Wie in Russland über die kommende weltweite Hungersnot berichtet wird
Ich habe gerade erst in einem Artikel aufgezeigt, dass die Vorwürfe des Westens, Russland verhindere den Export von russischem und ukrainischem Getreide nicht haltbar sind, die Details finden Sie hier. Im wöchentlichen Nachrichtenrückblick des russischen Fernsehens am Sonntag waren die kommende Hungersnot und die Vorwürfe des Westens ebenfalls ein Thema und dabei wurde noch einfacher […]
Ich habe gerade erst in einem Artikel aufgezeigt, dass die Vorwürfe des Westens, Russland verhindere den Export von russischem und ukrainischem Getreide nicht haltbar sind, die Details finden Sie hier. Im wöchentlichen Nachrichtenrückblick des russischen Fernsehens am Sonntag waren die kommende Hungersnot und die Vorwürfe des Westens ebenfalls ein Thema und dabei wurde noch einfacher aufgezeigt, worin die wahren Gründe der weltweiten Lebensmittelkrise liegen, als ich es getan habe. Um aufzuzeigen, wie in Russland über das Thema berichtet wird, habe ich den Beitrag des russischen Fernsehens übersetzt und ich fordere jeden auf, die darin gemachten Angaben selbst zu überprüfen.
Beginn der Übersetzung:
Weltweiter Hunger: Was wirklich passiert
Das Thema der weltweiten Hungersnot wird immer mehr zum wichtigsten und alarmierendsten Thema auf der globalen Tagesordnung. Es taucht in fast jedem Gespräch zwischen Putin und seinen ausländischen Gesprächspartnern auf, die nach der Hungersnot fragen und um Mitleid mit der Menschheit bitten. Denn Biden sprach wiederholt von „Putins Preisanstieg“, während die westlichen Medien mit Bidens leichter Hand bereits die These von „Putins Hungersnot“ verbreiten und behaupten, das bösartige Russland wolle die Hälfte der Menschheit verhungern lassen.
Der deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz ist dabei typisch:. „Um es ganz offen zu sagen: Russland allein ist verantwortlich.“ Kurz und klar. Russland ist schuld. Es gibt keine andere Möglichkeit. Und dann gründet Deutschland als Vorsitzender der sinnlosen G7 irgendeine Allianz zur weltweiten Ernährungssicherheit. Das heißt, ausgerechnet die räuberischen Länder präsentieren sich so, als würden sie alle ernähren.
„Dieses Bündnis steht jedem offen, der nicht zusehen will, wie die ärmsten Länder der Welt den Preis für die russische Aggression zahlen“, sagte Scholz. Das klingt gut. Aber das entspricht nicht der Realität. Die vorhergesagte Hungersnot ist auf die hohen Preise für Getreide und Lebensmittel zurückzuführen, die für die ärmsten Länder unbezahlbar sind.
Das heißt, der Preis ist der Grund für die Lebensmittelknappheit. Bis zum Sommer 2020 kostete Weizen weltweit stabil etwa 200 Dollar pro Tonne. Weniger als ein Jahr später, im Frühjahr 2021, waren die Preise auf fast 300 Dollar gestiegen. Der Höchststand wurde im April 2021 erreicht. Was hat das mit Russland zu tun? Gar nichts. Covid hat die Lieferketten „zerbrochen“. Und in diesem Umfeld drucken die USA aktiv Dollars und kaufen für sich Getreide auf. Seit dieser Zeit sind die Amerikaner Nettoimporteure von Lebensmitteln. Aus diesem Grund entstand schon zu dem Zeitpunkt das Problem des sich weltweit verschärfenden Hungers. Das war die erste Phase der steigenden Getreidepreise. Das war nicht Russlands Schuld.
Die zweite Stufe war die Preissteigerung bis Februar 2022. Also noch bevor die russische Militäroperation in der Ukraine begonnen hat. Der Weizenpreis stieg auf 340 Dollar pro Tonne. Das heißt, in eineinhalb Jahren ist er von von 200 auf 340 Dollar gestiegen! Der Grund für diesen zweiten Preisanstieg war die Energiekrise in Europa, wo die undurchdachte Wette auf grüne Energie und die Ablehnung von Nord Stream 2 die europäischen Gaspreise in ungeahnte Höhen getrieben haben, so dass die Düngemittelproduktion unrentabel wurde und die Fabriken den Betrieb einstellen mussten.
Es ist klar, dass der Getreidepreis an den Börsen unter solchen Bedingungen steigt. Aber schon wieder nicht durch Russlands Schuld. Im Gegenteil, Russland hat Nord Stream 2 trotz der illegalen Sanktionen fertiggestellt, die neue Pipeline sogar mit Gas gefüllt und war jederzeit bereit, neue Verträge zur Erhöhung der Gaslieferungen abzuschließen und sofort das Ventil zu öffnen. Aber nein! Um Moskau zu ärgern werden wir uns die Ohren abfrieren, die Welt in den Hunger zwingen, um… Ja, um was zu tun? Das ist nicht wirklich klar.
Dann folgte die dritte Preiserhöhung, der Preis liegt nun bei über 450 Dollar pro Tonne. Das sind die neuen Sanktionen. Zum Beispiel gegen russische Häfen, über die Getreide exportiert wird. Oder zum Beispiel gegen die Düngemittelfabriken des russischen Unternehmens EuroChem, die sich in Belgien und Litauen befinden. Das ging so weit, dass dem Lifosa-Werk in Litauen ein externes Management auferlegt wurde. Es wurde im März geschlossen, aber jetzt versuchen die Litauer in ihrer Panik, das Werk durch krumme Touren selbst wieder in Gang zu setzen. In Belgien wurde das EuroChem-Werk von den Sanktionen befreit, aber man hat die Düngemittelkrise bereits auf die Spitze getrieben. Die Preise sind um ein Mehrfaches gestiegen. Wegen Russland? Hebt einfach Eure Sanktionen auf!
Und die von den Ukrainern verminten Häfen von Nikolaev und Odessa? Der europäische Chefdiplomat Borrell hat die Aufgabe gestellt, die Reserven der Ukraine zu „leeren“. Wir sprechen hier von 20 Millionen Tonnen Getreide. Es ist sogar von 25 Millionen die Rede. Aber es ist nicht bekannt, ob es überhaupt 20 Tonnen sind.
Dann räumt die Seeminen vor Odessa und Nikolaev, die die Ukraine selbst verlegt hat. Russland hindert die Ukraine nicht daran, ihre 20 Millionen Tonnen Getreide zu verkaufen, sofern sie es überhaupt gibt. Hinzu kommt, dass das Getreide offenbar als Bezahlung für Waffen aus dem Westen abgegeben wird. Aber was soll man in der Ukraine selbst essen? Die Aussichten für die Ernte sind allem Anschein nach nicht gut.
Trotzdem wird das Getreide per Lastwagen nach Rumänien exportiert und vor den rumänischen Häfen herrscht ein Gewimmel von Getreideschiffen. Man kann des in Echtzeit auf der Karte sehen. Die Schiffe stauen sich vor der Donau. (Anm. d. Übers.: In dem Beitrag wird ein Screenshot von der Seite Marine Traffic gezeigt, die – ähnlich Flightradar bei Flugzeugen – die aktuellen Standorte von Schiffen zeigt. Vor Rumänien ist tatsächlich ein riesiger Stau von Schiffen zu beobachten)
Aber es wird böswillig so dargestellt, als würde Russland die ukrainischen Häfen blockieren, um alle am Hunger sterben zu lassen. Entschuldigung, aber was sind 20 Millionen Tonnen, wenn die weltweite jährliche Getreideproduktion nach Angaben der FAO, der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen, etwa 2,8 Milliarden Tonnen beträgt? Derzeit werden also 20 Millionen Tonnen aus der Ukraine exportiert, das ist weniger als 1 Prozent des gesamten Getreides der Welt. Wir wissen, dass Getreide alles ist: Reis, Roggen, Mais, Weizen, Hafer und Futtergetreide. Nehmen wir an, dass die Ukraine größtenteils Weizen hat, aber wenn es um Hunger geht, ist Getreide austauschbar. Es geht also nicht um Russland oder die Ukraine.
Wenn wir über weitere Ursachen für die kommende globale Hungersnot sprechen, dann ist das die bevorstehende schlechte Ernte in Indien aufgrund der Hitze und der rege Kauf von Getreide durch südostasiatische Länder. Auch in Europa wird aufgrund der Trockenheit in diesem Jahr nicht mit der besten Ernte gerechnet.
Natürlich interessieren uns in Russlands unsere eigenen Aussichten. Unsere Düngemittel sind um ein Vielfaches billiger als im Rest der Welt. Wir machen uns also keine Sorgen um die Aussaat. In diesem Jahr wird eine Rekordernte erwartet. Auch an anderen Lebensmitteln wird es in Russland nicht mangeln. In diesem Sinne sind wir sehr entspannt. Aber Europa, so scheint es, ist völlig verwirrt.
Ende der Übersetzung