In Russland standen die Märkte nach dem Beginn der russischen Militäroperation im März unter Schock. Der Rubel fiel von 80 Rubel für einen Euro auf zeitweise über 120 Rubel für einen Euro. Entsprechend sind auch die Preise für viele Waren stark gestiegen, denn vor allem bei importierten Waren musste der Handel die Preise so weit anheben, dass er die Waren von dem eingenommenen Geld wieder nachkaufen konnte. Die Inflation in Russland ist daher in den Folgemonaten auf 17 Prozent gestiegen.

Die russische Regierung hat jedoch reagiert. Sie verfügte, dass die Zahlungen aus dem Gasverkauf nach Europa an eine Bank in Russland geleistet und von dieser Bank sofort in Rubel konvertiert werden müssen. Auch bei anderen Waren im internationalen Handel wurde eine Zwangskonvertierung eingeführt. Barabhebungen in ausländischen Währungen wie Euro und Dollar wurden untersagt. Außerdem hob die Zentralbank den Leitzins auf 20 Prozent an.

Das führte zu einer Gegenreaktion und der Rubel gewann schnell wieder an Wert und ist heute viel stärker, als vor Beginn der russischen Intervention in der Ukraine. Aktuell liegt der Kurs bei 60 Rubel für einen Euro, das ist der höchste Wert seit über sechs Jahren. In der Folge konnte die russische Zentralbank den Leitzins wieder auf unter 10 Prozent senken und die Zwangskonvertierung wurde beim Handel mit bestimmten Waren teilweise wieder aufgehoben. Auch Euro und Dollar kann man längst wieder in bar von Konten abheben.

Der Handel in Russland ist, wie überall auf der Welt, schnell, wenn es um Preiserhöhungen geht, aber langsam, wenn es um Preissenkungen geht. So reagierte in Inflation auch etwas langsamer als der Rubelkurs. Aber nun fallen die Preise für viele Waren wieder und die Inflation in Russland beträgt seit Mitte Mai Null Prozent. Für 2022 schätzt die russische Regierung aufgrund der Preisexplosion im März trotzdem, dass die Inflation bei 15 Prozent liegen könnte, aber die Schätzungen lagen vor kurzem noch bei 20 Prozent. Aufgrund der Dynamik der Situation können sich die Schätzungen auch noch weiter nach unten bewegen.

In Russland machen sich die Verantwortlichen daher bereits Sorgen, nicht in eine Deflation zu rutschen, denn private Haushalte in Russland stellen viele Anschaffungen derzeit wegen erwarteter Preissenkungen zurück und warten ab. Präsident Putin sagte in einer Besprechung mit der Regierung dazu:

„Die Inflation liegt jetzt bei Null. Aber Sie und ich sollten Folgendes bedenken: Darin liegen Vorteile, aber auch gewisse, wie man so schön sagt, ‚Hinterhalte‘, so dass wir die Situation sehr sorgfältig analysieren und rechtzeitig Entscheidungen treffen müssen“

Diese Entwicklung zeigt ein weiteres Mal die Sinnlosigkeit der westlichen Sanktionen, unter denen die Länder des Westens, und vor allem die Menschen dort, weit mehr leiden, als die Menschen in Russland. Sogar die Arbeitslosigkeit ist in Russland gesunken und liegt jetzt bei 4,4 Prozent. Allerdings wird gewarnt, dass sie bis Jahresende auf über 6 Prozent ansteigen könnte.

Im Westen dürfte die Inflation weiter stark steigen, denn die Kosten für Energie werden vor dem Hintergrund der Russland-Sanktionen weiter steigen und die Lebensmittelkrise wird ebenfalls zu weiteren Preissteigerungen führen. Beide Entwicklungen dürften sich 2023 noch verschärfen, denn dann will die EU ganz auf russisches Öl verzichten und aufgrund des – ebenfalls durch die Sanktionen verursachten – Düngemittelmangels dürften die nächsten Ernten sehr viel schlechter ausfallen, was die Lebensmittelpreise weiter in die Höhe treiben wird.

Wenn man sich all diese Entwicklungen anschaut, fragt man sich, ob die EU eventuell gar nicht Russland sanktioniert, sondern sich selbst…