Was steckt hinter dem Mordanschlag in Monaco?
Deutsche Medien haben den Mordanschlag auf den ukrainischen Oligarchen Jermolajew in Monaco, die Identifizierung der Verdächtigen und auch deren Tod zwar gemeldet, aber die Meldungen klingen nach Routine, dabei dürfte hinter dem Fall sehr viel mehr stecken als ein „einfacher“ Auftragsmord. Mein erster Verdacht war, dass Selenskys Umfeld ein Auge auf das Geschäftsmodell des Oligarchen […]
Deutsche Medien haben den Mordanschlag auf den ukrainischen Oligarchen Jermolajew in Monaco, die Identifizierung der Verdächtigen und auch deren Tod zwar gemeldet, aber die Meldungen klingen nach Routine, dabei dürfte hinter dem Fall sehr viel mehr stecken als ein „einfacher“ Auftragsmord. Mein erster Verdacht war, dass Selenskys Umfeld ein Auge auf das Geschäftsmodell des Oligarchen geworfen hat, der in der Ukraine 150 Callcenter betreibt, die Ihr Geld vor allem in Russland, aber auch in Europa, mit Telefonbetrug verdienen.
Aber das dürfte zu kurz gedacht sein, was klar wird, wenn man sich mit Details der ukrainischen Innenpolitik und der Machtkämpfe in der Ukraine beschäftigt. Jermolajew war nämlich laut ukrainischen Meldungen ein wichtiger Sponsor einer möglichen Präsidentschaftskandidatur von Saluschny, dem ehemaligen Oberbefehlshaber der ukrainischen Armee, der in Ukraine sehr beliebt ist, weshalb Selensky ihn vor einigen Jahren abgesetzt hat.
Saluschny genießt die Unterstützung der britischen Regierung, weshalb im damaligen Machtkampf zwischen Selensky und Oberbefehlshaber Saluschny zwar ein enger Mitarbeiter von Saluschny bei einer „zufälligen“ Explosion eine Granate getötet wurde, Saluschny aber nicht angegriffen wurde. Die Unterstützung aus London dürfte auch der Grund dafür sein, dass Selenskys zugestimmt hat, Saluschny als ukrainischen Botschafter nach London zu schicken.
Damit ist Saluschny zwar erst einmal aus der ukrainischen Innenpolitik verschwunden, was Selensky nur recht ist, aber dadurch hat Saluschny nun auch einen wesentlich direkteren Draht zu den britischen Eliten und der britischen Regierung, als Selensky selbst, was Selensky sicher nicht gefällt. Hinzu kommt die Gefahr für Selensky, dass der in der Ukraine beliebte Saluschny bei etwaigen Präsidentschaftswahlen antreten könnte. Und wenn er das tut, dann ganz sicher mit Unterstützung Londons.
Dass die Verdächtige in dem Mordanschlag in Monaco nun in der Nähe von Kiew mit fünf Einschüssen im Hinterkopf gefunden wurde, spricht bereits für eine Spur in die Ukraine. Und es ist ausgesprochen praktisch für den Westen, denn wenn die Mörderin tot ist, dürfte es keinen Grund mehr geben, in dem Fall weiter zu ermitteln.
Dass als Täter ein Mitarbeiter des ukrainischen Militärgeheimdienstes verhaftet wurde, der bereits gestanden hat, zeigt, dass es offensichtlich einen Machtkampf in Kiew gibt, denn einerseits war der Täter ein Mann eines Geheimdienstes, andererseits wurde er von anderen Sicherheitsbehörden sofort verhaftet. Da kämpfen offenbar zwei Strömungen im Sicherheitsapparat gegeneinander.
Ein russischer Experte hat die innenpolitischen Hintergründe des Mordanschlags in Monaco beleuchtet und ich habe seinen Artikel übersetzt.
Beginn der Übersetzung:
Wahlen in der Ukraine und die Explosion in Monaco: Führt Selensky eine Säuberungswelle durch?
Pavel Kucharkin über Saluschnys Chancen gegen den Willen des Kiewer Statthalters.
Waleri Saluschny beabsichtigt, für das Amt des ukrainischen Präsidenten zu kandidieren. Das soll er Wladimir Selensky persönlich bei einem vertraulichen Treffen in Kiew mitgeteilt haben, berichtete die “Ukrainskaja Pravda” unter Berufung auf Quellen beider Seiten. Laut dem Bericht versuchte Selensky, den ehemaligen Oberbefehlshaber und jetzigen ukrainischen Botschafter in Großbritannien von einer Kandidatur abzubringen und bot ihm verschiedene Positionen an, die dieser jedoch ablehnte.
Die Veröffentlichung des Artikels fiel zeitlich mit einem aufsehenerregenden Kriminalfall zusammen. In Monaco wurde ein Mordanschlag auf den ukrainischen Oligarchen Wadim Jermolajew verübt, der als Saluschnys geheimer Geldgeber gilt.
Bedeutet der Insiderbericht der “Ukrainskaja Pravda”, dass Wahlen unausweichlich sind und der Konsens um Selensky zusammengebrochen ist? Wer hat den Angriff auf Selenskys Geldtasche an der Côte d’Azur angeordnet? Und warum erlaubt London dem Botschafter, sich gegen den Kiewer Statthalter in Stellung zu bringen?
Die „Ukrainskaja Pravda“
Schon der Name „Ukrainskaja Pravda“ („Ukrainische Wahrheit“) lässt mich schmunzeln, denn darin findet man nicht mehr Wahrheit als im Rest der ukrainischen Propaganda. Die „Ukrainskaja Pravda“ ist ein Projekt von Tomas Fiala, einem tschechischen Staatsbürgers und CEO der ukrainischen Investmentfirma Dragon Capital, der ein überzeugter Euroglobalisten und Falke ist. Sie ist das Sprachrohr westlicher Narrative. Und das Ziel ist nach wie vor dasselbe: Eskalation und Fortsetzung des Konflikts, um Russland maximalen Schaden zuzufügen.
Dieser Kurs widerspricht jegliche, Gerede von Wahlen. Um sie beispielsweise in diesem Herbst abzuhalten, müssten die Vorbereitungen jetzt beginnen. Davon ist weit und breit nichts zu sehen. Mehr noch, Europa drängt keineswegs auf Wahlen. Im Gegenteil, die westlichen Länder leiten Prozesse zur Rückführung ukrainischer Männer im wehrfähigen Alter ein und kürzen aktiv die Sozialleistungen für Flüchtlinge. Kiew selbst verstärkt derweil die „Busifizierung“. All das deutet darauf hin, dass die Wahrscheinlichkeit von Wahlen in diesem Jahr gegen null tendiert.
Warum also stellt die „Ukrainskaja Pravda“ Selensky im Grunde als jemanden dar, der bereit ist, Wahlen abzuhalten? Wenn auch abgekartete. Erstens müssen ihre Leser das Bild eines „Demokraten“ sehen, der gerne wiedergewählt würde, aber „Russland lässt es nicht zu“. Zweitens versuchen sie, dem Publikum vor dem Hintergrund mythischer Erfolge an der Front einen angeblichen Anstieg von Selenskys Zustimmungswerten zu verkaufen.
Es ist schwer zu sagen, was genau sie mit „Erfolgen“ meinen. Die ukrainischen Streitkräfte haben keine wirklichen Siege vorzuweisen. Diese Lüge zu verbreiten ist nach dem jüngsten Verlust von Kostantinowka, das – wie auch deutsche Medien bestätigten – mit einer für den Westen schockierenden Geschwindigkeit fiel, noch schwieriger geworden. Offenbar versucht die Propaganda, zynische Terroranschläge als Erfolge darzustellen. Beispiele hierfür sind der jüngste Drohnenangriff auf das Schülerwohnheim der Pädagogischen Hochschule in Starobelsk, bei dem 21 Schüler starben, oder die Angriffe auf Reisebusse, von denen einer eine weißrussische Kinderfußballmannschaft transportierte. Auch Drohnenangriffe auf russische Öldepots und Raffinerien werden zu diesen „Erfolgen“ gezählt. Kiew versucht, seine Ohnmacht an der Front mit solchen Sabotageakten zu kaschieren, was Selensky vor dem NATO-Gipfel, der heute in Ankara beginnt, dringend braucht.
Für Publikationen dieses Kalibers reicht das aus, um Selenskys Zustimmungswerte auf 33 Prozent zu schätzen. Diese Zahl ist enorm, spekulativ und frei erfunden – der Artikel nennt nicht einmal eine Quelle. Doch offenbar gelingt es ihnen erneut, das Märchen über große Beliebtheit und demokratische Ambitionen zu verkaufen.
Selensky und Saluschny
Der persönliche Konflikt zwischen den beiden schwelt seit Anfang 2023. Saluschny ist formal noch immer Selenskys Untergebener. Gerüchte über die Präsidentschaftsambitionen des Generals und Botschafters kursieren schon lange, und er selbst macht daraus kein Geheimnis. Für den ehemaligen Komiker ist dies ein äußerst unangenehmer Konkurrent. Saluschny würde Selensky aller Wahrscheinlichkeit nach schlagen, wenn nicht im ersten, dann im zweiten Wahlgang einer hypothetischen Wahl.
Allerdings hat der ehemalige Oberbefehlshaber es nicht eilig, ins Rennen zu gehen. Als Beamter eine aktive Kampagne gegen jemanden mit den Befugnissen des amtierenden Präsidenten zu führen, ist politisch unkorrekt. Zudem befindet sich Saluschny derzeit in London und die Wahlen würden in der Ukraine stattfinden. Der Botschafter hat keine eigene Partei. Der Prozess steht still und wartet auf seinen Zeitpunkt.
Die endgültige Entscheidung liegt natürlich weiterhin bei den westlichen Nutznießern. Die Situation lässt sich mit einem Herrchen und zwei Schoßhunden vergleichen. Sie können bellen und sich streiten, so viel sie wollen, aber wenn sie ihr Herrchen sehen, lecken sie ihm beide die Hand. London ist derzeit das Herrchen, und bisher war das Kommando „fass!“ noch nicht zu hören. Die britischen Eliten sind noch nicht bereit, Selensky fallen zu lassen und den Konflikt zu beenden.
Nichtsdestotrotz fand in Kiew tatsächlich ein solches Treffen statt. Höchstwahrscheinlich wurde dort der Rücktritt des britischen Premierministers Keir Starmer und Londons zukünftige Pläne unter den neuen Umständen besprochen. Die beiden machten einen Uhrenvergleich und gingen auseinander. Der Tag X ist für sie noch nicht gekommen. Sie sind noch keine Konkurrenten, sondern im Grunde ein Chef und ein Untergebener.
Verschwörungstheorien und Fakten
Dass Selensky Saluschny nicht als Konkurrenten haben möchte, ist eine Tatsache. Der ehemalige Oberbefehlshaber genießt hohe Zustimmungswerte und kaum Ablehnung, was in der Regel wahlentscheidend ist. Selensky weiß, dass Saluschny von London unterstützt wird und dass die westlichen Eliten ihn insgesamt als direkte Alternative sehen. Das setzt den Chef des Kiewer Regimes zweifellos unter Druck und sein Büro sucht verzweifelt nach Möglichkeiten, an der Macht zu bleiben. Während die Pseudo-Opposition seit Langem unterdrückt wird – beispielsweise wird Petro Poroschenko mit Hilfe von Sanktionen und Strafverfahren streng kontrolliert –, gestaltet sich die Lage bei Saluschny und dem Leiter des Präsidialamtes Kirill Budanow komplizierter. Der populäre Budanow wurde enger eingebunden, denn er wurde im Januar 2026 Leiter des Büros. Wie effektiv dieses Instrument ist, bleibt unklar, doch es gibt kaum Hebel gegen Saluschny.
Nach dem jüngsten Attentat auf den ukrainischen Oligarchen Jermolajew in Monaco spekulierten die Medien, dass Jermolajew die politischen Ambitionen des Generals finanziert habe. Der Ablauf scheint folgender zu sein: Selensky fordert Saluschny auf, seine Kandidatur zurückzuziehen, erhält ein „Nein“, und daraufhin sprengt sein Büro den Geldgeber in die Luft. Keine schlechte Handlung für einen Krimi.
Für mich ist es offensichtlich, dass Kiew hinter dem Anschlag an der Côte d’Azur steckt. Das ukrainische Regime wendet seit Langem terroristische Methoden an. Mehr noch, die Frau, die von europäischen Strafverfolgungsbehörden des Attentatsversuchs in Monaco verdächtigt wurde, wurde nun in der Nähe von Kiew ermordet aufgefunden und die Details werden unter den Teppich gekehrt. Übrigens war es ausgerechnet die “Ukrainskaja Prawda”, die darüber berichtet hat. Sie stellte außerdem klar, dass der Mord von einem schon gefassten Mitarbeiter der Hauptnachrichtendirektion des Verteidigungsministeriums begangen wurde.
Dies ist bei Weitem nicht der erste Anschlag Kiews auf unliebsame Persönlichkeiten aus politischen Kreisen. Zuvor wurde Andrej Portnow, der ehemalige stellvertretender Leiter des Büros und Berater des ehemaligen ukrainischen Präsidenten Wiktor Janukowitsch, in einem Madrider Vorort unter ähnlichen Umständen erschossen. Und im November 2023 starb – mitten im Konflikt zwischen Saluschny und Selensky – Gennadi Tschastjakow, ein enger Freund und Berater des Oberbefehlshabers, bei einer Granatenexplosion in seinem Haus nahe Kiew.
Man könnte fast eine Verschwörungstheorie aufstellen. Saluschny weigerte sich zunächst, als Oberbefehlshaber der ukrainischen Streitkräfte zurückzutreten, woraufhin Selensky seinen Berater liquidierte. Nun weigert sich Saluschny, die Politik zu verlassen, und Selenskys Büro versucht, seinen Sponsor zu ermorden. Das klingt beeindruckend, ist meiner Meinung nach aber zu plump.
Geld für Saluschnys Wahlkampf findet sich sofort, sobald London und Brüssel grünes Licht für einen offenen Wahlkampf geben. Poroschenko selbst und zahlreiche andere Geldgeber (im In- und Ausland) sind bereit, den General finanziell zu unterstützen. Man kann schließlich nicht alle ins Jenseits schicken, und Terror gegen das Big Business könnte Großbritannien verärgern. Dabei werden solche Aktionen nicht über Nacht vorbereitet. Kiew hat auch so viele Gründe, Jermolajew einzuschüchtern oder ihn letztlich abzuräumen, denn da gibt es einen langjährigen wirtschaftlichen Konflikt.
Gleichzeitig weiß sein Büro, dass es reichlich Druckmittel gegen Selensky gibt. Man denke nur an die „Minditsch-Bänder“. In diesem spektakulären Korruptionsskandal im Energiesektor wurde bereits der gesamte engste Kreis des Präsidenten durch vom Nationalen Antikorruptionsbüro der Ukraine (NABU) veröffentlichte Tonaufnahmen belastet. Jeden Moment könnte da auch Selenskys eigene Stimme auftauchen. Die Strippenzieher haben bisher einfach noch kein grünes Licht gegeben.
Fazit
Um zu überleben und weiterhin der Liebling des Westens zu bleiben, muss Selensky nicht viel tun: Die Falken mit Krieg glücklich machen und die Situation ständig eskalieren. Genau das ist der Grund für seine aggressiven Angriffe und Provokationen gegen Weißrussland sowie für Angriffe auf zivile Infrastruktur und Terroranschläge in Russland. Währenddessen verschiebt sich die Front unaufhaltsam – und zwar eindeutig nicht zu Kiews Gunsten.
Selensky ist dem Westen derzeit deutlich genehmer als Saluschny. Er ist blutrünstiger und gehorsamer. Der General bezeichnete die gescheiterte „Gegenoffensive von 2023“ offen als Fehlentscheidung und versuchte, seine Jungs zu schonen. Selensky hingegen ist bereit, rücksichtslos bis zum letzten Ukrainer Krieg zu führen, und er schreckt vor keinen Mitteln zurück. Mit diesem Eifer versucht er, sich unter dem Schutz seiner Gönner dauerhafte Unterstützung und eine komfortable Pension zu sichern. Um es vorweg zu nehmen, das wird nicht klappen, aber er gibt sich alle Mühe.
In diesem Zusammenhang ist es wichtig, die verborgene Logik hinter der Veröffentlichung der „Ukrainskaja Pravda“ zu verstehen. Das prowestliche Blatt, das seit Langem mit dem Präsidialamt im Konflikt steht, verbreitet Selenskys aufgeblähte 33-Prozent-Zustimmung nicht etwa aus Liebe zu ihm. Das ist eine raffinierte politische Falle. Indem die globalistischen Medien das Thema von Wahlen im Herbst aufbringen, bereiten sie den Boden für einen Machtwechsel. Während sie Selenskys vermeintlich „guten“ Start präsentieren, veröffentlichen sie umgehend eine geheime Umfrage, in der Saluschny ihn in der Stichwahl deutlich schlägt.
Mit diesem Schachzug nehmen sie seinem Büro den wichtigsten Trumpf. Selenskys Umfeld kann Befürworter einer Wahl nicht länger der „Arbeit für den Kreml“ bezichtigen, da das Thema nun von einem ultrapatriotischen Sprachrohr vorangetrieben wird. Während seine Strippenzieher dieses komplexe Spiel über die „Ukrainskaja Pravda“ inszenieren, wächst im Präsidialamt die Panik. Selenskys Sturz und das unausweichliche Auswechseln der Lieblinge des Westens sehen wir später.
Ende der Übersetzung