The Intercept hat seinen Artikel am 7. September, also vor vier Tagen, online gestellt. Man kann daher davon ausgehen, dass die Redaktionen aller „Qualitätsmedien“ seinen Inhalt kennen und sich auch die Dokumente angeschaut haben, deren Freigabe The Intercept gerichtlich durchgesetzt hat und die in dem Artikel verlinkt sind. Trotzdem herrscht in den (deutschen) Medien hartnäckiges Schweigen.

Beim Spiegel zum Beispiel ergeben Suchanfragen unter den Begriffen „Fauci“ oder „Wuhan“ keine Treffer zu der Veröffentlichung von The Intercept. Stattdessen kann man unter der Suchanfrage zu „Fauci“ zum Beispiel lesen, dass Fauci mal wieder „klare Worte“ zu der Notwendigkeit von Impfungen gefunden hat.

Aber Spiegel-Leser wissen ohnehin nichts von der Tatsache, dass Fauci, der im Spiegel als eine Art Superheld gefeiert wird, die Forschung an Coronaviren in Wuhan finanziert hat, obwohl das seit Monaten bekannt ist. Der Anti-Spiegel hat schon Anfang Juni darüber berichtet, wenn die Geschichte für Sie neu ist, können Sie hier die Details nachlesen, denn alles, was damals bekannt geworden ist, hat sich bestätigt, mein Artikel von Anfang Juni ist ist also noch aktuell.

Der Spiegel brauchte einen vollen Monat länger, bevor er das Thema nebenbei in seiner Titelstory „Das Rätsel von Wuhan“ erwähnt hat, wobei der Spiegel dabei von dem Skandal abgelenkt und stattdessen China als unglaubwürdig dargestellt hat. Und sogar als Fauci bei Anhörungen im US-Senat damit konfrontiert wurde und ganz und gar kein gutes Bild abgegeben hat, hat der Spiegel immer noch davon abgelenkt und stattdessen den Senator, der Fauci in die Zange genommen hat, angegriffen. Spiegel-Leser sollen partout nichts davon erfahren, dass die von Fauci geleitete US-Gesundheitsbehörde jahrelang in Wuhan daran hat forschen lassen, wie man Fledermaus-Coronaviren so verändern kann, dass sie für den Menschen ansteckend werden.

Anstatt der „Qualitätsmedien“ hat in Deutschland RT-DE über den Artikel von The Intercept berichtet. Am 11. September hat RT-DE noch einmal berichtet, denn dass die Medien die Enthüllungen von The Intercept verschweigen, ist kein deutsches Phänomen. Auch alle führenden liberalen US-Medien (CNN, MSNBC, CBS, NBC, ABC News, New York Times, Washington Post, Politico, Axios, USA Today) haben nicht darüber berichtet. Sogar Nachrichtenagenturen wie AP schweigen. Stattdessen hat in den USA der böse Sender Fox News berichtet.

Es ist faszinierend, wie gleichgeschaltet die westlichen Mainstream-Medien sind, dass sie ausnahmslos alle eine so wichtige Nachricht verheimlichen. Ein anderes Wort als „gleichgeschaltet“ fällt mir zu diesem Verhalten nicht ein.

Da ich mich wie üblich nicht mit fremden Feder schmücken möchte, habe ich den Artikel von The Intercept übersetzt und die Links so gesetzt, wie sie im Original gesetzt sind. Sie können sich die 900 Seiten also gerne selbst anschauen.

Beginn der Übersetzung:

NEUE DETAILS ÜBER CORONAVIRUS-FORSCHUNG IN CHINESISCHEM LABOR AUFGETAUCHT

Mehr als 900 Seiten Material über die von den USA finanzierte Coronavirus-Forschung in China wurden nach einer FOIA-Klage von The Intercept freigegeben.

NEU VERÖFFENTLICHTE DOKUMENTE enthalten Details der von den USA finanzierten Forschung an verschiedenen Arten von Coronaviren am Wuhan Institute of Virology in China. The Intercept hat mehr als 900 Seiten an Dokumenten erhalten, die die Arbeit der EcoHealth Alliance beschreiben, einer in den USA ansässigen Gesundheitsorganisation, die US-Bundesgelder zur Finanzierung der Fledermaus-Coronavirus-Forschung in dem chinesischen Labor verwendet hat. Die Dokumente enthalten zwei bisher unveröffentlichte Zuschussanträge, die vom National Institute of Allergy and Infectious Diseases (das Dr. Fauci leitet, Anm. d. Übers.) finanziert wurden, sowie Projektaktualisierungen im Zusammenhang mit der Forschung der EcoHealth Alliance, die angesichts des zunehmenden Interesses an den Ursprüngen der Pandemie unter die Lupe genommen wurde.

Die Dokumente wurden im Zusammenhang mit einer laufenden Klage nach dem Freedom of Information Act von The Intercept gegen die National Institutes of Health veröffentlicht. The Intercept stellt die vollständigen Dokumente der Öffentlichkeit zur Verfügung.

„Dies ist eine Road Map zu den hochriskanten Forschungsarbeiten, die zu der aktuellen Pandemie geführt haben können“, sagte Gary Ruskin, Geschäftsführer von U.S. Right To Know, einer Gruppe, die die Ursprünge von Covid-19 untersucht hat.

Einer der Zuschüsse mit dem Titel „Understanding the Risk of Bat Coronavirus Emergence“ (Das Risiko des Auftretens von Fledermaus-Coronaviren verstehen) beschreibt ein ehrgeiziges Projekt unter der Leitung des Präsidenten der EcoHealth Alliance, Peter Daszak, bei dem Tausende von Fledermausproben auf neue Coronaviren untersucht wurden. Im Rahmen der Forschung wurden auch Menschen untersucht, die mit lebenden Tieren arbeiten. Die Dokumente enthalten mehrere kritische Details über die Forschung in Wuhan, einschließlich der Tatsache, dass wichtige experimentelle Arbeiten mit humanisierten Mäusen in einem Labor der Biosicherheitsstufe 3 am Wuhan University Center for Animal Experiment durchgeführt wurden – und nicht am Wuhan Institute of Virology, wie zuvor angenommen. Die Dokumente werfen zusätzliche Fragen zu der Theorie auf, dass die Pandemie durch einen Laborunfall ausgelöst worden sein könnte – eine Idee, die Daszak vehement zurückgewiesen hat.

(Anm. d. Übers.: Hierzu muss man noch wissen, dass Dr. Daszak ein Mitglied der WHO-Untersuchung war, die Anfang 2021 zu dem Ergebnis gekommen ist, dass ein Laborunfall in Wuhan äußerst unwahrscheinlich ist. Kein Wunder, denn wenn bei der Untersuchung etwas anderes herausgekommen wäre, hätte Daszak peinlich Fragen beantworten müssen. Auf diesen Interessenkonflikt von Daszak haben die „Qualitätsmedien“ nie hingeweisen)

Im Rahmen des Fledermaus-Coronavirus-Zuschusses erhielt die EcoHealth Alliance insgesamt 3,1 Millionen Dollar, darunter 599.000 Dollar, die das Wuhan Institute of Virology zum Teil zur Identifizierung und Veränderung von Fledermaus-Coronaviren, die den Menschen infizieren können, verwendet hat. Schon vor der Pandemie waren viele Wissenschaftler besorgt über die potenziellen Gefahren, die mit solchen Experimenten verbunden sind. Der Förderantrag räumt einige dieser Gefahren ein: „Die Feldarbeit birgt das höchste Risiko, sich während der Arbeit in Höhlen mit hoher Fledermausdichte über dem Kopf mit SARS oder anderen CoVs zu infizieren und der Möglichkeit, Fäkalstaub einzuatmen.“

Alina Chan, Molekularbiologin am Broad Institute, sagte, dass die Dokumente zeigen, dass die EcoHealth Alliance Grund hat, die Theorie der Laborlecks ernst zu nehmen. „In diesem Papier weisen sie tatsächlich darauf hin, dass sie wissen, wie riskant diese Arbeit ist. Sie sprechen immer wieder davon, dass Menschen gebissen werden könnten – und sie haben Aufzeichnungen über jeden, der gebissen wurde“, sagte Chan. „Hat EcoHealth diese Aufzeichnungen? Und wenn nicht, wie können sie dann einen Unfall im Zusammenhang mit der Forschung ausschließen?“

Laut Richard Ebright, Molekularbiologe an der Rutgers University, enthalten die Dokumente wichtige Informationen über die in Wuhan durchgeführten Forschungen, darunter auch über die Entwicklung neuer Viren. „Die von ihnen konstruierten Viren wurden auf ihre Fähigkeit getestet, Mäuse zu infizieren, die so konstruiert wurden, dass sie Rezeptoren des menschlichen Typs auf ihren Zellen aufweisen“, schrieb Ebright nach Durchsicht der Dokumente an The Intercept. Ebright sagte auch, dass die Dokumente deutlich machen, dass zwei verschiedene Arten von neuartigen Coronaviren in der Lage waren, humanisierte Mäuse zu infizieren. „Während sie am SARS-verwandten Coronavirus arbeiteten, führten sie parallel dazu ein Projekt über das MERS-verwandte Coronavirus durch“, sagte Ebright und bezog sich dabei auf das Virus, das das Middle East Respiratory Syndrome verursacht.

Robert Kessler, Kommunikationsmanager der EcoHealth Alliance, sagte auf die Frage nach den Zuschüssen: „Wir haben Zuschüsse für die Durchführung von Forschungsarbeiten beantragt. Die zuständigen Behörden hielten dies für eine wichtige Forschungsarbeit und haben sie daher finanziert. Ich weiß also nicht, ob es dazu viel zu sagen gibt.“

Der Zuschuss wurde ursprünglich für einen Zeitraum von fünf Jahren gewährt – von 2014 bis 2019. Die Finanzierung wurde 2019 verlängert, aber im April 2020 von der Trump-Regierung ausgesetzt.

Der engste Verwandte von SARS-CoV-2, der Covid-19 verursacht, ist ein Virus, das in Fledermäusen vorkommt, was die Tiere zu einem Schwerpunkt bei den Bemühungen macht, die Ursprünge der Pandemie zu verstehen. Wie genau das Virus auf den Menschen übergesprungen ist, ist Gegenstand heftiger Debatten. Viele Wissenschaftler gehen davon aus, dass es sich um einen natürlichen Spillover handelt, d. h. dass das Virus in einer Umgebung wie einem Markt oder einer ländlichen Gegend, in der Menschen und Tiere in engem Kontakt stehen, auf den Menschen übergesprungen ist. Biosicherheitsexperten und Internetspürnasen, die einen Ursprung im Labor vermuten, haben dagegen mehr als ein Jahr lang öffentlich zugängliche Informationen und obskure wissenschaftliche Veröffentlichungen durchforstet, um Antworten zu finden. In den letzten Monaten haben führende Wissenschaftler und auch Präsident Joe Biden, der im Mai die Geheimdienste mit der Untersuchung des Problems beauftragte, eine eingehendere Untersuchung der Pandemieursprünge gefordert. Am 27. August gab Biden bekannt, dass die geheimdienstliche Untersuchung nicht eindeutig sei.

(Anm. d. Übers.: Die Medien haben oft darüber berichtet, dass Biden die Geheimdienste aufgefordert hat, die Ursprünge der Pandemie (in China) zu untersuchen. Dabei müsste Biden nur Dr. Fauci und Dr. Daszak fragen, was sie in Wuhan erforscht haben. Davon hört man in den „Qualitätsmedien“ jedoch kein Wort)

Biden hat China beschuldigt, kritische Daten nicht freizugeben, aber auch die US-Regierung hat sich mit der Freigabe von Informationen zurückgehalten. The Intercept hatte die Papiere ursprünglich im September 2020 angefordert.

„Ich wünschte, dieses Dokument wäre Anfang 2020 veröffentlicht worden“, sagte Chan, der eine Untersuchung der Theorie des Laborlecks gefordert hat. „Es hätte die Dinge massiv verändert, wenn wir alle Informationen an einem Ort gehabt hätten, sofort transparent, in einem glaubwürdigen Dokument, das von der EcoHealth Alliance eingereicht wurde.“

Der zweite Zuschuss – „Understanding Risk of Zoonotic Virus Emergence in Emerging Infectious Disease Hotspots of Southeast Asia“ – wurde im August 2020 gewährt und läuft bis 2025. Der Antrag, der 2019 verfasst wurde, scheint vorausschauend zu sein, denn er konzentriert sich auf die Aufstockung und den Einsatz von Ressourcen in Asien im Falle eines Ausbruchs einer „aufkommenden Infektionskrankheit“ und bezeichnet Asien als „diesen heißesten der EID-Hotspots“.

Ende der Übersetzung