Ich habe am Dienstag über das die Hintergründe des Streits in der Ukraine über das NABU berichtet und in meinem Artikel mehrmals auf mein Buch “Das Ukraine-Kartell” verwiesen, in dem auch die Entstehung und der Zweck des NABU ein Thema war.

Ich werde auf dem Anti-Spiegel drei Kapitel aus dem Buch als Leseproben veröffentlichen, in denen es um dieses Thema geht. Da das Buch die Ereignisse in der Ukraine und den USA der Jahre 2016 bis 2020, die eng miteinander verbunden sind, chronologisch nachzeichnet, werden die Leseproben natürlich auch Ereignisse erwähnen, die in vorherigen Kapiteln des Buches erklärt wurden.

Das mag die Leseproben etwas schwer verständlich machen, aber ich denke, die Entstehung und der Zweck des NABU wird aus den Leseproben trotzen deutlich. Wenn Sie sich für die ganze Geschichte interessieren, empfehle ich Ihnen, das Buch unter diesem Link beim Kopp-Verlag zu bestellen.

Kommen wir zur dritten Leseprobe, in der es um den US-Wahlkampf zwischen Trump und Clinton im Jahr 2016 geht, denn in dem spielte auch das NABU eine entscheidende Rolle. Es erfüllte den Zweck, zu dem es von dem damaligen US-Vizepräsidenten Biden nach dem Maidan gegründet wurde: Es unterstützte die Interessen der Transatlantiker und damit im Wahlkampf Trump vs. Biden die US-Demokraten.

Um diese Ereignisse geht es in dieser letzten Leseprobe aus meinem Buch “Das Ukraine-Kartell”.

Trump vs. Clinton: Der US-Wahlkampf 2016

Anfang 2016 hatten die Medien eine Menge Spaß an einem der möglichen Präsidentschaftskandidaten der US-Republikaner: Der exzentrische Milliardär Donald Trump schickte sich an, US-Präsident zu werden, was für eine Menge Spott sorgte und bei den US-Demokraten Siegeszuversicht weckte, denn ihre Kandidatin Hillary Clinton war angesichts des politischen Quereinsteigers und schrägen Populisten Trump siegesgewiss.

Das änderte sich jedoch schnell, denn „Populist“ bedeutet nichts anderes, als dass derjenige das sagt und tut, was dem Volk (lateinisch „Populus“) gefällt. Schnell wurde klar, dass Trump in der Lage sein könnte, Clinton den sicher geglaubten Sieg zu nehmen, weil er Themen ansprach, die vielen Amerikanern gefielen.

Hinzu kam, dass Clinton eine Menge ungeklärter Skandale verfolgten, die von den Medien gnädig ignoriert wurden.

In ihrer Amtszeit als US-Außenministerin hatte Clinton insgesamt rund 30.000 dienstliche E-Mails über einen privaten Mailserver und ein privates E-Mail-Konto verschickt. Das ist nach US-Recht strafbar, denn dienstliche Mais der US-Außenministerin waren damit nur schlecht geschützt und dieses Verhalten barg die Gefahr, dass geheime Information in die falschen Hände geraten können.

Ein Untersuchungsbericht des Generalinspektors des Außenministeriums, der im Mai 2016 veröffentlicht wurde, bewertete diese Praxis als Verstoß gegen Dienstvorschriften. Alle amtlichen E-Mails müssen auf Speichern des Ministeriums aufbewahrt oder aber ausgedruckt und archiviert werden

Außerdem verletzte Clinton auch die Vorschrift, dem Ministerium nach dem Ende ihrer Amtszeit umgehend sämtliche dienstlichen Dokumente zu übergeben. Auch das ist bei weitem keine Kleinigkeit und nach US-Recht strafbar. Zur Erinnerung sei darauf hingewiesen, dass 2022 die gleichen Vorwürfe gegen Donald Trump erhoben wurden, woraufhin das FBI das Anwesen des Ex-Präsidenten gestürmt und durchsucht hat. Im Falle von Clinton ist hingegen nichts passiert.

Anfang Juli 2016 stellte das FBI die Untersuchung gegen Clinton wegen ihres Umgangs mit geheimen Informationen ein. Der von Obama, einen Parteifreund von Clinton, ernannte FBI-Direktor James Comey erklärte, er sehe keine Anhaltspunkte für strafbares Verhalten und damit war die Sache offiziell erledigt.

Trump hatte vor, Clinton im Wahlkampf unter anderem mit diesem Skandal in die Enge zu treiben, weshalb die US-Demokraten an einer Abwehrstrategie arbeiteten, um von dem Thema abzulenken.

Am 23. Juli 2016, kurz vor der offiziellen Nominierung von Hillary Clinton zur Präsidentschaftskandidatin der Demokraten, schlug eine Meldung wie eine Bombe ein. Wikileaks veröffentlichte rund 20.000 E-Mails führender Parteifunktionäre der US-Demokraten. Aus den Mails ging eindeutig hervor, dass die Parteiführung hinter den Kulissen Hillary Clinton unterstützt hatte, um eine Nominierung ihres wichtigsten parteiinternen Gegners Bernie Sanders zu verhindern.

Das war gegen alle demokratischen Regeln, denn die Parteiführung der US-Demokraten soll im Vorwahlkampf eigentlich Neutralität zwischen den Präsidentschaftsbewerbern wahren. Das verstieß gegen die Regeln der Partei und war wahrscheinlich sogar illegal – kurz gesagt, es war eine Riesenskandal, den die Medien aber nur in ausgesprochen kurzen Artikeln behandelt und dann schnell wieder vergessen haben.

Um den Skandal schnell aus den Schlagzeilen verschwinden zu lassen, übernahm Debbie Wasserman, die Parteichefin der Demokraten, die Verantwortung und trat nur zwei Tage später zurück.

Die Demokraten lenkten von dem Skandal ab, indem sie behaupteten, russische Hacker hätten den Server der Partei gehackt und die Mails an Wikileaks weitergegeben. Das griffen die Medien bereitwillig auf und der erste Teil des Epos der „russischen Wahleinmischung“, der in den folgenden Jahren die Schlagzeilen beherrschen sollte, war geboren. Worum es in den Mails, die russische Hacker angeblich erbeutet haben sollten ging, haben die Medien in all ihren Berichten in den folgenden Jahren nicht mehr erwähnt. Der Skandal, dass die Demokraten Hillary Clinton ganz und gar undemokratisch zur Nominierung verholfen haben, wurde vergessen, stattdessen wurde der angebliche „Skandal“ thematisiert, dass Russland an allem Schuld sei und den Server der Demokraten gehackt habe.

Dass Wikileaks außerdem behauptete, die Mails von einem Informanten innerhalb der demokratischen Partei bekommen zu haben, interessierte die Medien auch nicht. Sie verbreiteten die von den Demokraten in die Welt gesetzte Version des „russischen Hacks“.

Die erste Veröffentlichung von Mails fand bereits im Juni 2016 statt, wurde von den Medien aber noch nicht beachtet. Die Demokraten waren jedoch gewarnt und hatten sich schon zwei Tage danach die Geschichte der russischen Hacker zurechtgelegt. Bei den Demokraten wusste man, dass der Skandal bald bekannt würde und man wusste auch, dass er von Wikileaks veröffentlicht würde. Sie hatten also Zeit, ihre Reaktion vorzubereiten.

Wikileaks hat die Identität des Informanten meines Wissens nicht veröffentlicht, aber es spricht sehr viel dafür, dass es sich dabei um den 27-jährigen Mitarbeiter des Democratic National Committee (DNC) Seth Rich gehandelt hat. Wie das Leben so spielt, wurde Seth Rich am 10. Juli 2016 in Washington erschossen. Offiziell wurde Seth Rich Opfer eines Raubüberfalls, wobei sich die Polizei nicht daran störte, dass Rich keinerlei Wertsachen geraubt wurden. Der zuständige Polizeisprecher teilte lapidar mit:

„Es gibt keinen anderen Grund für eine Auseinandersetzung um 4:30 Uhr morgens“

Seth Rich konnte zu dem „Hackerangriff“ auf den Server der Demokraten also nicht mehr befragt werden, als Wikileaks die Mails zwei Wochen später veröffentlichte.

Ein Hackerangriff auf einen Server der Demokraten und der Diebstahl von Daten sind Straftaten, für die in den USA das FBI zuständig wäre. Aber das FBI hat den Server nicht untersucht. Die Demokraten heuerten stattdessen die Firma Crowdstrike an, damit sie den angeblichen „Hack“ des Servers untersuchte.

Crowdstrike ist unter Experten keine unbekannte Firma. Wenn die Medien über ausländische Hacker berichten, die angeblich eine Gefahr für Firmen, Behörden oder gar Wahlen im Westen darstellen, dann berufen sich die Medien sehr oft auf „Untersuchungen“ von Crowdstrike. Und Crowdstrike kommt natürlich immer zu dem Schluss, dass die gefährlichsten Hacker – je nach Situation – mal die Russen, mal die Nordkoreaner, mal die Chinesen oder die Iraner sind. Crowdstrike kann daher kaum als neutrale Instanz gewertet werden. Dass es dabei auch regelmäßig Zweifel an den Ergebnissen der Arbeit von Crowdstrike gibt, kommt noch hinzu. Die Demokraten werden wissen, warum sie ausgerechnet Crowdstrike angeheuert haben.

Crowdstrike kam schnell zu dem gewünschten Ergebnis und verkündete, die Russen hätten den Server gehackt.

Zum Verständnis muss ich an dieser Stelle vorgreifen, denn Crowdstrike-Chef Shaun Henry wurde damals im US-Fernsehen herumgereicht und hat überall die Geschichte von dem russischen Hack erzählt.

2017 wurde Henry hinter verschlossenen Türen auch vom Geheimdienstausschuss des US-Parlaments befragt und die Protokolle wurden 2020 veröffentlicht. Unter Eid sagte Henry allerdings etwas ganz anderes als im Fernsehen. Er war sich nicht einmal sicher, ob es überhaupt einen Hack gegeben hatte, von Russen ganz zu schweigen. Auch dass dabei Daten (also die Emails) vom Server heruntergeladen wurden, konnte er nicht bestätigen:

„Es gibt keine Indizien dafür, dass sie tatsächlich entnommen wurden. Es gibt mittelbare Indizien“

Man kann getrost davon ausgehen, dass die US-Demokraten sich die Geschichte mit dem russischen Hack ausgedacht haben, um erstens von ihrem eigenen Skandal abzulenken, der durch die veröffentlichten Emails ans Licht gekommen war, und zweitens, um das Feindbild Russland zum Wahlkampfthema zu machen. Für die Demokraten wäre es danach wie ein Sechser im Lotto gewesen, wenn sich Verbindungen von Trump zu Russland finden ließen, um Trump damit zu diskreditieren.

Und, so ein glücklicher Zufall, so kam es dann ja auch.

Bei den Demokraten gab es eine Mitarbeiterin mit ukrainischen Wurzeln, ihr Name ist Alexandra Chalupa. Sie war in Clintons Wahlkampfstab während des Wahlkampfes dafür zuständig, die Kontakte in die Ukraine zu pflegen.

Mitte August 2016 wurde bekannt, dass Trumps Wahlkampfmanager Paul Manafort auf illegalem Weg 12,7 Millionen US-Dollar von Janukowytschs Partei der Regionen erhalten hatte, woraufhin Manafort zwei Tage später als Trumps Wahlkampfmanager zurücktrat. Zur Erinnerung: Janukowytsch war der ukrainische Präsident, der im Zuge des Maidan weggeputscht wurde.

Die Informationen darüber waren aus der Ukraine an die Demokraten übermittelt worden und die Schlüsselfigur dabei war Alexandra Chalupa, wie Politico im November 2017, also erst ein Jahr später, berichtete:

„In einem Interview in diesem Monat sagte Chalupa gegenüber Politico, sie habe ein Netzwerk von Quellen in Kiew und Washington aufgebaut, darunter investigative Journalisten, Regierungsbeamte und private Geheimdienstmitarbeiter. Während ihre beratende Tätigkeit beim DNC im vergangenen Wahlzyklus auf die Mobilisierung ethnischer Gemeinschaften – einschließlich ukrainischer Amerikaner – ausgerichtet war, sagte sie, dass sie, als Trumps unwahrscheinliche Präsidentschaftskampagne Ende 2015 an Fahrt aufnahm, begann, sich mehr auf die Forschung zu konzentrieren und diese auch auf Trumps Verbindungen zu Russland auszuweiten. Gelegentlich teilte sie ihre Erkenntnisse mit Beamten des DNC und Clintons Wahlkampfstab, sagte Chalupa.“

Da der ukrainische Präsident Poroschenko erstens gegen seinen Vorgänger Janukowytsch vorging und zweitens wegen seiner engen Zusammenarbeit mit Joe Biden sehr daran interessiert war, dass die US-Demokraten – also Hillary Clinton – die Präsidentschaftswahl gewann, weil Poroschenko wusste, dass ein Präsident Trump nicht so Ukraine-freundlich sein würde, ist es logisch, woher die Informationen über Manafort gekommen sind. Das lässt sich sogar belegen.

Die Informationen stammten aus dem sogenannten „Schwarzen Buch der Partei der Regionen“, der Partei von Präsident Janukowytsch. In dem Schwarzen Buch waren Informationen über Zahlungen enthalten und Manafort hatte Jahre vorher als Lobbyist für Janukowytsch gearbeitet und die erhaltenen Honorare in den USA nicht versteuert.

Am Tag von Manaforts Rücktritt haben US-Vizepräsident Biden und Poroschenko telefoniert und beide haben sich wie kleine Kinder gefreut, dass ihre Intrige funktioniert hat:

„Poroschenko: Wir haben die Dokumente der ehemaligen Partei der Regionen herausgegeben. (Poroschenko lacht) Wie ich erfahren habe, ist heute einer der Schlüsselberater von Mister Trump, Paul Manafort, zurückgetreten (Poroschenko lacht)

Biden: Ja, ich denke er geht zurück nach Russland, ich weiß es nicht.

Poroschenko: (lacht länger) Ich denke, es war eine schlechte Idee, den Janukowitsch-Berater ins Trump-Team aufzunehmen (Poroschenko lacht wieder)

Biden: Das denke ich auch. Aber er trifft viele schlechte Entscheidungen.“

Wenn wir bedenken, wie empfindlich die US-Demokraten auf jede angebliche Wahleinmischung Russlands reagiert haben und bis heute reagieren, muss man sich fragen, ob es nicht eine Wahleinmischung von Seiten der Ukraine zugunsten der Demokraten gewesen ist, dass Poroschenko die Informationen unter der Hand an Clintons Wahlkampfteam, also an Chalupa, die nach eigenen Angaben „ein Netzwerk von Quellen in Kiew (…) aufgebaut,“ hatte, „darunter (…) Regierungsbeamte“, weitergeleitet hat.

Oder anders gefragt: Wie hätten die Demokraten wohl reagiert, wenn Trump aus Russland Schmutz über den Wahlkampfmanager von Clinton bekommen und an die Presse durchgestochen hätte?

Eine wichtige Rolle bei der Weitergabe der kompromittierenden Unterlagen gegen Manafort spielte Artem Sytnik, der von Bidens Umfeld ausgesuchte Chef des NABU. In einem (aus dem Netz gelöschten) Gesprächsmitschnitt hat Sytnik unter Freunden offen erzählt, wie er auf Druck der US-Botschaft in Kiew belastendes Material gegen Trumps Umfeld suchen sollte, um Clinton im Wahlkampf zu helfen.

Dass es sich dabei um eine illegale Wahleinmischung der Ukraine handelte, hat später sogar ein ukrainisches Gericht bestätigt. Dabei sind die Details interessant. Ein russischer Medienbericht aus dem Jahr 2019, als Selensky bereits ukrainischer Präsident war und in den ersten Monaten seiner Präsidentschaft versuchte, sich mit Trump gutzustellen, fasste die Meldungen aus der Ukraine sachlich korrekt wie folgt zusammen:

„Im Dezember 2018 entschied das Kiewer Bezirksverwaltungsgericht, dass der Abgeordnete Lesshtschenko und der NABU-Direktor Sytnik, die schmutzige Informationen über Manafort veröffentlicht hatten, unrechtmäßig gehandelt hatten. Das Gericht entschied, dass „dies zu einer Einmischung in die US-Wahlprozesse 2016 geführt und den Interessen des Staates Ukraine geschadet hat“. Das Gericht fällte dieses Urteil, weil Leschtschenko und Sytnik nicht erklärten, aus welchen Gründen sie die Dokumente unter Umgehung der gesetzlichen Regelungen veröffentlicht hatten. Es ist erwähnenswert, dass das sogenannte „Schwarzbuch der Partei der Regionen“, das Informationen über Schattenzahlungen an Manafort und andere enthält, von Poroschenkos Schützling, dem ersten stellvertretenden Leiter des Sicherheitsdienstes der Ukraine (SBU) Viktor Trepak, an den Abgeordneten und an den Kämpfer gegen die Korruption weitergegeben wurde.“

Wenn wir uns nun noch daran erinnern, wer Sytnik war, von wem er für das Amt ausgesucht worden ist und wer das NABU kontrolliert, wird klar, dass Poroschenko und das NABU die Informationen auf Wunsch der Demokraten (in Person von Chalupa) gesucht und durchgestochen haben, um Clinton zu helfen und Trump zu schaden.

Die Medien berichteten – ganz im Interesse der Demokraten -, dass Trumps Wahlkampfmanager Manafort Kontakte zu Russland gehabt habe. Im Spiegel zum Beispiel lauteten die Überschriften von Artikeln dazu am 15. August 2016 „Schwarzgeld – Kassierte Trump-Berater Millionen von prorussischen Kräften?“ und am 16. August 2016 „Enthüllungen über Chefberater – Trumps geheime Russland-Connection“.

An den Vorwürfen war nichts dran, Manafort wurde später „nur“ wegen Steuerhinterziehung verurteilt, weil er tatsächlich Gelder von der „Partei der Regionen“ erhalten und in den USA nicht versteuert hatte. Mehr blieb von den Vorwürfen gegen ich nicht übrig, eine kompromittierende Verbindung zu Russland wurde nicht gefunden.

Die Medien folgten wie gesagt (und wie die meisten sich lebhaft erinnern dürften) dem Narrativ der US-Demokraten und berichteten während des ganzen Wahlkampfes 2016 fast ununterbrochen darüber, dass Russland sich in den Wahlkampf einmische, dass Trump Verbindungen zu Russland habe, ja sogar, dass er so etwas wie ein russischer Agent sei. Zufall oder nicht, aber die Rechnung der Demokraten, mit dem Thema Russland medial von ihrem parteiinternen Skandal abzulenken, ist vollends aufgegangen.

Damit aber nicht genug, denn die – offensichtlich vom Clinton-Team frei erfundenen – angeblichen Russland-Kontakte von Trump riefen sogar das FBI auf den Plan. Die angebliche Gefahr, dass mit Trump ein „russischer Agenten“ ins Weiße Haus einziehen könnten, oder dass „russische Agenten“ Teil von Trumps Wahlkampfteam und seines Umfeldes sein könnten, diente dem FBI als Vorwand, um das Wahlkampfteam von Trump auszuspionieren. Die FBI-Operation bekam sogar einen eigenen Codenamen: Das ganze fand unter der Bezeichnung „Crossfire Hurricane“ statt.

Erinnern Sie sich noch an den Watergate-Skandal? Damals hat Präsident Nixon ein paar kleine Gauner beauftragt, in den Wahlkampfstab seines demokratischen Herausforderers einzubrechen, um Informationen zu erhalten. Das gilt bis heute als der vielleicht größte Skandal der US-Politik.

2016 hat das FBI, also eine US-Bundesbehörde, das Wahlkampfteam des politischen Gegners von US-Präsident Obama, der natürlich wollte, dass seine Parteifreundin Hillary Clinton die Wahl gewinnt, ausspioniert. Dass das Weiße Haus informiert war oder das gar angeordnet hat, konnte nicht bewiesen werden, aber es gab sehr deutliche Hinweise darauf, auf die wir später noch kommen. Aber alleine die Tatsache, dass das FBI den politischen Gegner des US-Präsidenten ausspioniert hat, ist ein Skandal.

Man stelle sich einmal vor, wie die Medien und die US-Demokraten reagiert hätten, wenn das FBI im Wahlkampf 2020 Biden gegen Trump den Herausforderer Joe Biden und sein Team heimlich ausspioniert hätte. Es gehört nicht viel Fantasie dazu, sich die Reaktion der Demokraten vorzustellen: Sie hätten ohne zu zögern behauptet, Trump hätte das angewiesen und sie hätten gewarnt, die Demokratie in den USA sei bedroht. Und die Medien, daran besteht kein Zweifel, weil sie immer alle Narrative der US-Demokraten eins-zu-eins übernehmen, hätten sich dem angeschlossen und eine gigantische Medienkampagne gestartet.

Als herauskam, dass das FBI 2016 Trumps Team überwacht hat, ist hingegen rein gar nichts passiert. Die Medien sind darüber hinweggegangen.

Um zu zeigen, dass ich hier keine unbelegte „Verschwörungstheorie“ aufstelle, greife ich vor: Trump hat später einen Sonderermittler einsetzen lassen, um zu untersuchen, wie es zu den FBI-Ermittlungen gegen sein Team kommen konnte. Zu dem Sonderermittler, er hieß John Durham, der im Gegensatz zu Sonderermittler Mueller, der über Trumps angebliche Russland-Verbindungen ermittelt hat, von den Medien fast nie erwähnt wurde, kommen wir noch.

Im Zuge von Durhams Ermittlungen wurde 2019 Anklage gegen einen FBI-Juristen namens Kevin Clinesmith erhoben, weil der Mails gefälscht hat. Reuters berichtete darüber im August 2020:

„Der ehemalige FBI-Jurist Kevin Clinesmith bekannte sich am Mittwoch vor einem Bundesgericht der Fälschung eines Dokuments im Rahmen der Ermittlungen des FBI zur Frage, ob Präsident Donald Trumps Wahlkampf 2016 mit der russischen Regierung zusammengearbeitet hat, für schuldig.“

Aber diese Meldung ging unter, die Medien fanden nicht, dass das westliche Publikum davon – noch dazu zu Beginn der heißen Phase des Wahlkampfes Trump gegen Biden – allzu viel erfahren sollte, oder haben Sie davon etwas in deutschen Medien erfahren? Wenn Sie zum Beispiel Spiegel-Leser sein sollten, dann haben Sie davon noch nie gehört, denn eine Suche im Spiegel-Archiv mit dem Suchbegriff „Clinesmith“ ergibt 0 (in Worten Null) Ergebnisse.

Für Clinesmith ging die Sache übrigens glimpflich aus, er wurde im Januar 2021 lediglich zu 12 Monaten auf Bewährung und 400 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt, was deutschen Medien aber auch keine Berichte wert war.

Wenn man sich erinnert, mit welcher Inbrunst und Intensität die westlichen Medien über „Russiagate“ und Trumps angebliche Verbindungen berichtet haben, und sich anschaut, mit welcher Konsequenz sie es ihren Lesern und Zuschauern verschwiegen haben, als sich ein Vorwurf von „Russiagate“ nach dem anderen als Erfindung (der Demokraten) herausstellte, dann wirft das einige Fragen über die Arbeit der Medien und ihre angebliche Objektivität auf.

Ein weiteres, interessantes Detail aus der Zeit US-Wahlkampfes 2016 hat Onischenko mir im Interview erzählt. Das Gespräch zwischen Onischenko und Poroschenko, in dem Onischenko den Vorschlag des Burisma-Eigentümers Slotschewsky an Poroschenko weitergeleitet hat, mit dem Slotschewsky sich freikaufen wollte, habe ich bereits zitiert. Das darin recht kompliziert beschriebene Geschäftsmodell, nach dem diverse Gewinne im Austausch für eine Einstellung aller Ermittlungen gegen Burisma 50/50 mit Poroschenko geteilt werden sollten, hatte einen Wert von etwa 50 Millionen Dollar. Poroschenko, dessen Fabriken von Sloteschwsky Erdgas im Wert von einer Million Dollar monatlich als „Schutzgeld“ erhielten, lehnte das Angebot schließlich ab, denn ihm waren die 50 Millionen Dollar zu wenig.

Hier zahlte sich Slotschewskys Manöver aus, Hunter Biden und einige andere westliche Herrschaften in den Vorstand von Burisma geholt zu haben, denn Slotschewsky unterbreitete denen dann das Angebot, dass sie gegen eine Zahlung von 50 Millionen Dollar dafür sorgen, dass die Strafverfahren gegen Burisma eingestellt werden.

Onischenko erzählte in dem Interview, dass Biden darauf einging und dass die 50 Millionen im Gegenzug für die Einstellung der Strafverfahren gegen Burisma in den Wahlkampf von Hillary Clinton geflossen sind, was nach US-Recht übrigens eine illegale Wahlkampffinanzierung aus dem Ausland wäre. Dass das so geschehen ist, kann ich nicht belegen und ich habe nur die Aussage von Onischenko, aber da sich alle seine Aussagen, die sich überprüfen ließen, als wahr herausgestellt haben, neige ich dazu, ihm zu glauben.

Hinzu kommt: Wie der Zufall es wollte, hat der neue ukrainische Generalstaatsanwalt Luzenko genau zu dem fraglichen Zeitpunkt im September 2016 plötzlich alle Verfahren gegen Burisma eingestellt.

Es gab später noch mehr Hinweise auf sehr fragwürdige Zahlungen in Millionenhöhe aus der Ukraine an Hillary Clinton und an Hunter Biden und an seine Freunde, aber dazu kommen wir in anderen Kapiteln dieses Buches.