Der Spiegel ist im eigenen Wahn gefangen
Am 27. März ist im Spiegel ein Leitartikel erschienen, der entweder zeigt, dass die Spiegel-Redaktion in einem wahnhaften Paralleluniversum lebt, oder dass die Spiegel-Redaktion ihre Leser bewusst und schamlos belügt. Normalerweise beschäftige ich mich hier nicht mit Kommentaren und Leitartikeln deutscher Medien, weil das reine Meinungsäußerungen sind und jeder seine Meinung haben darf, auch wenn […]
Am 27. März ist im Spiegel ein Leitartikel erschienen, der entweder zeigt, dass die Spiegel-Redaktion in einem wahnhaften Paralleluniversum lebt, oder dass die Spiegel-Redaktion ihre Leser bewusst und schamlos belügt. Normalerweise beschäftige ich mich hier nicht mit Kommentaren und Leitartikeln deutscher Medien, weil das reine Meinungsäußerungen sind und jeder seine Meinung haben darf, auch wenn sie vollkommen irrsinnig erscheint.
Aber bei dem Leitartikel mit der Überschrift „Islamistischer Terror in Russland – Putin ist im eigenen Wahn gefangen“ mache ich eine Ausnahme, weil der Artikel so derartig auf Lügen aufgebaut ist, dass er zeigt, dass nicht Putin, sondern die Spiegel „im eigenen Wahn gefangen“ ist.
Der Sinn des Spiegel-Artikels ist es, wie die Überschrift schon zeigt, den Spiegel-Lesern zu erklären, dass natürlich eine Splittergruppe des IS den Terroranschlag in Moskau verübt haben soll und dass alles andere einfach nur „russische Propaganda“ oder Putins „Wahn“ sein soll. Ich will auf die Täterschaft des Anschlages nicht eingehen, dazu habe ich schon genug geschrieben.
Ein freies Land
Nachdem der Autor ganze sechs Absätze lang ausgeführt hat, dass der IS an allem Schuld sei und dass die russische Regierung versagt habe, weil sie den Terroranschlag nicht verhindert hat, und dass „das Putin-Regime im vergangenen Jahrzehnt eine imaginäre Bedrohung durch den Westen und angebliche ukrainische Nazis aufgebaut“ habe, kommt folgender Absatz:
„Wäre Russland ein freies Land, würden die Bürger jetzt sehr viele Fragen an ihre Regierenden stellen. Aber es ist eine Diktatur, in der das Regime den Staat, die Gesellschaft und die Medien so kontrolliert, dass Putin seiner Bevölkerung keine Fragen mehr beantworten muss.“
Ich finde diesen Absatz viel passender für Deutschland, wenn ich zum Beispiel an den Anschlag vom Breitscheidplatz 2016 denke. Nach dem Anschlag hat der damalige Verfassungsschutz Präsident Maaßen (ja, der gleiche Maaßen, der sich derzeit als angeblicher Oppositionär aufspielt) nach Kräften vertuscht, dass V-Leute des Verfassungsschutzes im Umfeld des Täters Amri gewesen sind und die Innenminister haben ihm dabei geholfen.
Und auch die Bundesregierung hat mit gemacht und auf eine entsprechende Kleine Anfrage zu dem Thema gelogen. Außerdem hat die Bundesregierung dafür gesorgt, dass der wahrscheinliche Mittäter von Amri, ein Tunesier namens Ben Ammar, verhaftet, aber nicht verhört, sondern unbürokratisch abgeschoben wurde.
All das kam später raus und nichts davon wurde bestritten. Das hat aber nicht dazu geführt, dass die deutschen „Qualitätsmedien“ der Bundesregierung kritische Fragen gestellt hätten. Sie haben das kurz gemeldet und dann schnell wieder vergessen.
Dass der Spiegel, der sich hier so über Russland aufregt, selbst ein kontrolliertes Medium ist, kann man unter anderem daran erkennen, dass auch die Spiegel-Redaktion zu all dem keine Fragen hatte. Mehr noch: Als der Spiegel 2020 einen Mann interviewen durfte, der den Fall kennt und im Zeugenschutzprogramm versteckt wird, hat der Spiegel sich mehr dafür interessiert, wie man sich im Zeugenschutzprogramm fühlt, als was bei dem Terroranschlag 2016 passiert ist. Die Details zu all dem finden Sie hier.
Die Liste mit Beispielen dafür, dass es Deutschland ist, in dem „das Regime den Staat, die Gesellschaft und die Medien so kontrolliert, dass“ die Bundesregierung ihrer „Bevölkerung keine Fragen mehr beantworten muss“ – was der Spiegel Russland vorwirft -, ist sehr lang. Es reicht vollkommen, sich die Videos von der Bundespressekonferenz anzuschauen, bei der die Regierungssprecher sich einfach weigern, unangenehme Journalistenfragen zu beantworten. Aber auch darüber berichten die angeblich freien und kritischen deutschen Medien nicht.
Wer sich hingegen Pressekonferenzen russischer Regierungsmitglieder anschaut, der stellt fest, dass kritische Fragen dort zugelassen sind. Sogar als Putin sich am Abend seiner Wiederwahl der Presse gestellt hat, hat er eine Frage eines Journalisten des US-Mainstreams zugelassen. Wäre es umgekehrt denkbar, dass sich ein deutscher Kanzler oder US-Präsident am Abend seiner Wahl der Presse stellt und einen russischen Journalisten eine Frage stellen lässt?
Ich verfolge viele Pressekonferenzen und ich kann jedem nur empfehlen, das auch mal zu tun. Dann stellt man schnell fest, dass russische Politiker sehr viel mehr (regierungs-)kritische Journalisten Fragen stellen lassen und – ganz wichtig – sie beantworten sie im Gegensatz zu den westlichen Politikern auch, anstatt den Antworten aus dem Weg zu gehen, wie westliche Politiker es tun.
Leider ist es aufgrund der Zensur im Westen schwierig geworden, Pressekonferenzen russischer Politiker mit Übersetzung anzuschauen. Die EU wird wissen, warum sie ihren Bürgern diese Möglichkeit des sich Informierens genommen hat.
Offene Lügen im Spiegel
Danach folgt in dem Spiegel-Artikel folgender Absatz:
„Der Pakt zwischen Putin und seinem Volk sah lange so aus: Der Zar hat alle Macht, dafür bekommt das Volk wachsenden Wohlstand und Sicherheit. Das gilt nicht mehr. Der Wohlstand sinkt, Männer sterben zu Abertausenden im von Putin angezettelten Krieg, es gibt Raketeneinschläge auf russischem Territorium – und nun wieder islamistischen Terrorismus. Wie groß die Zustimmung zu Putin noch ist, weiß auch nach seinem »Wahlsieg« mit nahezu nordkoreanischen Prozentzahlen niemand zu beantworten.“
Es ist bezeichnend, dass westliche Journalisten lügen müssen, um ihre Narrative zu verbreiten. Dass der Spiegel hier lügt, ist leicht zu beweisen, indem man sich beispielsweise anschaut, was der Spiegel am 4. März, also drei Wochen zuvor, selbst berichtet hat. Da ist im Spiegel nämlich ein Artikel mit der Überschrift „Boom trotz Sanktionen – Das steckt hinter Putins Wirtschaftswunder“ erschienen, in dem man unter anderem lesen konnte:
„Auch die Löhne sind im Landesdurchschnitt kräftig gestiegen. Das Plus lag 2023 bei 7,6 Prozent.“
Aber heute behauptet der Spiegel-Schreiberling Mathieu von Rohr, dass der Wohlstand in Russland sinkt.
Der Absatz enthält aber nicht nur eine Lüge, sondern mindestens noch eine zweite. Ich habe am 7. März über eine Umfrage berichtet, die ein pro-westliches Institut in Russland durchgeführt hat. Demnach lag die Zustimmung zu Putin bei 86 Prozent, was übrigens fast exakt dem Ergebnis bei den Präsidentschaftswahlen entspricht. Obwohl es diese Umfrage von einem im Westen als seriös bezeichneten Institutes gibt, behauptet der Spiegel-Schreiberling, niemand könnte beantworten, wie groß die Zustimmung zu Putin in Russland ist.
In dem Spiegel-Artikel findet sich auch noch der Satz, Russland sei ein Staat, „in dem nicht mehr zählt, was wahr ist, sondern nur noch, was ins Weltbild passt“. Wenn ich mir anschaue, was im Westen vor sich geht und mit welchen Mitteln dieser Schreiberling die westlichen Narrative verbreitet, dann passt dieser Satz eindeutig besser zum Westen als zu Russland.
Wie schlecht muss es um die Narrative des Westens stehen, wenn die selbsternannten Journalisten der westlichen „Qualitätsmedien“ in einer Tour lügen müssen, um ihre Narrative unters Volk bringen zu können?