Der Spiegel sucht nach einem Sündenbock zur Ablenkung von den USA
Nachdem Seymour Hersh am 8. Februar seine Recherche darüber veröffentlicht hat, dass die US-Regierung hinter der Sprengung der Nord Streams steckt, musste der Westen reagieren. Einen Monat später war Bundeskanzler Scholz überraschend und ohne die übliche Delegation in Washington, um sich Instruktionen für die Medienkampagne abzuholen, die einige Tage nach seinem Besuch bei Präsident Biden […]
Nachdem Seymour Hersh am 8. Februar seine Recherche darüber veröffentlicht hat, dass die US-Regierung hinter der Sprengung der Nord Streams steckt, musste der Westen reagieren. Einen Monat später war Bundeskanzler Scholz überraschend und ohne die übliche Delegation in Washington, um sich Instruktionen für die Medienkampagne abzuholen, die einige Tage nach seinem Besuch bei Präsident Biden begann.
Nachdem ein halbes Jahr lang alles über die Sprengung der Pipelines streng geheim war, sickerten dann plötzlich in den USA und in Deutschland gleichzeitig Informationen über die Sprengungen durch. Nach dieser – ziemlich dummen – Geschichte, die die Geheimdienste an die Presse verteilt hatten, waren die Täter nun fünf Ukrainer, die die Bomben von einem kleinen Segelboot aus gelegt haben sollen. Als „Beweis“ wurde – wie üblich – unter anderem ein am Tatort (dem Boot) vergessener Pass genannt. Außerdem wurden in dem Boot angeblich Spuren von Sprengstoff gefunden.
Man wollte der Öffentlichkeit allen Ernstes weismachen, dass zwei Taucher die Bomben mit der Sprengkraft von jeweils einer halben Tonne TNT am Grund der Ostsee angebracht haben. Jeder, der etwas von der Materie versteht, weiß, dass das Unsinn ist, denn das kleine Boot hätte drei oder vier jeweils eine halbe Tonne wiegende Bomben gar nicht transportieren können. Außerdem wäre es unmöglich, sie ohne einen Kran zu Wasser zu lassen, und dass zwei Taucher diese schweren Bomben unter Wasser händeln könnten, ist ebenfalls eine ausgesprochen sportliche These.
Ein neues Kapitel im Märchen um die „ukrainische Gruppe“
Nun hat der Spiegel diesem Märchen weitere Details hinzugefügt. Unter der Überschrift „Anschlag auf Ostseepipelines – Hinweise auf ukrainische Täter verdichten sich“ hat der Spiegel nun die ukrainische Regierung beschuldigt, die Pipelines gesprengt zu haben. Dabei hat der Spiegel sich besondere Mühe gegeben, denn an dem Artikel haben fünf Autoren gearbeitet, die allerdings eine sehr schlechte Arbeit abgeliefert haben, wie wir gleich sehen werden.
Dass die bisherige Version mit den 500-Kilo-Bomben schlecht ausgedacht war, scheint auch die Spiegel-Redaktion begriffen zu haben. Daher erfahren wir nun im Spiegel:
„In der Kabine der »Andromeda« fanden sich großflächig verteilt Reste eines unterwassertauglichen Sprengstoffs. Es soll sich um Oktogen handeln, einen sowohl im Westen als auch im ehemaligen Ostblock weitverbreiteten Explosivstoff. Ein Ermittler hat die Sprengkraft der eingesetzten Explosionsladungen als äquivalent zu 500 Kilogramm TNT beschrieben.
Oktogen ist viel leichter als TNT, wäre mit einem relativ kleinen Boot transportierbar und könnte durch erfahrene Kampftaucher zum Anschlagsort auf dem Grund der Ostsee gebracht worden sein. Die oftmals vorgebrachte These, die Attentäter hätten den Sprengstoff wegen seines Gewichts nur mit einem größeren Schiff und womöglich einem Mini-U-Boot zum Anschlagsort bringen können, entfällt damit.“
Es ist nett, dass der Spiegel nun eingesteht, dass die alte Version Unsinn war, weil die Bomben zu schwer für das Boot und für die zwei Taucher waren. Allerdings ist die neue Version, die der Spiegel uns auftischt, auch nicht besser.
Um das herauszufinden, muss man nur fünf Minuten recherchieren und nach dem TNT-Äquivalent von Oktogen suchen. Dann stellt man fest, dass der Gewichtsunterschied gar nicht so groß ist, er beträgt nur etwa zehn Prozent. Die 500 Kilogramm TNT entsprechen ziemlich genau 454 Kilogramm Oktogen.
Lieber Spiegel, hat das bei Euch keiner nachgerechnet? Diese Version ist genauso blöd, wie die bisherige. Das Gewichtsproblem der Bombe habt Ihr damit nicht gelöst.
Außerdem behauptet der Spiegel immer noch, die „ukrainische Gruppe“ hätte die 454-Kilo-Bomben in der Kabine der Jacht zusammengebastelt – woher sollten die Sprengstoffspuren sonst kommen, die laut Spiegel „großflächig verteilt“ in der Kabine des kleinen Bootes gefunden wurden?
Das Problem dabei ist nämlich, dass Oktogen hochgiftig ist. Ein Esslöffel von dem Zeug ist für den Menschen tödlich. Wer mit diesem Zeug in einer unbequemen und kleinen Schiffskabine bei Seegang auf der Ostsee hantiert, geht ein ziemlich großes Risiko ein.
Was wäre, wenn…?
Es stellt sich jedoch eine Frage, über die die Erfinder dieses Märchens anscheinend noch nicht nachgedacht haben: Was passiert eigentlich, wenn Politik und Medien am Ende tatsächlich Kiew beschuldigen, hinter der Sprengung der Pipelines zu stehen?
Immerhin war das ein Kriegsakt gegen Deutschland, denn die Pipelines haben Milliarden gekostet und gehörten zur Hälfte deutschen und anderen europäischen Konzernen. Und dass nun das billige Gas aus Russland fehlt, kostet die Menschen in Deutschland viel Geld, von den Industriezweigen, die ihre Produktion wegen der nun stark gestiegenen Kosten aus der EU in Richtung USA verlagern, gar nicht zu reden.
Natürlich wird niemand das thematisieren, denn streng genommen müsste die NATO wegen des Kriegsaktes der Ukraine gegen das NATO-Mitglied Deutschland den Verteidigungsfall gemäß Artikel 5 des NATO-Vertrages aktivieren und die Ukraine angreifen. Außerdem müsste die Ukraine dann für den Schaden aufkommen, der alleine für die kaputten Pipelines in die Milliarden geht, von den Folgekosten durch die erhöhten Energiepreise in Deutschland und der EU gar nicht zu reden.
Oder man nutzt die angebliche Täterschaft der Ukraine, um das Ende der Ukraine-Hilfen zu begründen, wenn man die Ukraine zu einem Verhandlungsfrieden mit Russland drängen will, weil das Abenteuer für den Westen zu teuer wird. Es wird ja schon mehr oder weniger offen darüber gesprochen, in der Ukraine ein „koreanisches Szenario“ zu etablieren, mit der Konflikt eingefroren werden könnte.
Bloß nicht die USA erwähnen!
Die Version mit der „ukrainischen Gruppe“, die die 454-Kilo-Bomben per Hand von einem kleinen Boot aus zu Wasser gelassen hat, wird vom Spiegel weiterhin als realistisch verkauft. Der Sinn der Geschichte ist, von der Hersh-Recherche und der Täterschaft der USA abzulenken.
Daher ist es nicht verwunderlich, dass die USA als Täter vom Spiegel nicht genannt werden. Der Spiegel schreibt dazu lediglich:
„Bis heute halten sich zahlreiche Spekulationen über mögliche Täter, die bis hin zu einer Bezichtigung amerikanischer Nachrichtendienste in Zusammenarbeit mit norwegischen Behörden reichen. Auch von einer sogenannten False-Flag-Operation durch Russland ist immer wieder die Rede. Unter mit dem Vorgang vertrauten Personen gilt dies als äußerst unwahrscheinlich. Hinter den Kulissen hieß es sogar schon früh, Moskau habe kein wirkliches Motiv für die Tat.“
Natürlich hatte und hat Moskau kein Motiv. Die USA und Norwegen hingegen schon. Das erwähnt der Spiegel jedoch nicht. Die USA waren immer gegen Nord Stream, haben den Bau von Nord Stream 2 sogar mit Sanktionen zu verhindern versucht und Präsident Biden hat im Februar 2022 offen damit gedroht, die USA würden den Pipelines ein Ende setzen, wenn Russland in der Ukraine militärisch eingreifen würde.
Außerdem hat die Sprengung der Pipelines den Weg für das teure US-Frackinggas frei gemacht, das die USA seit zehn Jahren an die EU verkaufen wollten. Und Norwegen bekommt für sein Gas, das es nach Europa liefert, wegen der explodierten Preise nun ein Vielfaches dessen, was die EU vorher für norwegisches Gas bezahlt hat.
Aber das erwähnt der Spiegel nicht, sondern erzählt weiterhin das Märchen von den fünf Ukrainern, die mindestens drei 454-Kilo-Bomben per Hand aus einem kleinen Boot ins Wasser gehoben haben.