Im russischen Fernsehen ist ein Bericht aus dem Donbass erschienen, der leider nicht vollständig transkribiert wurde, weshalb ich ihn nicht komplett übersetzen kann, sondern in eigenen Worten wiedergeben muss. Ich empfehle trotzdem, sich den Bericht anzuschauen, denn die gezeigten Bilder sind zusammen mit meiner Zusammenfassung auch ohne Russischkenntnisse verständlich. In dem Bericht hat ein russischer Kriegskorrespondent über neue Beweise dafür berichtet, dass die OSZE im Donbass für Kiew spioniert hat.

2018 hat die OSZE darauf bestanden, entlang der Kontaktlinie Kameras auf extra installierten Metalltürmen oder Leitungsmasten zu installieren, mit denen sie die Kontaktlinie überwachen und Verstöße gegen den vereinbarten Waffenstillstand registrieren kann. Die Informationen dieser Kameras waren danach eine der Grundlagen der täglichen OSZE-Berichte aus dem Donbass.

Bevor die OSZE nach dem Beginn der russischen Intervention den Donbass verlassen hat, hat sie die Kameras abmontiert und mitgenommen. Allerdings ist eine Kamera vergessen worden (oder konnte nicht mitgenommen werden), die in der Nähe des Asowschen Meeres auf einem Leitungsmast angebracht war. Als die russischen Streitkräfte in den ersten Tagen schnell auf Mariupol vorgerückt sind, haben ukrainische Einheiten diese Kamera bei ihrem Rückzug mit Gewehren zerschossen.

Die Kamera war danach zwar unbrauchbar, aber sie konnte von den Russen geborgen werden und die USB-Speichersticks darin waren intakt. Die Kamera war auf Stellungen der DNR gerichtet und hatte einen 200-fachen Zoom. Auf den auf den Speichersticks gefundenen Aufnahmen konnte man detaillierte Bilder der Stellungen der DNR finden.

Die Kamera hat zu Beginn der russischen Operation auch die russischen Kolonnen gefilmt und im Detail gezeigt. Und hier wird es interessant, denn die Bilder von den USB-Sticks decken sich exakt mit denen, die auf einem Notebook gefunden wurden, das die DNR-Truppen schon in den ersten Tagen der Militäroperation in einer aufgegebenen Basis des Rechten Sektors sichergestellt haben.

Das bedeutet, dass die ukrainische Armee Zugang zu den Daten der OSZE gehabt haben muss. Die Bilder der OSZE-Kameras wurden von der ukrainischen Armee als Artilleriebeobachtung genutzt, um das eigene Feuer zu korrigieren. Das ist nicht vereinbar mit dem angeblich neutralen Status der OSZE-Beobachter im Donbass. Hinzu kommt, dass auch in dem Ort Marinka, der derzeit umkämpft ist, ein Handy eines ukrainischen Offiziers sichergestellt wurde, auf dem diese Aufnahmen ebenfalls gespeichert sind.

Schon Ende April wurde gemeldet, dass in Lugansk ein lokaler OSZE-Mitarbeiter wegen Spionage für Kiew verhaftet wurde. Der hat mittlerweile ausgesagt, dass die Daten der OSZE-Kameras direkt nach Kiew übermittelt wurden, wo sie ausgewertet und nach Bedarf verwendet wurden.

Im Donbass war man der OSZE gegenüber schon immer sehr skeptisch. Diese Skepsis scheint nicht unberechtigt gewesen zu sein.

Jedenfalls waren die OSZE-Beobachter im Donbass nicht beliebt, denn ihnen wurde vorgeworfen, blind gegenüber Kriegsverbrechen der ukrainischen Armee zu sein und vieles einfach zu übersehen. Als ich in Donezk war, haben wir in dem Hotel übernachtet, in dem auch die OSZE-Beobachter all die Jahre residiert haben. Was die Menschen in Donezk von den OSZE-Beobachtern halten, hatten sie dort schon vor einiger Zeit in großen Buchstaben vor dem Eingang des Hotels auf den Asphalt geschrieben.