Wie ein polnisches Dorf von einer polnischen Rakete getroffen wurde
Dass das Haus in einem polnischen Dorf, das angeblich von einer russischen Drohne beschädigt wurde, in Wahrheit von einer polnischen Luftabwehrrakete getroffen wurde, wurde in Polen inzwischen eingeräumt, allerdings verschweigen deutsche Medien das bisher. Die TASS hat in einem Artikel erklärt, wie es zu dem Vorfall gekommen ist, und ich habe den Artikel übersetzt. Beginn […]
Dass das Haus in einem polnischen Dorf, das angeblich von einer russischen Drohne beschädigt wurde, in Wahrheit von einer polnischen Luftabwehrrakete getroffen wurde, wurde in Polen inzwischen eingeräumt, allerdings verschweigen deutsche Medien das bisher. Die TASS hat in einem Artikel erklärt, wie es zu dem Vorfall gekommen ist, und ich habe den Artikel übersetzt.
Beginn der Übersetzung:
Beschädigung eines Daches in Polen: Wie Warschau sein eigenes Dorf mit einer Rakete getroffen hat
In der Nacht zum 10. September 2025 haben die russischen Streitkräfte einen weiteren Schlag gegen militärische Einrichtungen der Ukraine geführt. Am Morgen des 10. September meldete Polen, dass etwa 20 Drohnen in den Luftraum des Landes eingedrungen und mehrere davon abgefangen worden seien. Bei dem Vorfall wurde in Polen ein Haus beschädigt, höchstwahrscheinlich durch eine Flugabwehrrakete. Die TASS hat Meinungen dazu gesammelt, was das polnische Dach warum getroffen hat.
Laut dem polnischen Ministerpräsident Donald Tusk wurden am 10. September über Polen 19 Drohnen entdeckt. Am 12. September erklärte Marcin Przydacz, Leiter des Büros für internationale Politik des polnischen Präsidialamtes, dass mindestens 21 Drohnen in den polnischen Luftraum eingedrungen seien. Ihm zufolge drangen einige der Drohnen nur für wenige Sekunden in den polnischen Luftraum ein und verließen ihn dann wieder.
Noch bevor offizielle Informationen darüber vorlagen, wem die nach Polen eingeflogenen Drohnen gehörten, beeilte sich Tusk, sie als russischen Ursprungs zu deklarieren – angeblich seien „russische Drohnen zum ersten Mal über dem Gebiet von NATO-Ländern abgeschossen worden”. Das russische Verteidigungsministerium hat sich zu Konsultationen mit der polnischen Seite „zu diesem Thema“ bereit erklärt. Die Drohnen, deren Trümmer auf polnischem Gebiet gefunden wurden, trugen keine Sprengstoffe. Auch Weißrussland hat in seinem Luftraum Fluggeräte gesichtet und die polnische Seite gewarnt, dass die Drohnen auf Polen zusteuern.
Während des Vorfalls versuchten die polnischen Streitkräfte, die Flugobjekte abzufangen. Warschau nennt unterschiedliche Zahlen für abgeschossene Drohnen. Tusk berichtete von drei abgefangenen Fluggeräten, später hielt der stellvertretende polnische Verteidigungsminister Cezary Tomczyk es für möglich, dass die Streitkräfte bis zu sechs Drohnen abgeschossen hätten.
Bereits am Morgen des 10. September gab es die Meldung, dass es im polnischen Dorf Wyryki, das nahe der Grenze zu Ukraine und Weißrussland liegt, „zu einem Zwischenfall gekommen ist, bei dem ein Wohnhaus beschädigt wurde“, und zwar das Dach und die Decke eines Gebäudes. Es gab keine Opfer. Mariusz Zanko, der Leiter des Bezirks Wlodawa, teilte an dem Tag mit, dass er nicht wisse, ob eine Drohne oder nur deren Trümmer auf das Gebäude gefallen seien.
3 von 19
Experten haben auf den geringen Prozentsatz der im polnischen Luftraum abgefangenen Drohnen sowie auf die unverhältnismäßig hohen Kosten für die Abwehrmaßnahmen hingewiesen. Die Bild-Zeitung vermutete, dass drei der 19 Drohnen von F-35-Kampfflugzeugen mit AIM-9 Sidewinder-Raketen abgeschossen wurden. Jede dieser Raketen kostet etwa 400.000 Euro. Die spanische Zeitung El Mundo schreibt unter Berufung auf Tusk, dass die Drohnen mit noch teureren AMRAAM AIM-120-Raketen abgeschossen wurden, und bezeichnet die allgemeine Reaktion der NATO auf den Vorfall als „enttäuschend”.
Das Portal Army Recognition vermutet, dass Polen für die Luftverteidigung sowohl sein eigenes Arsenal als auch die Kräfte seiner NATO-Verbündeten eingesetzt habe. Nach Ansicht der Experten des Portals sind polnische F-16-Kampfflugzeuge, amerikanische F-35-Flugzeuge der fünften Generation, Fernerkundungsflugzeuge – „fliegende Radare” – sowie Tankflugzeuge, die die Flüge der Kampfflugzeuge unterstützen, aufgestiegen und haben bei der Überwachung des Luftraums geholfen. Die in Polen stationierten deutschen Patriot-Flugabwehrraketenbatterien wurden in Alarmbereitschaft versetzt. Und obwohl mehrere Drohnen abgeschossen wurden, weist das Portal darauf hin, dass es schwierig ist, den Luftraum Nacht für Nacht zu verteidigen, wenn der Preis einer abgeschossenen Drohne nur den Bruchteil der Kosten einer modernen Flugabwehrrakete ausmacht.
Am 16. September berichtete die Zeitung Rzeczpospolita unter Berufung auf Quellen, dass das Objekt, das das Dach des Hauses in Wyryki beschädigt hat, eine polnische Rakete war. „Es handelte sich um eine Luft-Luft-Rakete vom Typ AMRAAM AIM-120 von unserer F-16, bei der während des Fluges ein Fehler im Leitsystem auftrat, weshalb sie nicht funktionierte“, zitierte die Zeitung eine Quelle. „Glücklicherweise ist sie nicht explodiert, da die Sicherungen des Zünders funktionierten.“ Dass es keine Drohne war, die auf das polnische Haus gefallen ist, bestätigte auch der Minister und Mitglied des Ministerrats für Geheimdienstangelegenheiten Polens, Tomasz Siemoniak. „Die Hinweise darauf, dass unsere Piloten oder Verbündeten Waffen eingesetzt haben und dieser [Vorfall] eine Folge des Waffeneinsatzes war, erscheinen sehr glaubwürdig“, sagte er.
Eine Million pro Schuss
Die lenkbare Luft-Luft-Rakete AMRAAM AIM-120 wurde vom amerikanischen Konzern Raytheon in Zusammenarbeit mit der Firma Hughes (die später Teil des Konzerns wurde) entwickelt. Die Rakete hat eine komplexe Konstruktion: An Bord befinden sich ein Autopilot mit Funksteuerung zur Kurskorrektur und ein eigenes Miniaturradar (aktiver Radar-Zielsuchkopf). Bei Annäherung an das Ziel schaltet sich der aktive Radar-Zielsuchkopf ein, erfasst das Objekt und steuert selbstständig darauf zu, um es dann mit einer Sprengladung von etwa 20 Kilogramm Splittern zu treffen. Nach Angaben aus offenen zugänglichen Quellen beträgt die Reichweite der AMRAAM etwa 120 Kilometer. Der Hersteller behauptet, dass das moderne Steuerungssystem „es der Rakete ermöglicht, Ziele unter schwierigsten Bedingungen schnell zu finden”, und gibt an, dass diese Rakete im Laufe von 30 Jahren Einsatzzeit an Kampfhandlungen teilgenommen und fast 5.000 Teststarts durchgeführt hat.
Für diese Funktionalität muss man im wahrsten Sinne des Wortes bezahlen: Die Militärredaktion des amerikanischen Portals The Drive hat berechnet, dass die Rakete die US-Streitkräfte im Finanzjahr 2021 etwa eine Million Dollar pro Stück gekostet hat.
Die gleichen teuren Raketen werden in den amerikanischen NASAMS-Luftabwehrsystemen eingesetzt, die die USA an die Ukraine liefern. Beim Start von einer Bodenabschussrampe verringert sich die Reichweite der für den Abschuss aus Flugzeugen bestimmten Rakete auf ein Viertel, also auf 30 Kilometer.
Auch die Ukraine versucht, F-16-Kampfflugzeuge mit Luft-Luft-Raketen für die Luftabwehr einzusetzen.
Das falsche Ziel getroffen
Fälle von fehlerhaften Abschüssen von Raketen, die zum Abfangen von Luftzielen eingesetzt wurden, kommen in der an Polen angrenzenden Ukraine ständig vor. Ein solcher Vorfall, für den ukrainische Flugabwehrsoldaten verantwortlich gemacht werden, ereignete sich am 7. September 2025. Damals brach im Regierungsgebäude der Ukraine in Kiew ein Feuer aus.
Einer der tragischsten Fälle ereignete sich im September 2023 in der von der Ukraine kontrollierten Stadt Konstantinowka. Damals traf eine Flugabwehrrakete des Komplexes „Buk”, mit dem die ukrainischen Streitkräfte ausgerüstet sind, einen vielbesuchten Markt, wodurch 16 Menschen ums Leben kamen und 32 verletzt wurden. Kiew beschuldigte Russland des Raketenangriffs und verbot Journalisten zunächst, den Ort der Tragödie zu besichtigen.
Auch Polen hat unter den Maßnahmen der ukrainischen Luftabwehr gelitten. Am 15. November 2022 kamen im Dorf Przewodów im Osten Polens zwei Menschen durch den Absturz einer Flugabwehrrakete des Komplexes S-300 ums Leben. Kiew bestritt seine Beteiligung.
Unterdessen gehen Vorfälle mit Drohnen am Himmel über Polen weiter. Am 15. September 2025 flog eine unbekannte Drohne über Regierungsgebäude und den Belvedere-Palast in der polnischen Hauptstadt. Der polnische Ministerpräsident Donald Tusk erklärte, dass die Drohne neutralisiert worden sei und dass im Zusammenhang mit dem Vorfall zwei weißrussische Staatsbürger festgenommen worden seien. Später stellte sich jedoch heraus, dass einer der Festgenommenen ein 21-jähriger ukrainischer Staatsbürger war. Er wurde zu einer Geldstrafe verurteilt und mit einem Einreiseverbot aus Polen ausgewiesen. Eine 17-jährige weißrussische Staatsbürgerin wurde nach dem Verhör freigelassen. Es entstanden keine Schäden an polnischen Gebäuden.
Ende der Übersetzung