Während des französischen Wahlkampfs vor einigen Monaten ist eine Doku erschienen, in der Macron sich als Friedensstifter präsentieren wollte. Unter anderem wurden dabei lange Passagen der Telefonate gezeigt, die Macron nach Beginn der russischen Intervention in der Ukraine mit Präsident Putin geführt hat. Das war, noch dazu, ohne die russische Seite darüber im Voraus auch nur zu informieren, ein eklatanter Vertrauensbruch in der internationalen Diplomatie.

Dabei wurde zwar nichts veröffentlicht, was Putin in ein schlechtes Licht stellen könnte, aber es ist klar, dass Putin mit Macron seitdem nicht mehr offen am Telefon sprechen kann, weil er erwarten muss, dass die vertraulichen Gespräche von Journalisten mitgehört, aufgezeichnet und veröffentlicht werden. Im Grunde sind Telefonate zwischen den beiden Präsidenten damit zu sinnloser Zeitverschwendung geworden.

Bei der Podiumsdiskussion des Valdai-Forums wurde Putin nach dieser Episode gefragt und ich habe die Frage und Putins Antwort übersetzt.

Beginn der Übersetzung:

Lukjanow: Herr Präsident, Sie haben Europa erwähnt. Es gab vor zwei Monaten, oder sogar noch weniger, eine interessante Episode, als sich herausstellte, dass, als Sie kurz vor Beginn der Feindseligkeiten mit Präsident Macron sprachen, Journalisten in seinem Büro saßen, die alles es aufgezeichnet haben. Das ist eine etwas ungewöhnliche Form. Nun gut, das war nicht das erste Mal. Wie ist Ihre Einstellung zu dieser Art von Dingen?

Putin: Negativ. Ich denke, es gibt bestimmte Kommunikationsformate zwischen Staatsoberhäuptern und die müssen eingehalten werden, sonst verliert man das Vertrauen in das, was der Partner tut. Im Großen und Ganzen ist nichts dagegen einzuwenden, wenn das, was wir sagen, worüber wir sprechen, wenn unsere Einschätzungen in die Medien kommen. Aber dann muss man einander vorwarnen, das ist alles.

Lukjanow: Wurden Sie nicht vorgewarnt?

Putin: Natürlich nicht. Im Gegenteil, wenn wir telefonieren, auch über geschlossene Kanäle, gehen wir immer davon aus, dass es sich um vertrauliche Gespräche handelt, die nicht öffentlich gemacht werden, oder die den Vereinbarungen der Parteien unterliegen. Wenn das einseitig geschieht, ist das sicherlich unanständig.

Lukjanow: Und wenn Macron jetzt anruft, fragen Sie dann, wer dort neben ihm sitzt?

Putin: Nein.

Lukjanow: Warum nicht? Das müssten Sie aber.

Putin: Weil ich jetzt davon ausgehe, dass jemand zuhört.

Ende der Übersetzung

Im Klartext bedeutet das, dass die Telefonate, die Macron in den letzten Monaten mit Putin geführt hat und über die die Medien so enthusiastisch berichtet haben, ziemlich wertlos waren, weil Macron das Vertrauensverhältnis zerstört hat, weshalb Putin nicht mehr offen mit Macron reden dürfte. Aber ohne einen offenen Meinungsaustausch ist es praktisch ausgeschlossen, dass man schwierige Probleme lösen kann.