Am 16. Juli wurde ein Interview, dass ich mit Alexander Onischenko geführt habe, veröffentlicht. Da Herr Onischenko in dem Interview viele Namen und Details nennt, auf die wir aus Zeitgründen nicht näher eingehen konnten, werde ich nun jeden Tag die Details und Hintergründe zu den Themenblöcken liefern.

In der Videobeschreibung des Interviews sind die Themen aufgelistet, die wir besprechen. In den bisher sechs „Begleitartikeln“ zu dem Interview ging es um den Maidan, um die Machtkämpfe zwischen Poroschenko und Jazenjuk unmittelbar danach, um die Geschäftspraktiken von Poroschenko, darum, wie Joe Biden und George Soros in der Ukraine Milliarden an Schwarzgeld verdient haben, darum, wie Poroschenko und Onischenko sich zerstritten, wie Onischenko an die in der Ukraine veröffentlichten Telefonmitschnitte und die Kontoauszüge gekommen ist, was es mit der „Russland-Affäre“ auf sich hatte, was Onischenko über die Finanzierung von Black Lives Matter erzählt hat und um seine Verhaftung in Deutschland Ende 2019. Heute geht es um seine Zeit in deutscher Haft, wie er dort plötzlich Medikamentenabhängig wurde und eine Herz-OP benötigte. Auch da ist zum besseren Verständnis einiges an Hintergrundwissen hilfreich, dass ich hier nachliefere.

Onischenko bekommt in Haft Medikamente und vier Wochen später ist er schwer krank

Nach seiner Verhaftung wurde Onischenko in die JVA Oldenburg gebracht, wo man ihm Medikamente gab. Als Begründung wurde angeführt, dass das Standard bei Leuten wäre, die zum ersten Mal in Haft sind, es seien Beruhigungsmedikamente, damit er ruhig schlafen könne. Was ihm verabreicht wurde, ist bis heute unbekannt.

Aber der Leistungssportler Onischenko bekam nach etwas mehr als einem Monat Herz- und Blutdruckprobleme und wurde schließlich in das JVA-Krankenhaus Lingen gebracht, wo ihm die Ärzte eröffneten, er sei Medikamentenabhängig. Er blieb dann einen Monat zur Entwöhnung in dem Krankenhaus, bevor er zurück in die JVA Oldenburg geschickt wurde.

Dort verschlimmerten sich seine gesundheitlichen Probleme, er bekam zusätzlich zu den Blutdruckproblemen Herzschmerzen und Nasenbluten, aber trotz aller Bemühungen seiner Anwälte durfte er keinen unabhängigen Arzt sehen. Die Anstaltsleitung nannte ihn nach seinen Worten einen Simulanten.

Schließlich wurde ihm – nach etwa einem Monat – doch noch eine Untersuchung in der Kardiologie Oldenburg genehmigt. Obwohl Onischenko offiziell ein ganz normaler Häftling war, der wegen eines Auslieferungsersuchens in Haft saß, wurde unter Bewachung von 20 maskierten Polizisten einer Spezialeinheit mit fünf Fahrzeugen mit Blaulicht und Sirene ins Krankenhaus gebracht. Dort wurde er ausführlich untersucht.

Die Untersuchungen dauerten fünf Tage, in dieser Zeit war er immer an Händen und Beinen gefesselt, sogar unter der Dusche, und wurde von 20 Polizisten bewacht. Als schließlich festgestellt wurde, dass er eine Bypass-Operation brauchte, waren die Polizisten sogar im OP anwesend.

Nur zwei Wochen nach der OP wurde er ins JVA-Krankenhaus Lingen verbracht, wo er in Quarantäne isoliert wurde.

Deutsche Justiz

Onischenko und seine Anwälte begannen dann endlich, sich an die Presse zu wenden. Interessanterweise war es die Welt am Sonntag, die mehrmals über seinen Fall berichtet hat. Auch in der Osnabrücker Zeitung erschienen wohlwollende Artikel und schließlich wurde sogar der niedersächsische Landtag auf ihn aufmerksam und dort waren es interessanterweise Abgeordnete der Grünen, die sich für ihn eingesetzt haben.

Onischenkos Anwälte versuchten derweil, einen Termin beim Gericht oder der Staatsanwaltschaft zu bekommen, wurden aber immer vertröstet. Onischenko hat nach eigenen Angaben in den sechs Monaten, in denen er in Untersuchungshaft gesessen hat, nie einen Richter zu Gesicht bekommen. Erst im Mai ließ sich der Richter erweichen, eine Liste mit Fragen an die Ukraine zu schicken. Die Ukraine war nicht bereit, zu garantieren, dass Onischenko dort Haftbedingungen erwarten, die den europäischen Standards entsprechen.

Am 27. Mai, dem letzten Tag der nach deutschem Recht in so einem Fall möglichen Untersuchungshaft, teilte ein Wärter Onischenko am Morgen mit, dass das Gericht seine Freilassung verfügt habe, weil eine Abschiebung in die Ukraine wegen der dortigen Haftbedingungen nicht in Frage kommt.

Wieder ein interessantes Timing

Wir erinnern uns, dass Onischenko nur zwei Tage vor seinem geplanten Abflug in die USA festgenommen wurde und dass damit sein Auftritt vor der US-Presse verhindert wurde, bei dem er die mit geschnittenen Telefonate zwischen Biden und Poroschenko und die Kontoauszüge, die Millionenzahlungen an Joe Bidens Sohn Hunter aus der Ukraine belegen, der Öffentlichkeit vorstellen sollte (siehe Teil 9). Das war ein bemerkenswertes Timing, denn Onischenko war damit im letzten Moment zum Schweigen gebracht worden.

Auch bei seiner Freilassung gibt es einen ähnlichen Zufall: Eine Woche, bevor Onischenko aus der Haft entlassen wurde, hat der ukrainische Abgeordnete Andrej Derkatsch die ersten Telefonmitschnitte in Kiew veröffentlicht. Da liegt die Vermutung nahe, dass man nun begriffen hatte, dass man Onischenko nicht mehr zum Schweigen bringen und die Veröffentlichung seiner Unterlagen nicht mehr verhindern konnte. Also gab es auch keinen Grund mehr, ihn im Gefängnis schmoren zu lassen, zumal zumindest ein paar Zeitungen im Mai jede Woche kritische Artikel über den Fall veröffentlicht haben. Und Aufsehen wollte man ja offensichtlich möglichst vermeiden.

Das ist natürlich nur meine (und wohl auch seine) Hypothese. Aber zu welchem anderen Schluss soll man bei den beiden „zufällig“ genau zusammenpassenden Timings sonst kommen?

Nun sind wir fast fertig mit den Hintergrundartikeln zu meinem Interview mit Onischenko, nur zwei Teile fehlen noch. Morgen werde ich darüber schreiben, wie es seiner Meinung nach nun mit dem Skandal in den USA weitergeht.


Wenn Sie sich für die Ukraine nach dem Maidan und für die Ereignisse des Jahres 2014 interessieren, als der Maidan stattfand, als die Krim zu Russland wechselte und als der Bürgerkrieg losgetreten wurde, sollten Sie sich die Beschreibung zu meinem Buch einmal ansehen, in dem ich diese Ereignisse detailliert auf ca. 670 Seiten genau beschreibe. In diesen Ereignissen liegt der Grund, warum wir heute wieder von einem neuen Kalten Krieg sprechen. Obwohl es um das Jahr 2014 geht, sind diese Ereignisse als Grund für die heutige politische Situation also hochaktuell, denn wer die heutige Situation verstehen will, muss ihre Ursachen kennen.

https://dev.anti-spiegel.ru/2019/in-eigener-sache-mein-buch-ueber-die-ukraine-ist-in-zwei-wochen-lieferbar/