In Paris findet heute ein Treffen der Staats- und Regierungschefs der „Koalition der Willigen“ statt, um weitere Details der Entsendung von europäischen „Friedenstruppen“ in die Ukraine zu besprechen. Macron spricht vor dem Treffen offen davon, dass die europäischen Truppen dabei im Kämpfe mit den russischen Streitkräften verwickelt werden können.

Dass Russland immer wieder erklärt hat, dass die Entsendung von Soldaten aus westlichen Ländern in der Ukraine für Russland inakzeptabel ist und dass Russland diese Soldaten als legitime Ziele ansehen würde, stört Macron nicht. Er kalkuliert russische Angriffe auf die europäischen Soldaten sogar explizit ein und spricht davon, dass das „dann ist das unser üblicher Einsatzrahmen“ sei und dass die europäischen Truppen in der Ukraine auf einen russischen Angriff reagieren würden. Darüber berichtete die Nachrichtenagentur AP und ich werde die komplette Meldung übersetzen.

Andere Meldungen sagen, dass die Europäer ihre Truppen in der West- oder der Zentralukraine stationieren wollen. Die Rede ist dabei auch vom Fluss Dnjepr, der die Ukraine von Norden nach Süden durchläuft und den Macron bereits früher als Stationierungsort für europäische Truppen genannt hat. Die europäische Truppen sollen, so Macron in früheren Erklärungen, einen russischen Vormarsch am Dnjepr aufhalten.

Nun kommen wir zur Übersetzung der aktuellen Meldung von AP.

Beginn der Übersetzung:

Die „Koalition der Willigen“ erwägt mehr Hilfe für die Ukraine und eine mögliche europäische Streitmacht.

Die Verbündeten der Ukraine aus ganz Europa kamen am Donnerstag zu Gesprächen nach Paris, um die Position Kiews und seines Militärs im Kampf um einen Waffenstillstand mit Russland zu stärken und Vorschläge für die Stationierung europäischer Truppen im Land im Rahmen eines Friedensabkommens zu erörtern.

Der französische Präsident Emmanuel Macron empfängt die Staats- und Regierungschefs von fast 30 Ländern sowie die Chefs von NATO und EU. Der Gipfel findet zu einem entscheidenden Zeitpunkt im seit über drei Jahren andauernden Krieg statt. Die diplomatischen Bemühungen um Waffenstillstände werden aufgrund des Drucks von US-Präsident Donald Trump, die Kämpfe zu beenden, intensiviert.

Doch der Konflikt tobt weiter. Russische Drohnenangriffe in der Nacht vor dem Treffen der Staats- und Regierungschefs im luxuriösen französischen Präsidentenpalast verletzten nach Angaben ukrainischer Behörden mehr als 20 Menschen.

Die von den USA vermittelten Abkommen dieser Woche zum Schutz der Schifffahrt im Schwarzen Meer und zur Einstellung von Fernangriffen auf die Energieinfrastruktur wurden als erster Schritt in Richtung Frieden begrüßt. Die Ukraine und Russland waren sich jedoch über die Details uneinig und warfen sich gegenseitig Verstöße gegen das Abkommen vor. Das lässt einen langen und kontroversen Prozess erwarten.

Europa erwägt Bodentruppen

Frankreich und Großbritannien treiben eine separate Initiative voran, um eine Koalition von Nationen zu bilden, die auf die eine oder andere Weise bereit sind, die Stationierung europäischer Streitkräfte in der Ukraine zu unterstützen. Ziel ist es, Russland von einem erneuten Angriff auf das Land abzuhalten und so ein Friedensabkommen zu sichern.

Einige europäische Länder können mit einer möglichen Stationierung besser leben als andere – nicht zuletzt, weil die große Unbekannte darin besteht, ob Trump US-Streitkräften und Geheimdiensten erlauben würde, ein europäisches Kontingent mit Luft-, Logistik- und anderer Unterstützung zu stärken.

Der Aufbau einer ausreichend großen Truppe, um eine glaubwürdige Abschreckung zu gewährleisten – britische Regierungsvertreter sprechen von möglicherweise 10.000 bis 30.000 Soldaten – wäre auch für die Länder, die ihre Streitkräfte nach dem Kalten Krieg verkleinert haben, nun aber wieder aufrüsten, ein erheblicher Aufwand. Zu klären wären auch Fragen darüber, wer die Truppe befehligen würde und wie sie auf einen schwerwiegenden Verstoß Russlands gegen ein Friedensabkommen reagieren würde.

Das Büro des britischen Premierministers Keir Starmer, der die europäische Initiative gemeinsam mit Macron vorantreibt, erklärte, Militärplaner aus Europa und anderen Ländern hätten sich eingehend mit der Zusammenstellung einer solchen Truppe befasst und dabei „das gesamte Spektrum der europäischen militärischen Fähigkeiten, darunter Flugzeuge, Panzer, Truppen, Geheimdienst und Logistik“, untersucht.

Ein Lackmustest für Europa

Angesichts des anhaltenden Drucks Trumps auf die europäischen Nationen, ihre Militärausgaben zu erhöhen und sich weniger auf US-Streitkräfte zu verlassen – ein Druck, der bis in seine erste Präsidentschaft zurückreicht –, wird das vorgeschlagene Kontingent auch als Test für Europas Fähigkeit gesehen, sich selbst und seine Interessen zu verteidigen.

Der ukrainische Präsident Wladimir Selensky veröffentlichte ein Foto von dem Gipfel, das ihn und andere Staats- und Regierungschefs zusammen mit der Bildunterschrift zeigt: „Europa weiß, wie es sich selbst verteidigt. Wir müssen es beweisen.“

Macron sagte am Mittwoch, die geplante europäische Truppe könne in „wichtigen Städten und strategischen Stützpunkten“ in der Ukraine stationiert werden und auf einen russischen Angriff reagieren, sollte Moskau einen solchen starten.

Macron spezifizierte nicht, welche Art von Reaktion er sich vorstellte. Er deutete jedoch an, dass ein russischer Angriff nicht unbeantwortet bleiben könnte, auch wenn die europäischen Truppen nicht an der Front stationiert würden.

„Wenn es erneut zu einer generalisierten Aggression gegen ukrainischen Boden käme, würden diese Armeen faktisch angegriffen werden, und dann ist das unser üblicher Einsatzrahmen“, sagte Macron. „Unsere Soldaten sind, wenn sie im Einsatz und stationiert sind, dazu da, auf die Entscheidungen des Oberbefehlshabers zu reagieren und, wenn sie in Konfliktsituationen sind, darauf zu reagieren.“

„Wir stehen also nicht an der Front, wir kämpfen nicht, sondern wir sind da, um einen dauerhaften Frieden zu garantieren. Es ist ein pazifistischer Ansatz“, sagte er. „Die Einzigen, die in diesem Moment einen Konflikt, eine kriegerische Situation auslösen würden, wären die Russen, wenn sie sich erneut zu einer Aggression entschließen würden.“

Ende der Übersetzung