Im letzten Artikel über die CIA-Operation MOCKINGBIRD habe aufgezeigt, wie die Operation in den 1970er Jahren aufgedeckt wurde und dass sie ihren Beginn am Ende des Zweiten Weltkriegs nahm, als die CIA die Kontrolle über die öffentliche Meinung übernehmen wollte, indem sie US-Journalisten praktisch aller US-Medien anwarb, damit die im Sinne der CIA, also der US-Regierung, berichten. Außerdem sollten sie im Ausland als Spione tätig werden, weil es weniger auffällig ist, wenn Journalisten im Ausland Fragen stellen und recherchieren.

Nun schauen wir uns den Beginn der Operation MOCKINGBIRD noch etwas genauer an, damit verständlich wird, wie die CIA in Deutschland vorgegangen ist.

Die Anfänge während des Krieges

Während des Krieges unterhielten die anglo-amerikanischen Streitkräfte die sogenannte Psychological Warfare Division zur psychologischen Kriegsführung gegen Deutschland. Die Psychological Warfare Division wurde aus Personal der britischen Political Warfare Executive (PWE), des Office of Strategic Services (OSS) und des United States Office of War Information (OWI) aufgestellt. Vor allem das OSS sollte man beachten, denn das war eine Vorgängerorganisation der CIA.

Die Psychological Warfare Division war neben der psychologischen Kriegsführung gegen die Wehrmacht auch für pro-amerikanische Propaganda in den besetzten Gebieten verantwortlich. Es kann also nicht verwundern, dass die CIA praktisch mit ihrer Gründung auch die Operation MOCKINGBIRD startete, denn Teile des CIA-Personals kamen aus dem Bereich der Propaganda und waren sich der Wichtigkeit der Beeinflussung der öffentlichen Meinung durch von ihnen kontrollierte Medien bewusst.

Die „Umerziehung“ der Deutschen

Nach dem Krieg wurde die Psychological Warfare Division umbenannt und hieß danach Information Control Division (ICD). Die ICD war eine Zensurabteilung der amerikanischen Besatzungszone in Deutschland, deren offiziell verkündetes Ziel die „Redemokratisierung“ Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg war. Das Wort „Umerziehung“ wurde in Deutschland jedoch von vielen als negativ empfunden, denn wer will schon gerne (gegen seinen Willen) umerzogen werden? Deshalb wird heute oft der englische Ausdruck „Reeducation“ benutzt.

In den Geschichtsbüchern lernen die Deutschen, dass die Umerziehung zu Demokraten etwas positives gewesen ist. Aber sie hatte weit mehr Ziele, als Deutschland zu demokratisieren. Es ging natürlich um den Kampf gegen die nazistische Ideologie, aber vor dem Hintergrund des beginnenden Kalten Krieges ging es auch um den Kampf gegen kommunistische und sozialistische Ideen.

Der Kampf war aus Sicht der USA bitter nötig, denn beispielsweise in Frankreich und Italien gab es starke sozialistische Tendenzen und die CIA musste massiv mit Geld, organisatorischer Hilfe und einigen schmutzigen Tricks eingreifen, um bei den ersten Wahlen nach dem Krieg Siege der Kommunistischen Parteien zu verhindern. Und auch in Deutschland waren sozialistische Ideen durchaus populär, so war die SPD damals noch eine ganz andere Partei als heute.

Die SPD wollte nach dem Krieg keine Teilung Deutschlands und keine Westbindung der Bundesrepublik, sondern sie tendierte dazu, Stalins Angebot einer Wiedervereinigung Deutschlands als neutralen und blockfreien Staat anzunehmen. Österreich hat dieses Angebot damals angenommen und war daher während des Kalten Krieges nicht Teil der Westens, sondern wie die Schweiz ein neutrales Land. Das hätte die damalige SPD auch gerne für Deutschland erreicht.

Das wollten die USA aber nicht, weil das ihren Einfluss in Europa reduziert hätte, weshalb die USA Adenauer und seine CDU unterstützten, die für die bedingungslose Westbindung, also die Fortsetzung der Besatzung durch die USA, waren.

Daher hatte die „Umerziehung“ der Deutschen durch die USA keineswegs das vorrangige Ziel, Deutschland und die Deutschen zu Demokraten umzuerziehen, das Ziel war es vielmehr, sie zu Anhängern des US-amerikanischen wirtschaftlichen und politischen Systems zu machen. Und dafür brauchten die USA natürlich die Kontrolle über die deutschen Medien, um die öffentliche Meinung in die gewollte Richtung zu lenken.

MOCKINGBIRD und andere Instrumente

Die Ziele der Operation MOCKINGBIRD waren unter anderem die Förderung der Interessen von US-Unternehmen und des amerikanischen Kapitalismus allgemein, sowie die Förderung der Ausdehnung der Macht der USA in der Welt, insbesondere gegen den Kommunismus und die Sowjetunion. Da MOCKINGBIRD mit seinem Einfluss auf deutsche Medien Teil der langfristig angelegten „Umerziehung“ der Deutschen war, zeigt auch das, dass es bei der „Umerziehung“ nicht um das edle Ziel des Kampfes gegen die Nazi-Ideologie ging, sondern vielmehr um die „Amerikanisierung“ der Europäer.

Zu den im Laufe der Jahre aufgedeckten Propagandaoperationen im Zuge der CIA-Operation MOCKINGBIRD gehören:

  • die Bezahlung von Journalisten für das Schreiben proamerikanischer Geschichten für ausländische Nachrichtenagenturen
  • die Veröffentlichung und Vertrieb von Büchern und Zeitschriften, die die Ansichten der CIA vertreten und in Dutzende Sprachen übersetzt wurden
  • die Nutzung von Tarnorganisationen, um ausländische Journalisten für das Schreiben von von der CIA platzierten Geschichten anzuwerben.
  • die Platzierung falscher oder übertriebener Geschichten, in denen kommunistische Länder und die Sowjetunion als gefährlich, aggressiv oder kurz vor dem Zusammenbruch stehend dargestellt wurden
  • die Fälschung von Dokumenten und Briefen, um die öffentliche Meinung und politische Entscheidungen zu beeinflussen.
  • das Platzieren proamerikanischer Propaganda direkt bei Nachrichtenagenturen, deren Meldungen die Grundlage für die Berichte der Medien sind

Der Umfang und Ausmaß der CIA-Propaganda durch die Operation MOCKINGBIRD waren sowohl innerhalb der USA als auch im Ausland bis dahin beispiellos. Das Ziel war es, die öffentliche Wahrnehmung und den globalen Informationsfluss zu beeinflussen. Die CIA hat beispielsweise dafür gesorgt, dass nach dem Krieg alleine in Deutschland bis zu 5.000 Bücher erschienen sind, um das deutsche Volk „umzuerziehen“.

Und auch Hollywood, dessen Filme nach dem Zweiten Weltkrieg weltweit ihren endgültigen Siegeszug antraten, war integriert. Ein CIA-Memo aus dem Jahr 1952 beschrieb einen Deal mit dem Auswärtigen Ausschuss des Repräsentantenhauses zur Produktion eines Comics, in dem die CIA als heldenhafte Verteidigerin amerikanischer Werte dargestellt wurde.

Die pro-amerikanische Propaganda, die die US-Regierung hinter den Kulissen mit der Operation MOCKINGBIRD und anderen Projekten, wie beispielsweise den ebenfalls unter Beteiligung der CIA gegründeten US-Auslandssendern wie Radio Free Europe, war und ist allumfassend. Sie schließt die Beeinflussung der angeblich unabhängigen westlichen Medien genauso ein, wie die Produktion von Filmen und Büchern, die alle die Aufgabe haben, die USA und ihr System zu propagieren.

Die deutschen Medien

Aber kommen wir auf Deutschland zurück. Nach dem Krieg waren freie Medien verboten, stattdessen haben die Besatzungsmächte Lizenzen für Zeitungen vergeben. Es herrschte Zensur und wer eine Zeitung gründen wollte, brauchte die Erlaubnis der Besatzungsmächte und musste entsprechend in deren Sinne berichten.

In Westdeutschland sind in der Besatzungszeit praktisch alle heute in Deutschland führenden Medien gegründet worden. Sie sind alle „Kinder“ der US-amerikanischen oder britischen Besatzungsmächte.

Die Lizenzpflicht wurde in Westdeutschland am 21. September 1949 aufgehoben, woraufhin die sogenannten „Altverleger“, deren Zeitungen von den Alliierten verboten worden waren, versuchten, ihre alten Zeitungen neuzugründen. Aber diese Simulation von freier Presse dauerte nicht lange, denn dass die Lizenzzeitungen früher am Markt waren als die Neugründungen, bedeutete für sie einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil, so dass sie sich in der Regel gegen spätere Gründungen durchsetzen konnten.

Ich will einige Beispiele für deutsche Medien nennen, deren Gründung auf die Besatzungsmächte zurückgeht.

Seit November 1946 erschien in der britischen Besatzungszone die Zeitung „Diese Woche“, die kurz darauf umbenannt wurde und ab dem 4. Januar 1947 als „Der Spiegel“ erschien. Der Spiegel stand unter der Ägide der britischen Militärverwaltung. Nachdem die Lizenzpflicht abgeschafft wurde, gab es beim Spiegel keine nennenswerten personellen Veränderungen, die dafür gesorgt hätten, dass die unter britischem Einfluss stehenden Redakteure gegen unabhängige Redakteure ausgetauscht wurden.

Die Süddeutsche Zeitung war die erste Zeitung, die von den US-Besatzern in Bayern eine Lizenz bekam und sie erschien ab dem 6. Oktober 1945. Wie der Spiegel hielt auch die Süddeutsche Zeitung nach dem Ende der Lizenzpflicht an ihren von der Besatzungsmacht ausgesuchten Redakteuren fest. Im Jahr 1946 wurde Werner Friedmann vierter Lizenzträger der Zeitung und wurde nach der Aufhebung der Lizenzpflicht von 1951 bis 1960 auch Chefredakteur der Süddeutschen Zeitung, worüber der Spiegel 1960 einen lesenswerten Artikel veröffentlicht hat.

In seinem Artikel schrieb der Spiegel über Werner Friedmann, dass der „nach dem Kriege mit amerikanischen Besatzungsherren gut befreundet“ gewesen sei und dass die Staatsanwaltschaft gegen ihn wegen dem Sexualdelikt „Unzucht mit Abhängigen“ ermittelte.

Was für die deutschen Medien damals allerdings kein Thema war, war die Nazivergangenheit einiger Redakteure der Süddeutschen Zeitung. Erst 2015, also mit über 60 Jahren Verspätung, hat die Süddeutsche selbst unter der Überschrift „Wie die junge SZ mit Nazi-Verstrickungen umging“ darüber berichtet, dass in der Frühphase der Zeitung mehrere ihrer führenden Köpfe in das NS-Regime verstrickt waren, darunter Mitherausgeber Franz Josef Schöningh, Chefredakteur Hermann Proebst und Innenpolitikchef Hans Schuster.

Das war also die „Umerziehung“ der Deutschen durch die Amerikaner: Die „Umerziehung“ durften auch Altnazis übernehmen, wenn sie dabei nur kräftig für das politische und wirtschaftliche System der USA und für die US-Interessen getrommelt haben. Das belegt ein weiteres Mal, dass es bei der „Umerziehung“ nicht in erster Linie um den Kampf gegen die Nazi-Ideologie ging, sondern vor allem um den Kampf für die US-amerikanische Ideologie.

Auch „Die Zeit“ geht auf die Besatzungsmächte zurück. Die erste Ausgabe erschien am 21. Februar 1946 als Blatt der sogenannten Lizenzpresse und wurde „unter Zulassung Nr. 6 der Militärregierung“ der Briten veröffentlicht. Und auch „Die Zeit“ führte nach der Aufhebung der Lizenzpflicht keine nennenswerten Personalveränderungen durch, die darauf schließen ließen, dass sich das Blatt von der von der britischen Besatzungsmacht vorgegebenen politischen Linie emanzipiert hätte.

Auch die Frankfurter Rundschau ist ein Kind der Besatzungsmächte. Die Zeitung wurde am 1. August 1945 auf Veranlassung der US-amerikanischen Besatzungsmacht und durch die Überreichung der Zulassungsurkunden durch General Robert McClure, Kommandant der Abteilung für die Nachrichtenkontrolle der US-Armee, gegründet. Und auch das Beispiel der Frankfurter Rundschau zeigt, worum es den USA bei der „Umerziehung“ der Deutschen in Wahrheit ging.

Wilhelm Karl Gerst war einer derer, die die Lizenz für den Betrieb der Frankfurter Rundschau bekamen, aber sie wurde ihm im Oktober 1946 wegen angeblicher Parteinahme für den Nationalsozialismus in den Jahren 1933/1934 „ungeachtet des für ihn günstigen Ausganges“ des Verfahrens wieder entzogen. Er hatte einen anderen Fehler gemacht, denn er setzte sich für die deutsche Wiedervereinigung ein, weshalb er dafür warb, die neu gegründete SED, die spätere Regierungspartei der DDR, auch in Westdeutschland zuzulassen. Wieder zeigt sich, dass es den USA bei der „Umerziehung“ der Deutschen nicht in erster Linie um den Kampf gegen die Nazi-Ideologie ging.

Die Liste ließe sich fortsetzen, praktisch alle heute führenden deutschen Medien sind „Kinder“ der anglo-amerikanischen Besatzer, die damals mit der CIA-Operation MOCKINGBIRD und anderen Projekten die Herrschaft über die Berichterstattung der westlichen Medien übernahmen.

Nach der Aufdeckung von MOCKINGBIRD

Obwohl die CIA die Operation MOCKINGBIRD in den 1980er Jahren offiziell beendete, behielt die CIA durch Nachfolgeprogramme und -initiativen weiterhin ihren Einfluss auf Journalisten, Medien und Berichterstattung. Die Manipulation der westlichen Medien hält bis heute an, wie die von der CIA beeinflusste Berichterstattung über neuere globale Ereignisse, insbesondere Kriegsberichterstattung, belegen. Man nehme nur die berühmte „Brutkastenlüge“, als ein junges Mädchen 1991 in Washington unter Tränen aussagte, sie habe als Krankenschwester gesehen, wie irakische Soldaten nach der Besetzung von Kuwait Säuglinge erschlagen hätten. Natürlich wussten zumindest die US-Medien, dass das Mädchen keine kuwaitische Krankenschwester, sondern die Tochter des kuwaitischen Botschafters in den USA war. Aber sie haben die Geschichte trotzdem verbreitet, um – ganz im Sinne der CIA und der US-Regierung – den Weg für den US-Krieg gegen den Irak zu ebnen.

Außerdem setzen Tarnorganisationen wie das National Endowment for Democracy (NED) die amerikanische Tradition der Medieninfiltration fort. Das 1983 gegründete NED wird aus dem US-Bundeshaushalt finanziert und finanziert mit dem Geld der US-Regierung NGOs und Medien außerhalb der USA zur „Förderung der Demokratie“. Allen Weinstein, Mitbegründer und ehemaliger Vorsitzender des NED, beschrieb die Tätigkeit des NED in einem Interview mit der Washington Post am 21. September 1991, indem er sagte, das NED tue das, „was vor 25 Jahren die CIA verdeckt getan hat.“ Das NED war seit seiner Gründung an allen Regimechanges und Putschen beteiligt, die die USA organisiert haben und das NED finanziert alles und jeden, der die Gegner der USA – egal mit welchen Mitteln und Zielen – bekämpft.

Der Geist der Operation MOCKINGBIRD lebt in Programmen zur massenhaften Überwachung, der gezielten Verfolgung von Whistleblowern (siehe Edward Snowden, Julian Assange und andere) sowie in engen Beziehungen zwischen Geheimdiensten und großen Medien weiter. Ich habe dafür unzählige Beispiele angeführt, wie beispielsweise dieses oder dieses.

Lesenswert ist in diesem Zusammenhang auch ein Buch des inzwischen verstorbenen ehemaligen FAZ-Redakteurs Udo Ulfkotte. Der hat in seinem Buch „Gekaufte Journalisten“ berichtet, wie BND-Agenten zu ihm in die FAZ-Redaktion gekommen sind, ihm Material auf den Tisch gelegt und ihn aufgefordert haben, daraus einen Artikel über eine angebliche Chemiewaffenproduktion in Libyen zu fabrizieren. Das hat er auch getan und es als eigene Recherche bezeichnet, denn diese Art der Auftragsarbeit für die westlichen Geheimdienste ist für die westlichen Medien üblich.

Und dieser und andere Vorfälle, über die Ulfkotte aus seinem eigenen Berufsleben als FAZ-Redakteur berichtet hat, sind lange nach dem offiziellen Ende der CIA-Operation MOCKINGBIRD passiert. Es ist also offensichtlich, dass die Operation MOCKINGBIRD weitergeht, auch wenn sie heute andere Namen tragen mag. Aber die Arbeitsweise hat sich nicht geändert. Dafür gibt es unzählige Beispiele und Belege, von denen ich zum Schluss noch eines nennen möchte.

Das Pentagon und die Medien

2009 wurde bekannt, dass das Pentagon damals sage und schreibe 27.000 Mitarbeiter beschäftigt hat, die ausschließlich für das mediale Aufpolieren der US-Kriege zuständig waren. Das verlief (und verläuft bis heute) nach dem Prinzip von MOCKINGBIRD, proamerikanische Propaganda direkt bei den Nachrichtenagenturen zu platzieren, deren Meldungen die Grundlage für die Berichte der Medien sind.

Der Spiegel brachte schon 2008 einen Artikel mit der Überschrift „Gekaufte Meinung – Pentagon beschäftigt PR-Armee für US-TV“, in dem man lesen konnte:

„Mit einer gigantischen PR-Truppe hat die Bush-Regierung die Öffentlichkeit in den USA seit Jahren hinters Licht geführt. Ein Enthüllungsbericht der „New York Times“ zeigt jetzt, wie gezielt und perfide das System der Desinformation funktioniert. (…) Wenn US-Zuschauer die Nachrichten aus dem Irak auf TV-Kanälen wie CNN, Fox News, NBC oder ABC schauen, sollten sie ihren Ohren lieber nicht trauen. Wie ein Bericht der „New York Times“ enthüllt, unterhält das US-Verteidigungsministerium bis zum heutigen Tag eine Truppe von TV-Militärexperten, um seine Sicht der Dinge auf den Irak und den Krieg gegen den Terror zu verbreiten.“

Anfang 2009 wurde auch der Umfang dieser „PR-Armee“ bekannt. Unter der Überschrift „27’000 PR-Berater polieren Image der USA“ berichtete der Schweizer Tagesanzeiger darüber und begann seinen Artikel mit der Überschrift „27’000 PR-Berater polieren Image der USA“ wie folgt:

„Ein Chefredakteur beklagt den immensen Einfluss des amerikanischen Verteidigungsministeriums auf seine Journalisten. Jetzt ist ihm der Kragen geplatzt: Er enthüllt schier unglaubliche Fakten über die PR-Arbeit des Pentagons.“

Zum Vergleich: Als die CIA-Operation MOCKINGBIRD bekannt wurde, hatte die CIA etwa 400 Journalisten unter ihrer Kontrolle. 2009 hatte alleine das Pentagon bereits 27.000 Mitarbeiter, deren Aufgabe die Beeinflussung der Medien und der öffentlichen Meinung im Interesse der US-Politik war.

Allerdings passierte 2009 das gleiche, wie bei der Aufdeckung der Operation MOCKINGBIRD in den 1970er Jahren: Die Medien haben die Geschichte schnell wieder vergessen und keinerlei kritischen Fragen gestellt oder weitere Aufklärung gefordert.

Der Grund für die Zurückhaltung der Medien liegt auf der Hand: Da sie Teil des Systems sind, müssten sie eingestehen, dass ihre eigenen Berichte nichts weiter als von der US-Regierung gesteuerte Propaganda waren und sind, was sie bei ihren Lesern und Zuschauern alle Glaubwürdigkeit kosten würde.

Wir dürfen ja nicht vergessen, dass die Meldungen, die wir in Deutschland zu all diesen Themen bekommen, über Nachrichtenagenturen kommen, die das berichten, was sogenannte Experten ihnen erzählen. Und diese Experten werden von US-Behörden wie dem Pentagon, der CIA, dem NED, USAID und so weiter bezahlt.

Wobei die US-Regierung sogar einen Weg gefunden hat, dabei Geld zu sparen, denn der Tagesanzeiger schrieb auch:

„Besonders praktisch: Die Regierung musste ihre PR-Experten nicht einmal selbst bezahlen, denn das übernahmen die Sender und Zeitungen, die sie engagierten. Je mehr exklusive Informationen die Experten aus dem Pentagon präsentieren konnten, desto öfter konnten sie mit einem Auftritt auf der Mattscheibe rechnen. Und je mehr „Hits“ – also Auftritte – sie bekamen, desto mehr verdienten sie. Was sie allerdings den TV-Stationen als „exklusiv“ zutrugen oder in ihre Analysen einfließen ließen, war sorgsam gefiltert im Sinne der Bush-Regierung. Woher sie die Informationen erhalten hatten, sollten die Experten natürlich nicht offenlegen – so die Ansage des Pentagons.“

Nun habe ich eine Frage, die ich in diesem Zusammenhang immer stelle: Wie oft haben sie in westlichen Medien die Formulierung gehört oder gelesen, dass eine Nachricht „von nicht genannten Quellen“ in einem Ministerium oder gar bei Geheimdiensten kam? Wenn sie den letzten Satz im vorherigen Absatz noch einmal lesen, dann dürfte klar werden, wie man eine solche Formulierung zu verstehen hat. Wenn eine Nachricht mit einem solchen Satz eingeleitet wird, kann man fast sicher davon ausgehen, dass es sich um bewusste Desinformation handelt, die gezielt von den entsprechenden Stellen verbreitet wird. Und die Medien machen dieses Spiel gerne mit.

Die CIA-Operation MOCKINGBIRD mag also offiziell eingestellt worden sein, aber ihr Geist lebt nicht nur weiter, sondern die Beeinflussung der westlichen Medien wurde offensichtlich sogar noch ausgedehnt. Das letzte Beispiel, das das offen gezeigt hat, waren die sogenannten „Twitter-Files“, die aufgedeckt haben, wie CIA, FBI und Pentagon die US-Internetkonzerne und ihre für die öffentliche Meinung heute so wichtigen sozialen Netzwerke kontrollieren.

Und natürlich haben die westlichen Medien auch darüber fast nicht berichtet, als es aufgedeckt wurde.