 1.500 Dollar pro tausend Kubikmeter gestiegen. Nur die gestiegenen Lieferungen von Gazprom drücken den Preis, Gas wird jetzt für 1.200 Dollar gehandelt, ein Anstieg von 12 Prozent gegenüber Ende der letzten Woche.

„Es wurden bereits 47 Milliarden Kubikmeter entnommen, das sind 100 Prozent des im Sommer eingelagerten Gases, das heißt, es bleiben die im letzten Jahr gebildeten Reserven“, so Gazprom.

Die Gesamtmenge des in unterirdischen Gasspeichern in Europa verbleibenden Gases beträgt 29,5 Prozent. Das ist die Gasmenge, die aus den Vorjahren übrig geblieben ist. Die unterirdischen Gasspeicher in Deutschland sind zu 70,6 Prozent und die in Frankreich zu 77,1 Prozent leer.

Am 26. Februar lag die Menge an aktivem Gas in den unterirdischen Speichern in Europa um 21,5 Prozent unter dem Niveau des Vorjahres. Seit dem 7. Januar 2022 befinden sich die europäischen Lagerbestände auf einem Mehrjahrestief und einem Verbrauchsmaximum.

Die Entnahme von Gas aus den europäischen Speichern dauert traditionell bis Ende März oder Mitte April.

Europa wird im Sommer Gas in seine Erdgasspeicher pumpen müssen, und zwar in gigantischen Mengen, wie es sie noch nie gegeben hat.

„Das ist eine sehr ernste Herausforderung, wenn man unter anderem die täglichen Maximalmengen berücksichtigt, die durch die technischen Möglichkeiten der Speicheranlagen streng begrenzt sind“, so Gazprom. „Die auf dem europäischen Markt verfügbare Gasmenge ist in hohem Maße von der Nachfrage auf dem wachsenden asiatischen Markt abhängig“

In den ukrainischen Gasspeichern befinden sich nur noch 10,3 Milliarden Kubikmeter Gas. Das sind 44 Prozent weniger als im letzten Jahr und ein Drittel weniger als zum Zeitpunkt des Beginns der Einleitung im April 2021.

Ende der Übersetzung