Am Beispiel von Bellingcat und dem OCCRP: Wie die westliche Propaganda funktioniert
Bellingcat dürfte den meisten Lesern des Anti-Spiegel bekannt sein. Auch über das OCCRP habe ich schon mehrmals berichtet. Beide Organisationen werden von westlichen Regierungen bezahlt und von westlichen Geheimdiensten geleitet, um die von den Geheimdiensten gewollten Narrative als Ergebnisse “unabhängiger Recherchen“ zu präsentieren. Ich bin auf einen Artikel gestoßen, der das hervorragend erklärt und mit […]
Bellingcat dürfte den meisten Lesern des Anti-Spiegel bekannt sein. Auch über das OCCRP habe ich schon mehrmals berichtet. Beide Organisationen werden von westlichen Regierungen bezahlt und von westlichen Geheimdiensten geleitet, um die von den Geheimdiensten gewollten Narrative als Ergebnisse “unabhängiger Recherchen“ zu präsentieren.
Ich bin auf einen Artikel gestoßen, der das hervorragend erklärt und mit vielen Quellen belegt, weshalb ich den Artikel übersetzt habe. Die Quellen habe ich aus dem Original übernommen.
Nur noch eines vorweg: Bellingcat und das OCCRP werden in dem Artikel hervorragend vorgestellt und erklärt, aber es ist in dem Artikel auch die Rede von Bill Browder, dessen Geschichte in Deutschland nicht so bekannt ist. Bei Interesse finden Sie hier mehr Informationen darüber.
Beginn der Übersetzung:
Sind Bellingcat und das OCCRP „unabhängige“ Medien?
Diese staatlich finanzierten „Wachhunde“ existieren nur, um staatlich genehmigte Narrative zu stützen.
von Lucy Komisar | The Realist Review
Zwei große westliche Propagandaoperationen, die sich selbst als internationale investigative Nachrichtenorganisationen bezeichnen und deren Geschichten weltweit von großen Medien aufgegriffen werden, geben ihre Adressen bei derselben Amsterdamer Briefkastenfirma an, die mit keinen Räumen aufwartet, sondern nur Anrufe entgegennimmt und Post weiterleitet. Es handelt sich um das Organized Crime and Corruption Reporting Project, kurz OCCRP, und Bellingcat.
Beide Organisationen werden von den USA, Großbritannien und anderen westeuropäischen NATO-verbündeten Ländern finanziert. Beide verbreiten „Nachrichten“-Geschichten – hauptsächlich, indem Russland als feindliche Zivilisation dargestellt wird –, die die politischen Interessen ihrer westlichen Geldgeber fördern, die dann wiederum von anderen westlichen Medien aufgegriffen werden.
Wie wahrscheinlich ist es, dass zwei vom Westen finanzierte „unabhängige“ Medien dieselbe europäische Postadresse als ihren Hauptsitz verwenden? Die besagte Adresse gehört zu einem charmanten schmalen Gebäude an einem typischen Amsterdamer Kanal. Ich habe per Mail mit der Person, die den Service betreibt, Kontakt aufgenommen und sie antwortete, dass kein anderes Unternehmen in diesem Gebäude Büros betreibt.
Drew Sullivan gründete das OCCRP im Jahr 2007. Das Büro, das seine europäischen Operationen betreibt, befindet sich in der Herengracht 449A in Amsterdam. Bellingcat gibt denselben Sitz in der Herengracht 449A in Amsterdam als europäische Zentrale an. Beide Organisationen betreiben dort Büros. Die angegebene Adresse gehört zu „Amsterdam Office Space“, einem Service für Telefondienste und Postweiterleitung. Außerdem ermöglicht diese Adresse eine Registrierung bei der Handelskammer.
Auch Bellingcat ist mit dieser Adresse bei der Handelskammer registriert. Es wird dort als ein Unternehmen aufgeführt, das sich auf Filmproduktion und Forschung und Entwicklung in den Sozial- und Geisteswissenschaften spezialisiert. Es gibt nichts, was auf den Anspruch hinweist, eine „in den Niederlanden ansässige investigative Gruppe von unabhängigen Journalisten“ zu sein.
Warum dieser „Zufall“ wichtig ist
Erstens sind die Niederlande als Hochburg für Offshore-Firmen berühmt, die dem Zweck der Geldwäsche dienen. Interessanterweise sagte Sullivan im vergangenen April auf dem Internationalen Journalismus Festival im italienischen Perugia, dass das OCCRP Geld für andere Journalistenorganisationen gewaschen habe. Er sagte wörtlich: „das OCCRP macht das für seine Mitgliedsorganisationen. Wir nehmen ihr Geld und leiten es an andere Journalisten weiter. Geld legal waschen, das Geld wegbewegen, sodass es keine direkte Verbindung zwischen den Journalisten und dem Geldgeber gibt.“ Er schlug zudem vor, dass andere Organisationen dasselbe tun sollten.
Daher könnte die Amsterdamer Briefkastenfirma auch die Geldwäsche erleichtern, wobei ihre Adresse genutzt wird, um Bankkonten einzurichten und Geldtransfers vorzunehmen.
OCCRP
Das OCCRP wurde genau zu der Zeit gegründet, als Julian Assange Wikileaks ins Leben rief, das die globalen Verbrechen der USA aufdeckte. Sullivan war zuvor Luft- und Raumfahrtingenieur und Stand-up-Comedian. Er gründete das Mutterunternehmen Journalism Development Network (JDN), registriert im US-amerikanischen Delaware und einem Postfach in New York.
So funktioniert das mit dem Geld
Das OCCRP wurde mit Mitteln des US State Department’s Bureau of International Narcotics and Law Enforcement Affairs gegründet. Das Geld floss über das JDN.
Schließlich wechselten die Betreuer des OCCRP zum National Endowment for Democracy (NED), das Jahre zuvor die verdeckten Finanzoperationen der CIA übernommen hatte. Im November 2021 bezeichnete Samantha Power, die damalige Chefin von USAID, bei einer Veranstaltung mit dem Titel „Independent Media and the Advancement of Democracy“ das OCCRP als „Partner“ der US-Regierung. Tatsächlich erlaubte der Vertrag der US-Regierung, über wichtige Personalentscheidungen wie CEO und Chefredakteure mitzubestimmen.
Die Einreichungen des JDN zeigen, dass fast alle seine Mittel von der US-Regierung stammen und ein erheblicher Anteil zudem aus Großbritannien. DoS steht für das US-Außenministerium und FCO für das britische.
Diese Seite listet Zuschüsse des NED auf, das gegründet wurde, um eine in Verruf geratene „Soft-Power“-Operation der CIA zu übernehmen. Das Geld wird an lokale Mediengruppen weitergeleitet, hauptsächlich in Europa und Russland, sodass diese Gruppen nicht zugeben müssen, dass sie letztlich von der US-Regierung finanziert werden.
Das Geld kommt bei der NED herein und anschließend werden Bargeldzuschüsse an Gruppen auf der ganzen Welt weitergeleitet. Wie Sullivan auf der Konferenz in Perugia erklärte, „wusch das OCCRP Geld für andere Journalisten“, um die Quelle der Finanzierung zu verschleiern. Hier findet man die internationalen Mediengruppen, die Zuschüsse erhalten und woher sie stammen.
Das OCCRP hat mehr als 200 Mitarbeiter in rund 60 Ländern und fungiert als Knotenpunkt für lokale Journalisten weltweit. Zwischen 2014 und 2023 stellte die US-Regierung mehr als die Hälfte, 52 Prozent, der Finanzierung des OCCRP bereit, also insgesamt mindestens 47 Millionen US-Dollar seit seiner Gründung. Andere NATO-Länder, darunter Großbritannien, Frankreich, Schweden, Dänemark und die Niederlande, haben im vergangenen Jahrzehnt ebenfalls erhebliche Beträge beigesteuert.
Seit 2016 arbeitet das OCCRP mit Transparency International zusammen, um das Globale Anti-Korruption Konsortium zu betreiben, das von mehreren westlichen Regierungen finanziert wird. Seine Ermittlungen zielen Berichten zufolge darauf ab, gerichtliche Maßnahmen anzustoßen und die Zivilgesellschaft gegen „Korruption“ zu mobilisieren. Die Mittel gehen an Medien, die darauf abzielen, die Regierungen von US-Rivalen zu destabilisieren.
Eine weitere Finanzierungsquelle ist die Partnerschaft mit RUSI. RUSI ist das Royal United Services Institute, das sich selbst als die älteste und führende britische Denkfabrik für Verteidigung- und Sicherheitsfragen beschreibt. Vizepräsident von RUSI ist der ehemalige Direktor der CIA David Petraeus.
Das Projekt von OCCRP mit dem RUSI Zentrum für Finanzen und Sicherheit wird vom britischen Außenministerium finanziert. Einer Regierung dabei zu helfen, Sanktionsumgehung zu bekämpfen, wirkt eher wie ein Teil einer Regierungsoperation als wie Journalismus.
Assange
Als guter „Partner“ der USA wies Sullivan öffentlich Forderungen nach der Freilassung des politischen Gefangenen Julian Assange zurück. Er erklärte: „Für mich hat seine Arbeit im Auftrag der Regierung von Wladimir Putin die Grenze überschritten, und deshalb betrachte ich ihn nicht mehr als Journalisten, sondern als selbstsüchtigen Medienstar, der zerstörerisch gehandelt hat. Er hat ein anderes Spiel gespielt, und er erntet jetzt, was er gesät hat.“
Nach Ansicht des „Journalisten“ Sullivan sollen Enthüllungen wie das berühmte „Collateral Damage“-Video, das zeigte, wie US-amerikanische Hubschrauberpiloten Unschuldige abgeschlachtet haben, ignoriert werden, weil sie die weltweite Verurteilung der USA „gesät“ hätten.
Russland
Der wegen Steuerbetrugs verurteilte William Browder war eine frühe und zentrale Figur in der US-Kampagne gegen Russland. Browder erklärte 2015 in einer Aussage vor einem US-Bundesgericht, dass er Dokumente vom OCCRP erhalten habe, um seine Vorwürfe gegen die russische Regierung zu untermauern. Bill Alpert vom Finanz- und Investmentportal Barron’s – in der Aussage erwähnt – ist ebenfalls ein Kollaborateur von Browder, der in diesem Wirtschaftsmagazin zahlreiche Lobhudeleien über ihn schrieb.
Das OCCRP verbreitete im sogenannten Browder-Magnitski-Schwindel, der von Jonathan Winer, einem ehemaligen Beamten des US-Außenministeriums, erfunden wurde, der das sogenannte Magnitski-Gesetz des US-Außenministeriums verfasste, das 2012 vom Kongress verabschiedet und von Präsident Obama unterzeichnet wurde, die Darstellung von Browder. Das Gesetz verhängte Sanktionen gegen jeden, der für die Verhaftung und den Tod von Sergej Magnitski verantwortlich gemacht wurde. Magnitski war der Buchhalter, der die russischen Steuerhinterziehungen von Bill Browder verwaltete. Zufälligerweise hatte Winer für das Büro für Internationale Drogendelikte gearbeitet und war eine Schlüsselfigur bei der Verbreitung des sogenannten Steele-Dossiers in Washington während des Präsidentschaftswahlkampfes 2016.
Der Schwindel, den Browder – unterstützt vom OCCRP – in die Welt setzte, war eine frühe, lebhafte und erfundene Geschichte, die darauf abzielte, öffentliches Mitgefühl für das „Opfer“ zu gewinnen, mit dem zusätzlichen Vorteil damit gleichzeitig Hass auf Russland zu säen. Aus diesem Grund widmete sich das OCCRP der Verbreitung der erfundenen Geschichten von Browder und sorgte dafür, dass sie in den USA und im Ausland in die Medien kamen.
Das OCCRP verbreitete 2014 seine Recherchen im Fall „Russian Laundromat“, die auf Vorwürfen der Geldwäsche durch russische Unternehmen beruhte. Sie bekam viel Aufmerksamkeit in westlichen Medien, jedoch gab es keinerlei Beweise und keine der sensationellen Anschuldigungen führte in den westlichen Ländern, die in den Berichten genannt wurden, zu tatsächlichen Verfahren, geschweige denn zu Verurteilungen. Die Schweiz war so ein typisches Beispiel, sie stellte die Untersuchung nach zehn Jahren offiziell ein.
Im Jahr 2017 berichtete das OCCRP, dass Sergej Magnitski 2008 – im Bericht als unabhängiger Anwalt dargestellt – Beweise dafür entdeckt habe, dass Polizei- und Steuerbeamte drei Tochterfirmen der Hermitage Capital Management illegal übernommen und eine Steuerrückerstattung in Höhe von 230 Millionen US-Dollar beantragt hätten. Das war eine Lüge. Magnitski war ein Wirtschaftsprüfer bei der Moskauer Firma Firestone Duncan, er verwaltete die Steuerhinterziehungen von Browder.
Doch der eigentliche Schwindel bestand darin, dass Hermitage selbst Scheinfirmen gegründet hatte, die behaupteten, betrogen worden zu sein, und ihrerseits Entschädigung forderten. Das Unternehmen zahlte die geforderten Summe ordnungsgemäß aus und änderte anschließend seine Steuererklärung, um bequem alle Gewinne und Steuern auf Null zu setzen.
Browder beharrte darauf, seine Tochterunternehmen seien ihm gestohlen und der Plan von Schurken durchgeführt worden. Das OCCRP schrieb pflichtbewusst, korrupte russische Ermittler hätten Dokumente und Firmensiegel von Hermitage beschlagnahmt und damit Schein-Tochterfirmen gegründet. Dann habe Magnitski den russischen Behörden Beweise dafür vorgelegt und sei daraufhin verhaftet worden. Die Geschichte – ohne jegliche Beweise – wurde von internationalen Medien brav wiederholt. Aber das war eine reine Fiktion.
Es gibt auch keine Beweise dafür, dass Magnitski von jemandem ermordet wurde, obwohl er im Gefängnis eine schlechte medizinische Versorgung erhielt. Eine umfassende Untersuchung wurde von der Public Oversight Commission durchgeführt, einer russischen NGO, die russische Gefängnisse und die Zustände darin beobachtet. In ihrem Bericht fand sie keinerlei Hinweise auf die von Browder behaupteten Misshandlungen Magnitski oder gar für Mord.
Der Bericht der Kommission wurde bei einem US-Bundesgericht eingereicht und in einem Bericht der Ärzte für Menschenrechte in Cambridge, Massachusetts, verwendet.
Die Browder/Magnitski-Geschichte des OCCRP war also von Anfang bis zum Ende ein Fake. Aber sie ermöglichte es der US-Regierung, mit Hilfe fügsamer Medien, eine Geschichte vom „bösen“ Russland zu schaffen und russische Regierungs- und Unternehmensvertreter ins Visier zu nehmen.
Die Panama Papers
Das OCCRP spielte eine bedeutende Rolle bei den Ermittlungen zu den Panama-Papers, wobei erneut der Fokus auf Russland gelegt wurde.
Ein deutscher Reporter, Bastian Obermayer, erhielt einen gigantischen Stapel von Dokumenten der panamaischen Firma Mossack Fonseca, die Offshore-Konten für Steuerhinterzieher und andere Gesetzesbrecher einrichtete. Er arbeitete mit dem Internationalen Konsortium Investigativer Journalisten (ICIJ) zusammen, das wiederum das OCCRP hinzuzog, um die Daten zu strukturieren und Journalisten für das Projekt zu rekrutieren. David Kaplan, der das Projekt für das ICIJ leitete, war gleichzeitig Vorstandsmitglied des OCCRP.
Das Unternehmen Berkeley Advisors von Browder, das in den Papers auftauchte, war von Mossack Fonseca eingerichtet worden, um Geld zu verstecken, das aus Russland heraus geschafft wurde.
Das OCCRP hätte das erwähnen müssen. Aber keiner der fast 400 Journalisten, die über prominente Inhaber von Offshore-Konten berichteten, erwähnte Browder. ICIJ-Direktor Gerard Ryle antwortete auf meine Nachfrage, dass die Journalisten freie Hand hatten zu entscheiden, worüber sie schreiben wollten. Aber irgendwie versäumte es die Datenbank zu den Panama Papers, William Browder oder Berkeley Advisors aufzunehmen. Also konnten Journalisten auch nicht über diesen Fall schreiben.
Das OCCRP spielte auch eine Schlüsselrolle bei den Pandora Papers, den Suisse Secrets und den Ermittlungen im Fall China-Tobacco, die sich größtenteils gegen Rivalen der USA richteten.
Regimechange
Sullivan hat behauptet, das OCCRP sei für die Ermöglichung von Regimewechseln in mehreren Ländern verantwortlich gewesen, darunter Bosnien, Kirgisistan, Tschechien und Montenegro. Dies wirft erneut Fragen über die Rolle der Organisation im Auftrag Washingtons auf.
Bellingcat
Bellingcat wurde im Jahresbericht 2021 vom OCCRP als Partner aufgeführt. Bellingcat selbst wurde 2014 von Eliot Higgins gegründet, der in Leicester, England, lebt. 2016 wurde Higgins Non-Resident Fellow beim Atlantic Council, einer Denkfabrik, die vom US-Außenministerium, der Rüstungsindustrie und der NATO finanziert wird und in Washington für die Interessen seiner Sponsoren eintritt.
So funktioniert das mit dem Geld
Bellingcat ist Teil eines Netzwerks, das von den Regierungen der USA und Großbritanniens finanziert wird, um antirussische Narrative zu fördern. Bellingcat erhält seit mindestens 2017 Mittel vom NED und beteiligt sich an mehreren Organisationen, die vom britischen Außenministerium finanziert werden.
Berichte, die Bellingcat selber veröffentlicht hat, zeigen, dass es Geld von westlichen Regierungen und anderen Organisationen erhält (siehe hier und hier).
Neben dem NED und dem US-Außenministerium nimmt Bellingcat Geld von der EU und weiteren westlichen Regierungen und Tarnorganisationen an, darunter aus den Töpfen der niederländischen und schwedischen Postcode-Lotterien.
Die Verbindung zum OCCRP läuft über dessen Tochterorganisation, die Integrity Initiative. Diese wird vom britischen Außenministerium finanziert und Bellingcat ist ein Mitwirkender. Sie ist in „Clustern“ von Akteuren organisiert, deren Aufgabe es ist, die Opposition gegen Russland zu fördern.
Einige der Akteure sind: Bill Browder, Ben Nimmo vom Atlantic Council, die Journalisten Ed Lucas und Anne Applebaum, die mit dem polnischen Außenminister Radosław Sikorski verheiratet ist. (Anm. d. Übers.: Und Boris Reitschuster ist wahrscheinlich Mitglied des deutschen Clusters, siehe hier)
Was die USA und Großbritannien für die Finanzierung von Bellingcat im Gegenzug bekommen
Bellingcat verbreitet Geschichten, bei denen die US- und britischen Geheimdienste lieber nicht selbst als Quelle in Erscheinung treten möchten. Dies ermöglicht es, Narrative gegen Rivalen – insbesondere Russland – zu fördern, ohne dass Regierungen nach Beweisen gefragt werden können. Effektiv spezialisiert sich Bellingcat auf Desinformation, was man früher Propaganda nannte.
Laut Amy Mackinnon im Magazin Foreign Policy war Bellingcat entscheidend beim Aufdecken russischer Aktivitäten und ermöglichte es US-Beamten, über diese Themen zu sprechen, ohne Geheimdienstquellen oder Beweise offenlegen zu müssen.
Marc Polymeropoulos, ehemaliger stellvertretender Leiter der CIA-Operationen für Europa und Eurasien, sagte: „Ich will nicht zu dramatisch klingen, aber wir lieben das. Anstatt zu versuchen, Dinge freizugeben oder sich um Klassifizierungsprobleme Sorgen zu machen, konnte man einfach auf die Arbeit von Bellingcat verweisen.“
Daniel Hoffman, ein ehemaliger Chef eines Außenposten der CIA sagte: „Die Russen leugnen routinemäßig alle Vorwürfe und sagen, na gut, präsentiert uns die Fakten. Der größte Wert von Bellingcat ist, dass wir dann zu den Russen gehen können und sagen: Da habt ihr sie.“
Die fügsamen Medien nennen Bellingcat eine Open-Source-Ermittlungsorganisation anstatt eine Geheimdienstfront. Sie mögen es, pikante antirussische Geschichten serviert zu bekommen. Sie fragen nicht danach, wie Bellingcat an Informationen kommt, die nur ein Geheimdienst haben könnte. Bellingcat ist offiziell mit großen Medien wie CNN und NBC partnerschaftlich verbunden. Jake Tapper von CNN hat Bellingcat eine „großartige journalistische Organisation“ genannt. (Anm. d. Übers.: In Deutschland hat der Spiegel diese Rolle übernommen und rühmt sich regelmäßig “gemeinsamer Recherchen” mit Bellingcat)
Aber seit wann sind Medien wie CNN Partner von Organisationen, die von der US-Regierung oder Geheimdiensten von EU-Staaten finanziert werden? Die Ermittler von Bellingcat behaupten, Zugang zu „Open-Source“-Informationen zu haben, die aber nirgendwo im Internet oder in öffentlichen Datenbanken oder Akten zu finden sind und die nur staatliche Akteure besitzen würden.
MH17
Die Gründung von Bellingcat erfolgte kurioserweise nur drei Tage, bevor die Boeing 777 der Malaysia Airlines im ukrainischen Luftraum abgeschossen wurde. Der Flugzeugabsturz wurde zum ersten „ernsten Fall“ für Bellingcat, das umgehend unwiderlegbare Beweise für die Schuld Russlands fand. Die beste Berichterstattung dazu stammt vom niederländischen Journalisten Eric van de Beek.
Bellingcat lieferte in rascher Folge „Beweise“ zum Abschuss von Flug MH17, darunter Fotos, die angeblich die Bewegung eines russischen Raketenwerfers nachverfolgten. Aber woher hatten sie diese Fotos?
Eine E-Mail vom November 2020 enthüllte, dass die „Ermittlungen“ von Bellingcat noch vor der Veröffentlichung mit dem Nationalen Koordinator für Sicherheit und Terrorismusbekämpfung (NCTV) in Amsterdam geteilt wurde, was auf eine Zusammenarbeit zur Beeinflussung medialer Narrative hinweist. Oder lief der Austausch sogar in beide Richtungen?
Die „Ermittlungen“ von Bellingcat zu MH17 wurden von westlichen Regierungen und Mainstream-Medien ohne jede Nachfrage akzeptiert, obwohl zahlreiche Augenzeugenberichte dem von Bellingcat verbreiteten Narrativ widersprachen. Selbst niederländische Geheimdienstdokumente hielten fest, dass zwar viele ukrainische BUK-Systeme in der Ostukraine gesichtet worden waren, jedoch keine russischen. Augenzeugen berichteten zudem, sie hätten zum Zeitpunkt, als die MH17 abstürzte, Kampfflugzeuge am Himmel der Region gesehen. Bellingcat diffamierte alle Journalisten, die darüber berichteten, als Agenten des russischen Geheimdienstes.
Laut dem deutschen Nachrichtenmagazin Der Spiegel war der Autor des Berichts, in dem Bellingcat das russische Verteidigungsministerium beschuldigte, Satellitenbilder im Zusammenhang mit dem MH17-Fall gefälscht zu haben, ein gewisser Timmi Allen, ein Pseudonym für einen ehemaligen Mitarbeiter der Stasi, dem Ministeriums für Staatssicherheit der DDR.
Kein Mainstream-Journalist stellte die Frage, wie Bellingcat an die hochsensiblen Dokumente gelangen konnte, auf denen seine Ermittlungen beruhten. Bellingcat hatte irgendwie vertrauliche russische Geheimdienst-E-Mails und Telefondaten erhalten, die angebliche Gespräche zwischen russischen Geheimdienstoffizieren und Funkzellen-Daten ihrer Bewegungen belegten. Nichts davon ist im Entferntesten „Open Source“.
Oleg Pulatow, der einzige Angeklagte, der einen Anwalt bekam und aussagte, wurde von allen Anklagepunkten freigesprochen. Das Gericht stellte fest, es gebe „keinen Hinweis“, dass er an der Übergabe eines Raketensystems verwickelt gewesen sei.
Gibt man Müll rein, kommt Müll raus
Christo Grozev, ein Bulgare und prominenter Bellingcat-Funktionär, übernahm 2022 von Eliot Higgins den Vorsitz und die Generaldirektion der Bellingcat-Stiftung. Er hatte gerade den Propagandafilm „Navalny“ von 2022 organisiert, der einen Oscar gewann. Der Film beschuldigte die Russen, dem Oppositionsaktivisten Alexej Nawalny ein tödliches Gift in die Unterhose geschmuggelt zu haben. Nawalny überlebte den Giftanschlag. Es scheint, die Russen sind ziemlich schlecht darin, ein tödliches Gift wie Nowitschok herzustellen. Das deutsche Militärhospital, in dem Nawalny untersucht wurde, machte die Untersuchungsergebnisse nicht öffentlich. (Anm. d. Übers.: Übrigens hatte Grozev eine Affäre mit Nawalnys Frau, während Nawalny in Russland im Gefängnis saß. Ob die beiden immer noch ein Paar sind, ist nicht bekannt)
Der Film sagte, Bellingcat habe umfangreiche Daten aus der Telekommunikation sowie Reisedaten erhalten, die den russischen Inlandsgeheimdienst FSB mit der angeblichen Vergiftung von Nawalny in Verbindung brachten. Telefonkommunikation russischer Geheimdienstoffiziere und der Inhalt ihrer Postfächer sind hochvertraulich. Sie können nicht in offenen Quellen gefunden werden. Bellingcat erklärte, die Informationen seien auf dem Schwarzmarkt gekauft worden und Grozev ergänzte zudem, dass er diese Informationen aus eigener Tasche bezahlt habe.
Im Ernst: Ist es vernünftig anzunehmen, dass der FSB, der selber den E-Mail-Verkehr und das Internet überwacht, diesen Schwarzmarkt nie selber entdeckt hat?
Die Behauptungen die Grozev in der „Nawalny“-Dokumentation aufstellt werden hier seziert.
Ein Jahr später, 2023, verlor Grozev seinen Posten. Er wurde wegen seiner Beteiligung an einem gescheiterten Versuch diskreditiert, russische Militärpiloten mitsamt ihren Flugzeugen zum Überlaufen zu bewegen, und wegen seiner Verteidigung des Bombenanschlags auf ein Café in St. Petersburg, bei dem ein Kriegsreporter getötet und 30 weitere Menschen verletzt wurden.
Grozev behauptete, der Reporter sei ein „legitimes Ziel“, weil er ein „Propagandist“ gewesen sei. Dasselbe sagte er über den russischen Philosophen Alexander Dugin, dessen Tochter in Moskau getötet wurde, nachdem eine Bombe unter dem Auto explodierte, in dem sie saß. Offenbar waren die Geldgeber des NED darüber gar nicht erfreut.
Eine gewisser Ironie entstand dadurch, dass zur etwa selben Zeit PBS Frontline gerade einen lobhudelnden Film über Grozev veröffentlicht hatte. Darin heißt es: „Wir folgen Christo Grozev, dessen Berichte mit der Open-Source-Ermittlungsgruppe Bellingcat russische Spione und Attentäter enttarnt haben.“
Tatsächlich hat er das nie. Der Film wurde fertiggestellt, bevor Bellingcat Grozev entließ.
Selbst die verbündeten sagen, dass Bellingcat lügt
Bellingcat wehrt Kritik stets ab, indem es äußere Kräfte – wie Russland – für jede negative Bewertung seiner Arbeit verantwortlich macht. Doch ein durchgesickerter Bericht zeigte, dass Bellingcat von der eigenen Seite diskreditiert wurde, weil es Fehlinformationen verbreitete.
Das Zinc Network suchte Unterstützung, um NGOs zu organisieren, die der „wachsenden Bedrohung durch vom Kreml gelenkte Desinformation“ begegnen sollten. In einem 2018 für das britische Außenministerium erstellten Bericht mit dem Titel „Upskilling to Upscale: Unleashing the Capacity of Civil Society to Counter Disinformation“ wurden mögliche Partner erörtert.
Im Bericht stand: „Bellingcat war etwas diskreditiert, sowohl durch die Verbreitung von Desinformation selbst, als auch dadurch, dass es bereit war, Berichte für jeden zu erstellen, der dafür bezahlte.“
Lassen Sie uns das wiederholen: „Bellingcat war etwas diskreditiert, sowohl durch die Verbreitung von Desinformation selbst als auch dadurch, dass es bereit war, Berichte für jeden zu erstellen, der dafür bezahlte.“ Und das ist die Organisation, deren „Nachrichten“-Berichte irgendjemand ernst nehmen soll?
Higgins gefällt es gar nicht, wenn man darauf hinweist.
Weit davon entfernt, eine unabhängige „Open-Source“-Ermittlungsorganisation zu sein, wird Bellingcat von westlichen Regierungen bezahlt, um staatliche Narrative zu verbreiten.
Ihre Finanzierung und ihre fragwürdigen Erzeugnisse zeigen, dass OCCRP und Bellingcat Propagandaoperationen sind. Ernsthafte Medien sollten ihre Berichte nicht ohne solide, unabhängige und bestätigte Beweise akzeptieren. Andernfalls riskieren sie, die eigene Glaubwürdigkeit zu verlieren.
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Lucy Komisar ist eine investigative Journalistin aus New York. Für ihre Enthüllungen über den Ponzi-Betrüger Allen Stanford im Miami Herald erhielt sie den Gerald Loeb Award, den National Press Club Award und weitere Auszeichnungen. Ihre Artikel erschienen in der New York Times, der Washington Post, dem Wall Street Journal, der LA Times, der Chicago Tribune und vielen weiteren Publikationen in den USA und Europa. Ihre Website ist https://thekomisarscoop.com, auf X ist sie @lucykomisar
Ende der Übersetzung