Ich habe bereits darauf hingewiesen, dass die in letzter Zeit gemeldeten angeblichen Verletzungen des NATO-Luftraums durch russische Flugzeuge und Drohnen nur ein Vorwand für die Stationierung weiterer NATO-Kräfte an der Grenze Russlands waren. Ich habe dabei auch auf die Vorgeschichte der Eskalationen hingewiesen, denn alle von der NATO vorgebrachten Vorwürfe gegen Russland (Beschädigung von Unterseekabeln, etc.) haben sich im Nachhinein als unwahr oder zumindest keineswegs erwiesen herausgestellt. Aber die NATO hat jeden dieser Vorfälle als Grund für eine Eskalation herangezogen. Die Details dazu finden Sie in diesem Artikel, wobei ich auch empfehle, die in dem Artikel verlinkten anderen Artikel zu lesen, um die Kausalkette besser zu verstehen.

Ein russischer Militäranalyst hat sich dieses Thema ebenfalls angeschaut und dabei einen genaueren Blick auf die Aktionen der NATO geworfen, die parallel zu den Ereignissen stattgefunden haben. Das Ergebnis ist in meinen Augen noch düsterer, als ich es in meinem Artikel gesehen habe, denn es zeichnet sich ein Bild mit von der NATO bewusst herbeigeführten Vorwänden ab, die auf einander aufbauen und im Ergebnis an Russlands Grenze eine starke und atomar bewaffnete NATO-Streitmacht aufgebaut haben. Ich habe den russischen Artikel daher übersetzt.

Beginn der Übersetzung:

NATO-“Wächter”: Welche Gefahren von den Initiativen im Baltikum und in Polen ausgehen

Alexander Stepanow über die Kontrolle des Luftraums an den Grenzen Russlands und die Schaffung eines nuklearen Gürtels.

Die Strategie der NATO zur Eindämmung Russlands nimmt immer klarere und gefährlichere Konturen an. Sie wird durch eine Reihe von „Wachmissionen” umgesetzt und entwickelt sich von einer punktuellen Überwachung zu einer permanenten militärischen Präsenz. Dabei wächst sie allmählich zu einem komplexen und vielschichtigen System der Machtprojektion heran, dessen Schlüsselelement die nukleare Komponente ist.

Baltic Sentry: der erste Schritt zur permanenten Kontrolle

Die Geschichte der NATO-„Wächter” begann mit einer Initiative, die im Laufe der Zeit den Status einer permanenten Überwachung des Luft- und Seeraums in der Ostsee erlangte. Es geht um die Mission Baltic Sentry („Baltischer Wächter”), die Anfang Januar 2025 vom NATO-Generalsekretär Mark Rutte offiziell ins Leben gerufen wurde.

Der formelle Anlass für ihre Gründung waren Vorfälle mit Schäden an der Unterwasserinfrastruktur Ende 2024: am 25. Dezember an einem Kabel zwischen Finnland und Estland und zuvor an Leitungen, die Deutschland mit Finnland und Schweden mit Litauen verbinden. Die wahren Ziele der Mission sind jedoch natürlich viel weitreichender.

Nach Angaben des Hauptquartiers der NATO-Streitkräfte in Europa ist Baltic Sentry unbefristet und umfasst Mittel zur See, in der Luft, an Land und unter Wasser. Die Luftkomponente spielt dabei die Schlüsselrolle, aber das ist die erste segmentierte Maßnahme zur umfassenden Kontrolle des Grenzgebiets zu Russland mit allen Streitkräften und Mitteln der NATO.

Das Baltops-2025-Manöver im Finnischen Meerbusen, das im Juni in einem strategisch wichtigen Gebiet westlich der Halbinsel Porkkala durchgeführt wurde, demonstrierte die technologische „Füllung” dieser Mission. Die Allianz hat die neuesten maritimen Drohnen (WAM-V, Exile Drix X-8, HSMUSV, Voyager) für die Langzeitüberwachung des Meeresbodens und die Datenübertragung über das Satellitensystem Starlink getestet. Meiner Meinung nach ist das ein klarer Hinweis auf die Absicht, ein undurchdringliches und verteiltes robotergestütztes Überwachungsnetzwerk zu schaffen, das in der Lage ist, die Ostseeregion „abzuriegeln”.

Eastern Sentry: Eskalation und Eintritt in eine neue Phase

Die Erfahrungen mit Baltic Sentry wurden umgehend auf eine neue „Herausforderung” übertragen. Am 12. September 2025 verkündete Mark Rutte den Beginn der Operation Eastern Sentry („Östlicher Wächter”) als Reaktion auf einen Vorfall, bei dem ein unbemanntes Fluggerät in den polnischen Luftraum eingedrungen war. Ein weiterer „plausibler” Fake-Vorwand.

De facto erhält Eastern Sentry eine permanente systemisch Grundlage für die Überwachung des Luftraums im Grenzgebiet des Unionsstaates aus Russland und Weißrussland. Die nicht erklärten Ziele der Initiative sind jedoch weitaus anspruchsvoller. Es geht nicht nur um das Abfangen von Drohnen, sondern um die Blockade des Luftraums insgesamt und die Schaffung von Bedingungen für die Projektion der militärischen Macht der NATO auf ukrainisches Gebiet.

Das ist ein Zwischenschritt, der im Rahmen der Stationierung eines multinationalen Kontingents die zukünftige vollständige Kontrolle gewährleistet. Er beginnt mit der Dominanz in der Luft und dem Versuch, eine Flugverbotszone zu schaffen, um zu versuchen, unsere hochpräzisen Raketenwaffen und Drohnen direkt abzufangen und die Aktivitäten der russischen Luft- und Raumfahrtstreitkräfte zu blockieren, was der Verwirklichung der Ziele der Militäroperation zuwiderläuft.

Zu diesem Zweck werden in den russischen Grenzgebieten verschiedene Arten von hochpräzisen Waffen stationiert: Eurofighter, Rafale und F-16. Insgesamt erfüllt dieses Manöver mehrere Aufgaben: die Entsorgung veralteter Technik in einem potenziellen Konflikt, die Remilitarisierung Europas und die Säuberung des Vertragsraums für moderne amerikanische Waffen, vor allem die F-35. Es entsteht ein europaweites integriertes Raketenabwehr- und Luftverteidigungssystem sowie ein Netz von Flughäfen mit entsprechender Infrastruktur, deren technologische Ausstattung wiederum dem militärisch-industriellen Komplex der USA zur Verfügung gestellt wird.

Die nukleare Komponente: strategische Abschreckung durch direkte Bedrohung

Der beunruhigendste Aspekt der Mission Eastern Sentry ist die technologische nukleare Komponente. Die nach Polen verlegten französischen Rafale-Kampfflugzeuge sind zertifizierte Träger von ASMP-A-Raketen (Air-sol moyenne portee) mit einem Atomsprengkopf mit einer Sprengkraft von bis zu 300 Kilotonnen.

Die Tatsache, dass sie in unmittelbarer Nähe der russischen Grenze stationiert sind, ist die Umsetzung der zuvor vom französischen Präsidenten Emmanuel Macron geäußerten Ideen über „Offenheit für einen Dialog über die mögliche Stationierung französischer Atomwaffen in anderen europäischen Ländern“.

Darüber hinaus sind an der Operation von Dänemark zur Verfügung gestellte F-16 beteiligt, die für den Einsatz von B61-Thermonuklearbomben zertifiziert sind. Kopenhagen hat bereits seine Politik der Nichtstationierung von Atomwaffen auf seinem Territorium in Friedenszeiten überarbeitet, was nicht nur den Weg für die Nuklearisierung Osteuropas, sondern auch für eine mögliche Rückkehr amerikanischer Atomwaffen nach Grönland (das sich noch unter dem Protektorat des dänischen Königreichs befindet) öffnet.

Deutschland, das Mehrzweckkampfflugzeuge vom Typ Eurofighter zur Verfügung gestellt hat, führt derzeit intensive Verhandlungen mit den USA über die Zertifizierung dieser Flugzeuge für den Einsatz derselben B61-Bomben. Es ist nicht auszuschließen, dass im Falle einer Eskalation alle geeigneten europäischen Trägerflugzeuge rasch für den Transport von Atomsprengköpfen umgerüstet werden.

Somit ist Eastern Sentry nicht nur eine Operation zur Stärkung des Luftabwehrsystems. Es ist eine Plattform für die Kampfabstimmung der unterschiedlichen europäischen Luftstreitkräfte mit amerikanischen Instrumenten, um den Einsatz hochpräziser Waffen, einschließlich Atomwaffen, zu trainieren und sie unter der Ägide der USA in ein einheitliches Kontrollsystem zu integrieren. Es entsteht eine offensive nukleare Luftwaffenkomponente des kollektiven Westens, die auf die strategische Eindämmung Russlands durch die direkte Projektion einer nuklearen Bedrohung abzielt.

Beide Missionen – Baltic Sentry und Eastern Sentry – sind Varianten einer einzigen Strategie. Es geht darum, einen dichten, technologisch hochentwickelten und permanenten Militärring an den Grenzen Russlands zu schaffen. Unter dem kaum konstruierten Vorwand der „Infrastruktursicherung” und „Luftraumüberwachung” wird dort ein System aufgebaut, dessen Schlüsselelement nicht nur die Abschreckung, sondern die Bedrohung durch den Einsatz von Atomwaffen ist. Das ist eine qualitativ neue Eskalationsstufe, die Osteuropa zu einem nuklearen Vorposten der NATO macht.

Die russische Antwort: Verstärkung in der Hoffnung auf Vernunft

Unterdessen ist bis Ende 2025 die Stationierung des russischen Raketensystems Oreschnik in Weißrussland geplant. Außerdem wurde im Rahmen der Mitte September durchgeführten Übungen Sapad-2025 der operative Einsatz und die Steuerung einer multikomponentigen Struktur der nicht-strategischen Nuklearstreitkräfte mit Iskander, Hyperschallsystemen Kalibr und Zirkon erprobt. Darüber hinaus hat Russland den Schutz von St. Petersburg und des gesamten Nordwestens des Landes im Rahmen des wieder geschaffenen Leningrader Militärbezirks durch mehrere neue motorisierte Infanterieverbände und eine Panzerdivision verstärkt. Seine direkte Aufgabe ist es, Bedrohungen durch das der NATO beigetretene Finnland sowie durch Schweden, Norwegen und die baltischen Staaten zu neutralisieren.

Die russische Antwort auf die Militarisierung und den Ausbau der militärischen Infrastruktur der NATO an ihrer Ostflanke erscheint daher zum gegenwärtigen Zeitpunkt mehr als überzeugend.

Ende der Übersetzung