Wenn es einen Preis für die dümmsten Milchmädchenrechnungen gäbe, wäre der aktuelle Artikel im Spiegel, den Julia Merlot beisteuern durfte, ein ganz heißer Anwärter. Es geht natürlich um CO2 und darum, wie Deutschland die Welt retten kann.

Vorweg wie üblich der Hinweis: Mein Thema ist nicht der Klimawandel selbst, damit kennen sich andere besser aus. Mir geht es darum, wie die Medien das Thema instrumentalisieren und darstellen.

Wenn Frau Merlot Artikel im Spiegel schreiben darf, dann braucht es eine Menge Gläser des gleichnamigen Getränkes, um das zu ertragen, was man dort lesen muss. Normalerweise ist sie für Pharma- und Chemielobbyismus zuständig und beschreibt wahlweise, dass Glyphosat ganz harmlos ist oder dass Tierversuche eigentlich ganz niedlich sind.

Heute darf sie über CO2 schreiben und beruft sich auf eine Studie. Wenn der Spiegel über Studien berichtet, dann werde ich immer hellwach, weil man dabei in er Regel kein Wort glauben darf, ohne die Studie gelesen zu haben, wie ich erst vor einer Woche wieder aufgezeigt habe.

Und nun also Merlot und eine Studie in einem Spiegel-Artikel, das wird spaßig!

Leider hat der Spiegel die Studie diesmal nicht verlinkt, aber auch die Beschreibung im Artikel reicht schon aus, um das Prinzip zu verstehen. Frau Merlot schreibt:

„Der International Council on Clean Transportation (ICCT), der auch wissenschaftliche Analysen für Behörden erstellt, hat untersucht, wie viel Kohlendioxid (CO2) die kommerzielle Luftfahrt 2018 emittiert hat.“

Der International Council on Clean Transportation ist eine Klima-Lobbygruppe, die seit 2005 existiert und so unwichtig ist, dass es auf Wikipedia gerade mal in drei Sprachen kurze Artikel gibt. Das einzige, was es bisher wert war, bei Wikipedia erwähnt zu werden, ist dass die Gruppen den „VW-Dieselskandal“ in den USA aufgedeckt hat.

Und schon die Vorgehensweise der Studie zeigt, dass das gewünschte Ergebnis schon vorher feststand, wie man im Spiegel lesen kann:

„Als Datenquelle dienten öffentlich zugängliche Informationen über startende Flugzeuge, etwa von Flughafenbetreibern. Aus den Informationen errechneten die Experten den CO2-Ausstoß der Flüge.“

Nun weiß jeder, der auch nur ein bisschen von der Fliegerei versteht, dass Flugzeuge beim Start Vollgas geben. Die Studie nimmt also den höchstmöglichen Wert als Berechnungsgrundlage, was gelinde gesagt unseriös ist und nur dazu führen soll, die Werte künstlich groß zu machen. Das wäre so, als wenn sie mit einem Auto auf der Beschleunigungsspur zur Autobahn Vollgas geben und man mit diesem Wert den durchschnittlichen Verbrauch Ihres Autos berechnen würde. Völlig gaga.

Aber da der Artikel von Frau Merlot ist, war nichts anderes zu erwarten.

Mit diesen – wie gesehen völlig unbrauchbaren Daten – kommt die Studie dann zu dem Ergebnis, dass im letzten Jahr 918 Millionen Tonnen CO2 durch Flugzeuge in die Luft gepustet wurden. Dazu schreibt Frau Merlot dann:

„Zur Einordnung: Deutschland hat, alle CO2-Quellen zusammengerechnet, 2018 insgesamt knapp 800 Millionen Tonnen des Treibhausgases ausgestoßen.“

Was soll uns diese Zahl sagen? Das wäre so, als wenn jemand sagt, dass Berlin Kreuzberg durch Heizungen, Strom, etc. fast so viel CO2 produziert, wie alle Autos in Berlin. Okay, aber was soll uns diese Information sagen? Sie hat keinerlei Wert.

Außer einem: Der Leser bekommt das Gefühl, dass Deutschland echt ganz viel CO2 ausstößt. So richtig echt ganz viel und so!

Mag ja so sein, Frau Merlot, aber dann belegen Sie das bitte mit Zahlen, die man vergleichen kann und vergleichen Sie nicht „Äpfel und Birnen“.

Das beste aber an der Studie ist, dass sie nur die zivile Luftfahrt berücksichtigt hat. Dabei wäre es doch auch interessant zu wissen, was denn all die militärischen Flugzeuge, vor allem die Kampfjets, an CO2 produzieren. Aber das will man nicht wissen und Frau Merlot stellt die Frage auch nicht. Man will offensichtlich nicht, dass die Klima-Hüpfer der Fridays for Future plötzlich vor der Airbase Ramstein hüpfen.

Fazit: Wieder ein unbrauchbarer Artikel von Frau Merlot über eine völlig unbrauchbare Studie. Das nennt sich in Deutschland „Qualitätsjournalismus“.

Nachtrag: Aufgrund einiger Kommentare und Mails habe ich mir nun auch die Studie selbst angeschaut. Ich bleibe bei meiner Einschätzung: Die Autoren sind, obwohl sie mit einem Computerprogramm die Daten bearbeitet haben, von einem unbrauchbaren Basiswert ausgegangen, weil sie den Treibstoffverbrauch der startenden Flugzeuge als Basis genommen haben.

Fun Fact am Rande: Laut der Studie macht der CO2-Ausstoß von Deutschland ausgehender Flugzeuge nur drei Prozent der weltweiten CO2-Emissionen aus. Was Frau Merlot im Artikel so dramatisch dargestellt hat, ist also relativ nichtig.