Manchmal fragt man sich wirklich, wie die Redakteure beim Spiegel noch in den Spiegel schauen können, nachdem sie ihre Leser so dreist belügen. Ein wirklich rotzfreches (sorry) Beispiel gab es am Montag. Der Spiegel hat einen Artikel veröffentlicht, der nur aus einem Videobericht besteht. Darin wird ausführlich eine Frau gezeigt, die gerade aus dem Stahlwerk evakuiert wurde und vorgeblich die Russen beschuldigt, sie nicht aus den Katakomben von Asowstal gelassen zu haben. Der Artikel trug die Überschrift „Evakuierungen aus Mariupol – »Ich dachte, dass ich nicht überleben würde«„

Der Spiegel geht dabei ausgesprochen geschickt vor, denn er lügt nicht offen und übersetzt die Aussagen der Frau sogar korrekt. Allerdings lässt der Spiegel ihre wichtigsten Aussagen einfach weg. Er zeigt, wie sie sagt, dass sie nicht aus dem Stahlwerk gelassen wurden, verschweigt aber, dass sie das eindeutig und mehrmals den Nazis des Asow-Bataillons vorwirft.

Da der Spiegel seinen Lesern tagelang erzählt hat, es wären die Russen, die die Zivilisten nicht aus dem Stahlwerk lassen, ist es klar, wie der Spiegel-Leser dieses zusammengeschnittene Video versteht: Die bösen Russen lassen keine Zivilisten aus dem Stahlwerk!

Das Problem an der Darstellung des Spiegel ist, dass sie komplett gelogen ist. Auf YouTube ist nämlich das komplette Video zu finden und siehe da: Die Frau beschuldigt die Asow-Nazis, die Zivilisten nicht aus dem Bunker gelassen zu haben und sagt am Ende des Videos sogar ausdrücklich, dass die Ukraine als Staat für sie gestorben ist und dass sie dahin nicht zurückkehrt.

Ich habe das komplette Video, das Sie am Ende dieses Artikels finden, übersetzt. In dem Video wurden nur die Antworten der Frau gezeigt, die Journalistenfragen sind herausgeschnitten. Ich mache die Schnitte in meiner Übersetzung durch Absätze kenntlich, damit Sie das Gesagte genauso lesen können, wie die Frau es im Video gesagt hat.

Beginn der Übersetzung:

Sie sagten immer, dass wir da nicht hingehen sollen. Sie wollten nicht, dass die Leute rausgehen. Sie erzählten immer das gleiche: Da ist alles zerbombt, da kann man nirgends hin. Geht da nicht hin, da sind böse Jungs, die Euch was antun.

Wir wussten von den humanitären Korridoren. Wir hatten Radio, hatten Empfang, wir wussten, dass es Korridore gab. Aber wir konnten da nicht hin. Sie haben uns nicht rausgelassen. Sie haben uns im Bunker festgehalten und uns einfach nicht rausgelassen. Wir haben im Radio gehört „Koprridor, Korridor, Korridor“ – aber was tun?

Die Kämpfer haben uns nicht rausgelassen. Sie sagten „Wir lassen Euch nicht raus, da sind schlechte Menschen, die Euch gleich erschießen. Also da dürft Ihr nicht hin.“ Sie haben sich dahinter versteckt, dass sie angeblich um unsere Sicherheit besorgt sind: „Geht zurück in den Bunker!“ hieß es.

Wir sind da selbst hingegangen, mein Mann und ich arbeiten da. Ja, wir sind da selbst hingegangen. Wir sind da 26. Februar mit dem Wissen hingegangen, dass das ein sicher Ort ist.

Natürlich konnten wir uns das nicht vorstellen. Das ist ein ziviles Objekt, das war unser Arbeitsplatz. Wir konnten uns das nicht vorstellen. Glauben Sie mir, wenn ich gewusst hätte, dass da so etwas passiert, wäre da natürlich nicht hingegangen. Nein, wir sind da hingegangen, um unsere Leben und die Leben unserer Kinder zu retten. Wir wussten, dass das ein sicherer Schutzraum ist.

Wir haben es aus dem Radio erfahren. Die Kämpfer haben uns gar nichts mitgeteilt. Ob Kämpfer gekommen sind uns gefragt haben „Leute wollt Ihr zum Korridor?“ Nein, das gab es nicht. Wir wussten aus dem Radio davon. Wir haben versucht rauszukommen, aber sie haben uns nicht rausgelassen.

Unsere Familie hat es einstimmig entschieden, in die Ukraine gehen wir nicht. (Anm. d. Übers.: Die aus Stahlwerk entkommenen Zivilisten konnten entscheiden, ob sie auf ukrainisch oder russisch kontrolliertes Gebiet gebracht werden wollen)

Wenn wir uns entscheiden, zurückzukehren, dann nur nach Mariupol, nicht in die Ukraine.

Sagen wir so: Die Ukraine ist als Staat für mich gestorben.

Es hat sehr weh getan, dass man so mit uns umgegangen ist.

Ende der Übersetzung

Wie man sieht, bestätigt die Frau die russische Version voll und ganz: Die ukrainischen Kämpfer des Asow-Bataillons haben die Zivilisten als menschliche Schutzschilde missbraucht und sie gegen deren Willen in dem Stahlwerk festgehalten.

Warum nur verschweigt der Spiegel seinen Lesern das? Dass er es nicht weiß, ist ausgeschlossen, denn seine Übersetzung des Gesagten ist korrekt, die Spiegel-Redaktion kennt das Video und die Aussagen der Frau. Das aber sollen deutsche Leser nicht erfahren.