Dass der Korruptionsskandal in der Ukraine direkt mit Trumps neuem Friedensplan zusammenhängen dürfte, habe ich oft thematisiert. Der Grund dafür ist, dass das Nationale Antikorruptionsbüro der Ukraine (NABU), das vor fast drei Wochen begonnen hat, die Audiomitschnitte zu veröffentlichen, auf denen Leute aus Selensksy engstem Umfeld besprechen, wie sie den ukrainischen Energieversorger Energoatom mit fingierten Abrechnungen für Baumaßnahmen um mindestens hundert Millionen Dollar erleichtern, 2016 von der US-Regierung gegründet wurde und von der US-Regierung kontrolliert wird. Das bedeutet, dass die Veröffentlichungen mindestens mit dem Segen der US-Regierung, wahrscheinlich sogar auf deren Anweisung erfolgt sind.

Fünf Tage lang veröffentlichte das NABU häppchenweise immer neue Details, mit denen es das politische Kiew ins Chaos stürzte und Selensky unter massiven Druck setzte, bevor es eine Pause einlegte. Und wiederum nur wenige Tage später wurde Trumps neuer Friedensplan bekannt, dessen Inhalt Selensky ganz und gar nicht gefallen hat.

Man muss kein Hellseher sein, um den Zusammenhang zu erkennen: Offensichtlich wollte die US-Regierung mit der Veröffentlichung der Korruption in Selenskys engsten Umfeld Druck aufbauen, um Selensky zur Annahme des Friedensplans zu drängen, denn natürlich hing damit die unausgesprochene Drohung in der Luft, dass das NABU auch weitere Audiomitschnitte und andere Beweise veröffentlichen könnte, die Selenskys noch engeres Umfeld, also konkret seinen Büroleiter Andrej Jermak, betreffen und seine Beteiligung an der Korruption belegen. Und auch Aufnahmen, die Selenskys Beteiligung beweisen, dürfte das NABU haben.

Dass Jermak in den Aufnahmen eine Rolle spielt, war bereits bekannt. Die Korruptionäre haben sich in den Mitschnitten mit Codenamen angesprochen und dabei wurde auch die Rolle eines gewissen „Ali Baba“ erwähnt, bei dem es sich um Jermak handelt, der mit mit vollem Namen Andrej Borisowitsch Jermak heißt. „Ali Baba“ wurde aus den Anfangsbuchstaben seiner Vornamen A. B. hergeleitet.

Jermak wird in der Ukraine schon lange als die Graue Eminenz in Selensksy Machtapparat bezeichnet, da er die Fäden zu Geheimdienst, Behörden, Staatsbetrieben und Parlament in Händen hält. Jermak kontrolliert die Ukraine so umfassend, dass manche in Kiew ihn und nicht Selensky für den wahren Machthaber halten.

Im Parlament, wo Jermak sich viele Feinde gemacht hat und kaum noch Freunde hat, wird schon lange gefordert, Selensky solle ihn entlassen und natürlich sind diese Forderungen nach den Korruptionsenthüllungen noch viel lauter geworden, aber Selensky weigert sich bisher, dem nachzukommen und hält an Jermak fest. Das ist aus Selenskys Sicht verständlich, denn ohne Jermak würde Selensky wohl die Kontrolle über das Land verlieren.

Jermak ist auch ein entschiedener Gegner von Trumps Plan, und er war der ukrainische Delegationsleiter der Ukraine bei den letzten Verhandlungen mit der US-Delegation mit US-Außenminister Rubio in Genf. Daher kam es nicht wirklich überraschend, dass das von der US-Regierung kontrollierte NABU nun am Freitagmorgen sowohl die Wohnung als auch das Büro von Jermak durchsucht hat.

Dass das NABU damit nun erstmals auch eine Dursuchung in der Präsidialverwaltung von Selensky durchgeführt hat, kann man getrost auch als Warnschuss an Selensky persönlich verstehen.