In Russland war jedem klar, dass Selensky nach dem Telefonat zwischen den Präsidenten Trump und Putin mit einer Provokation reagieren würde. Ich bin am Donnerstag in den Kaukasus geflogen, wo ich morgen als internationaler Wahlbeobachter die Präsidentschaftswahlen in Abchasien beobachten werde, und im Flugzeug hörte ich, wie Passagiere darüber spekuliert haben, was Kiew sich dieses Mal ausdenken würde.

Hinzu kommt, dass heute die Münchener Sicherheitskonferenz beginnt, auf der die neue US-Regierung sicher öffentlich und hinter den Kulissen mehr darüber verkünden wird, wie sie sich ein Ende des Ukraine-Konfliktes vorstellt. Auch ein Treffen von Selensky mit US-Vizepräsident Vance und US-Außenminister Rubio ist für heute geplant und nach dem Telefonat zwischen Trump und Selensky dürfte klar sein, dass das für Selensky kein Wohlfühltermin wird.

Es hat Tradition, dass Kiew Russland vor wichtigen internationalen Terminen irgendwelche Schandtaten vorwirft, die es allerdings selbst angerichtet hat. Daher war es klar, dass unmittelbar vor Beginn der Münchener Sicherheitskonferenz wieder irgendwas passieren würde, die Frage war nur, was Kiew sich dieses Mal ausdenkt, um mediale Aufmerksamkeit zu bekommen und Russland zu dämonisieren.

Es überrascht also keineswegs, dass pünktlich am heutigen Morgen die Meldung kam, Russland habe die Schutzhülle des AKW Tschernobyl mit einer Drohne angegriffen.

Dass solche Vorwürfe aus Kiew unmittelbar vor wichtigen internationalen Terminen Tradition haben, will ich anhand einiger Beispiele belegen. Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

April 2022: Raketenangriff auf Kramatorsk

Ende März 2022 hatten sich Russland und die Ukraine weitegehend auf die Konditionen für einen Waffenstillstand geeinigt, was dem US-Westen aber nicht gefiel. Daher machte der Westen Druck auf Kiew, den Krieg fortzusetzen und dazu brauchte Vorwände.

Also erschienen Anfang April 2022 plötzlich Meldungen über das angebliche russische Kriegsverbrechen in Butscha. Warum ich von einem „angeblichen“ russischen Kriegsverbrechen spreche und welche Ungereimtheiten es dabei in meinen Augen gibt, können Sie in dieser Sendung von Anti-Spiegel-TV ab Minute 22 mit allen Belegen und Videos aus der Zeit sehen.

Um die ukrainische und weltweite Öffentlichkeit von der Idee eines Waffenstillstands abzubringen, wurde noch nachgelegt. Am 8. April 2022 wurde ein Raketenangriff auf den Bahnhof der ukrainisch kontrollierten Stadt Kramatorsk gemeldet, wobei mindestens 30 Menschen getötet wurden und natürlich wurden ebenfalls sofort die Russen beschuldigt. Allerdings haben westliche Nachrichtenagenturen die Trümmerteile der Rakete fotografiert, wobei die Seriennummer der Rakete deutlich zu sehen war. Und die Seriennummer wies die Rakete eindeutig als ukrainische Rakete aus, was westliche Medien allerdings verschwiegen haben.

September 2023: Raketenangriff auf Konstantinowka

Am 6. September 2023 schlug eine Rakete auf dem Marktplatz der Stadt Konstantinowka ein, die im von der Ukraine kontrollierten Teil des Gebietes Donezk lag, und tötete 16 Menschen. Für die westlichen Medien war sofort alles klar: Die Russen waren das! Der Spiegel zum Beispiel titelte „Artilleriebeschuss – Mindestens 16 Tote durch russischen Angriff auf Markt in der Ostukraine“.

Der Spiegel wusste jedoch schnell, dass das eine ukrainische Lüge gewesen ist, denn Videos von dem Vorfall zeigten, dass die Rakete aus ukrainisch kontrolliertem Gebiet angeflogen kam. Das Video, das das belegte, war in der ursprünglichen Version des Spiegel-Artikels sogar verlinkt, wurde vom Spiegel aber schon am nächsten Tag wieder aus dem Artikel entfernt, natürlich ohne die Leser über die nachträgliche Veränderung des Artikels zu informieren. Den Hinweis auf die Veränderung des Artikels hat der Spiegel erst am 21. September, also über zwei Wochen danach, als niemand den Artikel mehr angeschaut hat, eingebaut, wie man im Internetarchiv sehen kann. Die Details und Belege zu dieser Manipulation des Spiegel-Artikels finden Sie hier.

Dass der Spiegel die heimliche Veränderung seines Artikels erst am 21. September eingestanden hat, dürfte daran liegen, dass die New York Times am 18. September ausführlich aufgezeigt hat, dass der Markt in Konstantinowka von der Ukraine beschossen wurde. Ich habe den Artikel der New York Times damals zur Information übersetzt.

Der Grund für den Angriff vom 6. September 2023 war ein für die Öffentlichkeit überraschender Besuch von US-Außenminister Blinken in Kiew. Selensky hatte die US-Regierung zuvor verärgert, worüber westliche Medien jedoch nicht berichtet haben, worum es dabei ging, können Sie hier nachlesen.

Selensky musste negative Presse befürchten, weil er die US-Regierung sehr verärgert hatte, also brauchte er wieder eine mediale Ablenkung. Und wie es der Zufall wollte, meldete Kiew während des unangemeldeten Blinken-Besuches den angeblich russischen Raketenangriff auf Konstantinowka.

Juli 2024: Raketenangriff auf Kiew

Beim NATO-Gipfel im Juli 2024 ging es für Selensky um viel, denn er wollte dort endlich eine verbindliche Zusage über einen NATO-Beitritt der Ukraine erreichen. Daher war es wenig überraschend, dass am Tag vor dem NATO-Gipfel eine Rakete in ein Krankenhaus in Kiew einschlug und dass Selensky dafür wieder Russland verantwortlich machte, obwohl das Schadensbild auf einen recht kleinen Sprengkörper hindeutete, denn es war nur ein Flügel des Gebäudes zerstört.

Laut Kiew soll das Krankenhaus mit einem Marschflugkörper vom Typ KH-101 beschossen worden sein, der einen 400-Kilo-Sprengkopf trägt. Bei so einem Einschlag wäre nicht nur ein Flügel des getroffenen Gebäudes eingestürzt, sondern das gesamte Krankenhaus und auch die Nachbargebäude wären zumindest schwer beschädigt, wenn nicht sogar zerstört worden.

Der angebliche Angriff auf Tschernobyl, den Selensky Russland nun unmittelbar vor Beginn der Münchener Sicherheitskonferenz vorwirft, der für Russland keinerlei militärischen Nutzen hätte, aber natürlich einen großen medialen Effekt zu erwarten verspricht, von dem Selensky zu profitieren hofft, reiht sich also in die Reihe der Kiewer Provokationen ein, die immer am Tag vor einem für Selensky international wichtigen Termin erfolgen.