Der Spiegel prügelt – wie alle Mainstream-Medien – fast täglich auf Trump und Fox-News ein. Gleichzeitig verbreitet er bei bestimmten Themen genau deren Propaganda, natürlich ohne seinen Lesern das mitzuteilen.

Eines vorweg: In diesem Artikel erkläre ich – so ist es meine Art – zunächst für alle, die das Thema nicht gut kennen, die Hintergründe. Das ist für die, die das Thema kennen, vielleicht etwas langatmig, aber es lohnt sich, das zu lesen, denn die Verbindungen, die ich zwischen dem Bericht der Five Eyes und bestimmten Medien entdeckt habe, sind ausgesprochen kurios.

Trumps Lieblingsfeind ist China. Zuerst hat man das nur an dem Handelskrieg gesehen, den Trump mit China angezettelt hat. Noch mehr gilt das aber seit dem Beginn der Coronakrise. Trump hat die Gefahr, die von dem Virus ausgeht zuerst heruntergespielt, um dann plötzlich eine 180-Wendung zu machen und auch in den USA den Lockdown zu verkünden.

In diesem Jahr sind in den USA Wahlen und Trumps Verhalten in der Coronakrise, die zumindest wirtschaftlich enorme Auswirkungen auf die Menschen nicht nur in den USA haben wird, könnte ihn den Wahlsieg kosten. Daher braucht Trump einen Sündenbock, um von seinen Fehlern abzulenken. Hinzu kommt, dass sein Wahlkampf auf die gute Wirtschaftslage aufgebaut war. Die gute Wirtschaftslage ist aber nun Geschichte und Trump braucht jemanden, dem er dafür die Schuld geben kann.

China ist dafür ideal. Erstens hat Trump in den letzten drei Jahren das Feindbild China bei den US-Bürgern aufgebaut und zweitens kommt das Coronavirus offenbar aus China, jedenfalls gab es dort als erstes massenhaft Infizierte. Trump hat schon mitgeteilt, dass China seinen Wahlsieg verhindern will. Die Assoziationen, die damit geschaffen werden sollen, sind leicht durchschaubar: „Wer mich nicht wählt, unterstützt China.“ Und wer will schon China unterstützen?

Der treueste Mitkämpfer von Trump ist US-Außenminister Pompeo, der immer neue Vorwürfe gegen China erhebt, sich dabei in Widersprüche verwickelt, aber trotzdem von den „Qualitätsmedien“ eifrig zitiert wird. Dabei hat Pompeo selbst öffentlich zugegeben, wie er arbeitet. Bei einem öffentlichen Auftritt sagte Pompeo unter dem johlendem Applaus seiner Zuhörer:

„Ich war CIA-Direktor. Wir haben gelogen, betrogen, gestohlen. Dafür hatten wir richtige Ausbildungsprogramme“.

Nun ist es keine Sensation, dass Geheimdienste das tun, das ist ihr Job. Aber wer kann einem Mann, der das so offen zugibt, noch ungeprüft irgendetwas glauben? Die Antwort ist: Die „Qualitätsmedien“ können das, denn sie zitieren Pompeos Behauptungen, ohne ihre Leser zumindest darauf hinzuweisen, dass der Mann sich selbst als notorischen Lügner bezeichnet hat.

Pompeo behauptet nun – natürlich immer ohne Belege und unter Bezug auf nicht genannte Geheimdienstinformationen -, dass China bei Corona Informationen verheimlicht habe. Auch streut er die Vermutung, dass das Coronavirus aus dem chinesischen Biolabor in Wuhan komme, ja sogar dort entwickelt worden sei. Pompeo widerspricht sich dabei sogar selbst, wie – man höre und staune – sogar der Spiegel vor einigen Tagen festgestellt hat:

„Unbestätigten Theorien, wonach das Virus menschengemacht oder genetisch modifiziert sei, widersprach Pompeo nicht. „Die besten Experten denken offenbar, dass es menschengemacht ist. Ich habe keinen Grund, das zum jetzigen Zeitpunkt zu bezweifeln“, sagte Pompeo. Diese Aussage steht im Widerspruch zu einer Stellungnahme westlicher Geheimdienste, darunter auch der CIA, wonach es derzeit keine Hinweise darauf gebe, dass das Coronavirus menschengemacht sei. Darauf angesprochen, sagte Pompeo: „Ich habe gesehen, was die Geheimdienste gesagt haben. Ich habe keinen Grund anzunehmen, dass sie falsch liegen.““

Natürlich bekommen Trump und Pompeo bei ihren Angriffen auf China Unterstützung von Fox-News, dem TV-Sender, der Trump am stärksten unterstützt. Dort gibt es täglich Sendungen, in denen China beschuldigt wird, das Virus bewusst in die Welt getragen oder es sogar künstlich erschaffen zu haben oder dass es wegen angeblich laxer Sicherheitsvorkehrungen aus dem Labor entwichen ist. Es gibt so viele Thesen bei Fox zu dem Thema, dass man gar nicht alle aufzählen kann.

Auch deutsche „Qualitätsmedien“ spielen das propagandistische „Anti-China-Spiel“ von Trump mit, wie ich vor einer Woche an dem Beispiel des Spiegel gezeigt habe, der an einem einzigen Tag fast zehn Artikel mit Trumps Narrativ veröffentlicht hat. Der Spiegel unterscheidet sich hier nicht von Fox-News, die der Spiegel doch immer kritisiert.

Das konnte man auch sehen, als der Spiegel vor zwei Tagen über einen Bericht der „Five Eyes“ berichtet hat, die angeblich ebenfalls China beschuldigen. Die Five Eyes sind ein Zusammenschluss der Geheimdienste der USA, Australiens, Kanadas, Großbritanniens und Neuseelands. Der Spiegel nahm dabei weitgehend unkritisch einen Artikel des australischen Daily Telegraph auf und schrieb:

„Das 15-seitige Papier dokumentiere die Vertuschung chinesischer Behörden und weise auf riskante Forschungsarbeiten in einem Labor in der chinesischen Stadt Wuhan hin, wo das neue Coronavirus im Dezember erstmals aufgetaucht war.“

Der Spiegel-Artikel wirkt durchaus objektiv, denn man kann dort auch lesen:

„Das Dokument erwähnt nach Angaben der Zeitung aber auch die Differenzen der Geheimdienste über den Verdacht, dass das Virus wirklich aus dem Institut für Virologie in Wuhan stammen könnte. US-Präsident Donald Trump hatte die Spekulationen darüber angefacht. Wissenschaftler halten es allerdings für viel wahrscheinlicher, dass Sars-CoV-2 von Fledermäusen über ein anderes Tier und durch den Wildtierhandel auf den Menschen übertragen wurde“

Aber der Spiegel schließt dann den Kreis und untermauert die Vorwürfe der fünf Geheimdienste:

„Das Papier bildet laut „Daily Telegraph“ die Grundlage für die Vorwürfe, denen die Geheimdienste nachgehen. Es hält fest, wie Chinas Behörden frühzeitige Warnungen seiner Mediziner unterdrückten, das wahre Ausmaß des Ausbruchs herunterspielten und Informationen zensierten. Die Vertuschung werde in dem Dossier als „Anschlag auf die internationale Transparenz“ beschrieben.“

Der Spiegel macht den Eindruck, hier ausgeglichen zu berichten. Er berichtet über den Bericht der Geheimdienste, stellt dabei aber auch die Thesen von Trump in Zweifel. Aber: Der O-Ton des Artikels ist nach meinem subjektiven Empfinden trotzdem eine massive Kritik an China, wie man schon an der Überschrift des Artikels sehen kann: „Five Eyes“-Geheimdienstpapier – Schwere Vorwürfe gegen China wegen Coronavirus„

Wirklicher Journalismus wäre es gewesen, die Meldungen zu prüfen, was der Spiegel nicht getan hat. Nun könnte man einwenden, dass ja ein Geheimdienstpapier, das nicht dem Spiegel, sondern dem australischen Daily Telegraph vorliegt, nur schwer zu prüfen ist. Das stimmt aber nicht ganz. Der Spiegel gibt den entscheidenden Hinweis sogar selbst, aber hätten Sie ihn erkannt? Er steckt im letzten Absatz des Spiegel-Artikels:

„Der australische „Daily Telegraph“ ist eine Tageszeitung aus Sydney, die vom Verlag Nationwide News herausgegeben wird, einer Tochterfirma der News Corporation des umstrittenen US-Medienunternehmers Rupert Murdoch.“

Wer ist Rupert Murdoch? Den Namen haben die meisten schon mal gehört. Aber wer weiß schon, dass Murdoch Eigentümer und Chef von Fox-News ist?

Und da schließt sich der Kreis: Fox-News unterstützt Trumps Vorwürfe gegen China und der australische Daily Telegraph kommt dann mit einem Geheimdienst-Dossier um die Ecke, über das Fox-News aufgeregt berichtet und „Qualitätsmedien“ wie der Spiegel nehmen die Meldungen bereitwillig auf, ohne ihre Leser darauf hinzuweisen, dass Murdoch sich dabei selbst bestätigt. Es ist alles aus ein und derselben Quelle, die nachweislich nicht neutral ist, sondern Trump unterstützt.

Und damit nicht genug. Die Meldungen über den „Five Eyes“-Bericht sind vom 3. Mai. Schon am 4. Mai hat der britische Guardian gemeldet, dass der Bericht unglaubwürdig ist. Unter Berufung auf eigene Quellen schrieb der Guardian:

„Es gibt aktuell keine Beweise, die darauf hindeuten, dass das Coronavirus aus einem chinesischen Forschungslabor ausgebrochen ist, haben Geheimdienstquellen dem Guardian gesagt, was im Widerspruch zu den jüngsten Behauptungen des Weißen Hauses steht, dass es eine wachsende Anzahl an Beweisen dafür gibt, dass die Pandemie dort begann. Die Quellen bestanden auch darauf, dass das „15-seitige Dossier“, das vom australischen Daily Telegraph herausgehoben wurde und China einer tödlichen Vertuschung beschuldigte, nicht aus Geheimdienstinformationen des Five Eyes-Netzwerks, einer Allianz zwischen Großbritannien, den USA, Australien, Neuseeland und Kanada, erstellt wurde. (…) Geheimdienstquellen in Australien sagten schnell, dass sie glaubten, dass der Bericht auf Open-Source- und Public-Domain-Material basiert. Einer sagte dem Guardian, sie glaubten, dass die Informationen, die in der Zeitung der News Corp erschienen, höchstwahrscheinlich ursprünglich aus den USA stammten.“

Im Klartext: US-Medien (vor allem Fox-News von Murdoch) veröffentlichen Artikel, die China beschuldigen. Auf Basis dieser Artikel fabrizieren die Five Eyes ein 15-seitiges Papier, das China beschuldigt und Murdochs australische Zeitung bekommt den Bericht zugespielt, um darüber zu berichten und China zu beschuldigen. Kommt nur mir das wie ein abgekatertes Spiel vor?

Dem Spiegel jedenfalls scheint das nicht so vorzukommen, denn er hat seinen Artikel unverändert gelassen und über den Guardian-Artikel hat der Spiegel seinen Lesern kein Wort berichtet. Der Spiegel macht sich also zu einem Instrument von Trumps Anti-China-Kampagne, auch wenn er in seinem Artikel geschickt den Eindruck erweckt, ausgeglichen zu berichten. Aber schon die Überschrift hat gezeigt, dass der Spiegel keineswegs ausgeglichen berichten, sondern China schlecht machen wollte.

Und es gibt immer noch Menschen, die Geld bezahlen, um das ehemalige Nachrichtenmagazin zu lesen…