Luftalarm in St. Petersburg hat meine Reise sehr verzögert
Eigentlich sollte meine lange Reise, auf der ich bereits seit zehn Tagen bin, am Freitagabend enden, aber dann kam alles etwas anders. Der Grund dafür ist, dass der Petersburger Flughafen seit dem späten Freitagabend immer wieder das Ziel von Drohnenangriffen ist und er daher immer wieder gesperrt wird. Das begann am Freitag, als ich gegen […]
Eigentlich sollte meine lange Reise, auf der ich bereits seit zehn Tagen bin, am Freitagabend enden, aber dann kam alles etwas anders. Der Grund dafür ist, dass der Petersburger Flughafen seit dem späten Freitagabend immer wieder das Ziel von Drohnenangriffen ist und er daher immer wieder gesperrt wird. Das begann am Freitag, als ich gegen 23.00 in Moskau auf das Einsteigen ins Flugzeug wartete. Wir waren sogar schon im Bus, als man uns plötzlich wieder zurück ins Terminal brachte.
Anschließend verbrachten wir die ganze Nacht im Terminal und konnten erst gegen 8.00 Uhr am Samstagmorgen aus Moskau Richtung Petersburg starten. Als ich dann Samstagmittag endlich zu Hause war, war an Arbeit natürlich nicht zu denken, sondern nach über 24 Stunden auf den Beinen musste ich erstmal schlafen.
Wie ich inzwischen weiß, hatten wir sogar noch Glück. Die Angriffe gingen auch am Samstag und am Sonntag weiter und der Petersburger Flughafen musste (und muss) immer wieder stundenlag geschlossen werden, weshalb viele Flüge ganz gestrichen werden müssen. Tagsüber sind allerdings weitaus mehr Passagiere betroffen als am späten Freitagabend, und während wir die Nacht in Moskau noch in den Restaurants, Cafés und Bars des Flughafens verbringen konnten, mussten die Passagiere am Samstag und Sonntag stundenlang auf dem nackten Boden sitzen, weil alles überfüllt war.
Flughafen und Airlines tun, was sie können. So wurden beispielsweise die Lounges für die Businessclass für Familien mit Kindern geöffnet und überall wird kostenlos Wasser und Snacks verteilt. Die Flughafenleitung hat sogar irgendwo massenhaft Klappstühle aufgetrieben und verteilen lassen.
Die Drohnenangriffe müssen dabei nicht dem Flughafen selbst gelten. Aber wenn die Luftabwehr im Süden Petersburgs aktiv wird, muss der Luftraum gesperrt werden, was zu den Flugausfällen und dem Chaos am Flughafen führt.
Diese Drohnenangriffe haben eine ganz neue Qualität, denn wenn man auf die Landkarte schaut, sieht man, dass die Ukraine sehr weit weg von Petersburg ist. Dass Drohnen aus der Ukraine tagelang in so großer Zahl bis nach Petersburg durchkommen, dass das ständig den Flugbetrieb lahmlegt, ist eher unwahrscheinlich, zumal sie dafür über ganz Weißrussland fliegen müssten.
Woher die Drohnen höchstwahrscheinlich kommen, kann jeder mit einem Blick auf die Landkarte erraten. Allen, die sich diese Mühe machen wollen, sei gesagt, dass sich der Petersburger Flughafen im Südwesten der Stadt befindet, von wo es zur estnischen Grenze nur etwa hundert Kilometer Luftlinie sind.
In russischen Medien wird über diese Angriffe nur wenig berichtet, offenbar will man das Thema nicht allzu hoch hängen, denn wenn die (von mir nur angedeutete, aber nicht ausgesprochene) Vermutung über die Herkunft der Drohnen stimmen sollte, könnte das dramatische Folgen haben.
Ich bin aber nun wieder zu Hause und ausgeschlafen und mache mich jetzt an die Arbeit, um die interessantesten Beiträge aus dem wöchentlichen Nachrichtenrückblick des russischen Fernsehens zu übersetzen, damit es hier am Montagmorgen wieder viel zu lesen gibt.