Ermittlungen könnten die Beziehungen zwischen Deutschland und Polen weiter erschweren, sagt die Zeitung

Die weiteren Ermittlungen über die Anschläge auf die Pipelines Nord Stream 1 und Nord Stream 2 könnten die Spannungen in den Reihen der NATO erhöhen und die Beziehungen zwischen Deutschland und Polen weiter erschweren. Das berichtete die Zeitung Wall Street Journal am Samstag.

Deutsche und polnische Beamte erklärten, die polnische Regierung sei über die Ermittlungen im Fall des Segelboots Andromeda, mit dem der Sprengstoff angeblich zu den Pipelines gebracht wurde, im Unklaren gelassen worden. „Eine sehr ungewöhnliche Situation für zwei EU-Länder, die gemeinsame Rechtsinstrumente für grenzüberschreitende Ermittlungen haben“, schreibt die Zeitung. „Die polnische Regierung hat daraufhin die BRD um weitere Informationen gebeten. Mitte Mai trafen sich die Seiten dann zu einem Arbeitstreffen, wie ein Sprecher des polnischen Justizministeriums sagte.“

Nach Angaben der Zeitung wurde das Segelboot im Oktober aufgrund eines Hinweises des westlichen Geheimdienstes entdeckt. Die Information über das Schiff kam von einer ungenannten Person in der Ukraine, die im Interesse eines kleinen europäischen Landes Daten sammelte. „Beamte in Europa haben sich seitdem gefragt, warum größere Mächte mit umfangreichen nachrichtendienstlichen Kapazitäten und Mitarbeitern in der Ukraine nicht selbst davon erfuhren oder andere warnten, wenn sie davon wussten“, schrieb die Zeitung. „Die Ermittlungen könnten die Spannungen in den Reihen der NATO erhöhen und die Beziehungen zwischen der BRD und Polen weiter erschweren.“

Am 8. Februar erklärte der US-amerikanische Journalist Seymour Hersh, Spezialist für investigativen Journalismus, in einem Artikel unter Berufung auf eine Quelle, dass die Sprengsätze unter dem Deckmantel der Baltops-Übung von Tauchern der US-Marine, die von norwegischen Spezialisten unterstützt wurden, im Juni 2022 unter den russischen Gaspipelines angebracht worden seien. Laut Hersh wurde die Entscheidung zur Durchführung der Operation angeblich von US-Präsident Joe Biden nach neunmonatigen Gesprächen mit Regierungsvertretern, die sich mit Fragen der nationalen Sicherheit befassten, getroffen. Das Weiße Haus hat die Informationen kategorisch dementiert. Später erschienen in den amerikanischen und deutschen Medien Artikel über eine „pro-ukrainische Gruppe“, die angeblich an den Bombenanschlägen beteiligt war. Von einer Verbindung zum offiziellen Kiew war jedoch nie die Rede.

Nach Angaben des Spiegel erhalten die deutschen Ermittler und der Bundesnachrichtendienst immer mehr Informationen, die auf eine mögliche ukrainische Spur im Fall der Anschläge auf die Gaspipelines Nord Stream 1 und Nord Stream 2 hinweisen. Ein möglicher Hinweis ist eine E-Mail, die zur Buchung des Segelboots Andromeda verschickt wurde. Die Metadaten dieser E-Mail „führen in die Ukraine“, so das Magazin. Der Spiegel weist auch auf eine in Polen registrierte Firma hin, die das Segelboot gebucht hat. Wie bereits berichtet, gehört diese Firma ungenannten Ukrainern. Dem Spiegel zufolge liegt den Ermittlern eine Kopie der Unterlagen vor, die für die Buchung verwendet wurden. Das Foto darauf „führt zu einem ukrainischen Account in sozialen Netzwerken“, so das Blatt.

Übersetzung aus der russischen Nachrichtenagentur TASS