Christina Hebel, die Moskau-Korrespondentin des Spiegel, durfte die Leser am 2. Januar mit einem Artikel über die angebliche russische Oppositionsführerin Ljubow Sobol beglücken. Wie immer, wenn Frau Hebel schreibt, lohnt sich ein genauer Blick auf die Fakten.

Frau Hebel, die Moskau-Korrespondentin des Spiegel, ist für ihre Desinformation bekannt. Der meistgelesene Artikel aller Zeiten beim Anti-Spiegel behandelt einen Artikel von ihr. Sie hatte bei einem Thema unglaublich dreist gelogen und ich habe diese Lüge sehr leicht nachgewiesen. Der Spiegel hat nur Stunden später den Artikel verändert und damit versucht, die plumpe Lüge zu vertuschen. Das habe ich in einem weiteren Artikel aufgezeigt und das wurde der bisher meistgelesene Artikel beim Anti-Spiegel.

Dieses Mal schreibt Frau Hebel über eine russische Frau, nach Meinung von Frau Hebel eine neue Oppositionsführerin in Russland ist. Schon das ist recht irreführend, denn Frau Sobol ist gar keine eigenständige „Politikerin“, sie ist eine Angestellte von Navalny. Aber schauen wir uns den Artikel von Frau Hebel, der unter der Überschrift „Kremlkritikerin Ljubow Sobol – Die 110-Prozentige “ erschienen ist, einfach mal an.

Übrigens ist schon die Überschrift interessant. Dem Spiegel geht es nicht um Information, sondern um Beeinflussung der Meinung der Leser. Das lässt sich an der Überschrift schon erkennen. Sie lautete zunächst einfach „Russland – Ljubow Sobol kämpft gegen Wladimir Putin“. Man kann an der Internetadresse des Artikels sehen, wie die ursprüngliche Überschrift gelautet hat. Die war dem Spiegel wohl zu langweilig, denn in Deutschland weiß niemand, wer diese Frau Sobol ist, also musste eine emotionalere Überschrift her.

Im ersten Absatz geht es emotional um Frau Sobol und darum, wie sie ihrer fünfjährigen Tochter erklärt, was Putin für böser Mann ist. Ich weiß nicht, was das mit Journalismus zu tun hat, aber es stimmt den Leser gleich in die richtige Richtung ein: Eine hübsche, junge, zierliche Mutter kämpft gegen den übermächtigen Putin. Im zweiten Absatz geht es dann um die Demonstrationen im Sommer, bei denen Frau Sobol bekannt wurde. Danach heißt es über die Demos vom Sommer:

„Doch eigentlich ging es um das System an sich, mit dem Putin Russland beherrscht – einem System, das zwar Abstimmungen abhält, aber keine Opposition duldet und sie, wenn nötig, mit brutaler Polizeigewalt und absurden Haftstrafen versucht einzuschüchtern.“

Hier läuft Frau Hebel schon zur Höchstform auf. Opposition wird in Russland nicht geduldet? Interessant. Aber wie kann es dann sein, dass Navalny seit Jahren unbehelligt aktiv ist? Wenn er ins Gefängnis kommt, dann nur, weil er zu ungenehmigten Demos aufruft. Und das nach der immer gleichen Methode: Er meldet seine Demo vor dem Kreml immer an Feiertagen an, wenn dort Volksfeste stattfinden. Das wird natürlich nicht genehmigt und ihm wird alternativ als Veranstaltungsort ein Park in Moskaus Stadtzentrum vorgeschlagen. Das lehnt er ab und ruft seine Anhänger trotzdem zum Kreml. Ergebnis: Er wird kamerawirksam vor dem Hintergrund der Kremlmauern festgenommen und die westlichen Medien haben schöne Bilder.

In Deutschland wäre ein solche Vorgehen als Verstoß gegen das Versammlungsrecht eine Straftat und würde mit einer längeren Freiheitsstrafe geahndet werden. In Russland ist es lediglich eine Ordnungswidrigkeit, die nur im Wiederholungsfall mit bis zu 30 Tagen Ordnungshaft bestraft wird. Da Navalny Wiederholungstäter ist, bekommt er regelmäßig diese 30 Tage, mehr passiert ihm aber nicht.

Wie passen diese Fakten zu Frau Hebels Aussage, in Russland würde keine Opposition geduldet und sie würde mit „absurden Haftstrafen“ eingeschüchtert?

Und auch das Wort „Polizeigewalt“ klingt immer toll, vor allem wenn sie auch noch „brutal“ ist. Auch das ist gelogen. Im Gegensatz zu Demonstrationen in EU-Ländern gibt es in Russland keinen Einsatz von Tränengas, Wasserwerfern oder gar Gummigeschossen. Als im Sommer die Demonstrationen in Moskau stattfanden, war in der westlichen Presse immer von angeblicher Polizeigewalt die Rede, aber es gab nie Berichte über Opfer dieser Gewalt. Und als es tatsächlich einen Fall gab, wo ein Polizist eine Frau geschlagen hat, da wurde darüber im Westen nicht berichtet, weil dann aufgefallen wäre, dass es keine Polizeigewalt gegeben hat, sondern nur einen Fall, der dann für den Polizisten auch entsprechende Konsequenzen hatte.

Welche Konsequenzen hat es eigentlich für die französischen Polizisten gehabt, dass dort 2019 durch den Beschuss mit Gummigeschossen und Granaten über hundert Demonstranten Augen, Arme oder Füße verloren haben?

Aber so arbeitet Frau Hebel immer: Sie packt gleich eine ganze Reihe von Unterstellungen in einen Satz, das emotionalisiert den Leser, auch wenn es mit der Wahrheit gar nichts zu tun hat. Es ist per Definition Propaganda.

Besonders berühmt wurde Frau Sobol wegen ihres angeblichen Hungerstreikes im Sommer:

„Sie würde es wieder tun, sagt Sobol an einem Tag Mitte Dezember und angesprochen auf ihren Hungerstreik im Sommer. Sie habe ihre Helfer und Unterstützer nicht im Stich lassen wollen. 32 Tage lang hungerte Sobol. Selbst Kritiker zollen ihr dafür Respekt.“

Das ist Unsinn, ihre Kritiker zollen ihr dafür keinen Respekt. Ein Hungerstreik ist meist nach ca. 4 Wochen tödlich oder hinterlässt zumindest bleibende Schäden. Frau Sobol ist ohnehin eine kleine und zierliche, sehr schlanke Frau. Sie hatte keinerlei Fettreserven, von denen ihr Körper während des Hungerstreiks hätte zehren können.

Der Hungerstreik hätte sie also mindestens sehr schwächen müssen. Davon war aber nichts zu sehen. Sie war während der Proteste aktiv, hat Reden gehalten und sich lediglich kamerawirksam von einem Mitarbeiter ein wenig stützen lassen. Übrigens stammt das Titelbild zu diesem Artikel von ihrem Instagram-Account und wurde gepostet, als der angebliche Hungerstreik schon einen Monat gedauert hat. Dazu schrieb, sie sei gerade zu einem Interview im Studio eines Radiosenders.

Und als die Wahlen dann Anfang September gelaufen waren, haben die Organisatoren der Proteste ihre „Erfolge“ in einem hippen Atelier gefeiert und blöderweise die Bilder ins Netz gestellt. Da tanzte Sobol ausgelassen in einem roten Kleid, als sei nichts gewesen. Und das, nachdem sie gerade einen 32-tägigen Hungerstreik überstanden hatte? Naja, Frau Hebel mag das glauben…

Überhaupt waren die Organisatoren der Proteste im Sommer, also Navalny, Sobol und einige andere, mehr als zynisch. Sie hatten ihre Anhänger aufgehetzt, aber waren selbst bei keiner ungenehmigten Demo dabei, zu der sie gerufen hatten. So konnte die Justiz ihnen nichts anhaben. Und während diejenigen, die sich zu Gewalttaten haben hinreißen lassen, zu Gefängnisstrafen verurteilt wurden, insgesamt gab es weniger als zwanzig Strafverfahren, haben Sobol und Navalny nach den Protesten erst einmal Urlaub. Navalny zeigte danach Bilder, wie er seine Tochter zum Studium nach Kalifornien begleitete (wer bezahlt das Studium dort eigentlich?) und von Sobol gab es schöne Bilder im Cabrio aus Zypern.

All das erfährt der Spiegel-Leser aber nicht von Frau Hebel. Staattdessen schreibt sie so etwas:

„Mittlerweile ist Sobol Produzentin von Nawalny Live, dem YouTube-Kanal des Oppositionspolitikers Alexej Nawalny. 1,2 Millionen Abonnenten hat der Kanal. Es ist das Gegenprogramm zu den Staatssendern, in denen es verboten ist, den Namen Nawalny und Sobol auszusprechen, es sei denn, es geht darum, die Oppositionellen zu verunglimpfen.“

Den Medien ist es verboten, die Namen auszusprechen? Da muss ich etwas übersehen haben, denn im Sommer wurden ihre Namen ständig im Fernsehen erwähnt. Und es ist ja nicht die Schuld des russischen Fernsehens, wenn Navalny und Sobol ihre Bilder selbst ins Internet stellen, auf denen zu sehen ist, wie sie ausgelassen feiern und Urlaub machen, während ihre Anhänger sich strafbar gemacht haben und Gefängnisstrafen antreten müssen. Navalny und Sobol hat das weder die Parties, noch die Urlaube verdorben.

Und es waren ja keine billigen Urlaube, aber Geld ist für Navalny, der angeblich gegen Korruption kämpft, kein Problem. Er hat ein Millionenbudget zur Verfügung und kann den russischen Behörden aber nicht mitteilen, wie er an das Geld gekommen ist. Nun steht er deshalb einem Strafverfahren gegenüber. Es geht um immerhin 14 Millionen Euro, deren Herkunft er nicht belegen kann. Und das ist keine russische Propaganda, er könnte es ja auf seiner Seite offen legen, wenn die Vorwürfe unbegründet wären. Tut er aber nicht.

Frau Hebels Artikel ist recht lang, es geht noch Sobols Elternhaus, ihren Ehemann und andere Dinge, die alle die menschliche Seite der Frau betonen und Sympathie für sie erregen sollen. Aber die eigentlichen Fakten, die lässt Frau Hebel wie üblich weg.