Die Umfragewerte für Präsident Putin explodieren und liegen nun bei fast 80 Prozent. Darüber hat das russische Fernsehen berichtet. Ich habe den Artikel des russischen Fernsehens übersetzt und danach noch etwas aus eigenem Erleben kommentiert.

Beginn der Übersetzung:

79,6 % der Russen vertrauen dem Präsidenten

Das Allrussische Zentrum für Meinungsforschung (VTsIOM) hat im vergangenen Monat einen der höchsten Umfragewerte für den Präsidenten seit 20 Jahren verzeichnet. Nach Angaben des Generaldirektors des VTsIOM, Valery Fedorov, lag die Beliebtheit des Präsidenten bei 79,6 Prozent. Dies sei eine der dynamischsten Wachstumsphasen seiner Umfragewerte, sagte er im Radiosender Moskva Govorit.

Fjodorow verglich die aktuelle Bewertung Putins mit den Ergebnissen einer Umfrage im Frühjahr 2014, nach dem Referendum über die Vereinigung der Krim an Russland. Damals lag das Vertrauen bei 64 Prozent.

Er bezeichnete diese Daten als „einen gewaltigen Sprung nach vorn“, und sie stehen im Zusammenhang mit der Leistung des Präsidenten. Nach Ansicht des Leiters des VTsIOM ist dieses Ergebnis ein gewisser Vektor dafür, was die Bürger über das Land denken. Es hat eine Konsolidierung der Gesellschaft stattgefunden; eine beträchtliche Anzahl von Russen glaubt, dass sich das Land in die richtige Richtung bewegt.

Auch der Anteil der Befragten, die die Entscheidung des Präsidenten über den Militäreinsatz in der Ukraine gutheißen, wächst. Am 25. Februar lag der Anteil bei 65 Prozent, am 23. März bereits bei 74 Prozent. Diese Dynamik lässt sich durch den Rückgang der Zahl der gefälschten Berichte über die Militäraktion im Internet erklären.

Ende der Übersetzung

Das erlebe ich auch in meinem Umfeld in Russland: Die massive anti-russische Medienkampagne des Westens, die Russland trotz des Verbotes westlicher Internetkonzerne wie Facebook und Instagram erreicht, bringt die Russen gegen den Westen auf und versammelt sie hinter ihrer Regierung. Im Westen wird zu dreist über Russland gelogen, egal ob es um den Einsatz in der Ukraine oder die Lage in Russland selbst geht. Gerade bei den Meldungen über Russland (zum Beispiel über angebliche Massendemonstrationen) wissen die Menschen vor Ort, was tatsächlich passiert.

Ich kenne junge Leute, die noch vor einem Jahr für Nawalny auf der Straße waren, heute aber geeint hinter der russischen Regierung stehen, weil sie medialen Angriffe des Westens einfach nur anwidern. Es ist das Eine, wenn der Westen die russische Regierung kritisiert, aber die Kampagne gegen alles Russische stößt bei den Russen auf Ablehnung.

Hinzu kommt, dass alle in Russland wissen, dass die neuen wirtschaftlichen Schwierigkeiten von den westlichen Sanktionen herrühren. Und wenn viele Russen früher noch abgewunken haben, wenn man sagte, dass der Westen Russland um jedem Preis schaden will und sowieso Sanktionen verhängt, egal, was Russland tut, haben das nun fast alle verstanden. Sie sehen, wie der Westen jede Woche neue Sanktionen verhängt, die den Menschen im Westen – zumindest bisher – sogar mehr schaden, als den Menschen in Russland. Das zeigt die Radikalität der westlichen Politiker auf, denen die Menschen (sogar die eigenen Bürger) vollkommen egal sind, wenn es um Machtpolitik geht.

Das hat in der russischen Öffentlichkeit zu einer enormen Ernüchterung geführt und die Menschen nehmen es sogar klaglos hin, wenn ihnen – trotz inzwischen steigender Preise – Gehälter gekürzt werden müssen. Sie wissen, wem sie das zu verdanken haben: Den westlichen Sanktionen, denn der Westen hätte sicher intelligentere Möglichkeiten gehabt, zu reagieren. Aber der Angriff auf den bescheidenen Wohlstand der Menschen in Ost und West, den der kollektive Westen nun gestartet hat, wird in Russland mit einer Mischung aus Abscheu (wegen der menschenverachtenden Natur der Maßnahmen) und Belustigung (weil der Westen unter den eigenen Sanktionen mehr leidet, als Russland) beobachtet.