Dass der Fall Epstein westlichen „Qualitätsmedien“ wie dem Spiegel ausgesprochen unangenehm ist, ist nicht neu. Es ist jedes Mal wieder faszinierend, wie der Spiegel in seinen Artikeln von allen interessanten Fragen ablenkt. Der Spiegel berichtet zwar, dass Epstein ein Sexualstraftäter war und dass er minderjährige Mädchen zur Prostitution gezwungen hat, aber er stellt nie die Frage nach den Kunden. Gerade erst hat der Spiegel mal wieder gemeldet, dass es Bill Gates ganz unangenehm ist, dass er sich mehrmals mit Epstein getroffen hat. Aber kritische Fragen gab es in dem Spiegel-Artikel mit der Überschrift „Interview mit CNN – Bill Gates sieht Treffen mit Sexualstraftäter Epstein als »riesigen Fehler«“ nicht. Kein Wunder, Gates schenkt dem Spiegel regelmäßig Millionenbeträge, daher hat Gates keine kritische Fragen nicht zu befürchten.

Epsteins Machenschaften waren ein offenes Geheimnis

Dabei waren Epsteins Taten in der High Society der USA ein offenes Geheimnis. Im Wahlkampf 2015 – also vier Jahre bevor der Fall Epstein in die Schlagzeilen gekommen ist – hat Trump, der sich über zehn Jahre vorher mit Epstein überworfen und Epstein Hausverbot erteilt hat, nachdem Epstein eine minderjährige Angestellte von Trump bedrängt hat, auf die Frage, was er von Bill Clinton halte, geantwortet (Im Video ab Minute 22.50):

„Netter Kerl… Da kommen meiner Meinung nach eine Menge Probleme auf ihn zu im Zusammenhang mit der berühmten Insel und Jeffrey Epstein“

Wenn der Spiegel und andere deutsche „Qualitätsmedien“ ihren Lesern erzählen, dass Leute wie Bill Clinton, Prinz Andrew oder Bill Gates zwar mit Epstein befreundet waren, aber nichts von seinen Machenschaften bemerkt haben wollen, dann unterstützen sie deren Lügen, anstatt ihrer Journalistenpflicht nachzukommen und bohrende Fragen zu stellen. Was Epstein getan hat, war allgemein bekannt, selbst der Moderator, der den damaligen Präsidentschaftskandidaten Trump nach Clinton gefragt hat, wusste Bescheid, denn er hat nicht nachgehakt, was Trump mit seiner Aussage meint.

Epsteins Kunden

Auch jetzt, als der Spiegel gemeldet hat, dass Virginia Giuffre, die Prinz Andrew vorwirft, sie missbraucht zu haben, als sie 17 Jahre alt war, in den USA eine Zivilklage auf Schadenersatz gegen Prinz Andrew eingereicht hat, kann man im Spiegel wieder lesen:

„Prinz Andrew war mehrfach Übernachtungsgast bei Epstein in dessen Anwesen in den USA und der Karibik. Von den Machenschaften seines Freundes will er nichts mitbekommen haben.“

Gleiches gilt für Bill Gates, der höchstwahrscheinlich ebenfalls etwas zu eng mit Epstein zu tun hatte, um es höflich auszudrücken. Als vor einigen Monaten bekannt wurde, dass Bill Gates und seine Frau Melinda sich scheiden lassen, hat de Spiegel getan, was er konnte, um Bill Gates gut aussehen zu lassen. Wie absurd das war, können Sie hier nachlesen. Der Spiegel hat für die 2,3 Millionen, die Bill Gates ihm geschenkt hat, hart gearbeitet.

Was man in deutschen Medien kaum irgendwo erfahren hat ist, dass Gates sehr eng mit Epstein befreundet war und dass Melinda Gates schon 2013 gefordert hatte, Bill solle Epstein nicht mehr treffen. Gates war als Frauenheld bekannt und Epsteins „Dienstleistungen“ bei der Vermittlung minderjähriger Mädchen waren – wie gesehen – ein offenes Geheimnis. Dass Melinda Gates kein gutes Gefühl hatte, wenn Bill bei Epstein übernachtet hat, kann man verstehen. Die Freundschaft von Bill Gates zu Epstein war wohl auch der Scheidungsgrund für Melinda Gates, denn Medienberichten zufolge hat Melinda Gates ihre Anwälte schon 2019 eingeschaltet, als der Epstein-Skandal und auch Epsteins Bekanntschaft mit Bill Gates ein Thema in den US-Medien war.

Da die deutschen Medien über die Zivilklage von Virginia Giuffre gegen Prinz Andrew nur sehr kurz und pflichtschuldig berichtet haben, will ich zeigen, wie in Russland darüber berichtet wurde und habe einen aktuellen Artikel von der Seite des russischen Fernsehens übersetzt.

Beginn der Übersetzung:

In den USA erinnert man sich mal wieder an den milliardenschwere Kinderschänder Jeffrey Epstein. Es wurde bekannt, dass die Opfer seiner Sexualstraftaten 125 Millionen Dollar erhalten werden. Das Geld wird auf 150 Opfer aufgeteilt. Die Klage eines weiteren Opfers wurde heute vor einem Bundesgericht in Manhattan angenommen. Eine Amerikanerin behauptet, Epstein habe sie mit dem britischen Prinzen Andrew zusammengebracht. Der vergewaltigte sie, als sie noch minderjährig war.

Virginia Giuffre (Roberts) ließ ihre medienwirksame Bombe platzen, als sie Prinz Andrew erstmals offen der sexuellen Belästigung beschuldigt hat. Aber erst jetzt hat die Explosionswelle den mittleren Sohn von Elisabeth II wirklich erreicht. Und zwar so, dass sie nicht nur ihn umwerfen könnte.

Giuffre beschuldigt den Duke of York der Körperverletzung und der vorsätzlichen Zufügung von seelischem Leid und fordert Schadenersatz. Der vollständige Wortlaut der veröffentlichten Erklärung umfasst 73 Punkte. Giuffre scheut keine Details und beschreibt, wie alles angefangen hat. Sie beschreibt die Hölle, durch die der amerikanische Milliardär Jeffrey Epstein, der in Einzelhaft Selbstmord begangen hat, sie geführt hat. Mit 16 Jahren wurde Virginia als Masseurin eingestellt, aber schon bald wurde sie zu einer seiner vielen Sexsklavinnen. Giuffre hatte zunächst Sex mit Epstein selbst. Dann begann er, sie an einflussreiche Bekannte auszuleihen. Einer dieser Bekannten entpuppte sich als Mitglied der königlichen Familie.

Die Schauplätze der Sexualstraftaten befanden sich laut Giuffre überall auf der Welt. Sie soll von Prinz Andrew in der Epstein-Villa in New York und auf den Jungferninseln sowie in London in der Kinnerton Street 44 missbraucht worden sein, wo der Sohn der Queen, Prinz Andrew, 2001 beim Kuscheln mit der minderjährigen Virginia fotografiert worden sein soll. Auf dem Foto ist sie erst 17 Jahre alt.

„Es hat nicht lange gedauert. Ich meine den Prozess selbst, aber es war ekelhaft. Er war nicht unhöflich, nein. Als er ging, sagte er: „Danke.“ Ich saß auf dem Bett und fühlte mich gedemütigt und schmutzig, ich wollte unter die Dusche gehen und alles abwaschen. Am nächsten Tag sagte mir Ghislaine, dass ich es sehr gut gemacht habe und dass er zufrieden gewesen sei“, so Virginia.

Ghislaine Maxwell ist auf demselben Foto im Hintergrund zu sehen. Sie war ein Star der Gesellschaft, der auf beiden Seiten des Atlantiks glänzte. Sie war die Tochter eines verstorbenen britischen Medienmoguls und Besitzers der Zeitung Daily Mirror und die engste Freundin von Jeffrey Epstein. Andere Opfer des Paares behaupten, sie sei für sie wie eine Bordellbetreiberin gewesen, die sie gezwungen habe, sich den Launen des Millionärs und seiner Freunde zu fügen.

„Sie hat mich über zwanzig oder dreißig Mal vergewaltigt. Sie ist genauso ein Teufel wie Epstein“, sagt Virginia.

Vor einem Jahr wurde Maxwell verhaftet. Sie wurde in den USA wegen sexueller Ausbeutung Minderjähriger angeklagt. Ihr drohen 35 Jahre Gefängnis. Bei der Anhörung hat Madame ihre Schuld bestritten. Das tat auch Prinz Andrew. Nicht gegenüber den Ermittlern, sondern gegenüber der Presse.

„Eines von Epsteins Opfern, Virginia Roberts, hat Anzeige gegen Sie erstattet. Sie beschrieb diese Nacht sehr detailliert, sie sagte, Sie hätten mit ihr getanzt und Sie hätten stark geschwitzt.“, wurde Epstein im BBC-Interview gefragt.

„Ich habe eine ungewöhnliche körperliche Eigenschaft: Ich schwitze nicht. Oder besser gesagt, ich habe zu der Zeit nicht geschwitzt.“, war seine Antwort.

Mit diesem gescheiterten Interview trieb der Prinz sich selbst in eine Falle. Britische Zeitungen und Fernsehsender überschwemmten ihn mit Bildern, die ihn mit nassen Achselhöhlen zeigen. Seine anderen Ausreden wirkten ebenso wenig überzeugend. Andrew wurde wegen des Skandals von seinen königlichen Pflichten suspendiert, aber es jetzt ist klar, dass der Skandal nicht von alleine verschwinden wird. Es gibt viel, worum es zu kämpfen lohnt. So wurde der Gesamtbetrag der Entschädigung für Epsteins Opfer auf 125 Millionen Dollar festgesetzt. Aber die königliche Familie will natürlich nicht zahlen.

Das schlimmste Szenario für den Prinzen ist, dass die Zuhälterin Maxwell einen Deal mit den Ermittlern eingeht. Jedenfalls wollten die New Yorker Staatsanwälte sie schon vor einem Jahr, also vor der aktuellen Wende und der Klage von Prinz Andrew, sehen.

Es ist noch nie vorgekommen, dass das FBI oder andere ausländische Ermittler ein Mitglied der königlichen Familie befragt haben. Allerdings ist die Welt heute so, dass viele unvorstellbare Dinge zum ersten Mal geschehen. Es wurde sogar geschrieben, dass die Anwälte des Prinzen versucht haben, Immunität für ihn als Gegenleistung für seine Aussage auszuhandeln, aber es gelang ihnen angeblich nicht, solche Zusicherungen von den US-Behörden zu erhalten.

Andrew hat keine diplomatische Immunität – nur die Königin und ihr enger Kreis haben sie, und sie werden ihn natürlich nicht ausliefern. Der Prinz kann also nur unter Zwang vor Gericht gestellt werden, wenn er sich in den Vereinigten Staaten befindet. Auch zu Hause in Großbritannien führt er schon lange eher das Leben eines Einsiedlers als das eines völlig freien Menschen.

Ende der Übersetzung