Eine Meldung und ihre Geschichte: „Russland will Rubeleinführung in Cherson erzwingen“
Bei meiner ersten Fahrt in das Konfliktgebiet war ich in der Südukraine, wo es keine Kämpfe gegeben hatte. Die Städte dort, ich war unter anderem in Melitopol, waren unbeschädigt, kein Fenster war kaputt. Entsprechend war das Straßenbild auch weitgehend normal und die Leute lebten im Großen und Ganzen ihr Leben einfach weiter. Das einzige, was […]
Bei meiner ersten Fahrt in das Konfliktgebiet war ich in der Südukraine, wo es keine Kämpfe gegeben hatte. Die Städte dort, ich war unter anderem in Melitopol, waren unbeschädigt, kein Fenster war kaputt. Entsprechend war das Straßenbild auch weitgehend normal und die Leute lebten im Großen und Ganzen ihr Leben einfach weiter. Das einzige, was auffiel, waren die Menschenschlangen vor den Banken. Der Grund war, dass das elektronische Bezahlen nicht funktionierte und die Menschen nicht genug Bargeld für ihre Einkäufe hatten, denn ukrainische Griwna waren nun Mangelware.
In Cherson, das meines Wissens ebenfalls kampflos und unbeschädigt an Russland gegangen ist, dürfte die Lage nicht anders sein. Um die Menschen wieder mit Geld zu versorgen, damit sie ihre Einkäufe erledigen können, ist die Einführung des Rubel als zweite Währung daher durchaus sinnvoll und ganz sicher im Interesse der Menschen. Übrigens ist das an vielen Orten der Region so. Auch in Mariupol werden nun Rubel und Griwna akzeptiert.
Die Menschen in den unbeschädigten Städten, wo das Leben normal weitergelaufen ist, profitieren sogar von den Russen. Viele Preise sind nämlich gesunken, weil viele Waren in Russland billiger sind als in der Ukraine und da nun Lieferungen aus Russland kommen, kommen damit auch die niedrigeren russischen Preise. Der Preis für Benzin zum Beispiel hat sich dort über Nacht halbiert, nun kostet Benzin in den von Russland kontrollierten Gebieten nur noch umgerechnet 50 bis 60 Cent und nicht wie vorher fast anderthalb Euro.
Gleiches wird auch bald für die Wohnnebenkosten gelten, die in der Ukraine eines der wichtigsten sozialpolitischen Themen waren. In Russland sind die Nebenkosten nämlich wesentlich niedriger als in der Ukraine. Vor allem für Rentner wird das eine große Erleichterung, denn wohin wir auch gekommen sind, überall haben ukrainische Rentner geklagt, dass die Heizrechnung ihre Rente komplett auffrisst und dass sie auf Hilfe ihrer Familien angewiesen sind, die ihnen Lebensmittel bringen. Die Renten und die Wohnnebenkosten liegen in der Ukraine beide bei 2.000 bis 3.000 Griwna (60 bis 90 Euro).
Cherson unter Beschuss
Dass die Ukraine bewusst zivile Ziele angreift, wird im Westen als russische Propaganda bezeichnet und die Medien tun alles, um davon abzulenken. So auch in diesem Spiegel-Artikel über Cherson, der unter der Überschrift „Nach Eroberung – Russische Militärverwaltung will in Cherson offenbar Rubeleinführung erzwingen“ erschienen ist. Der Spiegel hat darin natürlich keine Hintergrundinformationen geliefert, sondern es einfach nur berichtet, Russland wolle die Rubeleinführung „erzwingen“. Das klingt für den Spiegel-Leser böse, damit hat der Spiegel sein Ziel erreicht. Wozu die Leser mit Informationen vom gewollten anti-russischen Narrativ ablenken?
Jedoch war der letzte Absatz in dem Artikel interessant:
„In der Nacht zu Donnerstag hatten ukrainische Medien mehrere Explosionen aus der Stadt gemeldet. Die Detonationen hätten sich unweit des Fernsehzentrums ereignet, teilten ukrainische Medien mit. Danach sei ein Feuer ausgebrochen. Details waren unklar.“
Das stimmt nicht, der Spiegel wollte über die Details nur nicht berichten.
Der Spiegel-Artikel wurde um 9.54 Uhr deutscher Zeit veröffentlicht. Russische Medien hatten jedoch schon fast zwei Stunden zuvor über Details berichtet. Demnach hat die ukrainische Armee das Zentrum der Stadt Cherson mit drei ballistischen Raketen vom Typ Totschka-U beschossen, von denen zwei von der Luftabwehr abgefangen werden konnten. Dass es zu keinen Toten gekommen ist, lag daran, dass der Beschuss in der Nacht stattgefunden hat, als die Straßen menschenleer waren. Das – und auch, dass es sich um ballistische Raketen gehandelt hat – haben russische Medien sogar schon vor fünf Uhr morgens deutscher Zeit berichtet.
Die Spiegel-Redaktion wusste also aus den Agenturmeldungen längst, was vorgefallen war. Aber dass die ukrainische Armee das Zentrum einer Stadt, wo keine militärischen, sondern nur zivile Ziele sind, mit ballistischen Raketen beschießt, muss der Spiegel-Leser ja nicht wissen.