Millionen statt in Milliarden aus den USA, Panik in Kiew und ein Plan B: Die Ereignisse des 3. November
Die russische Nachrichtenagentur TASS veröffentlicht fast jeden Abend eine Zusammenfassung der Ereignisse des Tages in und um die Ukraine. Ich versuche, möglichst jede Zusammenfassung zu übersetzen, auch wenn ich nicht garantieren kann, dass ich das jeden Tag leisten kann, zumal die Zusammenfassung mal am frühen Abend, mal spät in der Nacht erscheint. Hier übersetze ich […]
Die russische Nachrichtenagentur TASS veröffentlicht fast jeden Abend eine Zusammenfassung der Ereignisse des Tages in und um die Ukraine. Ich versuche, möglichst jede Zusammenfassung zu übersetzen, auch wenn ich nicht garantieren kann, dass ich das jeden Tag leisten kann, zumal die Zusammenfassung mal am frühen Abend, mal spät in der Nacht erscheint.
Hier übersetze ich die Zusammenfassung des 3. November.
Beginn der Übersetzung:
Kiew gerät angesichts der nachlassenden Aufmerksamkeit des Westens in Panik und bereitet einen Plan B vor: Die Ereignisse rund um die Ukraine
Nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums haben die ukrainischen Streitkräfte im Laufe der Woche infolge der russischen Angriffe schwere Verluste an Personal und Ausrüstung erlitten. Der Sekretär des Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrates der Ukraine, Alexej Danilow, räumte ein, dass die Lage an der Kontaktlinie für Kiew „ziemlich schwierig“ geworden sei.
Das US-Repräsentantenhaus hat mehrheitlich einen Gesetzentwurf zur Unterstützung Israels angenommen, in dem keine Unterstützung für die Ukraine erwähnt wird, wie das Weiße Haus betonte. Die ukrainische Regierung und das ukrainische Parlament bezeichneten die nachlassende Aufmerksamkeit für die Bedürfnisse Kiews als „sehr negatives Signal“ und haben begonnen, einen Plan B für den Fall zu entwickeln, dass die westliche Finanzierung gekürzt wird.
Nach Ansicht des ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump wird über die Ukraine nicht mehr so viel gesprochen, weil es dort „nicht sehr gut“ läuft.
Die TASS hat die wichtigsten Informationen über die Ereignisse rund um die Ukraine zusammengetragen.
Verlauf der Operation
Die russischen Streitkräfte haben zwischen dem 28. Oktober und dem 3. November 15 Gruppenangriffe mit Präzisionswaffen und Drohnen durchgeführt und dabei ukrainische Flugzeughangars, Produktionsstätten für Drohnen und unbemannte Boote sowie Gruppen ausländischer Ausbilder und Söldner vernichtet, so das russische Verteidigungsministerium.
Im Laufe der Woche schlugen russische Truppen 38 ukrainische Angriffe bei Donezk, Saporoschje, Krasnoliman und südlich von Donezk zurück. Bei Kupjansk wurden 24 ukrainische Gegenangriffe zurückgeschlagen und günstigere Linien und Stellungen eingenommen. Bei Cherson wurden die Versuche gegnerischer Einheiten, am linken Dnjeprufer anzulanden und Fuß zu fassen, vereitelt.
Die Gesamtverluste der Ukraine in dieser Woche beliefen sich auf über 5.430 Soldaten. 28 ukrainische Soldaten ergaben sich freiwillig. Über 80 gepanzerte Fahrzeuge, darunter 28 Panzer, und über 70 Feldartilleriegeschütze wurden zerstört. Russische Kampfflieger schossen 10 ukrainische Flugzeuge und einen Mi-8-Hubschrauber ab.
Geständnis des Leiters des Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrates
Die Situation an der Kontaktlinie sei für Kiew „ziemlich schwierig“, „neue Ansätze sind nötig“, sagte der Sekretär des Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrates der Ukraine. In einem Interview mit Radio Svoboda stimmte er den Worten des ukrainischen Oberbefehlshabers General Valery Saluzhny zu, dass die ukrainischen Truppen nicht in der Lage sein werden, einen Durchbruch an der Front zu erzielen, und dass der Konflikt um die Ukraine in einer Sackgasse steckt. „Ich denke, Saluzhny hat Recht“, sagte Danilov.
Als einen der Gründe für die Situation nannte er Verzögerungen bei der Lieferung westlicher Militärhilfe. Seiner Meinung nach ist das vor allem bei den F-16-Flugzeugen der Fall, um die Kiew die USA seit dem Frühjahr 2022 bittet.
Trumps Meinung
Trump erklärte, dass alle aufgehört haben, über die Ukraine zu sprechen, weil die Dinge dort nicht gut laufen. „Niemand spricht über Afghanistan. Sie haben bemerkt, dass auch über die Ukraine nicht mehr viel gesprochen wird, weil es dort nicht gut läuft“, sagte er vor Anhängern im Bundesstaat Texas.
Trump betonte auch, dass der Konflikt in der Ukraine hätte vermieden werden können, wenn er Präsident der USA wäre.
Die Pläne der EU-Staats- und Regierungschefs zur Niederlage Russlands
Die Berechnungen der Staats- und Regierungschefs der EU über die Niederlage Russlands im Konflikt mit der Ukraine und einen Führungswechsel in Moskau seien unbegründet, ihre Strategie sei „völlig gescheitert“, sagte der ungarische Ministerpräsident Viktor Orban in Astana auf dem Gipfel der Organisation der Türkischen Staaten.
Er erklärte, die Staats- und Regierungschefs der EU „denken, dass die Ukraine gewinnen und Russland verlieren wird, woraufhin die russische Führung ausgewechselt wird und sie bereits mit einer neuen russischen Führung verhandeln werden“. „Das ist ein gescheiterter Plan“, sagte Orban. Dennoch sei die EU entschlossen, den Konflikt in der Ukraine weiterhin mit Geld und Waffen zu schüren.
Laut Orban braucht Europa einen Plan B für die Ukraine, der einen Waffenstillstand und Friedensgespräche sowie den „Aufbau einer neuen europäischen Sicherheitsarchitektur, die sowohl für Russland als auch für die Ukraine akzeptabel ist“, beinhaltet.
Hilfe für Israel ohne die Ukraine
Die Mitglieder des US-Repräsentantenhauses haben mit überwältigender Mehrheit einen von den Republikanern eingebrachten Gesetzesentwurf unterstützt, der 14,3 Milliarden Dollar an Hilfe für Israel vorsieht, ohne die Ukraine zu unterstützen. Für den Gesetzentwurf sprachen sich 226 Mitglieder des Repräsentantenhauses aus, 196 stimmten gegen ihn.
Nach der Verabschiedung im Unterhaus des Kongresses muss die Vorlage an den US-Senat weitergeleitet werden.
Zuvor hatte der Vorsitzende der demokratischen Mehrheit im Oberhaus des Kongresses, Chuck Schumer, erklärt, der Senat werde den „zutiefst falschen Vorschlag“ der Republikaner nicht aufgreifen. Das Büro für Verwaltung und Haushalt des Weißen Hauses warnte seinerseits, dass US-Präsident Joe Biden sein Veto einlegen werde, wenn der Gesetzentwurf in seiner jetzigen Form in beiden Häusern des Kongresses angenommen werde.
Millionen statt Milliarden
Die US-Regierung schickt der Ukraine ein weiteres Militärhilfepaket im Wert von 125 Millionen Dollar, das auch Munition für Boden-Luft-Raketen und Panzerabwehrsysteme aus den Lagern des Pentagons enthalten wird, wie US-Außenminister Anthony Blinken mitteilte. Ihm zufolge werden weitere 300 Millionen Dollar im Rahmen der Sicherheitsunterstützungsinitiative für die Ukraine bereitgestellt, die vorsieht, dass das US-Verteidigungsministerium Verträge mit Herstellern abschließt, anstatt Ausrüstung und Mittel direkt aus seinen Beständen bereitzustellen.
Zuvor hatte das Weiße Haus den Kongress um 61,3 Milliarden Dollar gebeten, um „auf die Situation in der Ukraine und die damit verbundenen Kosten zu reagieren“.
Plan B
Die ukrainische Regierung hat einen Plan B für den Fall entwickelt, dass Kiew keine Hilfen aus dem Westen mehr erhält, ist aber zuversichtlich, dass die Partner die Hilfen weiter gewähren werden, sagte der Vorsitzende des Finanzausschusses der Werchowna Rada, Daniil Getmantsev. „Vielleicht wird die Hilfe an bestimmte Bedingungen geknüpft sein, was die Kontrolle des Geldes angeht, das wir erhalten werden. Vielleicht wird die Hilfe einen anderen Umfang haben, aber sie wird auf jeden Fall da sein. Wir arbeiten daran“, sagte er in einer Sendung des Fernsehsenders „Rada“.
Gleichzeitig räumte er ein, dass „die Situation an der Finanzfront ziemlich schwierig ist“, da es keine Garantien dafür gibt, dass Kiew westliche finanzielle Unterstützung in der benötigten Höhe erhält. „Der Haushalt 2024 sieht Finanzhilfen in Höhe von 42 Milliarden Dollar vor, aber von den garantierten Beträgen haben wir nur 15 Milliarden Dollar – das sind Hilfen der EU-Kommission und ein Programm mit dem Internationalen Währungsfonds“, sagte der Abgeordnete. „Wir haben immer noch keinen garantierten Betrag von den USA für das nächste Jahr. Wir wissen, dass es ohne diese Unterstützung sehr, sehr schwierig für uns wird“, räumte Getmantsev ein.
Nach Angaben des Abgeordneten Jaroslaw Zheleznjak musste die Rada aufgrund der Ungewissheit über die Höhe der ausländischen Hilfe den Haushaltsentwurf für das kommende Jahr bereits in zweiter Lesung anpassen und den geschätzten Betrag der Auslandskredite von 42,9 Milliarden Dollar auf 41 Milliarden Dollar senken.
Die Ereignisse im Nahen Osten lassen die Aufmerksamkeit für die Ukraine schwinden, was ein „sehr negatives Signal“ für Kiew ist, wie der ukrainische Finanzminister Sergej Martschenko sagte. In einem Interview mit der Zeitung Corriere della Sera räumte er ein, dass es im Westen „eine Ermüdung [von der Ukraine] gibt, das ist unvermeidlich“.
Die Ukraine werde nicht mehr weiterkämpfen können, wenn die westlichen Länder ihre Unterstützung für Kiew einstellen, sagte der Sprecher des ukrainischen Verteidigungsministeriums, Oberst Gennadi Kowalenko. „Wenn ihr aufhört, uns zu unterstützen, könnt ihr die Ukraine vergessen. So einfach ist das“, zitierte die Washington Post Kovalenko bei einem Treffen mit einer Delegation aus den USA.
Die ukrainische Regierung sieht keine Schwächung der Unterstützung des Westens für Kiew im Zusammenhang mit der Eskalation des palästinensisch-israelischen Konflikts, sagte der ukrainische Außenminister Dmitri Kuleba im deutschen Fernsehsender ZDF. Kiew habe „auf allen Ebenen die Zusicherung erhalten, dass die Unterstützung für die Ukraine fortgesetzt wird“.
Das Geld muss zurückgegeben
Kiew muss mindestens 27,6 der 29,6 Milliarden Euro an direkter Wirtschafts- und Haushaltshilfe der EU, die in den Jahren 2022-2023 bereitgestellt wurden, an Brüssel zurückzahlen. Das geht aus dem statistischen Dokument der EU-Kommission über die Hilfe für die Ukraine hervor, das am Freitag veröffentlicht wurde.
Demnach belief sich die EU-Haushaltshilfe im Jahr 2022 auf insgesamt 11,6 Milliarden Euro, darunter 7,2 Milliarden Euro an Makrofinanzhilfen, zwei Milliarden Euro an Zuschüssen der EU-Kommission und 2,4 Milliarden Euro an Darlehen der europäischen Finanzinstitute. Im Jahr 2023 hat die EU der Ukraine ein beispielloses Hilfspaket von 18 Milliarden Euro in Form von hochrangigen Darlehen zur Verfügung gestellt, von denen 15 Milliarden Euro bereits überwiesen wurden“.
Von den 29,6 Milliarden Euro beliefen sich die bestätigten Zuschüsse damit auf lediglich zwei Milliarden Euro, also weniger als 7 Prozent.
Ende der Übersetzung